Diese Woche haben Bund und Länder mal wieder den Lieblingsfetisch der Open Source Community bedient. Open Source im Staatseinsatz – von vielen gleich auf „Linux löst Windows ab“ und den Vergleich mit LiMux heruntergebrochen. Werfen wir doch mal einen Blick auf die Fakten anstelle immer die gleichen Phrasen zu bedienen.

Das Thema schwappte einer Welle gleich durch die nennenswerten IT-Medien. Golem und Heise waren ebenso dabei wie die reichweitenstarke Community-Plattformen linuxnews und GNULinux.ch. Dazu kommen noch ein paar Blogposts, bei denen ich vor allem den Beitrag auf kaffeeringe hervorheben möchte, weil er eine etwas andere inhaltliche Stoßrichtung hat.

Die Fokussierung der Open Source Community auf den Staatseinsatz von Open Source ist wirklich putzig. Man befasst sich doch auch nicht mit den Softwarelösungen von Volkswagen, der Lufthansa oder ThyssenKrupp. Glaubt man hier mehr mitreden zu dürfen, weil es letztlich Steuergeld ist? Wie dem auch sei, werfen wir zur Abwechslung doch mal einen Blick auf die Fakten.

Einordnung

Erst mal kann man getrost annehmen, dass kaum jemand das Papier wirklich gelesen hat. Ansonsten wäre ihnen der Titel „Gemeinsame Absichtserklärung“ aufgefallen. Das ist in etwa so verbindlich, wie das 1,5 Grad-Ziel der letzten Bundesregierung für die Klimapolitik verbindlich war. Absichten kann man viele haben. Zudem ist das Papier gespickt mit Buzzwords, enthält erstaunlich wenig Fakten und noch weniger Festlegungen. Nach der Lektüre bin ich mir nicht mal sicher, ob dieser souveräne Arbeitsplatz wirklich ausschließlich Open Source sein soll.

Stand jetzt bleibt es dabei, dass nur Schleswig-Holstein eine wirkliche Open Source-Strategie verfolgt und hier auch klare Meilensteine gesetzt hat. Nehmen wir also der Einfachheit mal an, dass diese Strategie indirekt das Vorbild ist und die Absichtserklärung in eine ähnliche Richtung deutet (Anmerkung: Muss man aber nicht so lesen! Werden andere nicht so lesen! Kann eine andere Regierung anders lesen!)

Schauen wir uns mal ein paar Fakten zu den Vorhaben an.

Digitale Souveränität – Nationalismus des 21. Jahrhunderts

Digitale Souveränität ist eines dieser schrecklichen Buzzwords. Es hört sich modern an, ist aber nichts anderes als dumpfer Nationalismus. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hätte man wohl äquivalent von Autarkie bei der Rohstoff- und Lebensmittelversorgung gesprochen. Gemeint es ist das Gleiche: Unabhängigkeit von ausländischen Mächten. Anmerkung vorweg: Hat früher nicht geklappt, wird heute nicht klappen.

Dahinter stecken letztlich eine gehörige Portion dumpfe Verschwörungserzählung. In einem Großkonflikt mit den USA, klemmt Microsoft unser Windows ab, Google und Amazon drehen die Cloud zu und Deutschland wird in die Steinzeit zurück katapultiert. Das glaubt kein Politiker oder leitender Ministerialbeamter wirklich, aber irgendwie hat es die Open Source Community geschafft, mit Lobbyismus die Idee salonfähig zu machen und Politiker sagen und schreiben halt, was auf Zustimmung stößt. Microsoft wählt schließlich in Deutschland nicht und außerhalb von München profitiert auch kaum jemand von dem Konzern.

Dabei verkennt das Vorhaben komplett die Realität und wie Sanktionen der USA funktionieren. Es gibt keine geheime Backdoor mit der man Windows lahmlegt. Stattdessen verbieten die USA den Export und Geschäft mit Staaten und Firmen. Das konnte man gut am Beispiel Iran, China/Huawei oder auch Nord Stream 2 in den letzten Jahren beobachten. Weil die Sanktionen oft schwammig formuliert sind und viele Firmen Angst vor einer Strafe haben, kooperieren sie im vorauseilenden Gehorsam nicht mehr mit den sanktionierten Staaten oder Firmen.

Die Open Source Community glaubt ja gerne, ihre Software wäre irgendwie gut, international und unabhängig, aber das ist Quark. Alle Entwickler sitzen in irgendwelchen Staaten, alle Firmen haben ihren Firmensitz in irgendwelchen Staaten und alle Marken sind irgendwo gemeldet. Ich hatte das im Kontext von Fedora schon mal thematisiert. Bei einem Großkonflikt schützt einen auch der Gebrauch von Linux nicht. Und da haben wir noch gar nicht über die proprietären Treiber bzw. Firmware-Blobs gesprochen, die man faktisch für viele Funktionen benötigt. Der deutsche souveräne Linux-Desktop wäre ebenso funktionsunfähig bzw. von der Weiterentwicklung abgehängt wie jedes proprietäre Äquivalent.

Digitale Souveränität ist eine Fata Morgana und wenn man sie als das bezeichnen würde, was sie wirklich ist – nämlich purer Nationalismus – wäre sie auch deutlich weniger populär.

Fortschritt in der Digitalisierung

Deutschland hat ein Problem mit der Digitalisierung seiner Strukturen. Das wissen wir nun spätestens seit der Pandemie. Kann eine Open Source-Strategie hier helfen? Nein!

Zuerst muss man hier natürlich differenzieren. Bei neu ausgeschriebenen Projekten oder neuen Software-Lösungen kann man eine Open Source-Strategie fahren. Wie das gut klappen kann, sieht man bei der Corona Warn App und wie es scheitert bei Luca. Das gilt auch für neue Sachen wie die Bundescloud. Es spricht nichts dagegen neue Lösungen gleich als Open Source umzusetzen und wird ja auch bereits vielfach praktiziert.

Anders sieht das bei der Umstellung von Bestandslösungen aus. Hier ist man beim Lieblingsfetisch der Open Source Community: Linux für die Verwaltung. Hier gibt es bestehende Lösungen, die migriert werden sollen. Denn angeblich ist der Linux-Desktop ja besser als ein Microsoft-Arbeitsplatz, bietet gleichwertige Funktionen und alle sollen von den Segnungen freier Software profitieren.

Der Vorteil für die Digitalisierung des Staates, also letztlich den Bürger, ist nicht vorhanden. Es gibt keine Verbesserung, sondern bestenfalls merkt er nichts von der Migration. Faktisch wird es vermutlich sogar Probleme geben, weil Linux, LibreOffice & Co eben nicht überall einfach Funktionsparität bieten. Migrationen ohne Probleme existieren nur in der Fantasie ahnungsloser Amateure.

Die Projektgruppen, IT-Mitarbeiter und Verwaltungsmitarbeiter, die mit dem Vorhaben beschäftigt sind, benötigen aber Arbeitszeit. Denn eine Migration passiert nicht so eben nebenbei. Diese Arbeitszeit können sie nicht in andere Vorhaben stecken, z. B. in das wirkliche Voranbringen der Digitalisierung.

Eine Umstellung auf Open Source ist also nicht geeignet, um die Digitalisierung voranzubringen. Kurz- bis mittelfristig ist sie vermutlich sogar kontraproduktiv.

Kosten – Ein Dauerbrenner

Irgendjemand kommt bei dem Thema immer mit den Kosten. Schließlich geht es um Steuergeld. Microsoft und Anbieter proprietärer Softwarelösungen allgemein sind hier im Nachteil, weil Lizenzen einen klar bezifferbaren Betrag kosten und diese Summen meistens in irgendwelchen Aufstellungen auftauchen.

Open Source ist aber nicht umsonst. Zu dem Thema hatte ich mich hier bereits geäußert. Entweder baut die öffentliche Hand massiv ihre IT-Abteilungen aus, was Geld kostet, oder beauftragt sehr viele Dienstleister, was ebenfalls Geld kostet.

Aber mit Open Source fließt das Ergebnis wenigstens an die Gemeinschaft zurück, so oder so ähnlich klingt es bei Kampagnen wie Public Money Public Code. Dahinter steht diese irrsinnige Geringschätzung gegenüber der öffentlichen Verwaltung, die in Deutschland und vielen anderen Ländern so verbreitet ist. Frei nach dem Motto: Was verwenden die schon – ein bisschen Desktop, ein bisschen Office – die Verbesserungen können doch alle brauchen. Die meisten Anwendungen sind aber Fachanwendungen, die der großen Mehrheit gar nichts bringen und vermutlich noch nicht mal anderen Verwaltungen. Der Mehrwert wäre also überschaubar.

Kurzum: Mir ist keine seriöse Studie bekannt, die belegt, dass ein Umstieg auf Open Source effektiv Geld spart. Bestenfalls ist man kostenneutral unterwegs, schlimmstenfalls muss man sogar mehr Mittel investieren.

Datenschutz

Microsoft bzw. Windows haben in den letzten Jahren nicht gerade einen Preis für Datenschutzes verdient – das ist unbestritten. Ob man Windows überhaupt Datenschutz-konform einsetzen kann, ist ist nicht so ganz klar und hängt massiv von der Konfiguration und verwendeten Version ab.

Unstrittig dürfte sein, dass ein „souveräner Arbeitsplatz“, also ein Linux-System mit viel freier Software, hier besser aufgestellt sein dürfte.

Der Arbeitsplatz alleine ist es nur eben nicht. Ein souveräner Arbeitsplatz bei der deutschen Polizei, die dann Daten in die Amazon-Cloud speichert, bringt für den Datenschutz gar nichts.

Datenschutz ist also eine ganzheitliche Angelegenheit und hängt mitnichten nur vom Desktop-Betriebssystem ab, wie manche gerne glauben machen wollen. Das Desktop-Betriebssystem ist hier nur ein Baustein und vermutlich nicht mal der wichtigste.

Zusammengefasst

Der Staat wechselt auf Open Source? Kann er gerne tun. Ich bin gar nicht dagegen, denn es gibt sinnlosere Projekte. Aber wird dadurch irgendetwas besser oder irgendwelche Probleme beseitigt. Macht Deutschland dann einen Quantensprung in der Digitalisierung, halbiert seine Kosten und der Staat funktioniert endlich perfekt? Nein, eigentlich nicht. Und hier sollte man keine falschen Erwartungen wider besseren Wissens wecken.

Im Grunde genommen wird damit nur eine Forderung der verschränkten Open Source und Datenschutz-Community bedient, die nachhaltig dafür wirbt. Ihre Ziele sind bei Licht betrachtet vielleicht gar nicht so schön wie die modernen Buzzwords suggeriern und viele Ziel lassen sich mit der Migration auch gar nicht erreichen.

Letztlich ist das ganze Thema deshalb so ein Fetisch der FOSS-Community, weil sie hofft, damit mittelfristig ihr Freibier-Problem lösen zu können. Freie Software ist eben für die meisten Anwender doch nur so frei wie Freibier. Alles was nicht Relevant für die Wirtschaft ist – und das ist alles außer der Server-Part – siecht deshalb unterfinanziert vor sich hin. Hier hofft man nun mittelbar auf die helfende Hand des Staates, indem er groß in die Entwicklung einsteigt oder diese über Dienstleister voranbringt.

Nur ist dieser dafür nicht da.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

18 Ergänzungen

  1. Ich halte Open Source und offene Standards für wichtig um Lock-in-Effekten zu begegnen. Und man sollte wichtige Infrastrukturen nicht einzelnen Konzernen überlassen. Um das zu erreichen ist Open Source bzw. Freie Software für mich sicher ein Teil der Lösung. Solange Open Source in vielen Bereichen nur ein Nischendasein fristet, läuft die Entwicklug in Richtung von Oligo- oder sogar Monopolen, die den Markt beherrschen. Einen stärkern Einsatz von Freier Software und damit offenen Standards durch staatliche Stellen kann ich daher nur begüßen.

    • Das wäre aber letztlich eine versteckte Subventionierung bzw. Wirtschaftsförderung für Open Source. Kann man machen, aber dann sollte man es auch so nennen.

      • Wieso Subventionierung? Ich schrieb „stärkern Einsatz von Freier Software … kann ich daher nur begüßen“. Da steht nicht, dass staatliche Stellen gezwungen werden sollen, Freie Software zu kaufen oder mit zu entwickeln. Aber man sollte vermehrt Datenstandards verlangen, die einen Wechsel der Verarbeitungssoftware ohne allzu großen Aufwand ermöglichen. Für kritische Bereiche wäre u.U. auch eine Offenlegungspflicht des Codes möglich, was nicht gleichbedeutend mit dem Ausschluss kommerzieller Software sein muss. Auch den Code proprietärer Software kann man offenlegen.
        Auf jeden Fall ist es wichtig kritische Wirtschaftsbereiche und staatliche Institutionen vor einer zu großen Abhängigkeit einzelner Akteure zu bewahren. Das ist wie in der Natur, ein gesundes Ökosystem ist artenreich und vielfältig.

        • Nicht nur für kritische Bereiche. Wie oben schon angemerkt wurde, handelt es sich ja öfter um Fachanwendungen, welche fast nur von den jeweiligen Behörden sinnvoll genutzt werden (können). Eine Offenlegungspflicht könnte sich daher nicht so gravierend auswirken, wie man zuerst meint. Was sollte die Konkurrenz tun – Quelltext stehlen, welcher unter einer Lizenz steht und selbst auch offengelegt werden müsste?
          Ob man es jetzt Subvention nennt oder die Lizenz von einem privaten Unternehmen kauft, die Behörden können da jedenfalls Sicherheiten garantieren.

  2. Ich glaube die größere Motivation hinter „Digitaler Souveränität“ ist nicht Autarkie (treffendes Beispiel mit Großkonflikt mit USA!), sondern:

    1. Wahlfreiheit der Anbieter und durch Wettbewerb potentiell günstigere Preise. Eine berechtigte Frage ist natürlich, ob eine Verwaltung Anbieter öfter wechseln wollte, oder halt einfach ewig bei einem anderen (nicht-Microsoft) Anbieter bleibt. Wahrscheinlich würde sich der Markt horizontal aufteilen, dass für jede Fachanwendung ein Anbieter Spezialist ist. Aber bei Freiheiten geht es ja nicht darum, ob man sie tatsächlich nutzt, sondern dass man könnte, solange man die Freiheiten bewahrt.

    2. Wettbewerb der Werte. Auf Europäischer Ebene (Gaia X, etc.) sehe ich schon eher ideologische Gründe/Europa-Nationalismus. Zwar ist ein „Systemkonflikt“ mit den USA eher unwahrscheinlich, aber die Wertvorstellungen unterscheiden sich durchaus. Und auf der anderen Seite stehen wir sowohl bezüglich Wertvorstellungen als auch System im Gegensatz zu China. Fatal wäre da eine Technologieabhängigkeit, wenn das nächste Microsoft aus China kommt und absolute alternativlos ist.

    Ein nicht genannter Aspekt ist die Ähnlichkeit von Open Source und Liberalismus. Niemand kann in einem unregulierten freien Markt einem heimischen Unternehmen verbieten, Motoren z.B. nach China zu exportieren, doch dann wundert man sich, dass man im nächsten globalen Konflikt den eigenen Waffen gegegnübersteht. Auch bei Förderung von Open Source (statt offener Standards) ist eine Einschränkung von Verwendungszweck (oder gar Export) ideologisch unerwünscht. Die Folgen können aber zu einem strategischen Nachteil werden.

    • Genau. Es ist der Versuch, wieder einen Markt herzustellen. Eine Auswahl zu schaffen, die auch dafür sorgt, dass die einzelnen Anbieter nicht mehr machen können, was sie wollen.

      Verwaltungen können sich den Telefonanbieter aussuchen, den Anbieter für die Kopierer und sie können das Papier bei anderen Anbietern beziehen. Sie können sogar in andere Gebäude umziehen, wenn die alten nicht mehr passen. Aber wenn es um die Software geht, sind sie schon bei grundlegenden Programmen, wie Betriebssystem, Office Suite und Mail-System ziemlich festgenagelt auf Microsoft.

      Das war so lange noch okay, wie die Software auf eigener Infrastruktur lief. Microsoft hat aber sein Geschäftsmodell geändert und will weniger Lizenzen verkaufen und mehr Abonnements. Office365 soll die Kunden noch mehr ins Microsoft-Ökosystem ziehen und dort einschließen. Das läuft dann nicht mehr auf eigener Infrastruktur und die Verhaltensdaten der Kunden werden gespeichert und verwertet. Das so zu tun, ist das gute Recht von Microsoft. Es ist aber auch das gute Recht aller Organisationen, sich Alternativen zu suchen.

  3. Ich Stimme dir in großen Teilen wirklich zu. Es hört sich dann immer so an als wenn da was von jetzt auf gleich umgestellt wird.

    Aber grundsätzlich bin ich dafür das in Verwaltungen _möglichst_ viel offene Software eingesetzt werden sollte. Es wird Bereiche geben in denen es keinen Sinn macht und da sollte man dann auch keinen Zwang draus machen.

    Viel wichtiger finde ich das ein gewisse Kompetenz bei Verwaltungen vorhanden ist. Ähnlich wie z.B. beim Thema Straßenbau. Die Verwaltungen haben Ingenieure und Verkehrsplaner die sich mit dem Thema auskennen und darum auch die Spezifikation für eine neue Straße oder Autobahn definieren können. Die eigentliche Ausführung wird ausgeschrieben. Die Überwachung und Bauabnahme findet aber durch die Behörde selbst statt, da die nötigen Kompetenzen vorhanden sind.

    Ähnlich sollte auch das Open-Source THeme gesehen werden. Und bitte die Brücken reparieren bevor sie zusammenstürzen …

  4. Hallo Curius,
    wieder Aggro Cornflakes zum Frühstück gehabt?
    Ich weiss nicht warum Du hier dieses Open Source und FOSS prügeln betreibst, aber du solltest ab und zu mal in Betracht ziehen, falsch zu liegen:

    “ Lieblingsfetisch der Open Source Community bedient “ je deftiger die Bezeichnungen desto qualitätiger die Argumentation? NEIN!

    “ Glaubt man hier mehr mitreden zu dürfen, weil es letztlich Steuergeld ist?“ Genau das! Wir leben in einer Demokratie, und das Ideal einer solchen ist es dass alle mitmachen, und Verantwortung übernehmen. Bei z.B. Volkswagen ist das Management für die Erfolge oder Misserfolge der SW-Lösungen erantortlich. Bei SW-Lösungen des Staates halten wir alle den Kopf hin, z.B. wenn eine Behörde unsere Daten „verliert“, die wir ihr geben MÜSSEN! (Einwohnermeldeamt, KFZ-Zulassungsstelle etc)

    Was hat die LUCA App mit OpenSource zu tun? Ich sehe speziell da kein Scheitern des OpenSource Gedanken!

    „Ob man Windows überhaupt Datenschutz-konform einsetzen kann, ist ist nicht so ganz klar und hängt massiv von der Konfiguration und verwendeten Version ab.“ Ich weiß nicht welche Datenschutzverordnung du im Kopf hast, aber alle Verordnungen die bei mir in verschiedenen Organisationen „vorbei geflogen“ sind schließen faktisch die aktuellen Windows Versionen aus.
    Eine sichere Vermeidung des Datenabflusses wäre nur durch komplettes Abklemmen vom Netz möglich, und dann funktioniert das Windows nicht mehr.
    Und da liegt das eigentliche Problem: Für die geltenden Regeln ist Windows nicht geeignet, wird aber trotzdem verwendet. Deine Artikel hören sich immer so an als ob du DIE Lösung hättest, aber du lieferst nicht. Mir fällt als Alternative zu Windows in Behörden nur Linux ein. Wenn du LiMux als Fakt für die Unverträglichkeit von Linux in Behörden hältst, erhebst du die Lobbyarbeit (ich nenne es Korruption) von Microsoft zur Naturkonstante.

    In (mindestens) einer Ansicht hast Du allerdings recht: Das aktuell diskutierte Papier ist nur eine Absichtserklärung. Der Staat wird mit der Digitalisierung, die von den Parteien als Thema durch den Wahlkampf gezerrt wurde, weiterhin versagen. Es werden irgendwelche Smartphone Apps kommen, die den Führerschein, den Ausweis, ein Arbeitslosengeld und was auch immer digitalisieren. Die Masse an hippen „digital natives“ wird das feiern und verwenden, die Industrie (oder Datenkraken) wird sich die Hände reiben, und ich werde meinen älteren Anverwandten alle zwei Monate von neuem erklären müssen wie das alles funktionieren soll. Weil die die das einführen sich einen S*** darum kehren wie das von älteren oder behinderten Menschen bedient werden soll.

    • Deine Ergänzung ist so ein typischer FOSS-Kommentar. Aber danke, dass du damit zielsicher meine Grundannahme bestätigst.

      Natürlich ist es der Lieblingsfetisch. Die einleitende Linksammlung könnte ich zu jedem Schluckauf irgendeiner Verwaltung im Hinblick auf FOSS machen. Nirgendwo sonst springt die Communty so schnell drauf, wie wenn irgendwo „Staat“ und „Open Source“ in einer Pressemitteilung steht.

      Du setzt Sachen für absolut, die so bei weitem nicht von allen Experten geteilt werden. Zum Beispiel die vermeintliche Tatsache, dass Windows nicht Datenschutz-konform einsetzbar ist. Kleiner Tipp: Blase verlassen und mit anderen Argumenten beschäftigen hilft. Das ist ein hoch komplexes und zudem noch juristisches Thema und einfache Antworten gibt es nicht.

      Das gilt übrigens auch für LiMux. Aber natürlich nur, wenn man nicht nur die Meldungen der FOSS-Blase verfolgt hat. LiMux ist sicher nicht an Geldkoffern von Microsoft gescheitert.

      Zum Schluss:
      „Deine Artikel hören sich immer so an als ob du DIE Lösung hättest, aber du lieferst nicht.“
      Doch. Steht oben. Neue Projekte, gerne Open Source. Bei Transformation von Bestandssystemen genau Kosten/Nutzen abwägen und einkalkulieren, dass eine Transformation alle weiteren Projekte blockiert/verzögert. Wir bringen die Digitalisierung nicht voran, indem wie bestehende (also funktionierende!) Lösungen auf Open Source migrieren.

  5. „Lieblingsfetisch“ -> ich habe es nicht ausgeschlossen das es ein solcher sein könnte. Ich kritisiere die Verwendung des derben Ausdruckes um die Position der „Gegenseite“ ins lächerliche zu ziehen.

    Es wird nicht von allen „Experten“ geteilt, dass Windows nicht Datenschutz-konform ist?
    Hmm… -> es wird auch nicht von allen Experten geteilt, dass Corona Impfstoffe nicht Chips vom Bill Gates enthalten.
    Mal ehrlich: ich brauche keinen Experten um im Wireshark zu sehen, was Windows so alles über das Netzwerk macht. Ich habe einige Stunden damit verbracht mit verschiedenen Lösungen diese Datenströme zu unterbinden. Habe aber nur 2 Möglichkeiten gefunden: Die Installation „telefoniert“
    weiter „nach hause“ oder das Windows funktioniert nicht mehr richtig.
    Btw.: Erstaunlich was Du alles über meine Blase weißt!
    Und ja, es ist juristisch natürlich hoch-komplex wenn Europäische und US-Amerikanische Unterhändler einfach beschließen dass Windows „sicher“ ist. War das nicht der Kern von „save harbor“ oder „EU-US Privacy Shield“?

    Ich komme nicht umhin mich immer wieder mit Microsoft Produkten zu befassen. Das Problem dabei sind die vielen unauffälligen Fallen, die dem Nutzer gestellt werden, wenn er versucht sich nur wenig von MS weg zu bewegen:
    – MS-Zeug ist zu 99% auf Hardware vorinstalliert.
    – Möchte ich nur ein anderes OS daneben installieren, bekomme ich Probleme:
    * Das UEFI will nicht mitmachen, weil die Signierungen bei MS liegen.
    * Der Bootmanager wird von der Win Installation angeschossen.
    * Win schreibt wie selbstverständlich die BIOS Zeit neu, wenn es Lust darauf hat.
    * etc.
    All das hat in den Köpfen der Durchschnittsuser zu der Haltung geführt das Win so etwas wie ein Standard ist. Und das ist fatal. Das hatte (wenn ich die MS-Geldkoffer schon nicht erwähnen darf) einen großen Anteil am Scheitern von LiMux.

    Deine Lösungen: „Neue Projekte, gerne Open Source. Bei Transformation von Bestandssystemen genau Kosten/Nutzen abwägen und einkalkulieren, dass eine Transformation alle weiteren Projekte blockiert/verzögert.“
    sind genauso „die gleichen Phrasen“ wie das Papier was Du in deinem Artikel behandelst.
    Ich habe (zum Glück nur 3/4 Jahr) in einer „semi“ Behörde gearbeitet (die Firma unterlag vielen behördlichen Vorgaben). Die „genaue Kosten/Nutzen Abwägung“ fällt dort ungefähr so aus:
    „Wir müssen da Cloudmäßig was machen. Da gibt’s doch bestimmt was von MS.
    Genau! Azure! Ist MS, fügt sich in MS ein, kennen wir also: billiger.“
    („Cloud“ und „Azure“ sind beliebig austauschbar)

    Es gibt keine genaue Kosten/Nutzen Abwägung, wenn MS schon in den Köpfen der Leute „eingebrannt“ ist. Wenn sich an dem MS-Monopol was ändern soll müssen wir auch leidenschaftlich vorgehen, auch wenn wir dann einen Fetisch unterstellt bekommen.

    Parallel Beispiel Klimaveränderung: Natürlich sind Maßnahmen zum Erreichen der Klimaziele teuer. Eine Kosten/Nutzen-Abwägung würde zu dem Ergebnis führen, dass es zu teuer ist, weil die Entscheider nur in ihrem Zeithorizont denken. Langfristig sparen wir, laut Experten-Prognosen,
    aber viel Geld für Beseitigung von Schäden durch Wetterereignisse, für die Behandlung von gesundheitlichen Problemen durch das veränderte Klima usw. Nebenbei haben wir die Chance, lokal einen Vorsprung in entsprechender Technik zu bekommen, der uns auch wirtschaftlich
    nutzt.

    Ich will nicht auf biegen und brechen alles auf OpenSource migrieren, aber wenn wir nicht explizit alternativen zu MS in den Verwaltungen fördern, wird sich nichts ändern, und Geld für IT wird weiter in die USA fließen, anstatt kleine lokale IT-Dienstleistern stützen.
    Und wir werden demokratische Prozesse und Institutionen an die großen Unternehmen verlieren.

    • Ich mag hier keine ausführliche Diskussion zu führen, denn dazu ist so ein Kommentarbereich nicht da. Deine Positionen sind aber so ziemlich eine Sammlung der Gründe, weshalb Open Source im ÖD keinen Fuß über das bisherige Maß hinaus fasst.

      – Unseriöse Beurteilung des gegenwärtigen Zustands (deine Windows-Analyse hat in einem Gutachten keinen Bestand)
      – Vorurteile ggü. dem ÖD
      – Unrealistische Kostenkalkulation bzw. unrealistische Vorstellungen von den finanziellen Möglichkeiten im ÖD

      Und mit solchen Vorannahmen landet man genau dort, wo alle anderen Kampagnen gelandet sind. Im Papierkorb.

      • So „überzeugt“ wie du meist von dir und deinem eigenen Standpunkt auftrittst, hätte eine Diskussion, in egal welcher Form, auch wenig Sinn.

        Ich finde die Verwendung des Begriffs „Fetisch“ hier ebenfalls unangebracht, weil er herabwürdigend gegenüber pauschal allen Leuten ist, denen das Thema wichtig ist. Respektvoller Umgang geht anders!

        „Dahinter stecken letztlich eine gehörige Portion dumpfe Verschwörungserzählung. In einem Großkonflikt mit den USA, klemmt Microsoft unser Windows ab, Google und Amazon drehen die Cloud zu und Deutschland wird in die Steinzeit zurück katapultiert.“

        Das hat nichts mit Verschwörungserzählung zu tun und so abwegig wie du das darstellst, ist das nicht:
        https://www.heise.de/newsticker/meldung/Adobe-deaktiviert-alle-Nutzerkonten-in-Venezuela-4549137.html

        • Du findest also dass Deutschland sich auf einem Level mit Venezuela befindet?

          Ich behaupte mal, die deaktivierten Adobe-Konten sind seit einigen Jahren nicht die größten Probleme der Venezolaner.

          Zum Fetisch:
          „Fetischismus (lateinisch facticius: nachgemacht, künstlich; französisch fétiche: Zauber[mittel]) bezeichnet im religiösen Sinn den Glauben an übernatürliche persönliche Geister oder unpersönliche Mächte, die in bestimmten Gegenständen wohnen, und deren Verehrung als heilige Objekte.“
          https://de.wikipedia.org/wiki/Fetischismus_(Religion)

          Ich finde, das trifft die Projektion der Open Source-Gemeinschaft auf die heilende Wirkung, wenn der Staat nur endlich zur reinen Lehre übertritt, ziemlich gut.

          Zum Rest:
          Das hier ist ein Blog. Es beinhaltet natürlich die persönliche Meinung. Das unterscheidet diese Publikationsform von Lexika wie der Wikipedia, die zur Erfüllung des eigenen Anspruches ausgewogen berichten müssen.

    • Ich lese da keinen Hass. Ich lese Frustration über sich ewig im Kreis drehende Debatten, die von ahnungslosen Leuten geführt werden, die immer wieder die gleichen Halbwahrheiten verbreiten und unrealistische Szenarien aufspannen.

      Ich arbeite nicht für den Staat, aber würde mich bedanken, wenn ich für meine Branche (im weitesten Sinne Finanzdienstleistungen) mehrfach im Jahr unqualifizierte Empfehlungen in der Presse lesen müsste. Hätte ich hier Reichweite als Blogger, ich würde vermutlich ähnlich reagieren. Irgendwoher müssen fundierte Wortmeldungen schließlich kommen.

      • Sehe es genauso. Ich habe vieles was Gerrit schreibt auch so für mich erkannt und bin vor über einem Jahrzehnt darauf gekommen, das es so nicht weiter gehen kann. Auch ich hatte einen etwas kritischen Blog. Aber eben mit dem Ziel die verblendungen der FOSS-Community aufzuzeigen und Lösungen anzubieten. Genau das macht auch dieser Blog hier. Richtig so. Weiter so.

  6. Hallo,

    die Open Source Lösungen für den öffentlichen Dienst können gerne überall auf der Welt entwickelt werden. Soweit zum Nationalismus.

    • Nicht, wenn es um einen „souveränen Arbeitsplatz“ geht. Schau dir dazu mal das Beispiel Fedora an. Das unterliegt genau so den US-Exportrestriktionen wie es Microsoft oder Google tun.

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