Im kommenden April erscheint die nächste LTS von Ubuntu und seinen Derivaten – Codename „Bionic Beaver“. Diese Version wird in vielerlei Hinsicht wichtig für Ubuntu sein. Es ist die erste Version seit dem Ende der Unity- und Ubuntu Touch Entwicklung und der Abkehr von der Idee der Konvergenz. Voraussichtlich beinhaltet 18.04 auch moderne Technologien wie Wayland, die nun erstmals großflächig für Benutzer zur Verfügung steht.

Allerdings ist 18.04 auch für Kubuntu ein wichtiger Schritt. Nach der durchweg schlecht bewerteten letzten LTS muss man beweisen, dass man noch eine große Veröffentlichung zu standen bringt und auch als reines Community-Projekt erfolgreich sein kann.

Vorgeschichte

Die letzte LTS-Veröffentlichung von Kubuntu entstand in einer schwierigen Lage. Nach dem Rückzug der Hauptentwickler ruhte die Last nun auf wenigen ehrenamtlichen Entwicklern (siehe: Kubuntu in der Krise – Ein Statusbericht). Nachdem zeitweilig ein Fortbestand des Projekts fraglich war brachte man mit Mühe und Not die Version 16.04 zu Stande (siehe ausführlich: Kubuntu auf dem Weg zur Version 16.04 LTS & Kubuntu 16.04 LTS – Ein wenig Licht am Ende des Tunnels).

Hinzu kam, dass nicht alle Schwierigkeiten hausgemacht waren. Parallel zu den Verwerfungen bei Kubuntu veröffentlichte das KDE Projekt mit Plasma 5 eine neue Hauptversion.  Diese war anfänglich alles andere als stabil, auch wenn KDE den Distributoren dafür die Schuld geben wollte (siehe: KDE Plasma 5 Teil I: Käfer und Schuldzuweisungen). Erst nachdem die letzte große Distribution mit Plasma als Standard-Desktopumgebung – openSUSE – am bestehenden Entwicklungsmodell Kritik übte, ruderte man bei KDE zurück und veröffentlichte mit Plasma 5.8 die erste LTS-Version der Oberfläche (siehe: Plasma 5.8 LTS und openSUSE Leap – Offenbarungseid für KDE?).

Aktuell steht die nächste Plasma LTS 5.12 kurz vor der Veröffentlichung und wird somit auch rechtzeitig für Kubuntu 18.04 LTS fertig.

Kubuntu 18.04 – Ein Ausblick

Versionen

Kubuntu 18.04 wird somit mit verhältnismäßig aktuellen und ausgereiften Versionen veröffentlicht werden. Aktuell sieht es so aus, als ob Plasma 5.12, KDE Applications 17.08 und KDE Frameworks 5.41 enthalten sein werden. Insbesondere die letzten beiden Versionen sollten noch aktualisiert werden, allerdings haben die Arbeitsprozesse hier bei Kubuntu schon oft an Geschwindigkeit zu Wünschen übrig gelassen. Am 1. März 2018 ist Feature Freeze, bis dahin müssen hier also die Versionsanhebungen vorgenommen sein.

Optische Veränderungen

Plasma ist in den letzten zwei Jahren gereift und auch für den Anwender ändert sich mit Kubuntu 18.04 viel. Standardmäßig kehrt KDE Plasma zum traditionellen Desktop zurück. Anstelle der Plasmoid-basierten Konfiguration gibt es nun wieder klassische Desktopsymbole. Plasmoid lassen sich natürlich trotzdem hinzufügen und auf eine vollständig Plasmoid-basierte Variante kann man ebenso wechseln.

Kubuntu setzt mit 18.04 erstmals standardmäßig das dunkle Plasma-Theme ein. Vermutlich inspiriert durch ähnliche Entwicklungen bei Windows 10.

Ebenfalls neu sind die neuen Systemeinstellungen, die erstmals mit Plasma 5.11 eingeführt wurden.

Standard Programmauswahl

Im Programm-Bereich machen die Kubuntu-Entwickler kaum Experimente. Neben den obligatorischen KDE Programmen wie Kontact für Mails und Organisation, Okular für Dokumentendarstellungen und Gwenview für Bilder findet sich noch LibreOffice und Firefox als plattformübergreifende Standards.

Lediglich im Multimedia-Bereich schien man es leid geworden zu sein auf Entwicklungen bei Amarok & Co zu warten. Künftig kommt für Musik das MPD-Frontend Cantata zum Einsatz und VLC als Allzweckwaffe ist auch an Bord.

Im Kommunikationsbereich hat man sich von Telepathy getrennt, das angesichts der um sich greifenden mobilen Messenger zunehmend an Boden verlor. Konversationen für IRC ist jedoch weiterhin dabei.

Die Systemverwaltung erleichtert zukünftig das klassische Muon Paketverwaltungsprogramm, das deutlich zuverlässiger arbeitet als Plasma Discover. Letzteres ist natürlich trotzdem als KDE-Standard dabei.

Stabilität

Gemessen am Entwicklungsstadium macht Kubuntu 18.04 bereits eine gute Figur. Programm- oder gar Systemabstürze sind nicht zu verzeichnen und die gesamte Programmauswahl macht einen deutlich ausgereifteren Eindruck, als bei 16.04.

Zwischenfazit

Kubuntu 18.04 dürfte ein würdiger Nachfolger für 14.04 werden. Das ist auch dringend notwendig, da kommendes Jahr der Support hierfür endgültig ausläuft und die verbliebenen Anwender nun dringend migrieren müssen. Wer mit der KDE-Entwicklung immer noch unzufrieden ist muss nun endgültig eine Alternative suchen, denn an Plasma 5 führt nun kein Weg mehr vorbei. Stabilitätsprobleme oder funktionale Mängel kann man Plasma 5 aber nicht mehr vorwerfen, von daher sollte einer Migration nun nichts mehr im Weg stehen.

Kubuntu leidet immer noch an Personalengpässen, die langfristige Produktpflege ist – auch wegen der allgemeinen Ubuntu-Richtlinien – immer noch problematisch. Der Release-Zustand muss deshalb bereits so gut wie möglich sein, da Nachbesserungen nur in begrenztem Umfang möglich sind. Momentan kann man dem aber recht optimistisch entgegen sehen.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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