Kaum eine Distribution ist so eng verwoben mit KDE wie openSUSE. Als letzte große Distribution hält man KDE die Treue indem man Plasma als Vorauswahl bei der Installation anpreist. Was auf der einen Seite ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für openSUSE im übersättigten Distributionsmarkt ist, birgt auf der anderen Seite gewaltige Risiken.

Wenn KDE mal wieder unfertige Software an den Nutzer weiterreicht, steht openSUSE zwischen den Stühlen. Zuletzt ist das mit der ersten Version von Leap 42 passiert, als viele der Kritikpunkte in den Testberichten eigentlich Kritik an KDE Plasma war.

Im Herbst steht die Aktualisierung des stabilen Leap-Zweigs bei openSUSE an und die Desktopsituation soll und muss besser werden, wenn man wirklich eine konkurrenzfähige LTS-Distribution ausliefern möchte. Nicht wenige unken deshalb, dass die Entscheidung seitens KDE, den Desktop Plasma 5.8 zur LTS Version zu machen und 18 Monate mit Updates zu versorgen, vor allem für openSUSE getroffen wurde. Die zeitliche Nähe zur Veröffentlichung von Leap 42.2 im November 2016 spricht auf jeden Fall dafür.

OpenSUSE ist nach ersten Aussagen in der Mailingliste des Projekts auf jeden Fall gewillt diese Offerte anzunehmen und will Leap 42.2 mit Plasma 5.8 veröffentlichen. Momentan arbeitet man daran die Roadmaps beider Projekte aufeinander abzustimmen, damit die finale Version von openSUSE 42.2 bereits das erste Wartungsupdate von Plasma 5.8 enthalten kann. Das in 42.1 praktizierte Verfahren auch so genannte Majorupdates von Plasma über die Wartungsupdates an den Anwender durchzureichen soll planmäßig nicht fortgeführt werden. Im Herbst 2015 war diese Entscheidung angesichts des Zustands von Plasma sinnvoll, aber langfristig widerspricht es dem LTS-Charakter des Leap-Zweigs.

Es zeigt sich aber auch, dass die zerfaserte Produktpolitik von KDE direkt auf die stabilen Distributionen durchschlägt. Plasma wird zwar im Herbst als LTS-Version veröffentlicht, die Programmsammlung Applications jedoch nicht und für die zugrunde liegenden KDE Frameworks gibt es noch nicht einmal Fehlerbehebungen innerhalb einer Version.

Eine Distribution wie openSUSE steht dann vor der Entscheidung Applications und KF einzufrieren oder über die Wartungsupdates zu aktualisieren. Ersteres würde voraussetzen, dass kritische Fehlerbehebungen durch die Maintainer zurückportiert werden. Aufgrund der zunehmenden Komplexitität der Upstream-Software und schwindenden Personalressourcen waren die meisten stabil veröffentlichten Distributionen dazu in der Vergangenheit nur noch eingeschränkt in der Lage – openSUSE ist da keine Ausnahme. Majorveröffentlichungen an die Anwender weiterzugeben, kann jedoch – insbesondere bei aktiv entwickelten Programmen wie KDEPIM – ungeahnte Risiken mit sich bringt und letztlich den Ruf der Distribution gefährden. Mal ganz davon abgesehen, dass openSUSE 42.2 bei Qt 5.6 und Plasma 5.8 bleiben wird und unklar ist, wie lange neue Versionen der Applications und der Frameworks auf dieser Basis fehlerfrei funktionieren.

Zusammengefasst ist der LTS-Charakter von Plasma 5.8 ein kleiner Lichtblick für die Anwender stabiler Distributionen wie openSUSE Leap, aber es gibt noch viele ungeklärte Fragen. Vermutlich wird man hier auch bei KDE nochmal nachbessern müssen.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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