Gestern erschien auf Linuxnews ein Bericht über die Lage von Open Source in München. In den Kommentaren ging es dann mal wieder nur um LiMux. Das Projekt ist seit 2017 tot. Hat mal jemand in den Kalender geschaut?

Werfen wir mal einen kurzen Blick auf die Eckdaten. Anlass für LiMux war die Ablösung von Windows NT 4 und entsprechende Studien im Jahr 2003. Heutige Studienanfänger waren da oft noch nicht geboren. Drei Jahre später rollte man die erste Desktopinstallation mit Debian und KDE 3 aus. Spätestens ab 2012/2013 kommt das Projekt in schweres Fahrwasser. Auch knapp 10 Jahre nach dem Start ist man weit von einer vollständigen Umsetzung entfernt. 2015 ist das Ende des Projekts bereits absehbar und 2017 zieht die Münchner Stadtverwaltung offiziell den Stecker und leitet die Re-Migration auf Microsoft-Lösungen ein.

Das kam keineswegs überraschend, denn LiMux hatte Probleme. Ich hatte mich bereits zwei Jahre vor Projektende hier im Blog damit beschäftigt und versucht zusammenzutragen, wie eigentlich die Basis von LiMux aussieht und was es für Probleme gibt. Erstaunlich finde ich seitdem, wie hartnäckig diese Probleme in der Berichterstattung ignoriert wurden und werden. Diese Gemengelage aus Projektteam, Interessenvertretern, Linux-Community, parteiischer Berichterstattung und der Unwillen oder die Unfähigkeit, andere Perspektiven einzunehmen, sind vermutlich der Hauptgrund für die bis heute verzerrte Wahrnehmung.

Doch wie dem auch sei, wir reden hier über Ereignisse, die also 5 bis 19 Jahre her sind. Damals gab es keine Smartphones, eine deutlich weniger IT-gestützt arbeitende Verwaltung und wir fangen besser gar nicht von den indirekten Pandemie-Folgen wie verstärktes Homeoffice etc. an.

Projekte scheitern. Wer noch nie ein Projekt beerdigen musste, hat noch nie in Projekten gearbeitet oder macht sich etwas vor. Manche Projekte scheitern in einem großen Knall, manche schleifen sich langsam aus, bis irgendjemanden den Stecker zieht, bei manchen verändern sich die Rahmenbedingungen so sehr, dass das Projekt überflüssig wurde. Meistens ist es eine ungünstige Verkettung von Umständen und Fehlentscheidungen, gepaart mit mangelhafter Kommunikation (was viel zu oft unterschätzt wird). Läuft die Dynamik erst mal gegen ein Projekt, kann man es meist nicht mehr retten. Dann heißt es zwei Schritte zurückmachen, Fehleranalyse durchführen und vielleicht in ein paar Jahren einen neuen Anlauf unternehmen.

LiMux war eine große Chance. München erwog sehr früh eine Open Source-Umstellung und war seiner Zeit weit voraus, dazu muss man sich nur die Jahreszahlen anschauen. LiMux bot somit die Chance, ein Leichtturmprojekt zu werden, aus dem – egal wie es ausgeht – viele Lehren gezogen werden könnten.

LiMux endete als absoluter Flop – und das in zweierlei Hinsicht. Es war ein Flop für Linux in der Verwaltung. Hätte LiMux Erfolg gehabt, hätte es möglicherweise ausgestrahlt auf andere Bereiche und wir wären heute nicht so abhängig von Microsoft. Ein ehemaliger SPD-Kanzlerkandidat würde hierzu sagen „hätte, hätte, Fahrradkette“. LiMux war aber auch ein Flop im Bereich der Evaluation. Das gescheiterte Projekt bot eigentlich die Gelegenheit für Open Source-Interessensverter und die Linux-Community aus Problemen zu lernen. 2017 waren neue Anläufe wie „Public Money, Public Code“ schließlich bereits in der Pipeline.

Folgende Fragen für eine tiefergehende Beschäftigung fallen mir da spontan ein. Grob geordnet von abstrakteren Punkten bis zu konkreteren Fragen:

  • Wie kommuniziert man ein solches Projekt, um alle relevanten Stakeholder mitzunehmen?
  • Wie muss das Vergaberecht angepasst werden, um Open Source in der Verwaltung zu stärken.
  • Wie können durch Ausbildung und Personalentwicklung die Grundlagen für solche Projekte in der Verwaltung gelegt werden?
  • Wie muss die IT-Abteilung einer Kommune oder eines Bundeslandes strukturiert sein, um solche Projekte erfolgreich durchzusetzen. Was muss hier zentral und was kann dezentral entschieden werden?
  • Ist es klug gleich eine vollständige Migration anzustreben oder sollte man nicht mit Programmen und einzelnen Verfahren beginnen und ganz am Schluss möglicherweise das Betriebssystem angehen.
  • Ist es sinnvoll mit dem Kostenargument zu werben oder ist Open Source am Ende nicht preiswerter als proprietäre Software.
  • Ist es zielführend auf professionellen externen Support wie ihn z. B. SUSE oder Red Hat bieten können zu verzichten.
  • Gibt es genug Dienstleister im Linux-Segment in Deutschland um bei Bedarf Service einzukaufen?
  • Ist es sinnvoll eine eigene Distribution zu entwickeln?
  • Ist die Entwicklung rund um den Linux-Desktop möglicherweise zu volatil für einen Einsatz in eher statischen Umgebungen.
  • Hat der Linux-Desktop wirklich die geeigneten Tools um ohne „Turnschuhprinzip“ auf tausenden Rechnern einer Verwaltung zu laufen?
  • Ist OpenOffice/LibreOffice wirklich eine adäquate Grundlage für Fachverfahren oder sollte man lieber eine andere Lösung nehmen bzw. entwickeln lassen.
  • Gibt es geeignete Groupware-Lösungen auf dem Niveau von Exchange/Outlook?
  • Ist es klug die Bedarfe von Verwaltungsangestellten immer einfach als unqualifiziert abzutun?
  • Welchen Schulungsbedarf erzeugt man, wenn man nicht auf privates Windows-Vorwissen vertrauen kann?

Diese Liste ließe sich beliebig fortführen. Nicht alle diese Punkte müssen negativ ausfallen, aber Evaluationen bringen meist komplexe Befunde heraus und benennen selten einseitig Schuldige. Die Regierungskoalition in München hatte daran kein Interesse, nachdem sie die gewünschte Abkehr von LiMux erreicht hatte. Zumal man entsprechende Berichte ja vorgelegt hatte. Diese wurden halt nur von der Linux-Community als parteiisch abgelehnt.

Die LiMux-Befürworter haben sich dann aber auch lieber in einseitigen Schuldzuweisungen in Richtung Bürgermeister ergangen und sich auf den Standpunkt gestellt, dass es keine sachbezogenen Gründe gab bzw. diese immer außerhalb ihrer Zuständigkeit gesehen. Von Interessenvertretungen wie z. B. der FSFE kam auch nichts dergleichen. Das Ergebnis sieht man ja wieder in den Kommentaren auf Linuxnews. Dort liest man die seit langem bekannten „Erklärungen“. Da geht es dann um eine verlagerte Microsoft-Zentrale, einen Bürgermeister, dem man entweder Korruption oder Unfähigkeit unterstellt, Abteilungsleiter, die gegen die IT gearbeitet haben (wo wir übrigens wieder bei Kommunikation wären, denn wie kam es dazu?) und andere Rechtfertigungen.

Unbestritten ist, dass es am Ende an politischer Rückendeckung für das Projekt fehlte. Dennoch wäre bei einer erfolgreichen und abgeschlossenen Migration kein Bürgermeister binnen 2 Jahren in der Lage gewesen, eine vollständige Rückabwicklung eines Projekts einzuleiten. Dieses argumentative Spannungsfeld konnten die LiMux-Befürworter nie logisch auflösen.

Dadurch endete das Projekt als doppelter Flop. Es scheiterte nicht nur, es wurden auch keine Lehren aus dem Projekt gezogen, weil alle Beteiligten mit Gesichtswahrung beschäftigt waren und dafür eilfertige Unterstützung in der Berichterstattung erhielten.

Die Chance, aus dem LiMux-Scheitern zu lernen, ist nun endgültig vertan. Mehr als 10 Jahre im argumentativen „Schützengraben“ dürften jede rationale Analyse unmöglich machen. Jetzt ist es an der Zeit, in die Zukunft zu schauen. LiMux ist seit 5 Jahren offiziell erledigt und faktisch seit 10 Jahren angezählt. Ewig vergangenen Projekten nachzuhängen bringt niemandem etwas. Zukunft heißt momentan zuerst Schleswig-Holstein und dann der „souveräne Arbeitsplatz“ des Bundes. Beide Projekte konnten leider nicht direkt aus den LiMux-Fehlern lernen. In Schleswig-Holstein geht man dennoch zum Glück vieles anders an, aber die Entwicklung ist hier auch noch ziemlich offen. Der „souveräne Arbeitsplatz“ von Bundes und Ländern ist gegenwärtig noch ein reichlich nebulöses Unterfangen und deshalb lässt sich dazu wenig sagen.

Wenn eine Gemeinschaft sich lieber in fragwürdigen Erklärungen ohne Beweise ergeht, als Probleme zu evaluieren, ist das nächste Scheitern bereits vorprogrammiert. Auch in Schleswig-Holsten wird es Wahlen geben, Minister werden ihre Ämter tauschen, Karrieren werden weiter vorangetrieben und politische Unterstützung kann sich verschieben. Da sind keine dunklen Mächte am Werk, sondern das ist politische Normalität. Wenn ein Projekt dann nicht stabil läuft, eine breite Unterstützung genießt und bestenfalls bereits fast alternativlos ist, dann kann auch hier schnell das Licht ausgehen.

Das wäre dann das Ende von Open Source / Linux in der Verwaltung. Zwei gescheiterte Projekte dürften alle weiteren derartigen Vorhaben abwürgen. Hoffen wir mal, dass es nicht so kommt.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

35 Ergänzungen

  1. Hallo Gerrit,

    die klare und konkrete Bennung der 2 Aspekte für das doppelte Scheitern, ist gut nachvollziehbar, spannend und schade vom Ergebnis her gedacht. Besonders die fehlende Evaluation und die Möglichkeit daraus zu lernen, auch für andere Kommunen und Projekte. Danke dafür, hoffentlich ist das bei den laufenden Projekten anders. Was ich nicht so gut und anstrengend am Texte finde, ist die provkanten und leicht polemischen Punkte („Verschwörung“ oder „“Erklärungen““).Sie sind genau so wenig belegt wie die „Erklärungen“ der „Gemeinschaft“, weil die Evaluation und auch die Transparenz fehlt. Ich denke, es ist schon nach vollziehbar, dass einige aus der „Linux Gemeinschaft“ sich Gedanken machen, ob das auch politische oder interessensgeleitete Hürden gegeben hat. Mir wäre hier auch eine sachliche Debatte lieber: anscheinend gibt es die intransparente Daten- und Faktenlage her, die Projektgeschichte als „Verschwörungserzählungen“ oder „Korruptionserzählungen“ zu beschreiben. Eine Evaluation wäre gut gewesen. 😉

    • Ja vielleicht. Für mich sind unbewiesene Behauptungen, die politische Einflussnahme in einem Graubereich als Tatsache hinstellen eine Verschwörungserzählung, aber ich schau mir die Formulierung noch mal an.

      • Nun, die Microsoft Zentrale Deutschland steht in München, der Landeshauptstadt Deutschlands (Zynismus aus)!
        Zufall? Natürlich!
        Nur – ich glaube nicht an solche Zufälle. Das Leben hat mich anderes gelehrt.
        Nix für ungut…

          • Es geht nicht darum, dass gemachte Fehler verschwinden. Die wurden und werden gemacht. Natürlich. In jedem Projekt.
            Aber erfahrungsgemäss ist MS so verbuggt, dass es mir persönlich nur noch graust.
            Und ein langjähriges Projekt derart an die Wand zu fahren für eine MS Alternative….Naja.
            Es gibt Vorbilder, bei denen es funktioniert. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Allein der Wille fehlt.
            Ohne mich in Verschwörungstheorien zu versteigern wage ich dennoch zu behaupten, dass diese Geschichte in München nicht ganz koscher ablief. Alles andere ist blauäugig…

              • Nur mal eben oberflächlich gesucht:
                Aus Wikipedia:
                „Die französische Nationalversammlung stellte 2007 die Rechner der Abgeordneten und ihrer Assistenten auf Ubuntu um. Die Förderung von freier Software hatte das Parlament bereits Ende 2006 beschlossen. Diese Umstellung betraf 1154 Rechner.[17] Im Januar 2008 begann auch die französische Gendarmerie mit der Umstellung von 70.000 Arbeitsplatzrechnern von Windows auf Ubuntu.[18]“

                Frankreich ist auch in der Lage Google und Apple mit Strafzahlungen zu belegen.

                Es gäbe noch mehr Bsp. – bitte selber fündig werden.
                Aber wie heißt es so schön: it’s always about money, first, foremost and at last.

  2. Leider ein etwas oberflächlicher Artikel, zumal es auch abseits von Linux und Microsoft Gründe für das scheitern von LiMux gibt. Einiges davon lässt sich evtl auch nicht direkt belegen und wir der Artikel schreibt sind es oft eine Mischung völlig verschiedener Probleme die zum scheitern geführt haben.

    Was wirklich problematisch wäre, wenn ein weiteres Großprojekt scheitert. Zumal das in meinen Augen nicht notwendig ist, denn es gibt genügend andere Beispiele außerhalb von Deutschland wo Linux erfolgreich im Einsatz ist. Fakt ist aber auch, das Probleme bei einer solchen Umstellung immer auf Linux und nicht auf die tatsächlichen Übeltäter projeziert werden. Viel zu häufig erlebe ich dass schon im privaten Umfeld. Ist Linux auf einem Computer und das Mail-Programm stürzt ab heißt es „Scheiß Linux“ passiert das selbe auf Windows, wird dem Betriebssystem das seltenst angelastet. So ist es auch in LiMux geschehen und wird es wieder geschehen wenn man die Mitarbeiter nicht ordentlich unterrichtet. Probleme in der Verwaltung, Administration (durch Umstrukturierung oder Personalmangel), Fehler in Verwaltungsanwendungen und co, dürfen nicht dem Betriebssystem angelastet werden und müssen zwingend separat betrachtet werden.

  3. Ei jei jei jei jei.
    Da gibt es ein uraltes Betriebssystem, das nennt man UNIX. Es handelt sich hierbei um ein Multiuser Multitasking OS, speziell für Großrechner, mit welchem die Terminals der „Mitarbeiter“ verbunden sind, welches extra genau für solche Zwecke vor einigen Jahrzehnten entwickelt wurde.
    Linux, so wie BSD sind doch von UNIX abgeleitete Betriebssysteme. Und es kriegt niemand hin, eine solche Infrastruktur in einer Verwaltung zu betreiben???
    Kommt mir schon etwas komisch vor.

    • Man kann sagen, der UNIX hat den Desktop verschlafen. Diese Chance konnte Bill Gates nutzen um sein Betriebssystem auf dem Desktop zu positionieren. Dadurch das Windows nun derart Verbreitet ist, gibt es kaum Bedarf an anderen Betriebssystemen für den Desktop. Unter Linux fehlen demnach Entwickler, Admins, Software, Hardware-Support usw. das sieht man dann im Alltag. Es haben einige schon versucht, aus Linux Kapital zu schlagen und die meisten haben es dann aufgegeben.

      • Wer einmal mit Windows arbeiten musste, dürfte den Bedarf an anderen Betriebssystemen sofort erkennen, so jedenfalls dachte ich… Trotzdem sind manche mit Windows zufrieden, und viele nutzen es, weil sie nichts anderes kennen, da es auf ihrer Hardware vorinstalliert war. (Das war die „Chance“, die Bill Gates nutzte.)
        Dass unter Linux Entwickler, Admins usw. fehlen, ist mir allerdings in der Tat neu. Danke dafür!
        Auf der Microsoft Azure Startseite lese ich fünfmal das Wort „Linux“ und Null-mal das Wort Windows. Schon erstaunlich.

        • Vielleicht nutzen sie es auch, weil sie zufrieden damit sind und mit den Möglichkeiten, die es bietet und die das hinausgehen, was Linux derzeit bieten kann? Schon mal darüber nachgedacht? 😉

          • Habe ich doch geschrieben: „Trotzdem sind manche mit Windows zufrieden“.
            Rein interessehalber: Was kann Linux denn derzeit nicht bieten, was über proprietäre Software (und Spiele) hinausgeht?

              • Programme, die ich in Linux nutze, kann ich auch in 5-10 Jahren noch nutzen. Probleme entstehen doch nur, wenn Fachanwendungen, Makro-Vorlagen usw. so programmiert wurden, dass sie mit nichts kompatibel sind außer mit der aktuellen Windows-Version und der aktuellen Office-Version. Die Praxis ist doch, dass das alles spätestens bei der übernächsten Version überarbeitet werden muss.
                In übrigen sage ich nicht, dass mit Linux und/oder Open-Source automatisch alle Probleme gelöst sind, aber ich sehe andererseits nicht, wo Windows und MS-Office hier konkrete Vorteile bieten. Ein Excel-2013-Sheet kann beim Öffnen in Excel-2019(?) kaputt sein. Es fehlt einfach an stabilen, aufwärtskompatiblen Spezifikationen.

                • Leg mal deine „LInux-Brille“ ab 😉

                  Ich konnte auf Windows 7 noch Photoshop 7 installieren. Vermutlich geht das sogar noch auf Windows 10, hab’s nur nicht getestet. Ich kann uralte Office-Versionen nutzen. Ob man das möchte sei mal dahingestellt, aber diese Stabilität im Ökosystem schätzen viele Windows-Anwender und die erreicht Linux nicht.

  4. Alter, ich hatte ja keine Ahnung, was das für Leute das Thema anzieht …

    Manchmal fühle ich mich von deinen Artikel ein wenig persönlich angegriffen. Das ist aber wohl ein Missverständnis. Ich sollte vielleicht mal wieder ein paar der üblichen Kommentarspalten lesen, damit ich deinen Kontext besser verstehe. Was ’ne Shitshow o.O

    Tust du dir das echt regelmäßig an?

  5. Das kaum lehren aus dem Projektgezogen wurden finde ich auch tragisch. Und zumindest ich finde sogut wie gar keine Informationen darüber, was eigentlich die Hauptprobleme waren, auch wenn ich mir viele vorstellen kann.

    Grade beim Einsatz von OpenOffice würde ich mir Erfahrungsberichte und eine unvoreingenommene Evaluation wüschen. Der geplante Umstieg auf LibreOffice in Schleswig-Holstein kommt mir weitegehend naiv und planlos vor, wieder wird das Kostenargument in den Vordergrund geschoben und der Digitalisierungsminister Albrecht schwadroniert von Energieeinsparungen durch OpenSource Software. Zumindest bei uns im Haus wurden aber bisher an keiner Stelle bestehend Abhänigkeiten und Schnittstellen zum MS Office Pakte analysiert geschweige denn Dokukmentvorlagen überarbeitet oder ähnliches. Laut Zeitplan soll LibreOffice aber nächstes Jahr schon auf der Mehrzahl der Arbeitsplätze eingeführt werden. Ich befürchte sehr stark das sich hier das nächste gescheiterte Großprojet anbahnt.

    • Das ist halt das Problem in dieser spezifischen Medienöffentlichkeit. Ankündigungen im Bereich FOSS und Verwaltung kommen auf Heise, Golem, netzpolitik.org, div. Blogs und Twitter halt gut an. Dort sind aber nur wenige professionelle Journalisten am Werk und niemand recherchiert wirklich. Professionellere Medien interessieren sich kaum für die Themen. Hier werden also gezielt Zielgruppen mit halbgarem Zeug bedient. Politiker wie Herr Albrecht oder früher Herr Ude werden dann zu „Szene-Stars“. Kann ich ihnen nicht verdenken, funktioniert ja sehr gut.

      Wenn dann Projekte scheitern, fragen sich plötzlich alle wieso und es entstehen halbgare Märchen. Siehe hier und bei Linuxnews in den Kommentaren.

  6. Hallo Gerrit, Du wirfst mir vor, ich hätte eine „Linux Brille“ auf. Das ist nicht der Fall, ich nutze Unix-basierte (und andere) Betriebssysteme schon seit den 80-ern, lange bevor es Linux oder Windows (NT) überhaupt gab. Aber ich denke, die Diskussion wird langsam absurd. Läuft Photoshop 7 auch auf Mac-OS Version X.Y? Das ist doch irrelevant. Wie ich schrieb: Die Formate/Makros/usw. von z.B. Office sind eben nicht Versions-stabil und das verursacht erhebliche Migrationskosten.
    Aber wenigstens hast Du keine „Microsoft-Brille“ auf.

    • Eine ehrliche Antwort: Häh? Warum bringst du jetzt macOS hier rein? Warum bringst du Office-Makros hier rein? Was hat das mit deiner Unix-Vorgeschichte zu tun? Bitte lies dir meinen Kommentar noch mal durch. Mein Punkt war Stabilität im Software-Ökosystem als Vorteil von Windows.

      • „Stabilität im Software-Ökosystem als Vorteil von Windows“ existiert nicht. Office-Makros (die von Fachabteilungen genutzt werden) waren jetzt nur ein Beispiel. Die Migration von Windows/Office zur nächsten Version ist jedes mal ein Riesenproblem. Daher wird unerträglich lange mit veralteten Versionen gearbeitet, bei der Migration dann oft (meist?) eine Version übersprungen. Jedenfalls ist das meine Erfahrung: aktuell (2022) wird immer noch in die Migration von Windows 7 (!) zu Windows 10 investiert, sowohl in öffentlichen Verwaltungen wie auch in (großen) Unternehmen.

          • Offen gesagt: Nein*). Ich halte aber auch nicht Windows für „besser“. Das ist auch gar nicht die Aufgabe eines Betriebssystems. Es wäre Aufgabe (im konkreten Fall) der Verwaltung, offene Spezifikationen und Schnittstellen der Anwendungen bei Auftragsvergabe einzufordern und vertraglich festzuschreiben.

            *) Man könnte vermuten (ohne Beleg), dass kommerzielle Unternehmen ein größeres Interesse daran haben, proprietäre Formate/Schnittstellen zu verwenden, als die „Open-Source-Community“.

            • Ich fasse die Diskussion mal aus meiner Sicht zusammen, damit wir uns nicht ewig im Kreis drehen und aneinander vorbei reden.

              Du bringst oben das alte Argument, dass die Leute nur aus Gewohnheit bei Windows bleiben. Ich führe dagegen an, dass Windows Vorteile hat, was die Langzeitverwendung von veralteten Anwendungen betrifft (was übrigens für Privatanwender und Firmen interessant ist) und bringe ein allgemeinverständliches Beispiel (ich könnte auch für jeden meiner bisherigen Arbeitgeber 3-5 solcher veralteten Gammelsoftware, deren Weiternutzung aber Servicekritisch ist bringen, nur würde das nichts nützen, weil die niemand kennt). Du bringst daraufhin macOS (verstehe ich immer noch nicht) in die Diskussion ein und Office/Makros und die Aktualisierung von Windows selbst. Auf meine Frage, ob Linux da irgendwie besser wäre, kommst du mit offenen Spezifikationen und Schnittstellen (was ich theoretisch auch toll fände) und unterstellst proprietären Softwareanbietern, sie hätten kein Interesse an solchen.

              Tl;dr
              Häh?

              • Vielleicht liest Du noch mal die vorausgegangenen Kommentare: Du hast Photoshop 7 ins Spiel gebracht. Ich habe entgegnet, dass das exakt so relevant ist, wie wenn jemand Mac OS Version X.Y ins Spiel bringen würde. Ich hatte nicht erwartet, dass Du Dich darauf versteifst. Diesen Punkt können wir gerne nicht weiter verfolgen.

                Mein erster Kommentar bezog sich auf die Behauptung von Abbc, dass Bill Gates den Desktop erfunden habe; hat er nicht, es gab in den 80ern und 90ern jede Menge Unix-Desktops, genannt Workstations. Wenn die Konkurrenz etwas verschlafen hat, dann war es das Marktpotential billiger PC-Hardware.
                Und dass heute i.d.R. Windows auf PC-Hardware vorinstalliert ist, und nicht ein OS/2 Warp-Nachfolger oder Unix, wird niemand bestreiten. Dass Leute aus Gewohnheit bei Windows bleiben, liegt auf der Hand, jedenfalls im privaten Bereich.

                Die von Dir immer wieder angeführte Langzeitverwendung sehe ich so nicht. Auch bei der von MS angebotenen Alternative zu LiMux, Migration von Windows NT zu XP, sollte Virtual PC zum Einsatz kommen, um veraltete Fachsoftware am Laufen zu halten.

                Bei der von Dir vehement vertretenen Empfehlung, veraltete kommerzielle Software einzusetzen, übersiehst Du das Problem der fehlenden Sicherheitsupdates. Wenn das ein Grund für Windows sein sollte, ist es jedenfalls kein guter.
                Auf Deine Frage, ob Linux da irgendwie besser als Windows sei, habe ich doch oben klar geantwortet: Nein.

                Den von mir eingebrachten Aspekt, dass vielmehr offene Spezifikationen und Schnittstellen zu einer Langzeitstabilität führen *können*, habe ich in der Tat sehr verkürzt eingeworfen. Es hängen zusammen: Betriebssystem – Anwendungen – Dateiformate. Beispiel: Wenn proprietäre Formate zum Einsatz kommen, entstehen Abhängigkeiten zu Anwendungen. Wenn eine Anwendung geupgraded werden muss, bin ich auf den Anbieter festgelegt. Wenn der entschieden hat, dass das Format sich ändert oder nicht mehr unterstützt wird, muss ich Daten migrieren. Bei Software, die offene Formate verwendet, kann ich ggf. auf eine andere Anwendung eines anderen Anbieters ausweichen.

                Haben Anbieter proprietärer Software ein geringeres Interesse an offenen Standards in ihrer eigenen Software? Ja, das liegt m.E. auf der Hand: So bindet man Kunden. Du siehst das offenbar anders, auch ok.

                Office-Vorlagen (die oft mit Makros arbeiten) habe ich als leicht nachvollziehbares und reales Beispiel genannt. Wenn Behörden mit MS-Office-Dokumentenformaten arbeiten, verhindert oder erschwert das doch ganz offensichtlich den Dokumentenaustausch mit Behörden, die offene Formate nutzen möchten. Siehe z.B. den Brief von OB Ude an die EU-Kommissarin Kroes: „Offene IT-Standards auch in der EU“, https://ru.muenchen.de/pdf/2011/ru-2011-12-02.pdf

                Tl;dr
                Ist das alles so schwer zu verstehen?

      • Welche „Stabilität im Software-Ökosystem“ meinst Du? Belege (jenseits von Photoshop 7)?

        Warum wurde LiMux überhaupt initiiert?

        • Aus Kostengründen, das ist doch bekannt. Die Stadt wollte ihre alte Hardware weiter betreiben und Lizenzkosten sparen. Selbst Befürworter des LiMux-Projekts haben das heute als Kardinalfehler eingesehen.

          • Alte Hardware? Mag sein. Ist es schlecht, alte Hardware nicht alle 3(5?) Jahre wegzuschmeißen?
            Kosten sparen? Mag sein. Klingt eher positiv.

            Falls das als Kardinalfehler eingesehen wurde, wäre eine Quelle hilfreich.

            • Das ist eine Milchmädchenrechung. Alte Hardware ist weniger leistungsfähig, braucht ein Mitarbeiter dann x Minuten länger pro Tätigkeit. sind dies Mehrkosten, wodurch sich neue Hardware schnell rechnet.

              Die FSFE hat sich sehr selbstkritisch zu dem Kostenfokus bei der Propagierung von Linux geäußert. Kannst du z. B. hier nachlesen: https://www.golem.de/news/fsfe-war-das-scheitern-von-limux-unsere-schuld-1710-130763.html

              Das ist halt eines dieser Probleme. Linux wird häufig von jenen propagiert, die in Privat- bzw. maximal KMU-Kategorien denken und keine Ahnung von den Anforderungen großer Unternehmen und Behörden haben. Deshalb dreht sich die Diskussion auch so ergebnislos im Kreis.

                • Genau wegen solchen Pseudo-Argumenten von Linux-Befürwortern scheitert die rationale Analyse solcher Projekte und das gesamte Thema kommt nicht voran.

  7. Die von Dir genannte Quelle spricht Hardwarekosten überhaupt nicht an. Deine Rechnung „schnellerer PC schafft schnellere Mitarbeiter“ ist nicht nur lustig, sondern falsch. Aber lies meine Gegenrechnung ruhig als Satire, auch wenn ich offensichtlich nicht kapiere, wieso gestiegene Hardwareanforderungen des Systems dem User zugute kommen.

    • Ich geb’s hier auf. Ich werde nicht noch das 1×1 der Recherche zum Ursprung von LiMux und das 1×1 von Management und BWL hier wieder zu kauen. Darum ging es im Artikel auch gar nicht, aber alleine das Schlagwort LiMux scheint immer dieselben Kommentare anzuziehen. Ausnahmsweise gebe ich in diesen Punkten nur unstrittiges Grundlagenwissen wieder. Wenn du glaubst es besser zu wissen und dir immer nur den Punkt herausgreifst, der dein vorgefertigte Meinung bestätigt, bitte schön 😉

      Wenn du hingegen doch an ein paar Fakten zu LiMux interessiert bist, kann ich dir diese ausführliche Story bei Golem empfehlen. Dort wird versucht Perspektiven und Probleme über die Jahre ausgewogen darzustellen: https://www.golem.de/news/limux-die-tragische-geschichte-eines-leuchtturm-projekts-1702-126230.html. Dort kommt übrigens auch die alte Hardware zur Sprache.

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