Cookies als Trackinginstrument sind ein Auslaufmodell. Ausufernde Einwilligungspflichten der DSGVO, omnipräsente Banner und die technische Blockade von Drittanbietercookies in immer mehr Browsern macht eine Abkehr von der Technologie unausweichlich. Damit hört natürlich das Tracking nicht auf.

Cookies als Mittel zum Verfolgen von Nutzern durch das Internet, mit dem Ziel, den Nutzer wiederzuerkennen und sein Verhalten zu analysieren, meist mit dem Ziel möglichst passgenaue Werbung auszuspielen, ist ein Auslaufmodell. DSGVO, TTDSG, technische Blockaden durch Hersteller wie Apple, für das Thema sensibilisierte Nutzer – das Ende von Cookies hat viele Gründe.

Noch sind Cookies allerdings ein wichtigstes, vermutlich sogar noch das wichtigste Mittel der Trackingindustrie. Die verbreiteten Berichte über neue Technologien sollte man daher nicht zum Anlass nehmen, die alten Schutzmaßnahmen einzustellen. So wie die Seitenbetreiber bzw. die Trackingunternehmen zunehmend mehrgleisig fahren und alte neben neuen Methoden nutzen, so müssen auch die Anwender die alten Schutzmauern intakt halten, während sie bereits neue Barrieren bauen.

Es ist noch keineswegs ausgemacht, was Cookies als dominierende Methode ablösen wird. Googles erster Versuch im vergangenen Jahr scheiterte am geballten Widerstand der anderen Browserhersteller, CMS-Entwickler, Seitenbetreiber – alle waren dagegen. Das ändert natürlich nichts an Googles Bestrebungen.

Eine möglicherweise wichtige Rolle gewinnen sogenannte Identitätsprovider. Dazu möchte ich auf eine Recherche von Matthias Eberl verweisen. Eine kürzere und leichter zu lesende Variante findet sich in der SZ, die längere und technische Ausgabe im Kuketz-Blog. Sein Fazit, die Dienste sind noch kein Standard, aber bei vielen großen Seiten bereits zu finden.

Identitätsprovider sind Unternehmen, die zentral erfassen, wenn sich eine Person irgendwo im Netz einloggt und diese Information an die Werbeindustrie weitergeben. Als Identifier dient meist die E-Mail Adresse. Die Methode hat ganz nebenbei Potenzial, den feuchten Traum der Werbeindustrie zu erfüllen: Die Verknüpfung des Online- und Offline-Konsumverhaltens. Bisher sind diese Bereiche noch relativ stark getrennt, mit Identitätsprovidern könnte man dies stärker als bisher verknüpfen.

Die halbwegs positive Nachricht ist, dass die bekannten Gegenmaßnahmen teilweise weiter funktionieren: Blocker und aktives Vermeiden von Diensten, die sich über Werbung finanzieren. Rein rechtlich sind diese neuen Methoden genau so wie Cookies einwilligungspflichtig, weshalb sie sich in Cookie-Abfragen ablehnen lassen sollten (die Betonung liegt auf „sollten“…).

Neu hinzukommt ein sorgsamerer Umgang mit potenziellen Identifiern. Aktuell primär E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Möglicherweise helfen hier Verschleierungsdienste, wie sie nun Apple und Mozilla Relay anbieten. Die alten Fronten von Unternehmen, die sich gegen Tracking stellen und ihr Geld anders verdienen und der Werbeindustrie würden dann wohl bestehen bleiben.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

3 Ergänzungen

  1. „Haben Sie die Lidl-App?“. Seit Monaten trommelt Lidl dafür und scheint damit auch einen gewissen Erfolg zu haben. Ich bin jedenfalls immer überrascht wie viel Leute dafür Ihr Smartphone bereitwillig an den Scanner halten. Das Offline-Verfolgen der Kunden scheint also durchaus schon in Teile zu funktionieren. Ob wirklich einer der Kunden die sehr lange „Datenschutzbestimmung“ der App gelesen hat?

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