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Android wird unfreier - Alternativen nicht in Sicht

Freie Software spielt auf Smartphones und Tablets kaum eine Rolle. Dem eigentlich freien Android legt Google immer mehr Fesseln an und freie Alternativen sind nicht in Sicht. Besserung zeichnet sich nicht ab, die Situation wird sogar immer schlechter.

In kaum einem Bereich wäre freie Software so wichtig für das Vertrauen in die Funktionsweise des Geräts wie bei den mobilen Geräten, die wir ständig bei uns tragen. Der Datenabfluss von Windows 10 ist ständig Thema, aber zumindest mein PC hat kein Mikrofon, keine Webcam und kein GPS-Modul verbaut. Smartphones, Tablets und Smartwatches sind hingegen perfekte Spionagewerkzeuge. Wir tragen sie ständig bei uns, die haben an Vorder- und Rückseite Kameras, Mikrofone, GPS-Module, Bluetooth und WLAN. Hinzu kommen viele kleine Sensoren um Annäherung oder Lagerungsänderungen zu bemerken.

Freie Software lässt natürlich diese Sensoren nicht verschwinden, aber sie stärkt das Vertrauen in die Funktionsweise der Software (siehe: Reflexionen: Der Kern ist Vertrauen). Wenn die Betriebssysteme hingen mit großen Werbenetzwerken verbunden sind, bewirkt das so ziemlich das Gegenteil. Das Menetekel staatlicher Überwachung sei hier noch gar nicht angesprochen.

Android - Ist doch im Kern frei?

Android ist im Kern (AOSP) ein freies System. Dieses freie System ist im Gegensatz zu Apples Darwin sogar lauffähig. Viele Befürworter von Android als freies und sicheres System machen diesen Punkt immer besonders stark. Google tut aber alles dafür um dieses System unbrauchbar zu machen.

Vor 6 Jahren besaß ich ein Nexus 4 auf dem CyangenMod lief (sowohl die Nexus-Serie, als auch Cyanogen gibt es nicht mehr). Google reicherte schon damals das freie Kernsystem durch eigene Apps an - in der Modder-Szene GApps genannt. Diese konnte man installieren oder es auch sein lassen. Je nachdem hatte man halt Zugriff auf den Play Store und Dienste wie GMail oder eben nicht. F-Droid gab es damals schon und im Grunde genommen war jede App auch auf einem nackten AOSP-System lauffähig. Notfalls halt per Sideload, allerdings natürlich mit den bekannten Implikationen für die Sicherheit.

Bereits damals war absehbar, dass Googles Engagement für den freien Kern rückläufig war (siehe: "Zum Stand der Open Source Mobilsysteme" oder "Warum man zu einem BlackBerry Classic greift"). Google schmiss der Gemeinschaft regelmäßig neue Versionen vor die Füße und gliederte Neuentwicklung - selbst so etwas zentrales wie den Launcher - zunehmend in proprietäre Erweiterungen aus. Die Gemeinschaft musste offenkundig immer größere Anstrengungen unternehmen um hier den Anschluss zu halten.

In den letzten Jahren hat diese Entwicklung an Fahrt aufgenommen. Jede Maßnahme zur Stärkung der Sicherheit ging zu Lasten der Funktionsfähigkeit des freien Kerns. Dabei ist gar nicht zu leugnen, dass einige dieser Maßnahmen notwendig waren und die Sicherheit verbessert haben. Die Frage ist lediglich: Hätte es nicht auch alternative Vorgehensweisen gegeben, mit denen man die freie Basis nicht derart beschädigt hätte?

  • So entschied man bei Google beispielsweise zur Linderung der ewigen Update-Problematik Systembestandteile über den Play Store zu aktualisieren.
  • Eine weitere Bedrohung ist SafetyNet. Das in den Play Diensten versteckte SafetyNet sammelt kontinuierlich Daten über das Gerät und sendet diese an Google. Wird das Gerät als inkompatibel erkannt, z. B. weil es gerootet wurde oder ein Custom ROM läuft, ist die Funktionsfähigkeit von Apps, die SafetyNet voraussetzen eingeschränkt oder sogar komplett unmöglich. Das betrifft gegenwärtig vor allem Mobile Payment und Banking-Apps, lässt sich aber theoretisch ausdehnen.
  • Viele Apps sind mit Google Cloud Messaging (GSM) verzahnt und verweigern ohne die Funktion. Öffentlich thematisiert wurde dies zuletzt wegen Signal, das ironischerweise ursprünglich nicht auf AOSP-Systemen funktionierte.

Das Engagement der Community ist stark rückläufig, wie auch einige Leser hier bestätigten (siehe: Custom ROMs in der Krise?). Es gibt weniger Custom ROMS und immer weniger Hardware wird von den verbliebenen Projekten unterstützt. Freie Apps, wie sie bei F-Droid kuratiert werden, gibt es zwar aber das Ökosystem bleibt auf einem niedrigen Niveau. Besserung ist hier seit Jahren nicht in Sicht. Sollte Google die aktuellen Tendenzen in der Entwicklung fortsetzen könnte die eigenständige Funktionsfähigkeit von AOSP sogar grundsätzlich in Frage stehen bzw. eine vollständige Trennung von AOSP + freie Apps und Google-Android notwendig werden. Hier würde sich dann die Frage stellen, ob es noch genügend Entwickler anziehen würde oder ob man den abschüssigen Weg der freien Alternativen einschlagen würde.

Freie Alternativen

Der Markt für wirklich freie Alternativen entwickelt sich auch negativ. Einstige Hoffnungsträger haben aufgegeben, sich in eine Nische begeben oder bleiben in der Rolle als ewige Nachwuchshoffnung verhaftet. Übrig sind eigentlich nur zwei Projekte und eine Ankündigung.

Jolla / Sailfish

Hinter Sailfish (ehm. Sailfish OS) steht nach wie vor das finnische Unternehmen Jolla, das von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet wurde und an Entwicklungen wie das N9 und MeeGo anknüpfte. Die letzten Jahre liefen aber eher schlecht. Nachdem man sich an einem Tablet-Projekt verhoben hatte und dieses einstampfen musste kämpfte man mit erheblichen finanziellen Problemen. In den letzten Jahren kooperierte man mittelbar mit dem russischen Staat (siehe. Jolla / Sailfish OS - Zu enge Staatsverbindungen?). Zu den Leistungen gehört aber die Kooperation mit Sony, wodurch einige halbwegs moderne Sony-Smartphones als Hardware zur Verfügung stehen.

Problematisch ist zudem, dass die Oberfläche von Sailfish keine freie Software ist, sondern man lediglich im Unterbau viel freie Software einbezieht. Sailfish OS ist daher als freie Alternative zu Android schon hinsichtlich der Lizenzierung ungeeignet.

Sailfish ist unter den alternativen Betriebssystemen sicherlich eine der ausgereifteren Varianten. Im Gegensatz zu anderen Testern hat es mich persönlich allerdings schon 2015 nicht vom Hocker gehauen (siehe von damals: Sailfish OS auf dem Nexus 4 ausprobiert). Das jüngste Update auf Sailfish 3 beinhaltete auch eher Neuerungen aus dem Bereich der Produktpflege und war alles andere als ein großer Wurf.

Meiner Meinung nach hat Jolla den gleichen Fehler wie BlackBerry begangen. Um die Nutzer mit Apps ködern zu können hat man sich zum Android Ökosystem geöffnet. Dadurch hat man allerdings die eigene Plattform geschwächt und Anreize zum entwickeln nativer Apps genommen. Sailfish OS kann daher ohne Android Apps heute kaum noch funktionieren und verliert damit immer mehr an Attraktivität.

Ubuntu Touch

Canonical hatte mit Ubuntu Touch große Erwartungen geweckt. Medienwirksam setzte man auf eine groß angelegte Crowdfunding-Initiative, die dann auch fulminant scheiterte - aber wenigstens viel Aufmerksamkeit einbrachte. Das Ziel war nichts weniger als absolute Konvergenz der Systeme, ein Konzept, an dem sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen haben. Letztes Jahr zog man dann auch die Reißleine und beendete die konvergenten Träume.

Relativ überraschend fand sich dann aber doch eine Community, die das System übernahm und weiterentwickelte. Entgegen den Erwartungen gelang es der Community gelang es der Community tatsächlich die Entwicklung voran zu treiben und den Anschluss an die aktuelle Ubuntu Basis zu halten.

Problematisch ist allerdings die Hardware Unterstützung. Die offiziell vorgestellten Devices sind alle museumsreif und die Community Devices kaum besser. Hoffnung macht hier das Volla Phone auf dem Ubuntu Touch laufen können soll.

Mehr als eine Nischenrolle dürfte aber auch zukünftig nicht drin sein.

Purism Librem 5

Purism 5 ist fulminant gestartet und wird meiner Meinung nach ebenso krachend scheitern. Die Entwickler haben sich mit der parallelen Entwicklung freier Hardware und freier Software vollkommen verhoben. Anstelle zumindest bei der Software mit bestehenden Projekten wie Plasma Mobile oder UBports zu kooperieren, wollte man unbedingt etwas eigenes auf Basis des vollkommen ungeeigneten GNOME erstellen.

Das was sie zustande gebracht haben ist bestenfalls ein netter Versuch (siehe: Purism Librem 5 - Bestenfalls eine Experimentalstudie), sofern es überhaupt noch ausgeliefert wird (siehe: Kommentar: Librem 5 kommt später und nicht vollständig). Jüngst durfte die Corona-Krise für die Begründung einer weiteren Verzögerung herhalten.

Man kann sich zudem manchmal nicht des Eindrucks erwehren, dass Purisms Projektabwicklung nicht sonderlich zielorientiert arbeitet (siehe dazu auch die Links hier: Links der Woche KW 50 - Purism, Onlineshopping und Linux). Man bringt kaum ein Projekt zu Ende und kündigt stattdessen immer neue Offensiven an. Jüngst startete man eine Kampagne für einen Mini-PC.

Zusammengefasst

Android wird sukzessive unfreier, sogar die langfristige Funktionsfähigkeit von AOSP darf bezweifelt werden. Das Projekt hängt auf Gedeih und Verderb am guten Willen von Google. Wirklich freie Alternativen sind nicht in Sicht. Sailfish ist weder frei, noch unabhängig und ebenfalls eng mit Android verwoben. Purism ist mit dem Librem 5 meiner Ansicht nach gescheitert, lediglich das Eingeständnis steht noch aus und Ubuntu Touch kann allenfalls in der Nische überdauern.

Bei meinen letzten Bestandsaufnahmen hatte ich noch Hoffnung auf freie Newcommer in diesem Bereich, aber aktuell gibt es kaum etwas, was hier noch Anlass zu Hoffnung gibt.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von Mudassar Iqbal via Pixabay 

 

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Tags: Android, Google, Sailfish OS, UBports, Ubuntu Touch, Purism, Jolla, Librem 5

Ergänzungen zum Artikel

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Deadlock
Außerdem geistert auch immer noch durch den Raum, dass Google vielleicht sogar die Linux Basis von Android durch Fuchsia ersetzt. Auch wenn das Google bisher mehr oder weniger dementiert hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Google_Fuchsia

Gerrit
Das ist richtig. Ich habe aber immer mehr den Eindruck, dass Fuchsia ein Experiment sein wird, das Google irgendwann beerdigt. Möglicherweise mit Erkenntnisgewinn für andere Projekte.
SailfishOS eng mit Android verwoben?? Äh ganz sicher nicht... Es gibt lediglich einen Emulator, den man auch nicht mal zwingend installieren muss! Ohne Emulator hat SailfishOS gar nix mit Android zu tun, außer dem Linux Kernel.
Unfreie Bestandteile bei SailfishOS sind der Emulator und Teile der UI - der Rest ist ebenfalls (basierend auf MeeGo/Mer) frei... sehe da jetzt kein Problem.

Was Apps betrifft sollten die OS Projekte wie bei Ubuntuusers schon angemerkt einen gemeinsamen App-Standard schaffen, SailfishOS, Ubunto Touch und Tizen haben Native QT an Board, wäre also kein großes Problem, auch andere könnten QT leicht implementieren...
https://ikhaya.ubuntuusers.de/2020/03/21/das-volla-phone-kommt-mit-ubuntu-touch/#comment_4

Gerrit
Zitat :
SailfishOS eng mit Android verwoben?? Äh ganz sicher nicht...

Ganz sicher doch! Ohne Android hat Sailfish kaum noch funktionsfähige Apps, weil sie ihr eigenes Ökosystem mit der Propagierung der Android-Geschichte sehr erfolgreich abgewürgt haben.

Eng verwoben würde ich definieren wenn hier eine Zusammengehörigkeit/Arbeit bestünde oder Teile voneineinder/untereinander verwendet werden. Auch davor gab es kaum Apps und guckt man sich die anderen Alternativen an - da sieht es mit wesentlichen Apps genauso düster aus, nur dass man da keine Alternative hat. Und für <1% wird kaum zu erwarten sein, dass da App-Entwickler aktiv werden... Ich sehe Android Apps nutzen zu können eher als Rettungsanker...
Mich würde interessieren warum du Gnome für eine prinzipiell ungeeignete Bedienoberfläche für ein Handy hälst.

Ich vermute mal dein Argument ist: Gnome ist für den Desktop gemacht und sieh her, es funktioniert bisher schlecht. Gerne ergänzen.

Aber ich halte das für eine zu oberflächliche Behandlung. Sie basiert auf dem "ist" und "war" für eine Neuentwicklung ist aber das "kann" viel wichtiger.

Gnome ist sehr flexibel. Responsive Design lässt sich einfacher implementieren als bei möglichen Alternativen. Durch die Verwendung von Gnome löst man ganz grundsätzliche Probleme. Es gibt eine erwiesenermaßen seit vielen Jahren stabile Entwicklung. Man nutzt viel vorhandene Infrastruktur, man entwickelt upstream. Hier werden nahezu perfekt Synergien genutzt. Das Apps fehlen, oder bisher schlecht unterstütz werden ist ein nachrangiges Problem bei der Wahl einer Entwicklungs Platform. Gäbe es ein bereits perfektes Ökosystem, könnte man sich die eigene Entwicklung eh sparen. Dann sollte man die nehmen. Hier ist mir aber nichts fürs Handy das FOSS ist bekannt. Ich glaube Gnome ist eine sehr rationale und kluge Entscheidung, die mit sehr viel Weitblick gefällt worden ist.

Gerrit
Zitat :
Mich würde interessieren warum du Gnome für eine prinzipiell ungeeignete Bedienoberfläche für ein Handy hälst.

Ganz einfach: Weil es zu dem Zeitpunkt, an dem Purism es zur Oberfläche seines geplanten Mobilsystems machte keinerlei (!) Funktionsfähigkeit in diese Richtung hatte. Natürlich kann man das alles entwickeln aber es liegt der Verdacht nahe, dass Purism keine saubere Analyse durchgeführt hat, sondern die Entwickler das genommen haben, was ihnen schon von ihren Desktop-Systemen vertraut war. Zumal alle anderen freien/semi-freien Systeme (Sailfish, Ubuntu Touch und Plasma Mobile) auf Qt setzen.

Ob es Weitblick hatte werden wir wohl nie erfahren, weil Purism vom Librem 5 noch die versprochenen Chargen an die Backer ausliefern wird und dann werden sie das Projekt beerdigen bzw. einschlafen lassen.

Meiner Meinung nach hat sich Purism mit der parallelen Entwicklung einer Oberfläche und freier Hardware verhoben. Aber der Kampagnen-Schneeball muss schließlich am Rollen gehalten werden.

postlet
Vielleicht schaffen Geräte wie bspw. das PinePhone mit einem erschwinglichen Preis und Unterstützung für gängige Linux-Distributionen der Entwicklung für Mobilgeräte nochmal einen Schub zu geben. Aber beim derzeitigen Stand mag man dann doch bestenfalls nur sehr vorsichtig optimistisch bleiben. Das Problem bleibt ja, dass man eigentlich nicht nur das Betriebssystem ersetzen müsste, sondern gleich ein ganzes Ökosystem an Anwendungen; siehe Jolla. Mal abgesehen davon, dass man die Hardware erst Mal kaufen können muss und die Hersteller nicht noch ein paar Monaten schon wieder die Produktion einstellen.
walküre
Hallo,

Ich lese deine Artikel eigentlich immer gerne. Ich stimme zwar nicht immer mit deinem jeweiligen Fazit überein, aber die Ist Situation ist meiner Meinung nach immer ziemlich gut auf den Punkt gebracht und andere Meinungen als die eigene helfen ja auch beim Blick über den Tellerand.

Heutige Smartphones sind ja mehr oder weniger eine EInheit aus Hardware und Software und Infrastruktur (App-Store, Apps, und darum gebaute Services). Es gibt keine "Barebones" in dem Sinne, die man sich zusammensteckt um gewünschte "Extensions" erweitert und dann ein OS seiner Wahl aufspielen kann wie bei den den PCs und Laptops heutzutage.
Das macht für einen Anbieter die Anfangsinvestition bzw. den Anfangsaufwand unglaublich hoch und für eine Community kaum stemmbar. Vor allem weil es auch schnell gehen muss, die üblichen Entwicklungszeiträume sind in der freien Software sind da einfach zu langwierig (nicht negativ gemeint). Bis man ein freies OS auf gegebener Hardware zum Laufen bekommt ist die Hardware schon wieder veraltet und man muss wieder von vorne anfangen. Und da ist nur die reine Hardwareunterstützung, von einem brauchbaren Userinterface bzw. einer Serviceinfrastruktur noch gar nicht zu reden.
Und dann ist der Markt noch mehr "App"-getrieben durch die grossen Plattformanbieter. Was will man mit einem perfekt funktionierenden freien Smartphone, mit dem besten Userinterface, wenn die gewünschten Apps nicht darauf laufen, weil der Anbieter sie nicht verfügbar macht?
Leider reichen da Browser, Terminal und Mailclient wie auf dem Desktop/Laptop (wie bei mir auch) nicht aus, auch um die benötigten Stückzahlen im Hardwareverkauf zu erreichen, um rentabel zu produzieren.
Wenn man heute sowas machen will, dann muss eigentlich am ersten Tag die Hardware mit Software und Infrastruktur stehen und funktionieren. Das können nur grosse Formen stemmen mit ausreichend finanziellen Background, leider.
Ich hoffe immer noch drauf, dass es mal irgendwie funktionieren wird, Fairphone mit Sailfish zum Beispiel und sich dann aus was "halbfreien" dann langsam was entwickelt. Purism hatte ich auch gehofft...
Ich weiss da auch keinen Ausweg momentan, aber es kann ja nicht sein, dass man wahrscheinlich wichtigsten Bereich der persönlichen IT (mobile Endgeräte) am Ende nur einer handvoll profitgetriebenen Weltkonzernen überlässt...
Es war in der letzten ct ein Artikel, warum die Situation bei Android ist wie sie ist mit der Hardwareunterstützung bei ARM Geräten...
Ich glaube, das ändert sich erst, wenn es "unbespielte" bzw. "nackte" Smartphone-Rohlinge gibt, die man dann mit dem OS seiner Wahl booten kann...dann haben interessierte Entwickler etwas zum "rumspielen"

Also, ich hoffe noch auf Besserung, fürchte aber, dass es noch lange dauern wird. Kann aber auch ganz anders kommen. Wie heisst es so schön? Voraussagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen :-)

Leszek Lesner
Thomas Wolf sagte :
SailfishOS eng mit Android verwoben?? Äh ganz sicher nicht... Es gibt lediglich einen Emulator, den man auch nicht mal zwingend installieren muss! Ohne Emulator hat SailfishOS gar nix mit Android zu tun, außer dem Linux Kernel.


Das stimmt nicht ganz. Moderne SailfishOS Geräte laufen gar nicht, wenn keine Android Treiber genutzt werden. Ganz sicher ist dir libhybris bekannt.
Die Abhängigkeit zu AOSP bei Xperia X Geräten ist deutlich. Hat AOSP ein Stromsparproblem beim Xperia 10 Plus so hat es auch SailfishOS zu 99% da die gleichen Treiber verwendet werden.

Zitat :
Unfreie Bestandteile bei SailfishOS sind der Emulator und Teile der UI - der Rest ist ebenfalls (basierend auf MeeGo/Mer) frei... sehe da jetzt kein Problem.

Ich sehe da auch kein großes Problem. Auch wenn die Telefonapp, Kalenderapp und einige andere ebenfalls proprietär sind, so liegt der Hauptcode der Anwendungen tatsächlich offen und gerade dadurch ist es anderen Projekten auch nur möglich ähnliches zu implementieren.
Zudem braucht es wohl geschlossene Teile um kommerziellen Erfolg zu erzielen. Die Firmen, die mit komplett offenen Systemen auch Geld verdienen können kannst du an einer Hand abzählen. Das ist für eine Startup Firma(Jolla ist das nicht mehr, aber war es) nicht möglich.

Zitat :
Was Apps betrifft sollten die OS Projekte wie bei Ubuntuusers schon angemerkt einen gemeinsamen App-Standard schaffen, SailfishOS, Ubunto Touch und Tizen haben Native QT an Board, wäre also kein großes Problem, auch andere könnten QT leicht implementieren...
https://ikhaya.ubuntuusers.de/2020/03/21/das-volla-phone-kommt-mit-ubuntu-touch/#comment_4


Ich denke Flatpaks, Snaps oder AppImages können hier das Problem lösen.
Auf SailfishOS gibt es z.B. jetzt ein Flatpak für einen Browser der im Plasma Mobile Projekt entwickelt wird.
Zusammenarbeit gibt es dort bereits.

M. Böhm
Grundsätzlich würde ich diesen Beitrag durchaus als gelungen wenn auch viel zu pessimistisch bezeichnen, wenn da nicht an mehreren Stellen ungenau und tendenziös argumentiert würde. Jolla kooperiert mit einem russischen Telekommunikationsunternehmen an dem der russ. Staat beteiligt ist und nicht dem Staat. Propietäre Software von Jolla darf durch dieses Unternehmen (Rostelecom) verwendet werden, um als Grundstock für deren eigenes Aurora OS zu dienen. Wäre Purism eine deutsche Firma würde sie jetzt wohl den Tatbestand "übler Nachrede" juristisch prüfen lassen (Stichwort "Schneeballsystem").
Gerrit
Das ist Ansichtssache. Man kann sich umgekehrt auf fragen, weshalb Jolla in der PR den Grad der Beteiligung von Rostelecom so im unklaren lässt, sowie wie viel Rostelecom mittelbar in Jolla investiert hat und welche Mitsprache sie haben. Transparenz sieht anders aus! Der Absatz ist also schwammig, weil Jolla einen im Nebel stochern lässt.

Zu Purism: Ich habe das Wort "Schnellballsystem" mal raus genommen. Dennoch stimmt die Beobachtung, dass man Kampagne um Kampagne fährt und selten etwas fertig bringt. Da ist es nicht illegitim zu fragen wie das Unternehmen seinen Cashflow steuert.

Linux-Nutzer
Und auch an der freien, datenschutzfreundlichen AOSP-Front tut sich etwas: Mit /e/ gibt es jetzt ein Betriebssystem, was auf AOSP aufsetzt, aber zugleich so viel wie möglich an Diensten und "Bequemlichkeiten", die Google auf Kosten der Privatsphäre der Nutzer bietet, frei nachzubilden, ohne dass die Daten dabei irgendwie "weiterverwendet" werden.
Klar, es ist Android und steht und fällt zumindest mit der Kompatibilität der Apps, und es basiert auch auf LineageOS, d.h. auch hier ist es davon abhängig, dass es weitere Releases davon gibt. Aber es ist zumindest eine Alternative, die man nutzen kann, und solange es F-Droid gibt, hat man auch eine Menge freier Apps dafür. Auch dass vor allem viele ältere Geräte dadurch unterstützt werden, ist hier in meinen Augen nicht so schlimm, denn z.B. Highend-Geräte von vor 3 oder 4 Jahren sind ja heute immer noch sehr gut, die Entwicklung auf der Hardwareseite beinhaltete jedenfalls nicht wirklich große Quantensprünfe, sondern halt bloß graduelle Verbesserungen, d.h. wenn man das Smartphone als Gebrauchsgegenstand sieht und nicht als Statussymbol oder Modeaccessoire, ist das kein Hinderungsgrund, wenn man wirklich aus den Fängen der Datenkrake raus will.

Gerrit
Zitat :
Mit /e/ gibt es jetzt ein Betriebssystem, was auf AOSP aufsetzt

Ich habe mir /e/ durchaus auch mal angeguckt. Wie die Leute bei Golem aber zu recht festgestellt haben, gibt es bei /e/ viele Probleme und letztlich handelt es auch nur um eine Reimplementierung von Google-Diensten. /e/ taugt nichts als Zukunftshoffnung.

Zitat :
Aber es ist zumindest eine Alternative, die man nutzen kann, und solange es F-Droid gibt, hat man auch eine Menge freier Apps dafür.

Das Angebot stagniert aber definitiv. Ohne Krücken wie Aurora ist Android + F-Droid wenig mehr als ein hübsches Featurephone.

Zitat :
Auch dass vor allem viele ältere Geräte dadurch unterstützt werden, ist hier in meinen Augen nicht so schlimm, denn z.B. Highend-Geräte von vor 3 oder 4 Jahren sind ja heute immer noch sehr gut, die Entwicklung auf der Hardwareseite beinhaltete jedenfalls nicht wirklich große Quantensprünfe, sondern halt bloß graduelle Verbesserungen, d.h. wenn man das Smartphone als Gebrauchsgegenstand sieht und nicht als Statussymbol oder Modeaccessoire, ist das kein Hinderungsgrund, wenn man wirklich aus den Fängen der Datenkrake raus will.

Man kann sich alles schön reden. wink Fakt ist die Hardware-Unterstützung durch freie ROMs hat massiv nachgelassen. Sowohl was die Zahl der Gerätehersteller, als auch die Modelle betrifft.

Ich nutze SFOS Seit über 5 Jahren und einzig der Browser ist eine Katastrophe und z.Z. der einzige Grund warum ich die Androidversion von Opera nutze. Alles Andere funktioniert einwandfrei und vor allem ALLES OHNE WERBUNG. SFOS bietet Grundlegende Funktionen und Apps wie Kalender, Adressbücher, Messanger, Browser ( ja es gibt eine aber der is eigentlich die bezeichnung Broser nicht wert ), Navigationsysteme, Audioplayer, Videoplayer uvm. Der Jolla Store its wirklich sehr rudimentär ausgestattet aber auf Openrepos.net gibt zig Apps

SFOS Pros :
- keine Werbung
-> weniger Traffic
--> Mobiles Datenvolumen hält wesenlichlänger
- Volle Systemkontrolle ( Dieser rooting mist von Android völlig unötig )
- Grundlegende Systemtools vorhanden
-> Dateitransfer über sshfs ( unter Android die reinste Hölle )
--> Terminaltools zur Fehleranalyse
- Oberfläche wesentlich einfacher zu bedienen als bei Android
- SFOS Update für geräte der ersten Generation heute noch ( nach über 6 Jahren )
-> Geräte wesentlich länger nutzbar
- keine Datensammelkrake wie Android

SFOS Cons :
- Der Browser ist mehr als katastrophal
- Nur wenige Geräte verfügbar
- Umgang erfordert mehr Einarbeitung ( Dafür wird das System nicht ständig umgemoddet )

Gerrit
Zitat :
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