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Bild von 3dman_eu via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

Desktopumgebungen - Spaltungen, Wiederbelebungen und Schuldige

Spaltungen gehören zu Open Source Software. sie liegen in der Natur des zugänglichen Quellcodes und der freien Lizenzierung. Befürworter sehen in dieser Vielfalt das Potenzial. Kritiker sehen massive Ressourcenverschwendung und Unübersichtlichkeit. In jedem Fall nimmt die Anzahl der Projekte zu, während die Zahl der Entwickler nicht in gleichem Maße mit wächst.

Sehr gut beobachten lässt sich das an den Desktopumgebungen.

Stand 2018 kann man 11 aktuell noch gepflegte Desktopumgebungen zählen. Unity ist bereits abgekündigt, weshalb vermutlich 10 Desktopumgebungen übrig bleiben (sofern die Unity 8-Community nicht ein Wunder bewirkt). Nicht berücksichtigt sind dabei die zahllosen Windowmanager, die je nach Funktionsumfang bereits an kleinere Desktopumgebungen wie LXDE heranreichen können.

Es handelt sich dabei um folgende Umgebungen:

Die aufgezählten Erscheinungsjahre zeigen bereits, dass Linux über sehr lange Zeit mit lediglich drei Desktopumgebungen auskam. Diese erfüllten unterschiedliche Bedürfnisse, insbesondere im Bereich der notwendigen Ressourcen, bzw. spiegelten unterschiedliche Ansichten über die notwendige Freiheit der Lizenzierung. Seit 2011 ist die Zahl der Desktopumgebungen hingegen explodiert, ob die Abkündigung von Unity da einen gegenläufigen Trend einleitet bleibt abzuwarten. Lediglich die angekündigte Verschmelzung von LXDE und RazorQT zu LXQt schien den Dschungel zeitweilig zu lichten, bevor man entschied LXDE auf unbestimmte Zeit weiter zu pflegen. Der Zustand von LXQt verrät nebenbei viel über die Entwicklerstärke dieser Nischenprojekte.

Die Katastrophe in dieser Entwicklung ist zweifelsohne die GNOME Shell. Ihre Veröffentlichung 2011 leitete unmittelbar eine Reihe an Abspaltungen ein. Unity und Cinnamon sind die offensichtlichsten Folgen, aber die Wiederbelebungen von GNOME 2 als MATE gehört da ebenfalls zu. Mittelbar eigentlich auch solche Projekte wie Budgie, das ähnlich wie Unity mit GNOME-Unterbau aber einer anderen Desktopumgebung arbeitet. Etwas anders gelagert ist dies bei eOS, das bereits zu GNOME 2-Zeiten begann und bei dem es müßig ist zu diskutieren, ob die Entwicklung ohne Shell anders verlaufen wäre.

Das viel gescholtene KDE Plasma hat trotz aller Umbrüche nur eine halbseidene Abspaltung erlebt. Trinity ist dabei kein wirklicher Erfolg, da man sich nie von der KDE 3.5 Codebasis emanzipieren konnte und kaum Verbreitung gefunden hat.

Möglicherweise zeigt dies auch eine der Ursachen für die rapide ansteigende Abspaltungsanzahl. Projekte werden immer mehr von ideologischen Hardlinern geführt, die ihr Konzept gegen jeden Widerstand durchdrücken wollen. Widerspruch oder abweichende Meinungen sind im rauen Umgangston nicht mehr möglich. Je weniger Widerspruch man dann noch zu hören bekommt, desto mehr verrennt man sich in seinem Weg. Entwicklergemeinschaften mit verhältnismäßig offener Bedienphilosophie wie KDE können da deutlich mehr widersprüchliche Projekte unter dem eigenen Dach zusammen führen oder parallel existieren lassen.

Natürlich gibt es Anwender, die mit der GNOME Shell sehr gut arbeiten können. Es gibt ja auch Leute, die mit einer minimalistischen WM arbeiten. GNOME war aber zeitweilig fast "die" Desktopumgebung für Linux. Massenware muss Kompromisse eingehen und auf Anwender zugehen. GNOME ist zwar immer noch weit verbreitet, insbesondere im LTS-Bereich (RHEL, Ubuntu, SLE) aber dies liegt vor allem am LTS-Support von Red Hat, den die anderen Distributoren gerne mitnehmen. In die anderen Projekte müsste man zu viel Geld und Entwicklerzeit für die Pflege stecken, als das es sich bei dem kleinen Markt lohnen würde.


Bilder:

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Tags: Linux, Desktop, KDE, GNOME, Xfce, MATE, LXDE, Plasma, Pantheon, LXQt, Trinity, Cinnamon, Unity, Budgie

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    dalf · Vor 1 Monaten
    Wow. War sehr interessant. Habe immer gedacht es gibt mehr wie zehn DEs
    Danke für den Text
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    k1l · Vor 1 Monaten
    Ich sehe auch eine große Schuld bei gnome/redhat damals beim Umstieg von gnome2 auf die neue gnome3 Basis, der eher suboptimal gehandhabt wurde. Obwohl es einige Ambitionen damals gab Standards Desktop-übergreifend einzuführen, hat sich gnome vehement dagegen gesträubt. Über die Intentionen kann man nur mutmaßen, ob es Eitelkeit war oder Überzeugung für den eigenen Plan oder wirtschaftliche Interessen wie die Alleinstellung des Produktes.
    Auch der komplette Bruch vom "Windows XP Desktop" zur "Shell" hat viele User auf der Strecke gelassen. Zwischenzeitlich musste gnome auch dort wieder zurückrudern und wieder den Classic-Modus unterstützen, da wohl zu viele Kunden von RedHat auf diesen alten Look bestanden haben.

    Bezeichnend fand ich jedenfalls, dass mit der Ankündigung von ubuntu nicht mehr auf unity als Standarddesktop zu setzen, nicht nur viele (gnome-)User sagten "Jetzt wird ubuntu endlich gnome fixen" sondern, dass auch einige gnome Leute dieses sehr ähnlich formulierten. Hier frage ich mich, ob sie gemerkt hatten, dass sich dort verrant wurde sie aber nicht zurückschwenken konnten?

    Mittelfristig werden wir uns wohl zuerst von Trinity und dann von Mate verabschieden. Denn die alten Basen am Laufen zu halten ist verdammt viel Arbeit und für den alten Look gibts auf der neuen Basis recht gute Möglichkeiten mittlerweile. Bei LXDE ist der Umstieg zu LXQt ja eigentlich nur eine Frage wann LXQt so weit ist.
    Cinnamon und Budgie sind mir persönlich auch irgendwie zu ähnlich.
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      k1l · Vor 1 Monaten
      Scheint so als wenn der Wechsel von LXDE zu LXqt bei Lubuntu jetzt mit 18.10 passieren wird: https://community.ubuntu.com/t/new-lubuntu/5997
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        Cruiz
        • Administrator
        · Vor 1 Monaten
        Wurde ja schon öfter angekündigt. Außerdem entwickeln die Lubuntu-Macher ja nicht selbst und mein Kenntnisstand seitens der Entwickler ist immer noch, dass man LXDE auf unbestimmte Zeit weiter pflegen will.
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          k1l · Vor 1 Monaten
          Mir ging es auch eher um den aktuellen Stand von LXDE vs. LXqt. Wenn Lubuntu da jetzt den Schwenk macht, dann scheint das schon recht weit zu sein und dann werden andere sicher auch folgen (wenn sie das nicht auch schon in ihrer Timeline haben).

          Meine Erfahrung ist allerdings, dass das alte Spielzeug nicht mehr so viel Liebe bekommt, wie das neue Spielzeug. Egal wie stark vorher die Versprechen waren
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    Lui Kast · Vor 1 Monaten
    Dass sich Trinity nicht von der KDE 3.5 Codebasis "emanzipiert" hat, ist doch gerade der Sinn dieses Projektes?! Es geht um die Bewahrung, Pflege und Erhaltung des alten Baums. Ein Projekt, dass m.E. gerade auf altersschwacher Hardware seine Berechtigung findet. Ich empfinde diese abgehangene und funktionsreiche Lösung jedenfalls deutlich ansprechender als junge unausgereifte Setzlinge wie LXQt.
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      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 1 Monaten
      Das ist so nicht ganz richtig. Man kann hier sehr gut MATE und Trinity vergleichen.

      MATE hat es geschafft die GNOME 2-Basis weiterzuführen und z. B. auf GTK3 zu portieren, womit sie Anschluss an Entwicklungen im Linux-Umfeld hält. Das gleiche steht dann demnächst für Python an. Dabei haben sie aber das GNOME 2-Konzept nie angetastet. Trinity hingegen konserviert den Desktop inklusive der Abhängigkeiten zu Qt3 und z. B. HAL. Das ist ein riesiger Haufen nicht unterstützter Abhängigkeiten mit entsprechenden Implikationen für die Sicherheit.
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    matze · Vor 1 Monaten
    Was heißt hier ständig „Schuld“? Schuldig ist gerade in der OpenSource-Community niemand irgendwem oder irgendwas. Dass es so viele Forks gibt, sehe ich eigentlich als positiven Aspekt dessen, dass man niemand irgendetwas schuldig ist.

    Übrigens, Xfce's Erscheinungsdatum ins Jahr 1997 zu legen, halte ich für fragwürdig. Die Variante auf GTK+-Basis wie sie auch heute noch entwickelt wird, gibt es erst seit 1999.
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      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 1 Monaten
      Warum sollte es in der Open Source Community keine Schuld geben? Freier Code entlässt einen nicht aus der Haftung. Implementiert ein Entwickler eine gravierende Sicherheitslücke, z. B. in OpenSSL ist er auch Schuld.

      Ich bin niemand, der einer Monokultur das Wort redet. Linux hat seit 20 Jahren mehrere Desktopumgebungen und ist damit hervorragend gefahren. Irgendwann kehren sich aber die Erfolge in ihr Gegenteil um. Wenn es irgendwann zig Projekte mit wenigen Entwicklern gibt und nirgendwo mehr Fortschritte erzielt werden, profitiert niemand mehr an der Projektvielzahl außer die Entwickleregos.
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    Jörg · Vor 1 Monaten
    Hallo,

    vielen Dank für den Artikel. Dein Blog ist eines der für mich besten im Planeten und hebt sich meist angenehm durch die anderen Blog-Artikel ab, da Du hier z.B. nicht nur eigene kleine Skripte veröffentlichst (was ich aber auch gut finde). Gerade Deine Artikel über die Linux-Welt bringen auch mich hin und wieder zum Grübeln (weil wir nicht immer einer Meinung sind ;-))
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    tedus · Vor 27 Tagen
    Sind das wirklich alle??

    Mir fällt da spontan noch Enlightenment ein - da gabs früher E16 (wird glaub ich auch noch heute gepflegt), dann ewig nix neues - später E17 und gefühlt jedes Mal wenn man den Browser öffnete eine neue Version, die produktiv nicht nutzbar war. Fork war dann z.B. Bodhi.

    Prinzipiell aber: Zustimmung. Mittlerweile habe ich auch keinen Überblick mehr, was es nun alles gibt. Aber als KDE Nutzer ist man da ja noch ganz gut bedient (zumindest wenn man das ganze dann nicht noch auf die Anzahl möglicher Distributionen runterbricht)
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