Wir begegnen dem überall und leider auch in der Softwareentwicklung. Unsägliche Ansprüche ohne Basis. Von Leuten, die glauben, ihnen steht irgendetwas zu. Wir müssen uns nicht wundern, wenn irgendwann keine Entwickler mehr Software für Endverbraucher bereit stellen. Die maßlose Anspruchshaltung steht in keinem Verhältnis zum Einsatz.
Ich möchte hier heute ein konkretes Beispiel für ein allgemeines Problem geben, das ich immer nerviger finde.
Ich habe immer wieder mal kleine Programme für macOS mit überragenden Funktionen erwähnt. Eines davon ist moneymoney. Es handelt sich um eine HBCI-basierte Finanzlösung für den Mac mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche und einem Funktionsumfang, der seinesgleichen sucht.
Die Software wird von einem einzigen Entwickler programmiert. Ein Busfaktor von 1 ist natürlich nie gut, aber das ist im Softwarebereich leider häufig der Fall. Als Endanwender muss man natürlich eine Exportstrategie haben, aber das gilt grundsätzlich für Software. Im vorliegenden Fall gibt es zum Glück zahlreiche standardisierte Austauschformate. Das Risiko ist also überschaubar.
Der Entwickler verlangt dafür einen Einmalpreis von 39,99 €. In den letzten 10 Jahren gab es nie ein Upgrade, für das man das Programm neu kaufen musste. Alle Bestandsnutzer werden also kostenlos mitversorgt. Aktuell hängt die Entwicklung ein bisschen. In den letzten Monaten gab es aber wenigstens ein Update. Wenn man eine normale Bank mit einer soliden HBCI-Schnittstelle hat, gibt es auch gar keine Probleme. Wenn die eigene Bank nur durch Webscraping unterstützt wird – was meiner Meinung nach ein Grund ist, die Bank zu wechseln –, bewirkt eine Änderung bei der Bank natürlich funktionale Einschränkungen.
Folgende Kommentare gab es dazu im App Store:




Das ist kein Einzelfall, sondern ein unsäglicher Buchstabenmüll, wie er immer wieder bei Berichten und Diskussionen über Software aus den Händen von Leuten kommt, denen es augenscheinlich an Anstand, Maß, Intellekt und Erziehung fehlt. Für ein paar Euro glauben sie, dass ihnen die Welt gehört.
Leider kommt das im Dienstleistungsbereich viel zu oft vor. Selbst wenn Dienstleistungen kostenfrei angeboten werden. Dienstleistungsanbieter reagieren außerdem viel zu oft viel zu höflich auf sehr unhöfliche Menschen. Ich habe mir schon lange angewöhnt, das nicht mehr zu tun, sondern auf unsägliche Kommentare klare Grenzen zu ziehen und den Support für unhöfliche und maßlose Menschen einzustellen. Ich rate jedem, es mir gleichzutun.
Wir brauchen uns dann nicht zu wundern, wenn sich immer mehr Entwickler zurückziehen und Software nur noch von großen IT-Unternehmen stammt, die sie dann im Abo-Modell mit massivem Datentracking und schlechtem Support anbieten.
Dasselbe in den online ständig wiederholten Empörungen über Paywalls. Weil sie an anderer Stelle wertlosen Content gratis hintergergeschmissen bekommen, rasten manche Leute komplett aus, wenn eine professionelle Redaktion inklusive Auslandskorrespondenten ihre Artikel nicht gratis ins Netz stellt, sondern Geld verlangt.
Ich habe auch das Gefühl, dass Anspruchsdenken und die Erwartung alles kostenlos zu erhalten zugenommen haben. Wobei dies auch durch die zahlreichen werbefinanzierten Angebote verstärkt wird, bei denen vielen nicht mehr klar ist, wie sie die Hersteller bezahlen, zumindest zum Teil ist die Erwartungshaltung, dass alles „kostenlos“ ist, auch anerzogen, aber das soll das auch nicht entschuldigen.
Das genannte Beispiel finde ich allerdings nicht besonders gut dafür. Ich habe mir grade die Hompage unter https://moneymoney.app/ zu der Software angesehen. Das ist eine professionelle Hochglanzseite, an keiner Stelle ist ersichtlich, dass das nur ein armer Entwickler ist, der die Software quasi als Hobby entwickelt. Auch auf die Problematik, das manche Baken nur durch Websracping unterstützt werden können, und ein Support deswegen schwierig oder unsicher ist, wird nirgends hingewiesen, im Gegenteil, es heißt dort vollmundig, das europaweit über 6500 Banken unterstützt werden. Und bezüglich des Support wird dort immer von „schreiben sie uns“ gesprochen und eindeutig ein größeres support Team suggeriert. 39.00 EUR sind als Lifetime Lizenz sicher sehr günstig, allerdings halten die wenigsten Firmen ein solches Versprechen ein, weswegen ich beim Kauf auch nicht damit gerechnet hätte, die Software für diese Einmalzahlung wirklich länger als 1-2 Jahre nutzen zu können, bevor es keine Updates mehr gibt und Version 2.0 dann doch wieder neu gekauft werden muss. Und wenn ich erst kürzlich 39,00 EUR ausgegeben hätte, um dann festzustellen, das meine Bank, wegen der ich die Software gekauft habe, plötzlich nicht mehr unterstützt wird, hätte ich möglicherweise einen ähnlich pampigen Kommentar hinterlassen und mich nicht eingehend mit den technischen Hintergründen und begrenzente Kapazitäten des einzigen Entwickler beschäftigt. Das ist anders als bei einem kleine OpenSource Project bei dem man mit dem Entwickler nur über den Github Account kommunizieren kann und wo klar ist, dass die eigene Spende keine umfangreichen Ansprüche an Supportleistungen abdeckt.
Eine solche Seite klickt jeder binnen weniger Minuten zusammen. Dass viele FOSS-Projekte das nicht haben kann man nicht zum Maßstab erheben.
Ich versuche eine Liste meiner FOSS über alle Geräte zu unterhalten bei denen Spenden erwünscht sind. Idealerweise per SEPA. Mindestens einmal im Jahr bekommt jeder einen Betrag ab 10.- € oder mehr.
Es gibt auch Ausnahmen wie PortfolioPerformance – hier will sich der Entwickler nicht mit der Steuer rumschlagen.
Wenn mich jemand bittet ein Programm zu installieren oder Einweisung zu betreiben, so binde ich das auch oft an eine Spende an das Projekt. So geht zumindest etwas Anerkennung aufs Konto.
Die unverschämte Art mancher Nutzer ist mMn oft nur der Anonymität geschuldet – Lieschen Müller würde sich schon zusammenreißen wenn persönlich belangbar.