Kommentar: Telegram kooperiert mit den Behörden

Telegram kooperiert nun doch teilweise mit deutschen Behörden. Das berichtete der SPIEGEL vor wenigen Tagen. Die Betreiber übermitteln demnach Nutzerdaten an das BKA in Fällen von beispielsweise Terrorismus und Kindesmissbrauch. Nutzerdaten? Ist Telegram denn etwa kein sicherer Messenger?

Telegram ist in Deutschland vor allem als Lieblingsmessenger bzw. soziales Netzwerk für allerlei dubioser Gruppierungen bekannt. Rechtsextreme, Reichsbürger, Corona-Leugner, Putin-Fans – die Übergänge zwischen diesen Gruppierungen sind sowieso fließend. In anderen Ländern ist Telegram dagegen ein wichtiges Kommunikationsmittel für Oppositionelle.

Die Kooperation mit staatlichen Behörden war abzusehen. Die Betreiber standen ziemlich offensichtlich vor der Alternative, entweder zumindest teilweise zu kooperieren oder in Deutschland blockiert zu werden. Ich persönlich hatte mich an anderer Stelle schon positiv dazu geäußert. Kein Staat muss dabei zusehen, wie in einem sozialen Netzwerk Mordaufrufe oder gar entsprechende Pläne geäußert werden.

Das interessante – um nicht zu sagen witzige – an der aktuellen Episode ist halt, dass die ganzen Versprechen von Telegram wie ein Kartenhaus in sich zusammen fallen. Telegram ist von der technischen Sicherheit her gesehen ein höchst bescheidener Messenger, darüber schrieb ich auch schon mal. Daran hat sich seitdem auch nichts geändert.

In solchen Artikel kommen dann immer Kommentatoren, welche die tolle Gründungsgeschichte von Telegram nachplappern. Die geht in etwa so: Philanthropischer Milliardär, total subversiv, will ein freies Kommunikationsmedium schaffen, wird in Russland verfolgt, setzt sich deshalb ins Ausland ab und betreibt mit wenigen Leuten diesen tollen Chat und verhindert durch seinen persönlichen Einsatz, dass böse Staaten die Daten bekommen, deshalb sind die technischen Defizite egal oder gar gelogen.

In diesen Erzählungen kommen nie die manipulativen Funktionen von Telegram vor (dark patterns gibt es nicht nur bei Facebook & Co), nie irgendwelche Staatsfonds vom Golf als Hauptfinanzier, es wird nie die Frage gestellt, warum ausgerechnet Telegram in Russland immer noch nicht verboten ist, wie vertrauenswürdig eine Briefkastenfirma in Dubai eigentlich sein kann oder wie sich die neuesten Monetarisierungsversuche mit dem philanthropischen Gründer verbinden lassen.

Die Kooperation mit dem BKA zeigt halt einmal mehr: Angefallene Daten aus technisch unzureichend umgesetzten Systemen ohne Verschlüsselung und grundlegende Datensparsamkeit können eben doch auch immer weitergegeben werden. Selbst wenn ich das im konkreten Fall sogar begrüße, ändert es nichts daran, dass Telegram einmal mehr beweist, warum es eben kein sicherer Messenger ist.

Wer einen sicheren Messenger will, der greift zu Signal oder Threema (wobei Signal hier der Konkurrenz langsam enteilt). Wer unabhängig und dezentral kommunizieren möchte, nimmt Matrix (trotz aller Defizite bei föderierten Systemen). Wozu man in Deutschland Telegram braucht, erschließt sich mir nicht. Es sei denn, man benötigt dringend die neuen Informationen von Alina Lipp, weil man seit Abschaltung von RT in Deutschland vollkommen orientierungslos ist.

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