Vor etwa einem Jahr versuchte Facebook die AGB’s von WhatsApp zu verändern und löste damit wieder mal einen Shitstorm aus. Nur dieses Mal mit nachhaltigen Folgen. Der ewige Konkurrent Signal hat im letzten Jahr massiv an Boden gewonnen und ist inzwischen die einzige ernst zu nehmende Konkurrenz zu WhatsApp.

Meine Welt hatte sich schleichend verändert, aber irgendwann zwischen März und April 2022 war es dann so weit. Ich hatte mehr Kontakte und bei Weitem mehr aktive Kommunikationen bei Signal als bei WhatsApp. Ich hatte schon lange den Glauben daran verloren und mich damit abgefunden, zumindest in diesem Bereich für eine nicht absehbare Zeit weiterhin ein letztes Relikt des Facebook-Konzerns nutzen zu müssen.

Das ist zwar noch nicht vorbei, aber zumindest in meinem – überhaupt nicht IT-affinen, aber akademisch geprägten – Umfeld ist Signal nun der Messenger der Wahl. Neue Gruppen werden ganz selbstverständlich dort eingerichtet und genau jene Gruppendynamiken, die lange Jahre WhatsApp stärkten, kommen nun Signal zugute. Obwohl es nicht jeden Monat einen neuen Facebook-Skandal gibt, kommen jeden Monat neue Kontakte hinzu, weil sogar die trägen Nachzügler langsam aber sicher den Anschluss finden. Ich bin inzwischen ganz optimistisch, dass es in nicht allzu ferner Zukunft einen Zeitpunkt geben könnte, an dem ich WhatsApp guten Gewissens von meinem Smartphone verbannen kann.

Der große Verlierer in meinem Umfeld ist Threema. Dort konnte ich keinen nennenswerten Zuwachs feststellen. Die überzeugten Threema-Nutzer sind geblieben, aber sie sind weiterhin eine isolierte Insel und im direkten Vergleich zu Signal sind ihre Argumente auch nicht mehr so stechend wie früher, wenn es gegen WhatsApp ging. Das ist schade, weil ich Threema konzeptionell und von der Umsetzung in vielen Punkten besser finde. Der kürzlich an den Start gegangene Push-Dienst ohne Google-Anbindung ist da beispielsweise etwas, wo Signal offiziell nicht mal ein Problem sieht.

Insgesamt dennoch ein tolles Jahr für die digitale Privatsphäre. Zumindest in meinem persönlichen Netzwerk. Es zeigt, dass man die Hoffnung nicht aufgegeben darf und am Ende manchmal eine Privatsphären-freundliche Lösung siegen kann. Auch wenn man die Dynamiken nie ganz versteht. Denn WhatsApp war schon vor der AGB-Änderung furchtbar und Signal ist schon lange funktional auf Augenhöhe.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

1 Ergänzung

  1. Ich habe das ja auch nicht mehr für möglich gehalten, aber … Das ist tatsächlich eine erfreuliche Entwicklung. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich bei meinem bereits völlig erschütterten Grundvertrauen in die Verlässlichkeit von Softwarelösungen in der ständigen Erwartungshaltung bin, dass Signal sich jeden Moment selber ins Knie schießen wird. Und sei es nur, dass sie aus Gründen™ das selbstaktualisierende APK nicht mehr unterstützen bzw. die App nicht mehr aus alternativer Quelle anbieten wollen. Dann wäre ich wieder gefickt …

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