Das Feld der Messenger ist momentan so offen wie schon lange nicht mehr. WhatsApp dominiert den Markt, aber verliert momentan stärker an Zuspruch denn je. Die Bewegung scheint zu Signal zu gehen und Threema wird abgehängt.

WhatsApp-Alternativen gab es schon immer und spätestens seit dem Kauf durch Facebook versuchen Datenschützer die Menschen von Alternativen zu überzeugen. Lange verhallten diese Rufe, doch manchmal nimmt die Entwicklung ungeahnte Wendungen. Die Einführung der neuen Nutzungsbedingungen hat eine bisher ungeahnte Wechselwelle in Gang gesetzt. Das Medienecho ging weit über die IT-Welt hinaus und die Auswirkungen waren so stark, dass Facebook zuletzt zurückruderte und auf die Durchsetzung der neuen AGBs verzichten möchte.

Für Facebook ist diese Entwicklung sehr gefährlich. Im Gegensatz zu den anderen IT-Giganten hat das Unternehmen einen durchweg schlechten Ruf, hat massiv unter den Fake-News-Debatten der letzten Jahre gelitten und das Kernnetzwerk verliert rasant an Bedeutung. Das schlägt sich nicht so sehr in den Nutzungszahlen wieder, aber die Berichte, dass Facebook nur noch ein Tummelplatz von „Boomern“ und Unternehmen ist, nehmen zu. Würden jetzt noch Instagram und WhatsApp Nutzer verlieren, wäre das eine Katastrophe, die zum Implodieren des Konzerns führen würde.

Bei den WhatsApp-Alternativen war ich immer ein großer Befürworter von Threema. Signal und Threema sind beide sehr gute Alternativen, aber bei Threema habe ich die transparente Finanzierung des Unternehmens und der Entwicklung geschätzt und die Möglichkeit, einen Identifikator jenseits der Telefonnummer zu nutzen. Das war mir sogar wichtiger als das Kriterium Open Source, denn trotz der leidigen Debatte um den Servercode hat hier natürlich Signal die Nase vorn. Die Entwicklung von Signal folgt mir aber ein bisschen zu oft den eigenwilligen Entscheidungen von Moxie Marlinspike, z. B. bei der Verfügbarkeit auf F-Droid.

Wenn ich mir die Bewegung in den letzten Monaten so ansehe, geht diese allerdings ziemlich eindeutig in Richtung Signal. Ich habe das mal grob überschlagen und 80% meiner Kontakte sind auf WhatsApp, 30% haben Signal und lediglich eine Handvoll Threema. Hier gab es auch überhaupt keinen Zuwachs zwischen Februar und heute, während Signal massiv gewonnen hat und sogar einige Gruppe von WhatsApp nach Signal umgezogen wurden.

Die Ursachen sind mir nicht so ganz klar, aber Shitstorms und die Zielrichtung von Massenbewegungen sind ja oft nicht ganz nachvollziehbar. Wir können ja schon froh sein, dass endlich Telegram als das wahrgenommen wird, was es ist: Der noch schlechtere Messenger als WhatsApp.

Mich würden eure Erfahrungen interessieren, sofern ihr ebenfalls alle drei Messenger nutzt (oder auch noch andere). Läuft die Entwicklung auch eher auf Signal zu oder ist das bei euch differenzierter?

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

20 Ergänzungen

    • Fakten!

      Spontan fallen mir ein: Telegram hat keine durchgängige geprüfte Verschlüsseung, der Server-Part ist closed Source, die Finanzierung dubios, Intransparenz bei Metadaten, keine deutsche Datenschutzerklärung

      Telegram ist ein typisches Produkt der der Kettenbrief-Internetgemeinschaft. Gehypt ohne Faktenbasis.

      Es spricht nichts (!) für Telegram!

      • Telegram is als FOSS-Version auf F-Droid, Signal nicht.

        Und Telegram wird nicht von jemanden geführt, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen die eigenen Leute schießt.

        Spricht schon mehr als nichts für Telegram.

          • Selbstverständlich, und dass mir das klar ist müsstest du auch wissen. Aber deine Frage ist keine sinnvolle Antwort auf meinen Kommentar.

            • Doch, eigentlich schon, weil Telegramm somit genau wie Whatsapp nicht OSS ist. Damit hat der Messenger zusätzlich zu den Sicherheitsdefiziten auch hier keine Vorteile.

              • Das ist einfach falsch. Der Client ist die Software, die auf dem Gerät läuft, und dass die FOSS ist macht einen Riesenunterschied. Dass der Server im Zweifel unkontrollierbar ist stimmt, aber immerhin ist durch den FOSS-Client die Kontrolle über meine Hardware und die nicht den den Server gesandten Daten gewahrt. Das ist bei Whatsapp ganz anders.

                Wenn du komplett freie Infrastruktur hast (was bei Signal schon dadurch eingeschränkt wird, dass du deinen Client nicht wählen kannst) hast du immer noch das Problem, dass es sehr schwierig ist zu kontrollieren welche Software genau auf dem Server läuft, selbst wenn der Quellcode angeblich frei ist. Bei End-zu-End-Verschlüsselung ist das nicht ganz so schlimm, diese Intransparanz für den Anwender ist aber dennoch ein beliebter Angriffsvektor um Verschlüsselung auszuhebeln. Hängt vom Protokoll ab, ob das ein echtes Problem ist.

                Außerdem stimmt was ich oben schreibe einfach. Ich kann Telegram per F-Droid installieren und ich muss mich bei Telegram nicht mit den Äußerungen von Moxie auseinandersetzen. Wenn man beides will sind das eben einfach Vorteile. Wie du sie gegen Telegrams Nachteile abwägst ist deine Sache.

  1. Ich war schon immer bei Signal und habe mich oft geärgert, dass soviele Leute bei Whatsapp sind und ich mit denen nur über eine sms kommunizieren konnte. Mittlerweile sind ein Großteil meiner Freunde und Bekannten bei Signal. Oftmals haben viele sogar Whatsapp und Signal parallel laufen und nur um die Kontakte, die jetzt zu Signal gewechselt sind nicht zu verlieren. Theema ist bei mir und meinen Bekannten kein Thema. Mich stört auch, dass man bei Signal sich nur über die Telefonnummer identifizieren kann und das Finanzierungsmodel intransparent ist. Aber da Theema Geld kostet, wird es von ganz viele Leuten abgelehnt. Da mag Theema noch so sinnvolle Argumente vorbringen. Und ich wollte halt einen Messenger, den neben Whatsapp möglichst viele nutzen und das ist und bleibt nun mal Signal.

    • Ja das spiegelt meine Erfahrungen. Ich fahre da einfach mehrgleisig und hab einen ganzen „Zoo“ an Messengern, aber kann auch verstehen, wenn das nicht Jedermanns Sache ist.

    • Signal wird von einer Stiftung getragen. Das finde ich nicht intransparent.

      Ich habe auch mehrere Messenger und kommuniziere am liebsten mit Matrix, dann Signal und dann Threema.

      • Aber woher bekommt die Stiftung ihr Geld? Das finde ich nicht so transparent bzw. das Geschäftsmodell nicht so nachvollziehbar wie bei Threema, wo die App einfach einen bestimmten Betrag kostet und es zusätzlich noch eine Business-Sparte gibt.

        • Aktuell ist es glaube ich recht gut nachvollziehbar, Signal hat ja einige große Spenden bekommen, die auch genannt werden, unter anderem von einem der ehemaligen Whatsappgründer. Die zukünftige Finanzierung mag allerdings nicht so klar sein, wobei ich mir inzwischen auch gut vorstellen könnte, jährlich etwas zu spenden, wenn es einen entsprecheden Aufruf dazu gibt, das Geld benötigt wird (ähnlich wie bei Wikipedia).

          Bei Threema ist mir da Finanzierungsmodell auch nicht so klar, die kleine Einmalzahlung kann es doch nicht sein, und Zahlen wieviel das Business Modell abwirft, habe ich nicht gefunden.

    • Ist bei mir so ähnlich, und nachdem Signal Kontakte bei mir lange auf einen sehr überschaubaren Kreis begrenzt waren, explodieren die Meldungen über neue Signal Nutzer in meinem Adressbuch in letzter Zeit förmlich. Mit Threema habe ich lange geliebäugelt, es aber nie installiert. Zum einen, weil ich da fast niemanden kenne, der es nutzt, zum andern, weil ich mich dann erst damit beschäftigen muss, wie ich es bezahle (die paar Kröten sind nicht das Argument). Ich habe im Play Store keine Zahlungsinformationen hinterlegt und das auch nicht vor. Geht wohl auch über Threema direkt, aber dann muss ich mich damit erst wieder beschäftigen, und vermutlich auch die Lizenz irgendwie sichern, dafür war ich zu träge. Signal kann man einfach mit einem klick installieren. Das man Signal wegen dem Zwang zur Telefonnummer nicht vernünftig anonym nutzen kann, stört mich aber auch, auch wen ich selbst eine anonyme Nutzung derzeit gar nicht vorhabe. Es ist aber ohne Frage auch sehr praktisch, das man dadurch Kontakte so leicht findet, das spielt sicher auch eine Rolle bei der Verbreitung.

  2. Ganz unabhängig von den Privatsphäreüberlegungen: Signal funktioniert auch für Eric Raymonds sprichwörtliche „Aunt Tillie“, integriert klassische SMS und verhält sich angenehm unauffällig. D.h. der Familienadmin musst noch nicht eingreifen. Dass es dazu noch eine gut funktionierende Desktop App gibt, ist ein Bonus für Freundinnen des 10-Finger Schreibens.

  3. Man sollte Telegram natürlich keinesfalls als die datenschutztechnisch bessere Alternative zu WhatsApp wahrnehmen. Ich sehe es eher als eine Art halboffenes Forum, das mehr durch seine Gruppen- und Kanalfunktionen interessant für mich ist als für privaten Austausch. Dort habe ich dann tatsächlich auch die meisten aktiven Kontakte nach WhatsApp. Threma und Signal sind zwar installiert, bleiben aber weitgehend ungenutzt. Signal nutze ich noch als SMS-App.

  4. Ich benutze am allermeisten Telegram, weil er einfach die nutzerfreundlichste Variante mit den meisten Features ist. Ich finde diese beiden Punkte sprechen sehr wohl für Telegram. Wenn ich geschützt kommunizieren will, dann nutze ich Signal. Um alle meine Kontakte, die über die Welt verstreut sind, abzudecken, muss ich allerdings auch WhatsApp, Threema, FB Messenger und Skype (!) installiert haben. Und manche kommunizieren tatsächlich auch noch über SMS.

  5. Da Geiz geil ist und Threema 3Eur kostet… Mir persönlich ist Threema lieber als Signal. Es ist aber auch bei mir so: Die hälfte meiner Kontakte hat Signal, Threema nur wenige. Was ich nicht verstehe: Weshalb nutzen die Unternehmen Threema nicht stärker? Threema hat wirklich starke Unternehmensfunktionen. Im Unternehmens-Umfeld müsste Datenschutz eigentlich noch viel mehr Gewicht haben als im privaten Umfeld.

    • Spielen Messenger in Unternehmensgruppe denn wirklich so eine Rolle? Slack & Konsorten bzw. die freie Alternative Rocket.Chat spielen ja in einer anderen Liga was die Funktionen betrifft. Vieles weiteres geht nach wie vor über Mail.

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