CentOS Nachfolger AlmaLinux angetestet

Die faktische Abkündigung von CentOS durch Red Hat hat mehrere Nachfolgeprojekte entstehen lassen. Oracle versuchte seine eigene Distribution prominenter zu präsentieren, aus der Community kam noch Rocky Linux. Aussichtsreichster Kandidat ist aber wohl AlmaLinux.

Bei allen Projekte handelt es sich um freie Klone von Red Hat Enterprise Linux. Deshalb gibt es naturgemäß kaum Abweichungen zu RHEL und die Arbeit besteht „nur“ in der Übernahme der RHEL-Entwicklung. Man hat allerdings in den letzten Jahren bei CentOS gesehen, dass dieses „nur“ ganz schön viel Arbeit machen kann. Vor allem durch Neuerungen wie die App Streams, die Red Hat in Version 8 eingeführt hat.

RHEL und seine freien Klone dürften die meisten vor allem im Server-Kontext interessieren. RHEL bietet aber auch einen Desktop und hier wird es interessant, denn Red Hat bietet extrem lange Supportzeiträume. Anvisiertes Ende für RHEL 8 ist zur Zeit 2029. RHEL und seine freien Clone sind deshalb vor allem für Desktops interessant, die extrem lange (vermutlich sogar über die gesamte Lebenszeit der Hardware) stabil laufen sollen.

Installation von AlmaLinux

Zur Installation stehen einige Images bereit. Es gibt u.a. eine minimale und eine vollständige ISO. Die Installation erledigt das von RHEL und Fedora bekannt Anaconda mit all seinen Stärken und Schwächen (Partitionierung!).

Die Installation einer grafischen Oberfläche ist in der Installationsroutine dezidiert nicht vorgesehen. Da zeigt sich wieder mal der Server-Fokus. Dafür gibt es die Möglichkeit, ein „kopfloses Management“ einzurichten. Die schönen Fallstricke der Lokalisierung.

Es muss also zuerst eine minimale Variante installiert werden und anschließend nachträglich die Desktopumgebung.

Dies geschieht nach einem Neustart auf der Kommandozeile mit folgendem Befehl.

# dnf groupinstall "Server mit GUI"

Von dem „Server“ nicht irritieren lassen. Die Bezeichnung ist etwas komisch und könnte falsche Schlussfolgerungen aufkommen lassen. Ich vermute, dass bei der Gruppenbezeichnung der X-Server gemeint gewesen ist.

Anschließend muss man noch festlegen, dass das System direkt im grafischen Modus startet.

# systemctl set-default graphical

Nach einem Neustart begrüßt einen GDM.

Desktop und Programme

AlmaLinux enthält genau wie RHEL nur GNOME. Nachdem man in der letzten Version KDE rausgeschmissen hat, macht Red Hat hier keine Kompromisse mehr. Alle RHEL-Klone sind deshalb nur für Anwender interessant, die mit GNOME arbeiten können und wollen.

GNOME liegt in Version 3.28 vor. Das ist natürlich schon ein bisschen älter, aber ich wüsste nicht, welche Funktionen danach hinzugekommen wären, die wirklichen Mehrwert bringen. Die Auswahl an vorinstallierten Programmen ist sehr reduziert und beschränkt sich auf die wesentlichen GNOME Programme.

Firefox wird in der aktuell vorliegenden ESR-Variante 78 ausgeliefert, LibreOffice in 6.4.

Die Programmauswahl in den Paketquellen ist natürlich eingeschränkt, wobei für normale Desktopanforderungen nicht wirklich etwas fehlt.

Ansonsten ist Flatpak in den Paketquellen enthalten, womit sich auch aktuelle Programmversionen beliebiger Software z. B. über Flathub installieren lassen.

Zusammengefasst

Wer gerne mit GNOME arbeitet und Ruhe am Desktop haben will, für den ist AlmaLinux sicherlich nicht uninteressant. Ich würde mir ja genau so etwas für KDE wünschen.

In jedem Fall ist AlmaLinux allem Anschein nach ein würdiger CentOS-Nachfolger und kommt entsprechend nun hier auf die Seite mit den LTS-Empfehlungen.

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