Ein paar Gedanken zu Apples M1

Apples Abkehr von Intel und Wechsel zu ARM bzw. zur Eigenentwicklung M1 ist das Thema schlechthin in diesem Herbst. Vieles wurde schon geschrieben, ich werde es nicht wiederholen aber ein paar zusätzliche Aspekte beisteuern.

Die ewigen Apple-Hater haben seit der Ankündigung in diversen Kommentarbereichen alle Register gezogen. ARM können nicht so leistungsstark sein, die Apple-Tests seien nur PR, bei Leistungspeaks brechen die ARM-Prozessoren ein etc. pp. Nun wissen wir: Alles nicht wahr. Und das schon beim ersten marktreifen Versuch. Es durfte halt nicht wahr sein, was nicht wahr sein durfte.

Dabei sollte schon länger klar sein, wie schwer in der Krise die Intel-Entwicklung im CPU/Grafikkarten-Bereichen steckt. Der ewige Zweite AMD hat Intel seit einigen Jahren in allen Consumer-Produkten den Rang abgelaufen. Seiten wie notebookcheck.com kritisieren Hersteller inzwischen offensiv, wenn diese keine AMD-Alternativen anbieten. Wenn sich einige Hersteller wie z. B. Dell nicht fast sklavisch an Intel gekettet hätten, sähe der Markt hier ganz anders aus. Die ganzen Sicherheitsprobleme mit Intel Prozessoren in den letzten Jahren (Meltdown, Spectre, Spectre-NG) zeigten, dass die Entwickler für Leistungssteigerungen immer verzweifeltere Wege suchten. Nicht umsonst kosteten die Sicherheitsfixes je nach System erheblich Performance. Nicht alle Lücken waren exklusive Intel-Probleme, aber man musste die letzten Jahre schon im Wald verbracht haben, um nicht zu bemerken, dass die Intel Entwicklung Probleme hat.

Der Schritt von Apple ist daher folgerichtig. Trotzdem möchte ich hier nicht in die verbreitete Lobhudelei einstimmen. Trotz ein bisschen Kritik in den letzten Tagen (siehe: Kritische Entwicklungen bei macOS in macOS 11 „Big Sur“ & Weitere schlechte Nachrichten für macOS) halte ich macOS noch nicht für ein so geschlossenes System, wie es von vielen immer dargestellt wird (siehe: macOS 11 „Big Sur“ – Es bleibt ein Mac). Die Betonung liegt hier auf noch. Die neuen Geräte haben ja nicht nur einen ARM-Prozessor aus Apples Entwicklungsschmiede, sondern eine völlig neue Architektur mit Prozessor, RAM und Grafikkarte in einem Chip. Es stellt sich durchaus die Frage, ob auf diesen Geräten jemals etwas anderes laufen wird als macOS. Es ist bezeichnend, dass sich auf Linus Torvalds Kommentar ausgerechnet Jailbreak-Entwickler zu Wort gemeldet haben. Dieser hardwareseitige Ausschluss anderer Betriebssysteme hat sich schon mit dem T2-Sicherheitschip in den MacBook-Modellen der letzten Jahre angedeutet und ich halte die Entwicklung für unumkehrbar.

Kauft man nun ein MacBook, ist man auf Gedeih und Verderb an Apples Betriebssysteme gebunden (so wie schon beim iPhone). Es könnte durchaus passieren, dass Apple dies für zukünftige Veränderungen ausnutzen könnte (heißer Kandidat: Software nur noch aus dem Store). Bootcamp existiert nicht mehr und Virtualisierung geht zumindest momentan auch noch nicht. Wenn man mit der Entwicklung irgendwann nicht mehr einverstanden ist, bleibt nur noch ein Neukauf der Hardware, das gleiche gilt, wenn Apple die Hardware nach einigen Jahren für obsolet erklärt. Ob es für die aktuellen Geräte wirklich 10 Jahre Updates gibt (wie z. B. für die MacBook Air von 2012) werden wir 2030 sehen. Das sind Punkte, die man durchaus kritisch sehen kann und die mich aktuell vom Kauf eines solchen Geräts abhalten.

Nichtsdestotrotz denke ich, diese Entwicklung bietet eine riesige Chance. Wie so oft (Thunderbolt, USB-C, Ultrabook usw. usf.) nimmt Apple einen Technologieschwenk vorweg, der andere inspirieren wird ähnliche Wege zu gehen. Linux auf ARM ist schon lange möglich, Windows inzwischen auch. Man sagt immer an der Börse werden die Erwartungen an die Zukunft gehandelt. Die Intel-Aktie hat nach der Ankündigung des Architekturwechsels im Sommer massiv verloren und jetzt mit den neuen Geräten noch einmal. Es dürfte Bewegung im Endkunden-Segment aufkommen.

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