iMessage und FaceTime – Chancen grandios vermasselt

Symbolbild "Messanger"

iMessage und FaceTime sind Apples Lösungen für digitale Kommunikation. Zusammen bieten sie eine Lösung, die funktional und hinsichtlich der Sicherheit mit allen anderen Anbietern auf Augenhöhe ist. Leider hat Apple diese Chance grandios versaut.

Messenger sind bereits seit Jahren wichtig und ihr Siegeszug ist ungebrochen. In der aktuellen Pandemie haben Sprach- und Videokommunikationslösungen einen ungeahnten Aufmerksamkeitsschub erhalten. Zweifelhafte Lösungen wie Zoom haben dadurch sehr viel Aufmerksamkeit bekommen.

Apple hat mit iMessage und FaceTime zwei Lösungen, die technisch, funktional und mit Blick auf Datenschutz und Sicherheit sehr gut dastehen. Basierend auf offenen Standards hat man hier stabile und ausgereifte Dienste aufgebaut. Die EFF hat in einem Test FaceTime eine vergleichsweise hohe Sicherheitsnote gegeben. Bei iMessage handelt es sich technisch vermutlich um eine Art XMPP-Implementierung, die zusätzlich Ende-zu-Ende verschlüsselt ist. Diese ist zwar eine etwas komische Eigenbau-Lösung aber nicht grundsätzlich unsicher.

Apple hat allerdings nicht nur diese beiden Dienste, sondern auch eine gewaltige Basis. Jeder Besitzer eines Macs, iPhones oder iPads besitzt eine Apple-ID. Apples Marktanteil in Deutschland liegt im Smartphone-Sektor bei ca. 23%. In Gesamt-Europa ein bisschen weniger und in den USA sogar fast 50%. Alle diese Anwender sind theoretisch über die Dienste erreichbar.

Allerdings mit zwei gewaltigen Haken:

  1. Niemand weiß wer iMessage nutzt, weil es anders als bei allen anderen Messenger-Lösungen keine Liste der verfügbaren Kontakte gibt. Man muss also eine SMS auf den Weg schicken und hoffen, dass sie blau dargestellt wird und somit eine iMessage ist. Es gibt ein paar Tricks um das vorher zu prüfen, aber die Arbeit macht sich niemand.
  2. FaceTime und iMessage sind Insellösungen. Egal wie groß die Insel ist, es bleiben welche draußen und deshalb weicht man auf Dienste aus, die alle nutzen können.

Es gibt zahlreiche Theorien warum das so ist. Am wahrscheinlichsten ist: Apple will die Kunden im eigenen Ökosystem halten indem sie die Kommunikationslösungen auf die eigenen Geräte beschränkt. Das mag eingeschränkt in Märkten wie den USA funktionieren, wo ca. die Hälfte per Apple-Gerät erreichbar ist aber in Europa oder anderen Kontinenten ist diese Strategie krachend gescheitert.

Apple hat seine Chance grandios vermasselt.


Bilder:
Einleitungsbild und Beitragsbild von von 200 Degrees via pixabay

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