Symbolbild "Desktop"

Für den Einsatz von Linux im Server- und Desktopbereich gibt es nur wenige belastbare Zahlen. Die meisten Anwender lehnen Tracking ab und nur wenige Distributionen erheben überhaupt Anwenderzahlen. Dementsprechend halten sich viele Mythen und jeder kann aus seiner persönlichen Wahrnehmung heraus Ansichten postulieren.

Vor einigen Jahren habe ich mich in zwei Artikel bereits damit befasst:

Die Zahlen beruhten und beruhen auf Debian und Ubuntu, weil lediglich diese beiden Distributionen überhaupt systematisch die Nutzung der Pakete und anderer Systeminformationen erheben. Beide auf freiwilliger Basis, was Verzerrungen und erhebliche Abweichungen von der Realität nicht ausschließt, aber wir haben keine anderen Zahlen.

Mich hat kürzlich interessiert wie sich das Thema in den vergangenen Jahren entwickelt hat. 

Debian

Die Erhebung ist bei Debian relativ einfach, weil alle Desktopumgebungen bis auf KDE Plasma ein zentrales Session-Paket haben, das für die Funktionsfähigkeit installiert sein muss.

Zu sehen ist, dass GNOME immer noch unangefochtener Spitzenreiter ist. Vermutlich wirken sich hier die Default-Settings bei der Installation aus. Allerdings mit Verlusten, wohingegen alle anderen Desktopumgebungen leicht dazu gewinnen. Insbesondere KDE Plasma scheint sich langsam aus dem Tal der Tränen, in das es nach den Umbrüchen der Versionen 4 und 5 gestürzt ist, heraus zu kämpfen.

Als kleine Ergänzung übrigens ein Vergleich mit dem zentralen libc6 Paket.

Ich war überrascht wie viele messbare Debian-Installation einen Desktop installiert haben. Schließlich galt und gilt Debian primär als Serverbetriebssystem.

Insgesamt sind die Zahlen sehr gering, was umso mehr überrascht, da Debian in der Installationsroutine explizit um die Teilnahme an Popcon bittet.

Ubuntu

Bei Ubuntu erfolgte die Zählung über die zentralen -desktop Pakete. Seit 18.04 erhebt Canonical daneben noch weitere Zahlen, die aber nicht der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Das ist besonders bedauerlich, weil laut deren Erhebung zumindest die Nutzer des Haupt-Derivats Ubuntu zu 66% der Erhebung zustimmen. Die Datenmenge dürfte daher um ein vielfaches größer sein.

Ubuntu 2.009.373
Kubuntu 268.733
Xubuntu 131.543
Lubuntu 26.857
Ubuntu MATE 543
Ubuntu Budgie 77

Die absurd geringen Zahlen bei MATE und Budgie lassen mich hier aber einen Denk- oder Messfehler vermuten. Allerdings bitten Canonical auch nicht aktiv um die Teilnahme an Popcon, sondern der Anwender muss dies in den Software-Properties dezidiert aktivieren. Ein Vergleich mit den „Desktop Metrics“ ist leider nicht möglich, weil die von Canonical publizierten Grafiken lediglich Prozentwerte beinhalten (ein Schelm, wer böses dabei denkt…)

Auffällig ist wie gering die Zahlen im Vergleich zu 2015 angestiegen sind. Die Ursachen mögen in der gewachsenen Popularität anderer Distribution liegen, aber der Linux Markt scheint insgesamt ziemlich gesättigt zu sein. Die große Migrationswelle mit dem Supportende von Windows 7, die von manchen herbei geredet wird, sehe ich nicht kommen.

Das sind natürlich keine repräsentativen Zahlen. Selbst bei Ubuntu mit über 2 Mio. erfassten Installationen dürfte nur einen Bruchteil in Popcon erfassen. 2015 kursierte mal die Zahl von 20 Millionen Installationen, allerdings blies man 2012 auch schon in dieses Horn.

Grundsätzlich plädiere ich bei dem ganzen Thema für mehr Zahlen. Diese müssen natürlich ethisch erhoben werden und die Einwilligung sollte bestenfalls transparent über ein Opt-in erfolgen, ansonsten wenigstens über ein prominentes Opt-out (siehe: Kommentar: Gut umgesetztes Tracking belohnen). Denn lediglich Zahlen können Linux von der unsäglichen Forkerei und den vielen Miniprojekten retten, die das Ökosystem insgesamt schwächen. Manchem Entwickler oder Maintainer sollten die geringen Nutzungszahlen einfach mal vor Augen geführt werden.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von Mudassar Iqbal via Pixabay 

Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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