Mythen I: Desktopumgebungen

  1. Mythen I: Desktopumgebungen
  2. Mythen II: Entwicklung bei den Desktopumgebungen
  3. Mythen III: Um deinen Akku zu schonen musst du…
  4. Mythen IV: E-Mail Programme werden nicht mehr genutzt
  5. Mythen V: KDE benötigt viele Ressourcen
  6. Mythen VI: Linux braucht kein Neustart nach Updates

Die Linux-Welt ist voller, teils liebevoll gepflegter Mythen. In den Kommentarspalten der großen Nachrichtenportale dürfen diese weiter publiziert und damit am Leben erhalten werden. Teilweise liegt das auch daran, dass bei Linux jeder seine eigene Wahrheit ungestört von Daten und Fakten pflegen kann. Denn diese sind bei den Distributionen eher Mangelware. Während die großen Webstatistiksammler Betriebssysteme und Browser tracken und man somit auf dem Gebiet eine ungefähre Schätzung der Verteilung hat, liegen andere Zahlen im Nebel des (Kommentarspalten-)Krieges.

Eine dieser Mythen lautet (gerne mit dem Zusatz “in meinem Umfeld”): Die großen Desktopumgebungen, insbesondere GNOME, haben viele Nutzer verloren. Viele/die meisten Nutzer setzen nun Desktops ein, deren Entwickler “noch auf ihre Nutzer hören”. D.h. konservative Desktopumgebungen, die weitestgehend dem Windows 95-Modell folgen. Alles andere ist Bloatware oder unnützes, fehlerbehaftetes Zeug. Die Problematik ist sicherlich einzigartig in der IT-Welt, schließlich lassen andere Betriebssysteme wie MacOSX oder Windows ihren Nutzern keine Wahl. Lediglich bei Android mit seinen verschiedenen Launchern findet sich ein ähnliches Problem.

Eine Antwort auf die Frage kennt wohl niemand. Die meisten Distributionen erheben weder die Zahl der Installationen, noch die auf den installierten Systemen vorhandenen Pakete. Eine Ausnahme bilden hier Debian und Ubuntu, die beide über den Popularity Contest die installierten Pakete abfragen. Während dieser bei Ubuntu nachträglich durch den Benutzer aktiviert werden muss, fragt Debian bereits in der Installationsroutine ob man an der Paketverwendungserfassung teilnehmen möchte. Damit ist zwar keine genaue Aussage über die Zahl der Installationen möglich, aber viel näher dürfte man in der Linux-Welt kaum an das Problem herankommen.

Debian

debian popcon anzahl
debian popcon prozente

Die nackten Zahlen sehen wie folgt aus:

  • GNOME: 67.452
  • Xfce: 21.032
  • KDE: 17.302
  • LXDE: 8.169
  • MATE: 4.128
  • Cinnamon: 1.707

Unter Debian gibt es keine einheitlichen Metapakete für die Desktops, welche für die Installation zwingend nötig wären. Allerdings verfügen alle Desktopumgebungen mit Ausnahme von KDE über ein *session Paket, ohne das die Desktopumgebung nicht funktioniert. Für die Ermittlung der installierten Desktopumgebungen wurde deshalb primär auf dieses Paket zurückgegriffen. Das schließt Mehrfachinstallationen natürlich nicht aus.

Offensichtlich ist der hohe Anteil an GNOME-Installation, der sicherlich auch – aber nicht ausschließlich – aus der Rolle GNOME’s als Debian-Standarddesktop herrührt. MATE und Cinnamon sind erst mit dem kommenden Release Jessie ein offizieller Teil von Debian, weshalb hier noch ein Anstieg möglich bzw. wahrscheinlich ist.

Ubuntu

Die nackten Zahlen von Ubuntu sehen wie folgt aus:

  • Unity: 1.978.654
  • KDE: 254.939
  • Xfce: 125.568
  • LXDE: 25.122
  • Cinnamon: 3.831
  • GNOME: 1.040
  • MATE: 8

Ubuntu und seine Derivate verfügen über zentrale Metapakete *-desktop, welche der Einfachheit halber für die Anzahl der Installation herangezogen wurden. Mehrfachinstallationen oder nachinstallierte Desktops fallen somit zwar “unter den Tisch”, diese entsprechen aber auch nicht der Ubuntu-Vorgehensweise Derivate über die offiziellen Live-ISOs zu installieren.

Die Dominanz von Unity ist beachtlich, jedoch auch ein wenig überraschend. MATE ist erst ab 15.04 ein offizielles Derivat, Cinnamon nicht gar nicht eingeplant. Ubuntu GNOME hat scheinbar kaum Nutzer. Die Abfolge Unity, KDE, Xfce ist wenig überraschend.

Fazit

Die Zahlen sind weder repräsentativ für die Gesamtheit der Linux-Distributionen, noch für Debian oder Ubuntu. Die Teilnahme am popcon ist freiwillig und die Konfigurationsmöglichkeiten des Einzelnen quasi endlos und deshalb kaum präzise erfassbar. Der Linux-Desktop ist heterogen und die Aufspaltung von GNOME am Beginn der 3er Ära in GNOME 3, Unity, Cinnamon und MATE hat die Diversifikation vorangetrieben. Dennoch lässt sich nicht sagen, dass konservative Desktops bevorzugt werden, sie stellen noch nicht einmal die Mehrheit. Vielleicht gibt das dem ein oder anderen Kommentarspaltenkrieger, der für einen WM das Schwert Wort führt mal zu denken.

Mehr aus dem Blog

1.000 Beiträge

Mit dem Artikel über Mastodon habe ich den 1000. Blogbeitrag auf Curius veröffentlicht. Nicht mitgezählt sind die Themenseiten, die in WordPress nicht als Blogbeiträge...

Mastodon – Dank Elon Musk endlich ein Erfolg

Mastodon gibt es schon lange. Twitter sogar noch länger. Viele Jahre haben die Mastodon-Fans um die Twitter-Nutzer geworben. Denn ein soziales Netzwerk lebt davon,...

Canonical arbeitet an einer TPM-basierten Verschlüsselung

Mit dem in Kürze erscheinenden Ubuntu 23.10 wird Canonical erstmals experimentell eine vollständige TPM-basierte Verschlüsselung einführen. Eine kurze Einführung wurde kürzlich im offiziellen Ubuntu-Blog...

Tipp: PDFs bearbeiten mit PDF Mix Tool

Manchmal möchte man aus einem PDF eine Seite entfernen oder nachträglich eine Seite hinzufügen. Für GNOME und GTK-basierte Desktop-Umgebungen gibt es Werkzeuge wie Sand...