Kommentar: Facebook – Datenschutz als PR

Datenkrake

Facebook hat auf seiner Hauskonferenz F8 die Privatsphäre für sich entdeckt. Man möchte den Datenzugriff beschränken und die Privatsphäre der Nutzer schützen. Trotz immer noch rosiger Zahlen fürchtet man wohl den Zusammenbruch des Netzwerks und möchte radikal gegensteuern. Besserung sollten Nutzer trotzdem nicht erwarten.

Facebook hat kein gutes Jahr hinter sich (siehe auch: Kommentar: Facebook – Einfach weiter wie bisher). Skandal folgte auf Skandal und innerhalb der Dienste hat eine Nutzerwanderung eingesetzt (siehe auch: Facebook verliert an Zuspruch – WhatsApp ist das neue Zentrum). Das ist für Facebook ein Problem, da die Einnahmen bisher vor allem aus dem Hauptprodukt stammen. WhatsApp und Instagram haben bisher kein wirklich tragfähiges Geschäftsmodell. Ein Zusammenbruch des Hauptnetzwerks ähnlich wie bei Vorgängerplattformen ist daher eine existenzbedrohende Gefahr.

Daher nun die Kehrtwende. Man möchte ein neues Kapitel aufschlagen, Ende-zu-Ende Verschlüsselung für alle Dienste (die aber trotzdem miteinander kommunizieren können sollen), mehr Gruppen jenseits der Öffentlichkeit, neues Design etc. pp.

Es wird nichts bringen! Erstens weil die Definition von Datenschutz und Privatsphäre auseinander gehen und zweitens weil Facebook schlicht die Kontrolle verloren hat.

Kommen wir zum ersten Punkt: Datenschutz und Privatsphäre heißen in Europa (die DSGVO hat das quasi formell festgelegt) vor allem Datensparsamkeit. Was man nicht sammelt, muss man auch nicht schützen. US-amerikanische Unternehmen verstehen darunter aber eher, dass die Daten nicht in die falschen Hände gelangen und man ein gewisses Maß an Transparenz über das Ausmaß der gesammelten Daten gewährt. Das Unternehmen darf nach diesem Verständnis viel wissen, der Nachbar nebenan sollte es aber nicht zu Gesicht bekommen. Google macht diesen Weg seit Jahren vor. Facebook wird also nicht weniger Daten sammeln, sondern diese nur besser vor dem Zugriff Dritter schützen – bestenfalls.

Der zweite Punkt konterkariert zudem den ersten Punkt. Nimmt man die Datenschutz-Brille ab und akzeptiert das Geschäftsmodell „Big Data“ als legitim für ein Unternehmen, dann muss man bei Facebook trotzdem konstatieren, dass viele der Datenleaks der vergangenen Monate auf einen Kontrollverlust hinweisen. Facebook scheint schlicht die Kontrolle über seinen Datenberg verloren zu haben. Manche Sachen wie die frei zugänglichen Passwörter für Mitarbeiter sprechen nämlich eher für vollkommen fehlende Strukturen im Bereich Datenschutz und Datensicherheit als für geplantes Vorgehen. In Vergessenheit geratene APIs für Drittanbieter zudem für ein fehlendes Management der Datenzugriffe. Im Bestreben möglichst schnell zu wachsen hat man Datenhalden angelegt, die vermutlich niemand strukturiert verwaltet hat. Ohne gravierende Veränderungen in diesem Bereich ist jede neue Strategie zum scheitern verurteilt.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von GDJ via pixabay

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