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Die meisten Menschen nutzen heute mindestens zwei Endgeräte, oft ein Notebook und ein Smartphone. Viele nutzen sogar noch deutlich mehr unterschiedliche Geräte, deren Zusammenarbeit eine stete Herausforderung darstellt. Linux ist dabei keine Hilfe! Nicht weil es keine Möglichkeiten gibt, sondern weil kein Projekt sich das Ziel setzt eine allumfassende Komfortösung zu bieten. Damit verliert Linux in einer vernetzten Welt den Anschluss!

Eine Privatperson hat oftmals drei bis vier Endgeräte. Ein Smartphone, ggf. auch noch ein Tablet, ein Notebook und so mancher auch noch einen stationären Rechner im Homeoffice. Grundsätzlich sind die Daten nie auf dem Gerät, das man gerade verwendet. Allerdings geht es nicht nur um die Arbeitsdateien, sondern auch um die Informationsstände bei zahllosen abonnierten Medien und Kommunikationsdiensten. Die zunehmende Digitalisierung unsere Informations- und Medienkonsums fordert hier ihre Opfer.

Bei mir persönlich sind das beispielsweise folgende Datenbestände:

  • Aktuelle Projektdaten (Ordner und Dateien)
  • E-Mails
  • Messengerkommunikation
  • Kalender und Aufgaben
  • Notizen & Wissensmangement
  • RSS-Feeds
  • Podcasts

Hinzu kommen noch ein paar Spezialsachen wie Literaturverwaltung & Co aber das dürfte nur wenige hier interessieren.

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Ich nutze inzwischen einen ziemlich Apple-zentrierten Hardwarebestand (siehe: Wasser predigen, Wein trinken? – Mein Nutzungsverhalten 2018). Grundsätzlich könnte ich alle Dienste auf meinen Endgeräten problemlos synchron halten. Das System bietet mir das quasi ständig an. Praktisch muss man bei Apple ziemlich genau prüfen was da passiert. Daten unverschlüsselt in die iCloud zu legen ist eine eher schlechte Idee, selbes gilt für den gesamten E-Mail- und Organisationsbereich. In anderen Fragen wie Handsoff oder Podcasts hat Apple Datenschutz vorbildlich umgesetzt und das kann bedenkenlos zum Datenabgleich genutzt werden. Für andere Lösungen kann ich vertrauenswürdige Drittanbieter kinderleicht in das System integrieren (siehe: Posteo als Informationsmanagement-Dienst für macOS).

Allerdings will ich hier nicht von Apple schreiben, sondern von Linux und der dortigen Komfortwüste. Denn ungefähr diese problemlose Interaktion meiner Endgeräte haben ich kürzlich versucht auf Linux zu übertragen. Dabei kam ich zur ernüchternden Erkenntnis: Ein Linux-Desktop ist distributions- und desktopumgebungsübergrefend eine Insel – kein Projekt bildet da eine Ausnahme. Weder bietet die Systeme eine Synchronisation, Interaktion oder Zusammenarbeit an, noch ebnen sie den Weg dahin durch vereinfachten Rückgriff auf bestehende Lösungen. Linux bietet keinen Komfort!

Das ist umso bedauerlicher, weil vieles was oben aufgezählt ist natürlich mit Linux umgesetzt werden kann. Aktuelle Projektdaten lassen sich mit einer freien Cloudlösung wie ownCloud oder Nextcloud synchronisieren. E-Mails per IMAP abgleichen, für Aufgaben und Kalender gibt es CalDAV-Synchronisation. Wenn man die Muße hat kann man ownCloud oder Nextcloud zu einer zentralen Synchronisationsinstanz aufbauen, die quasi alle oben genannten Anforderungen abgleichen kann.

Die Einrichtung einer solchen Synchronisationslösung ist schon das erste Problem. Wo ist die Nextcloud Box, die man mal angekündigt hat? Man kann einem Privatanwender nicht mit Homeserver, Serverbetriebssystem und Diensteinstallation kommen. Webspace hat – das können sich viele im Linux-Bereich kaum vorstellen – bei weitem nicht jeder und die meisten wissen nicht mal was das ist.

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Das ist ein zunehmendes Problem, weil wir definitiv auf eine vernetzte Gegenwart zusteuern, die unter dem Schlagwort Smart Home bereits jetzt propagiert wird. Momentan sieht es so aus, als ob proprietäre IoT-Lösungen in diesem Bereich komplett den Ton angeben. Skeptikern solcher Lösungen bleibt ausschließlich digitale Askese! Die Bereitschaft zum kompletten Verzicht kann man allerdings nicht allen Menschen abverlangen, weshalb offene Lösungen an Bedeutung verlieren.

Auf dem Linux Desktop beginnt dann aber der wirkliche K(r)ampf. Nicht nur, dass keine Distribution den own-/Nextcloud-Client vorinstalliert hat, viele haben nicht mal eine zeitgemäße Clientversion in den Paketquellen.  Die umfangreichen PIM-Programme Evolution und Kontact sind Usability-Albträume. Man muss schon sehr gut wissen, was man möchte um eine IMAP, CardDAV und CalDAV Synchronisation umzusetzen. Plötzliche Fehler können immer wieder auftreten. Thunderbird ist zwar stabiler, unterstützt aber ohne Addons keine der freien Synchronisationsschnittstellen. Notizen und Wissensmangement mit Synchronisation ist seit Jahren eine Katastrophe, es schießen zwar andauernd neue Markdown-Lösungen aus dem Boden aber nichts davon bietet eine einfache Synchronisation oder hält sich länger. Clientprogramme für RSS- und Podcast-Feeds mit Cloudanbindung sind quasi komplette Fehlanzeige. Von erweiterten Lösungen wie Handsoff/Continuity mal ganz zu schweigen. KDEConnect versucht seit Jahren diese Lücke zumindest für Android zu schließen, ansonsten passiert da nichts.

Sofern man alle seine Anforderungen mit einer Vielzahl an Lösungen implementiert hat, steht man dennoch vor der Herausforderung der sehr volatilen Entwicklung im Open Source-Bereich. Ehemals agil entwickelte Projekte sterben schnell, weil fast alle einen niedrigen Bus-Faktor haben. Unterschiedliche Supportzyklen für Desktop- und Serversysteme, sowie unabhängig entwickelte Apps für Smartphones können das fragile System schnell zerbrechen lassen.

Das Problem ist somit ein mehrfaches.

  1. Es gibt teilweise bestehende Lösungen, die aber von den Distributoren nicht beworben oder integriert werden. Vielleicht weil man keine Kooperation eingehen möchte oder weil man den Benutzern die Wahl lassen will.
  2. Viele Programme sind unzureichend oder derart verwirrend aufgebaut, das man genau wissen muss was man will um es einzurichten. Als kleiner Hinweis für Entwickler: Schaut euch mal die Profileinrichtung unter macOS/iOS an. So macht man es dem Anwender leicht!
  3. In manchen Bereichen gibt es zwar zahllose Programme (z. B. RSS oder Notizen) aber alle sind funktional unzureichend.

Anders gesagt: Linux hat den Anschluss an modernes, komfortables Arbeiten mit mehreren Endgeräten komplett verloren bzw. niemals gefunden. Es gibt hunderte Distributionen und zig Programme für jeden Zweck, aber alle imitieren sich gegenseitig und bieten keinerlei Mehrwert. Es ist eine selbstreferenzielle Entwicklung, bei der fast niemand über den Tellerrand schaut.

Zwar gibt es Dienste aber die Einrichtung erfordert erheblichen Aufwand, Wissen und teilweise auch Investitionen um sie erfolgreich einzusetzen. Damit verspielt man Potenzial und treibt Anwender weg zu einfacheren, aber unsicheren Lösungen oder gleich komplett weg von Linux.

Aber was interessiert das schon den Klischee-Linuxnutzer. Der schnappt sich sein 5 kg schweren Thinkpad, erzählt wie wenig er von diesen modernen Wischhandys hält und das man mit E-Mail, iRC und Jabber doch alle Kommunikationslösungen hat, die man braucht. Willkommen in der Nische!

Oder habe ich irgendwelche Dienste und Lösungen übersehen? Bitte schreibt mir ein Kommentar welche Lösungen ihr zur geräteübergreifenden Arbeit nutzt und wie gut das funktioniert.


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Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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