Symbolbild "Desktop"

Das alte Jahr ist vorbei und wieder werden viele feststellen, dass viele Vorsätze im digitalen und analogen Bereich mal wieder auf der Strecke geblieben sind. Daher sollte man das Jahr 2019 gleich mit einem digitalen Frühjahrsputz einleiten.

Spricht man von Datenschutz und Sicherheit im digitalen Raum kommen schnell Themen wie Sicherheitsaktualisierungen, Verschlüsselung, Open Source etc. zur Sprache. Drei große Probleme werden viel zu selten thematisiert: Veraltete Programme, (überflüssige) alte Gewohnheiten und nicht mehr genutzte Dienste mit Daten. Alle drei Problemzonen sollte man einem digitalen Neujahrsputz unterziehen.

Betriebssysteme und Programme überprüfen

Betriebssysteme und Anwendungsprogramme unterliegen einem immer schnelleren Wandel. Die Hersteller haben Releasezyklen gestrafft und selbst Microsoft ist mit Windows 10 auf ein rollendes System gewechselt. Einmal im Jahr sollte man daher den Supportzeiträumen der Betriebssysteme Aufmerksamkeit schenken. Jeder Hersteller informiert über die s. g. End of Life (EoL) Daten seiner Systeme. Sollte das Datum in naher Zukunft liegen oder gar schon verstrichen sein, muss dringend eine Aktualisierung eingeplant werden. Bietet der Hersteller kein Update – wie bei den meisten Android-Smartphones – muss man sich entweder mit Custom Roms befassen oder ein neues Gerät kaufen (und Android ab sofort die kalte Schulter zeigen). Die Haltung vieler, dass man da ja nichts machen kann und daher das Gerät weiter genutzt werden darf ist unverantwortlich!

Insbesondere im mobilen Bereich sollte man sich unabhängig vom verwendeten Betriebssystem regelmäßig fragen, ob die zahllosen installierten Apps wirklich noch benötigt werden. Weniger installierte Programme bedeuten weniger mögliche Schwachstellen und weniger potenzielle Datenstaubsauger. Unter iOS kann man z.B. unter Einstellungen -> Allgemein -> iPhone-Speicher das letzte Nutzungsdatum einer App ermitteln. Bei jeder installierten App sollte man die Berechtigungen überprüfen. So manche ehemals vorbildliche App hat sich schon nach einem Verkauf in einen Datenstaubsauger verwandelt. Besser noch: Automatische Updates abschalten und regelmäßig (das aber wirklich!) manuell aktualisieren. Dann kann man die Änderungen mit verfolgen.

Der Desktopbereich sollte trotzdem nicht außen vor gelassen werden, auch wenn die Innovationen hier inzwischen deutlich langsamer kommen. Neben den bereits angesprochenen Supportzeiträumen für die Betriebssysteme haben die meisten Programme eigene Releasezyklen. Bei den meisten Linux-Distributionen werden diese durch den Supportservice für die Paketquellen trotzdem abgedeckt, aber Achtung bei Fremdquellen. Hier sollte man ungewartete Programme identifizieren und entweder aktualisieren oder durch Alternativen ersetzen. So lieb man ein Programm auch gewonnen hat, ungewartete Software ist ein potenzielles Einfallstor für Schadprogramme. Ubuntu-Anwender sollten zudem überprüfen ob sie Software aus universe installiert haben und wie es um den Supportstatus dieser Software bestellt ist (siehe ausführlicher in: Kommentar: Ubuntus Universum – Ein Blick in den Abgrund)

Sollte ein Programm unverzichtbar sein oder – schlimmer noch – ein EoL-Betriebssystem voraussetzen, kann man darüber nachdenken es in eine virtuelle Maschine einzusperren und vom Internet zu trennen. Keinesfalls ist es ein Grund nicht mehr unterstützte Software „einfach so“ weiter zu verwenden.

Bei der Gelegenheit kann man gleich prüfen, ob die verwendete Software immer noch den eigenen Anforderungen entspricht. Diese können sich ebenso verändern, wie der Leistungsumfang aktiv entwickelter Software. So manches ehedem nützliche Programm wurde nämlich schon zur eierlegenden Wollmilchsau verschlimmbessert und endete als Einfallstor für Schädlinge.

Dienste aussortieren

Im Laufe der Zeit sammelt man eine ganze Menge Benutzerkonten bei unzähligen Diensten an. Einmal im Jahr sollte man hier Karteileichen entfernen. Sofern man einen Passwortmanager verwendet (was man sollte, siehe: Passwortmanager) kann man diesen einfach systematisch durchforsten und nicht mehr genutzte Accounts löschen.

Manche Dienstanbieter verstecken die Möglichkeit zur Kontenentfernung sehr gut. Es gibt einige Hilfeseiten im Netz, die einem hier helfen die richtigen Knöpfe zu finden, z.B. justdelete.me. Sollte sich keine Option finden, kann man sich immer noch an den jeweiligen Support wenden. Gemäß Telemediengesetz muss der Dienstanbieter i. d. R. eine Löschung ermöglichen.

Daten abfragen (DSGVO)

Manchmal nutzen wir Dienste ohne genau zu wissen, welche Daten dieser eigentlich erhebt. Insbesondere bei viel genutzten Angeboten oder sensiblen Bereichen kann man mal eine DSGVO-Anfrage machen und sich danach überlegen, ob die gesammelten Daten in einem akzeptablen Verhältnis zum persönlichen Mehrwert stehen. Hilfeseiten mit Informationen wie man so eine Anfrage stellt sind hier verlinkt: DSGVO – Daten erfragen

Gewohnheiten überprüfen

Menschen sind bekanntlich Gewohnheitstiere und so schleichen sich bei uns allen Gewohnheiten ein, die im Lichte neuer Erkenntnisse schlecht sind oder es eventuell schon immer waren. Hier kann man das neue Jahr zum Anlass nehmen und hinterfragen ob man alles Sinn macht, was man so tut. Braucht man z. B. Facebook wirklich noch oder folgt man nur noch den Timelines von Nachrichtenseiten, die man auch so aufrufen kann? Macht man schon immer Onlinebanking im Büro, sitzt aber seit neuestem in einem Großraumbüro? Müssen die Mails immer noch per POP abgeholt werden? Die möglichen Fragen sind so vielfältig wie die Anwendungsfälle.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von 200degrees via pixabay

Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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