Microsoft Office 365 ist schon lange im Fokus der Datenschützer. Meist geht es um Schulen, Universitäten und generalisiertes Tracking. Das ist alles richtig, aber die wirklich gefährlichen Funktionen mit konkreten Auswirkungen auf jeden Einzelnen liegen woanders.

Bei Office 365 geht es in der Diskussion analog zu Windows viel um die Erhebung von Telemetrie-Daten und in den vergangenen Monaten viel um den Einsatz in Bildungseinrichtungen. Das ist nicht falsch, denn die Erhebung und Auswertung von Nutzungsdaten ist gefährlich. Es ist aber auch ein eher abstraktes Risiko und daher schwierig für weniger Datenschutz-bewegte Menschen zu erklären.

Ungleich folgenreicher und viel konkreter sind die Ambitionen im Kerngeschäft von Microsoft. Bildungseinrichtungen und Privatanwender sind ein nettes Geschäftsfeld, aber den Großteil seines Umsatzes macht Microsoft im Business-Bereich. Hier schickt man sich seit Längerem an, die feuchten Träume von Mikromanagern zu erfüllen.

Bereits 2017 kündigte man ein Analysewerkzeug an, das ermittelt, wie viel Zeit Mitarbeiter z. B. mit dem Schreiben von Mails oder Besprechungen verbringen. Wütende Proteste dagegen haben zwar viel PR-Sprech bei Microsoft ausgelöst, aber nichts geändert. Stattdessen baut man die Mitarbeiter-Analyse weiter aus. Aus abstrakter Erhebung von Nutzungs- und Telemetrie-Daten wird ein konkreter Eingriff in das Arbeitsleben von potenziell Millionen Beschäftigten.

Es entsteht der gläserne Angestellte, dessen Arbeitsleistung einem Fließbandarbeiter gleich immer weiter optimiert werden soll. Glücklich darf sich schätzen, wer im öffentlichen Dienst oder Unternehmen mit starken Betriebsräten tätig ist, denn solche Werkzeuge bedürfen der Zustimmung von Personal-/Betriebsrat. Das trifft nur bei Weitem nicht mehr auf jeden Angestellten in Deutschland zu.

Das ist auf so vielen Ebenen fehl gesteuert, dass man es kaum noch rational begreifen kann. Erstens fragt man sich, wie eine Firma wie Microsoft so was allen Ernstes implementieren kann und zweitens in welchem Jahrhundert Manager ausgebildet wurden, die glauben, eine derart engmaschige Überwachung der Angestellten würde die Produktivität steigern.

Aber es wird zweifelsohne Abnehmer finden und es ist für die meisten Menschen in diesem Land relevanter als abstrakte Erhebung von Telemetrie-Daten an Schulen oder Privatgeräten.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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