Aller Nivellierung zum trotz haben Business Notebooks ihre Sonderstellung behalten. Einige wenige Hersteller bieten hier ausgewählte Produktlinien an. Doch es gibt Unterschiede im Detail und die Linux-Unterstützung wird nicht immer garantiert.

Alternativen und Auwahl

Hier steht momentan eine Generalüberholung des „Fuhrparks“ an (siehe auch: Erfahrungen mit dem ASUS ZenBook 14 UM425IA). Das ist der Nachteil, wenn man sehr selten neue Hardware anschafft und dann leider auch einen Schweinezyklus hat. Es ist alles nahezu gleich alt und muss halt fast zeitgleich ersetzt werden. Nachdem der mobile Begleiter erneuert wurde, stand nun eine leistungsfähige Workstation an. Wobei ich hier persönlich 14″ bis maximal 15″ Modelle bevorzuge, weil – Desktop-Einsatz hin oder her – die Teile doch viel zu oft bewegt werden müssen. Bei heutigen Auflösungen und den modernen USB-C Docks bringt ein größeres Display auch keinen produktiven Mehrwert.

Bei den Herstellern stehen im Prinzip Dell, HP und Lenovo zur Auswahl. Natürlich wäre in diesen Preiskategorien auch ein Purism-Notebook oder ein Tuxedo-Gerät denkbar, aber bei Ersteren ist mir persönlich die Frage der Garantie zu unsicher und Letztere (ich weiß, dass sich nun manche hier aufregen) haben meiner Meinung nach kein gutes Preis/Leistung und sind beim Design auch hinten dran. Aber das kann man auch anders sehen.

Ein Nachteil bei allen Modellreihen ist die Intel-Fixierung. Die meisten Serien verbauen noch Intel Core-Prozessoren der 10. Generation, manche liefern auch schon die 11. Generation aus. Modelle mit AMD Ryzen/Vega-Kombination sind eine absolute Ausnahme und dann leider auch oft mit längeren Lieferzeiten verbunden. Das ist schade, weil Intel hier keine gleichwertige Leistung mehr bietet.

Zuerst flog Dell aus der Liste. Mein Arbeitgeber stellt mir ein Latitude-Gerät und so etwas würde ich mir privat nicht anschaffen. Die Latitude-Serie sind solide Business-Begleiter. Sie sind aber verhältnismäßig schwer, klobig und zwei Punkte stören mich besonders: Erstens springt der Lüfter sehr schnell und sehr laut an und zweitens sind die Tasten deutlich kleiner als die Norm. Das Design ist außerdem sogar für das Business-Segment konservativ.

Dann musste Lenovo dran glauben. Ich hatte mich ja schon ein paar Mal etwas abfällig über das Design geäußert (allerdings habe ich auch mal zugegriffen, siehe: ThinkPad und Linux – ein Traumpaar), aber das war nicht ausschlaggebend. Kandidaten wären entweder ein X13 oder ein T14 gewesen. Das X13 fiel dann raus, weil es keine aufrüstbaren Arbeitsspeicher hat. 16 GB RAM mögen jetzt ganz in Ordnung sein, aber wie das in 4 Jahren aussieht weiß niemand. Das T14 wäre noch ein Kandidat gewesen, aber hier gibt es schlechte Berichte zur Wartbarkeit, weil die Öffnung des Notebooks wohl nicht ganz trivial ist. Theoretisch wären aber alle relevanten Teile austauschbar.

Den Ausschlag gab – so ehrlich will ich sein – dann die Angebotslage. HP hatte gerade bei einem großen deutschen Versandhändler Angebotswochen und wenn ich ein Gerät für 1300 € bekomme, das andere aber fast 1600 € kostet, spare ich die 300 € gerne. Ein eingefleischter Lenovo-Fan hätte hier vermutlich anders entschieden. HP bietet in seinem Business-Segment außerdem meiner Meinung nach das am meisten ansprechende Design. Da kommen einfach die vielen Apple-Jahre bei mir durch.

HP EliteBook G7 840 – Ein paar Fakten

Das Gerät ist ein 14″ mit einem relativ ansprechenden Design. Das stilisierte HP-Logo zeigt der Außenwelt, dass man hier mit einem Oberklasse-Notebook unterwegs ist und kein Budget-Gerät nutzt. Sofern man Wert auf so etwas legt. Fast das gesamte Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt und die Verarbeitung ist wirklich exzellent.

Verbaut ist:

  • Intel Core i7 10510U
  • Intel UHD 620
  • 16 GB RAM
  • 512 GB M.2 SSD
  • Intel Wi-Fi 6 AX201

Als kleines Zusatzstück hat mein Gerät noch die Möglichkeit eine SIM-Karte für eine LTE-Verbindung aufzunehmen. Mal sehen, ob ich das jemals nutze. Es gibt zudem die üblichen Business-Sicherheitsfunktionen wie TPM, Smartcard, verbaute Webcam-Blende etc. pp.

Sehr schön ist auch die zurückhaltende Lüftersteuerung. Die meiste Zeit ist der Lüfter komplett aus und wenn er aufdreht – beispielsweise beim Betrieb mehrerer VMs – dann sehr leise und nicht störend. Wirklich warm wird das Notebook nie. Hier ist mein Asus Zenbook schon nerviger.

Großes Manko der Ausstattung: Kein Ethernet-Port. Hier braucht es dann einen Adapter. Im Betrieb an der Docking-Station nicht so ein Problem, aber gerade bei der Installation von Linux oder wenn irgendwas schief gegangen ist, hilft oft ein kabelgebundenes Internet.

Die Ränder des Screens sind nicht so dünn wie bei manchen Premium-Consumer-Produkten wie z.B. XPS, aber auch nicht so breit, wie bei manchen Konkurrenzprodukten wie z.B. Lenovo ThinkPads. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Spielerei, sondern durch die schmalen Ränder hat man ein 14″ Screen in einem früheren 13″ Gehäuse.

Besonders hevorheben möchte ich hier noch die Tastatur. Ich habe sehr lange nicht mehr eine so gute Tastatur, mit einem so knackigen Schreibgefühl gehabt. Mein Ideal sind immer noch die die MacBook-Tastaturen der Modellereihe Pre-Butterfly.

Hochgradig überflüssig finde ich den Trackpoint und die beiden zugehörigen Tasten oberhalb des Touchpads. Die Fläche hätte ich lieber für das Touchpad selbst zur Verfügung gehabt. In Business-Notebooks muss man leider mit diesem Dinosaurier der Bedienung leben. Dell und Lenovo-Notebooks haben diese meist auch. Wenigstens stört der Trackpoint beim Tippen nicht. Bei Dell Latitude-Geräten bleibe ich häufiger an diesem hängen.

Linux-Tauglichkeit

Kommen wir zum Eingemachten, also dem Punkt, warum ich diesen Blogbeitrag hier schreibe. Man denkt immer Linux und Business-Notebooks – das geht immer. Man findet hier im Vorfeld leider auch nur sehr wenige Testberichte. Leider stimmt das nur bedingt, der Teufel liegt hier oft im Detail.

Die Intel-Basis erweist sich hier als Vorteil. Anders als beim ZenBook braucht es hier keine brandaktuelle Kernel/Mesa-Kombination, sondern alles ab Kernel 5.3 sollte gut funktionieren. Dadurch kann man auch Ubuntu 20.04 LTS oder openSUSE Leap aus dem letzten Frühjahr nutzen.

Eine kleine Hürde zum Start muss der geneigte Linux-Anwender leider nehmen. USB-Installationsstick vorbereitet und per ESC-Taste beim Start die Startmediumsauswahl gestartet – Nichts. In den UEFI-Einstellungen alle Möglichkeiten durchgeguckt und wieder nichts. Der Trick ist: Nur Speichermedien an einem USB-C lassen einen Start zu. Die Legacy-USB-Anschlüsse erlauben keinen Start. Hier braucht man also entweder einen USB-C Stick oder einen Adapter.

Tatsächlich wird die Hardware nahezu vollständig unterstützt. Grafik, WLAN, Bluetooth, Fingerabdruck-Scanner (nutze ich nicht, aber getestet habe ich es natürlich), Touchpad, Webcam – alles kein Problem. Der Teufel lag dann tatsächlich im Detail. Ich habe es einfach nicht geschafft die Sondertasten mit Debian 11 „Bullseye“ zum Laufen zu bekommen. Bei openSUSE funktionieren sie, also ist es kein prinzipielles Linux-Problem. Der Standby klappt ebenfalls bei allen getesteten Distributionen „Out of the Box“.

Sehr nett sind die kleinen LEDs in der Tastatur, die anzeigen ob Lautsprecher oder Mikrofon softwareseitig deaktiviert sind und ob CAPSLOCK aktiviert ist. Funktioniert unter Linux ebenfalls fehlerfrei. Das gilt ebenso für die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur, die in zwei Stufen per Tastendruck geregelt werden kann und die nach einer im UEFI festgelegten Zeit ohne Interaktion automatisch abschaltet.

Nicht getestet habe ich bisher den TPM-Sicherheitschip und die Smartcard. TPM zeigt mir beim Start mit openSUSE einen Firmware-Fehler an, weshalb ich hier etwas pessimistisch bin.

Die Akkulaufzeit ist unter Linux ebenfalls sehr gut. Hier gibt es ja oft Diskrepanzen zwischen Windows und Linux wegen irgendwelchen speziellen Tools der Hersteller. Ich komme im Produktivbetrieb auf 8-12 Stunden, komme also im Notfall über den Arbeitstag. Das ist aber heute auch nicht mehr ganz so wichtig, weil die Nutzung des USB-C Anschlusses zum Laden die Kompatibilität erhöht. Irgendein USB-C Ladekabel finde ich am Einsatzort meist doch.

Ein ganz großes Manko haben HP Notebooks für Linux-Anwender: Firmware-Updates. Im Consumer-Bereich spielt das nicht so eine Rolle, weil man hier schon froh sein kann, wenn der Hersteller nach Auslieferung noch ein oder zwei Updates nachschiebt. Business-Geräte bekommen oft viele Jahre Firmware-Updates für UEFI („BIOS“), SSD & Co. HP bietet hier für Windows ein superkomfortables Tool an und direkt nach dem Kauf konnte ich hier auch nahezu alle Bauteile mit Firmware aktualisieren.

Unter Linux gewinnt hier LVFS/fwupd immer mehr Beliebtheit. HP unterstützt es anscheinend nicht. Hier sind Lenovo-Kunden einfach im Vorteil. Das BIOS lässt sich wohl über einen Speicherstick per Sideload aktualisieren (noch nicht getestet), aber für den gesamten Rest muss der Anwender entweder auf Windows zurückgreifen oder mit dem Ist-Zustand leben.

Zusammengefasst

Premium Business-Notebook mit guter Linux-Tauglichkeit. Einziges Manko ist die Firmware-Aktualisierung, aber hier könnte sich in der Zukunft im entsprechenden Projekt noch was tun. Wer also ein paar mehr Euro für ein Arbeitstier ausgeben möchte und beim Design die Apple-Linie mag, der ist mit HP gut bedient.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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