Symbolbild "Entwickler"

Ein Linux ohne alte Zöpfe ist eine interessante Sache. Genau eine solche Idee hat nun Ikey Doherty vorgestellt. Noch ist es nicht mehr als ein Konzept, aber es verspricht Potenzial und zeigt einige Probleme in der Desktop-Entwicklung.

Das Projekt hat Ferdinand Thommes auf Linuxnews kurz und treffend zusammen gefasst. Es soll eine Linux Distribution sein, die alle alte Zöpfe abschneidet und sich quasi symbolisch von GNU trennt.

  • Wechsel auf Clang
  • musl als libc
  • Keine Unterstützung für Legacy BIOS, sondern nur UEFI
  • Nur Wayland und keine Unterstützung für X11
  • Kompletter usr-merge.
  • Verzicht auf Blocker wie NVIDIA
  • Ggf. weitere Kompatibiltiät in Form von Containern

Wird das ein voller Erfolg oder das neue Standard-Linux? Nein ich denke nicht und das soll es vermutlich auch nicht werden. Es ist ein mutiges Vorangehen und eine Experimentalstudie, die zeigen soll was möglich ist.

Denn Linux befindet sich auf dem Desktop – in der Form wie es nahezu alle Distributionen ausliefern – in einer Kompatibilitätshölle. Graubärtige Anwender und graubärtige Entwickler (Frauen gibt es ja kaum) halten an uralten Technologien fest und blockieren jede Veränderung (siehe: Kommentar: Wenn die Anwender sich verweigern & FOSDEM: Graubärte, GPL-Probleme und Fortschritt). Natürlich gab es immer Distributionen wie Debian, die konservativ waren und darin sicher auch ihre Daseinsberechtigung hatten, aber inzwischen sind alle Distributionen konservativ. Wann ist das letzte Mal eine Distribution mutig voran gegangen wie Ubuntu als es PulseAudio einsetzte? Damals gab es viel Kritik aber nur der breite Einsatz hat die Software wirklich alltagstauglich gemacht und heute nutzt das quasi jede Distribution.

Ein gutes Beispiel dafür ist Wayland, das seit über 10 Jahren in der Entwicklung ist und immer als Zukunft von Linux angesehen wird. Eine Zukunft, die nie kommt weil alle nennenswerten Distributionen standardmäßig aus Kompatibilitätsgründen an X11 festhalten und die Treiberentwickler und Desktopentwickler deshalb auch kaum einen Grund haben ihre Projekte Wayland-ready zu bekommen. Die Katze beißt sich hier in den eigenen Schwanz.

Umso schöner ist es wenn nun einzelne Entwickler experimentell voran gehen und zeigen wo es hingehen kann. Nicht alles davon wird funktionieren aber hoffentlich einiges im Mainstream-Bereich ankommen.


Bilder:
Einleitungsbild und Beitragsbild von von 200 Degrees via pixabay

Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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