FOSDEM: Graubärte, GPL-Probleme und Fortschritt

Auf der FOSDEM wurden einige interessante Themen in den Fokus gerückt. Mit dabei die Probleme mit den Graubärten und die Schwierigkeiten mit GPL Software zu überleben.

Leider fehlte mir bisher die Zeit, die Talks anzusehen, weshalb ich mich primär auf die Heise-Berichterstattung beziehe. Diese fand ich ganz nebenbei dieses Jahr ungewohnt kritisch, aber vielleicht kam mir das nur so vor.

Daniel Riek thematisierte die aktuellen Mentalitätsprobleme bei der rasanten Fortentwicklung. Er hat dafür das Schlagwort „Greybeards“, also zu deutsch „Graubärte“ gewählt. Das Thema treibt mich auch schon ein wenig länger um, aber ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie sich das anfühlt, wenn man versucht unter dem Dach von Red Hat das Linux-Ökosystem voran zu treiben. Das Kernproblem ist sicherlich, dass es Linux nun auch schon ein bisschen länger gibt und viele eingefleischte „Graubärte“ das System seit 20 Jahren nutzen. Sie haben sich eingerichtet und wollten keine Veränderungen. Das gibt es überall, für Linux ist das aber neu, weil nun die erste Generation der Anwender alt wird. Persönlich habe ich zudem manchmal den Eindruck, dass diese Gruppe bei Linux öffentlich sehr präsent ist und wenig neue Anwender nachkommen.

Ein weiteres Thema war die GPL und die kommerziellen Möglichkeiten von Firmen. Hier wirken die Schocks nach, weil Redis und MongoDB den Code zwar nicht unzugänglich gemacht, wohl aber die Freiheit der Weiterverwendung eingeschränkt haben. Die GPL wirkte sich für beide Projekte scheinbar negativ auf die kommerziellen Möglichkeiten der Firmen aus (siehe auch: Reflexionen: Open Source hat kein funktionierendes Monetarisierungsmodell). Frank Karlitschek warf sich auf der FOSDEM dann für die GPL in die Bresche. Heise bemängelt aber zu recht, dass man die Geschäftsmodelle von Nextcloud schlecht mit den beiden obigen Beispielen vergleichen kann und man dadurch gewissermaßen aneinander vorbei redete.

Zusätzlich gab es natürlich auch noch neues von Lennart Poettering. Ich bewundere diesen Mann wirklich für seine Hartnäckigkeit, mit der er Veränderungen voran treibt. Ohne mich jetzt über den Stil oder die technische Dimension auszulassen finde ich es einfach bewundernswert, dass er nie hingeschmissen hat. Kaum eine Person in der Open Source-Szene war schließlich n den vergangenen Jahren so einem Hass ausgesetzt. Auf der FOSDEM ging es dann um systemd-home: Ein System um portable, verschlüsselte Home-Verzeichnisse zu ermöglichen. Ich bin gespannt!


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von qimono via pixabay

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