Linux im Niedergang – Heute: FeedReader

Linux fehlt es in vielen Bereichen an moderner, konkurrenzfähiger Software. Viele Projekte haben zudem zu wenig Entwickler und können daher schnell vor dem Aus stehen. Nun hat es FeedReader erwischt.

Auf der GitHub Seite steht die Meldung des Grauens: 

This project is no longer activily maintained!

Bei dem darunter stehenden Verweis auf eine Neuentwicklung in Rust musste ich unwillkürzlich an den Linux App Summit denken (siehe: Linux App Summit – Überfällige Einsichten) und an eine dort formulierte Einsicht:

Entwickler sollten Apps aus Nutzersicht bewerten. Portierungen mit dem Ziel auf moderne Programmiersprachen zu wechseln, ohne den Endanwendern neue Funktionen zu bringen seien demnach sinnlos.

Viele Linux Entwickler arbeiten aber immer noch primär für sich, für den eigenen Spaß und die eigenen Interessen. Je mehr Entwickler wegbrechen und je instabiler das Ökosystem wird, desto mehr tritt diese Eigenschaft zu tage.

Für mein persönliches Nutzungserlebnis ist das eine Katastrophe. Feeds sind bei mir fast genau so wichtig wie der Internetbrowser. Dutzende Quellen füttern hier den Stream an Nachrichten, die mich interessieren (können).

Natürlich kann man FeedReader noch eine Weile verwenden. Aber weil Linux-Distributionen Gesamtkompositionen sind wird der Tag kommen, an dem irgendeine abhängige Bibliothek nicht mehr kompatibel ist oder irgendeine einschneidende Änderung, sei es bei Linux oder bei den integrierten Funktionen, das Programm beerdigt. 

Normalerweise wäre mir das kein eigenen Beitrag wert. Ich hänge nicht sonderlich an dieser einen Software und habe die Entwicklung auch nie aktiv begleitet. Bei der Suche nach Alternativen musste ich heute allerdings ernüchtert feststellen, dass es keine gibt. Ich würde ja beinahe schon Java-Bloatware nehmen um die Funktionen zu erhalten. 

Akregator ist schon fast länger im Wartungsmodus als ich Linux verwende. Das Programm kann absolut nichts, was einen modernen RSS Client auszeichnet. Synchronisation mit irgendeinem Dienst? Fehlanzeige! Unterstützung moderner Techniken um gekürzte Feeds komplett darzustellen? Fehlanzeige! Neuentwicklungen in dem Bereich? Absolute Fehlanzeige! Bleibt noch Liferea, das wenigstens alle Jubeljahre mal ein paar neue Features erhält. Liferea unterstützt leider nur TinyTinyRSS, was ich wegen des Hauptentwicklers nicht verwende. Also bleibt entweder die Nutzung eines Dienstes oder der Verzicht auf Synchronisation.

Natürlich kann ich FreshRSS auch im Browser nutzen, so wie dutzende andere so genannte Webapps. Aber wozu dann noch eine vollwertige Desktopumgebung nutzen? Dann könnte ich auch gleich IceWM installieren und Firefox starten.

Adieu Feeds unter Linux!

Gibt es eigentlich irgendeinen Bereich am Linux Desktop, bei dem es in den vergangenen Jahren mal aufwärts ging oder muss ich das langsame Siechtum der vielen Projekte schon als erfreulichen Zustand sehen, da Siechtum wenigstens noch nicht Tod bedeutet?

Um die Kommentare vorweg zu nehmen: Klar, ich sehe das alles zu schwarz. Mein Nutzungsverhalten ist einfach falsch und natürlich könnte selbst etwas entwickeln. Kann ich aber auch sein lassen und stattdessen ein Betriebssystem nutzen, bei dem ich mich vor guten Feed Readern kaum retten kann. MacOS zum Beispiel, oder Windows, oder Android oder iOS. Anders gesagt: Alles bis auf Linux.

Mal sehen welche Säule meines Nutzungsverhaltens als nächstes unter Linux wegbricht.

Mehr aus dem Blog

Warum man „Face unlock“ mit einem Google Pixel 7 nicht nutzen sollte

Biometrische Entschlüsselung ist ein Thema für sich. Selbst wenn man dem nicht gänzlich ablehnend gegenüber steht, sollte man nicht leichtfertig jede Lösung nutzen. Gesichtserkennung...

iOS und Android können VPN umgehen

VPN ist für Anonymität einfach keine gute Idee. Wer dafür noch weitere Gründe braucht, muss sich nur die aktuellen Berichte über das iPhone-Betriebssystem iOS...

Mastodon – So schnell kann es gehen

Im Frühjahr, als die Kaufabsichten von Elon Musk publik wurden, schrieb ich einen skeptischen Kommentar, was den prognostizierten massenhaften Wechsel zu Mastodon betrifft. Meine...

Vertrauen – Warum Werbung zur Monetarisierung manchmal gut ist

Früher hat man etwas bei Stiftung Warentest gelesen oder einen Ratgeber aus einem angesehenen Verlag gekauft. Vertrauen transportierte die Marke des Verlages. Heute vertrauen...