Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Purism Librem 5 - Bestenfalls eine Experimentalstudie

Purism hat für das lang geplante Librem5 nun die Karten auf den Tisch gelegt. Die Spezifikationen sind bekannt und die Vorbestellungen laufen an. Die bekannten Fakten lesen sich ernüchternd. Sowohl die Hardware, als auch das Betriebssystem dürften Experimentalcharakter haben.

Purism hat mit Librem 5 den viel beachteten Versuch unternommen ein Smartphone zu entwickeln, das sich ganz auf Privatsphäre und Datenschutz konzentriert. Die Community hat das Projekt mit viel Enthusiasmus begleitet und die Entwicklung mit 1,5 Mio. US-Dollar angeschoben. Zweifel waren aber von Vornherein angebracht. Purism hat zwar Erfahrung im Hardware-Bereich, weil man bereits seit längerem Notebooks mit Privatsphären-Fokus ausliefert. Leider lesen sich die Testberichte auch durchwachsen, was nicht gerade eben hoffen lässt. Denn das ist umso bemerkenswerter, weil Linux auf dem Desktop bereits ein sehr stimmiges Gesamtpaket ausliefert und mit Coreboot ambitionierte freie Projekte existieren. Freie Hardware ist im Desktop- und Notebook-Segment auch kein so schwieriges Thema, wie bei den mobilen Begleitern der Gegenwart.

Smartphones sind ein deutlich schwierigeres Umfeld. Nicht nur existiert kaum Hardware, die sich ohne proprietäre Firmware betreiben lässt, es gibt auch keine lauffähige Linux-Version für Smartphones. Ubuntu Touch und Plasma Mobile sind hier die am weitesten gediehenen Projekte. Vorgeblich freie Betriebssysteme setzen ansonsten immer auf eine Android-Basis auf.

Genau diese beiden Projekte hat Purism aber mehr oder minder links liegen gelassen und PureOS auf GNOME ausgerichtet. Allen Unkenrufen zum Trotz ist die GNOME Shell und die damit verbundenen Apps mitnichten "mobile-tauglich". Hier lag von Anfang an ein weiter Weg vor Purism. Warum man sich das zusätzlich zu den Herausforderungen im Hardware-Bereich ans Bein gebunden hat, bleibt ein Geheimnis der Entwickler.

Die nun veröffentlichten Spezifikationen lesen sich nicht sehr aktuell. Das Display löst nur mit 720x1440 Pixeln auf, 32GB nicht erweiterbarer Speicher ist eher ein Wert, den man aus dem Apple-Universum kennt. Bluetooth 4 ist veraltet und hat nicht die Energiesparfunktionen der aktuellen Version 5 etc. pp.

Zusammengefasst ist das ein Ergebnis, das bestenfalls Enthusiasten ansprechen wird. Das Librem 5 ist in dieser Version vermutlich kein Gerät, das ein anderes Smartphone ersetzen kann, egal wie Genügsam der Anwender ist. Es bleibt zu hoffen, dass Purism in der aktuellen Version lediglich eine Experimentalstudie sieht, wodurch man Feedback einer breiteren Öffentlichkeit erhalten möchte um schnell mit einer weiteren Version nachzulegen. Ansonsten ist das eine Totgeburt, wie so viele andere hoffnungsvolle Android-Konkurrenten.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von Siez18 via pixabay

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Tags: Datenschutz, Smartphone, Privatsphäre, Purism, Librem 5

Ergänzungen zum Artikel

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Jonius
Ich kann die vernichtende Kritik nicht nachvollziehen. Meinen Ansprüchen genügt das Gerät allemal. Ich lese in dem Beitrag auch mehr schwammige negative Wertung als handfeste Kritikpunkte.
Gerrit
Was ist an der Kritik schwammig?

1. Massiv veraltete Hardware
2. Software mit bescheidenen Funktionen (auch weil man unbedingt was eigenes entwickeln wollte).

Zusammengefasst: Wir können froh sein wenn man mit dem Teil überhaupt telefonieren kann.

Als Testballon ok aber Purism muss schnell nachlegen. Ansonsten ist das Projekt erledigt.

user
Ich schließe mich der Kritik an der Kritik an, das ist mindestens schwammig. Das die Hardware mit aktuellen Geräten nicht annährend gleichziehen kann, war von Anfang an klar, auch der Community und den Crowdfinanziereren. Die wesentlichen Spezifikationen sind schon ewig bekannt. Würde mich nicht abhalten und ist bei einem solchen Projekt auch zu erwarten. Das der Speicher nicht erweiterbar ist, ist zudem schlicht falsch, es gibt einen MicroSD Card Slot: https://developer.puri.sm/Librem5/Hardware_Reference.html

Die Software macht mir auch Sorgen und ich beobachte die Entwicklung seit langem, die Chance das hier auf Anhieb etwas End User taugliches herauskommt schätze ich auch gering ein. Das hier gebrachte Argument ist aber nichtssagend. Ja, es wurde Debian und Gnome als Basis gewählt, und zusätzlich wird auch noch Plasma mobil unterstützt, das lässt aber keine Rückschlüsse auf die Anwendungen zu. Es wird ein eigenes user Interface entwickelt und native Anwendungen. Gnome Anwendungen, die portiert werden, sollen angepasst werden. Sicher wird man auch normale Linux Anwendungen laufen lassen können, das dürfte aber in den seltensten Fällen Spaß auf einem Smartphone machen.

Meine Sorge ist, dass sich das Team damit völlig übernommen hat, und nach nicht viel mehr als ein mobiler Webbrowser dabei herauskommt. Diese Sorge und auch die Kritik auf Gnome und KDE zu setzen und nicht z.B. Code von sailfish oder ubuntu touch verwenden, wurde aber auch schon vor einem Jahr geäußert. Von einem aktuellem Blog Artikel würde ich erwarten, das er die aktuellen Entwicklungen unter die Lupe nimmt. das Librem Team ist da recht transparent und veröffentlicht regelmäßig Status Updates und Einblick in die Entwicklung. Was ich da lese, ist jetzt auch noch nicht unbedingt geeignet, meine Sorgen zu zerstreuen, aber deutlich informativer als dieser Artikel.

Klar ist , dass das Librem5 nicht annährend mit aktuellen Smartphones gleichziehen wird, weder bezüglich der Hardware noch der Software. Und es wird garantiert nicht Android vom Thron stoßen, weder kurz noch langfristig. Für mich stellt sich die Frage, ob es die Funktionen die angekündigt sind, gut genug umsetzt um für End User attraktiv zu sein.

Angesichts der Tatsache, das alle anderen Smartphones mehr oder weniger Wanzen sind, die Datenschutztechnisch kaum in den Griff zu bekommen sind, wäre für mich beim Librem5 weniger mehr. Ich möchte aber keine Betasoftware und einen Funktionsumfang, der zumindest perspektivisch dem des F-Droid Store unter Android entspricht.

Anthonio
Sehe ich genauso, kann die Kritik nicht nachvollziehen.
An einer Stelle irrt der Verfasser, das Librem 5 ist mit einer MicroSD-Karte zu erweitern. Zudem ist der Akku auswechselbar, eine Rarität heutzutage.
Es geht m.E. beim Librem 5 nicht darum ein billiges Einsteigersmartphone auf den Markt zu bringen.
Sondern eines wo die Privatsphäre maximal gesichert ist. Eines welches mehr Privatsphäre bietet als z.B. eines mit Lineage OS oder /e/. Zudem kann das Librem auch VoLTE, welches die beiden o.g. Betriebssysteme meines Wissens nicht unterstützen.
Zum Schutz der Privatsphäre baut Purism physische Schalter ein, mit denen man neben Kamera und Mikrofon auch Wi-Fi, Mobilfunk und GPS deaktivieren kann. Wer das neue Buch von Snowden oder den Film über ihn gesehen hat, weiß warum das sinnvoll ist. Weiterhin haben Sie das Meisterwerk vollbracht, die Treiber für u.a. das Modem selber zu schreiben und es mit niedrigen Rechten laufen zu lassen. Auf den Androiden (und vermutlich auch auf den iPhones) laufen die die Modems mit closed source Software, mit hohen Rechen, die nahezu unbeschränkt Zugriff auf Prozessor, SD-Karte u.a. haben.
Das Librem 5 kann telefonieren, SMS, ins Internet gehen, Fotos machen, hat ein auf Openstreetmap basierendes Navi, spielt Videos, Musik und Podcast ab, hat einen eingebauten Messenger. Das sind für mich die Kernkompetenzen eines Handys.
Der hohe Preis ist wohl den niedrigen Stückzahlen und der Entwicklung des Betriebssystem und der Treiben geschuldet.
Ich glaube es wird sich ebenso durchsetzen wie das Jolla-Phone (was auch VoLTE kann und eine Android 8 Emulation hat) und ebenso eine Nische bleiben.
Für mich ist nur die Frage der Kamera- und Bildschirm-Qualität offen, wenn die mit der des Samsung Galaxy S5 mithalten kann, ist es gekauft. Diese Qualität reicht für meinen Gebrauch.

user
Ich habe mir jetzt den verlinkten Testbericht zu den Librem Laptop durchgelesen, und frage mich warum der hier so negativ wiedergegeben wird und "nicht hoffen lässt"? Das Gerät bekommt da doch ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt mit nur leichten abstrichen beim Display und dem Treiber fürs Touchpad. Und die Preisdifferenz zu vergleichbaren Geräten bei Dell ist jetzt bezogen auf den Gesamtpreis auch nicht exorbitant höher. Das man beim kauf eines Librem auch die Software Entwicklung mit finanzieren muss, sollte klar sein. Ein Blog mit dem Titel "Datenschutz im Alltag" sollte sich aber doch auch für diesen Aspekt interessieren, und da schneiden die Librem Geräte hervorragend ab.
Rapunzel Gonzales
Das Problem ist nicht so sehr die Hardware. Ja, sie ist nicht aktuell - kann sie mit Blick auf die Designanforderungen aber auch gar nicht sein. Über Bluetooth 4 kann man ebenso (mit Recht) enttäuscht sein wie über 32 GByte RAM.

Das wesentlich größere Problem ist die Software. Linux ist zwar ziemlich ausgereift und gibt sich auch mit schwächerer Hardware zufrieden (übrigens ist Linux Android in diesem Punkt um einiges voraus - Gemeinsamkeiten hin oder her). Aber... Die meisten Anwendungen sind nicht für eine Touch-Bedienung ausgelegt. Die meisten Anwendungen sind nicht einmal ansprechend gestaltet, weil die Zielgruppe das bisher gar nicht erforderte.

Und das wird zum Problem. Wer mehr als nur surfen, SMS und Telefonie will, der wird absehbar schnell an Grenzen stoßen. Mit Blick auf die CPU und die weiteren begrenzenden Faktoren kann das mit einem Browser nur unzureichend kompensiert werden - das hat Microsoft mit Continuum auf Lumia-Smartphones versucht und es war schrecklich (ich hatte so ein Gerät nebst Dock).

Ein weiteres Problem ist der zu erwartend kleine Nutzerkreis. Der wird nicht ausreichen, um a) für Android oder auch nur Apple eine ernstzunehmende Alternative zu werden und b) wird er so speziell sein, dass er "toleranter" gegenüber Abstrichen sein wird, als ein "normaler" Kunde. Dadurch werden viele Aspekte nicht, nur spät oder mit geringerer Priorität auftauchen.

Purism ist zudem sehr klein, hat keine ernstzunehmenden Vertriebsstrukturen und wird mit seinem Angebot nicht viel Unterstützung aus dem Bereich der etablierten Telcos erwarten können...

Damit sind die Zukunftsaussichten eher nicht so rosig...

Während die Idee, das unsichere Baseband vom Hauptsystem zu trennen und Hardwareschalter zu integrieren, grundsätzlich klug ist und ich das sehr begrüße, ist doch die Frage zu stellen, ob man nicht besser auf ein angepasstes Android hätte setzen sollen - dadurch wären Ressourcen frei geworden, Kompatibilität für die Masse gegeben und eine kommerzielle Perspektive nicht von Beginn an fragwürdig.

Für Entwickler - und die benötigt Purism - ist die Plattform nicht sehr interessant. Zu wenige Nutzer, aufwändige Tests etc. pp. Große und bekannte Projekte werden voraussichtlich nicht sehr schnell eine spezielle Unterstützung anbieten.

So, wie Purism derzeit aufgestellt ist, wird ein Librem 5v2 aus meiner Sicht nicht sehr wahrscheinlich sein. Da wird nicht genug Geld reinkommen. Und ob das durch eine zweite Crowd-Funding-Runde gelöst werden kann, würde ich mal als fraglich im Raum stehen lassen.

Ich schreibe es nur aus meiner Perspektive:

1. Schritt sichere und offene Apps für Android
2. Schritt ein sicheres und offenes Android
3. Die passende sicherere Hardware dazu

Hier versucht man als kleines Unternehmen alles auf einmal, verzettelt sich und wird eine Lösung auf den Markt werfen, die nicht mit den aktuellen Erwartungen eines breiteren Marktes gerecht werden kann.

Zwar interessiert das Kunden mit dem Bedürfnis nach mehr Kontrolle tendenziell nicht so sehr - nur ist fraglich, ob deren Anzahl für die Finanzierung von Pflege und Weiterentwicklung reicht.

Für Kunden außerhalb der USA ist zudem der Kauf PITA... Es gibt immer noch keine Unterstützung des Herstellers und offen gesagt ist eine private Zollabwicklung für mich zu aufwändig. Tampering kann ich außerdem nicht identifizieren und da man sich per se "auffällig" verhält, wenn man so etwas bestellt, sollte man zumindest nicht blauäugig davon ausgehen, dass dies unmöglich wäre...

Jan
Hardware ist immer veraltet, wenn sie in den Laden kommt. Man müsste schon jedes Jahr das OPPO Modell kaufen, damit das nicht zuträfe.

iPhone11 wird derzeit mit bekanntem Loginscreen Bug zum Kontakte auslesen ausgeliefert. Das passiert Librem schonmal nicht.

Ein iPhone kann ich nach 4 Jahren spätestens wegwerfen mit der neuen Updatepolicy.
Auch das passiert mit Librem nicht.


Librem5 ist kein Experiment, sondern etwas neues. Ein echter Computer in einem Smartphone.

Kernelversager wie M$ liefern ihre neuen Smartphones auch mit dem ärmlichen Android aus, weil sie erkannt haben das sie niemals die Anzahl an Entwicklern zusammenkriegen.
Und oooopsie, ist das nicht das Problem vom Apple Appstore? Und hat Linux bzw. die Opensourcegemeinde nicht schin jetzt mehr Devs als Android? Es liegt auf der Hand das gated community Systeme keine Zukunft haben können.

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