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Kommentar: Strafe gegen Google - Chancen für freiere Systeme

Die Entscheidung der EU-Kommission vom 18. Juli 2018 Google eine Rekordstrafe für Praktiken rund um das Betriebssystem Android aufzuerlegen ist ein Meilenstein. Es gibt nun wieder ein bisschen Hoffnung für den Bereich der Mobilsysteme und Open Source.

Google steht momentan im besonderen Fokus der EU-Kommission. Dem aktuellen Verfahren ist bereits eine ebenfalls hohe Strafe im Bereich der Shoppingsuche vorausgegangen. Konkret moniert die EU Kommission vor allem, dass Smartphone-Hersteller, die den Play-Store ausliefern wollen, gleich ein ganzes Paket an Google-Diensten integrieren müssen. Wer zudem einmal ein solches Smartphone mit Google Apps ins Portfolio aufgenommen hat, darf gemäß den Lizenzbestimmungen keine alternativen Android-Distributionen nutzen. Google hat natürlich Widerspruch eingelegt und das ganze wird sich daher noch ein bisschen hinziehen.

Aus Sicht eines juristischen Laien ist die Selbstherrlichkeit der Silicon Valley Giganten überraschend. Glauben sie allen ernstes, dass Gesetze für sich nicht gelten? Gerade die Bündelung eines markbeherrschenden Betriebssystems mit Hersteller-Programmen ist kein neues Problem. Bereits vor vielen Jahren hat die EU Kommission hier gegenüber Microsoft Härte gezeigt, bis der Redmonder Konzern nach Milliarden-Bußgeldern in einem Vergleich die Browserwahl einführte. Man hätte bei Alphabet/Google also wissen können, dass es die EU ernst meint.

Für die Mobilsysteme und ein freies Ökosystem ist diese Entwicklung eine Chance. Google wird sicherlich noch ein wenig weiter prozessieren, aber der Microsoft-Fall legt die Vermutung nahe, dass man sich auf einen Vergleich einigen wird. Um die Presseberichterstattung von der Rekordstrafe weg zu lenken hat man in den letzten Tagen vermehrt Informationen zum Next Generation Betriebssystem Fuchsia lanciert. Alleine die anvisierten Zeitpläne zeigen jedoch, dass das nur Nebelkerzen sind. Wer weiß schon was in fünf Jahren für Hardware ausgeliefert wird, zumal die internen Entscheidungsprozesse noch nicht einmal abgeschlossen sind.

Kurz- und mittelfristig wird man im mobilen Segment weiterhin Android benötigen. Hier wird Google voraussichtlich eine Entkoppelung der Dienste und des Systems anstreben. Man kann zuversichtlich sein, dass viele Hersteller dann nur noch eine reduzierte Variante des Google-Pakets anbieten werden. Viele Smartphone-Hersteller experimentieren immerhin mit eigenen Diensten. Möglicherweise wird es sogar Produktlinien ohne Play Store und Google Dienste geben - man wird es sehen.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von OpenClipart-Vectors via pixabay

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Tags: Android, Google, Europäische Union, EU-Kommission, Play Dienste

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