(K)Ubuntu 22.04 – Eine kleine persönliche Bilanz

Eigentlich wollte ich Kubuntu 22.04 dieses Frühjahr gegen openSUSE austauschen. Das habe ich dann doch nicht gemacht, weil ich die betroffenen Anwender nicht kurz vor einer größeren Transformation mit openSUSE vertraut machen wollte. Stattdessen bin ich sogar selbst zu Kubuntu zurück und ziemlich zufrieden.

Ich hatte mich wirklich auf openSUSE Leap 15.4 gefreut. Endlich Hardware-Unterstützung für mein Notebook und weg vom Rolling Release-Modell Tumbleweed. Leider gab es dann für mich persönlich ein paar zu viele Probleme, die teilweise erst rund um die Veröffentlichung auftraten. Bei Dracut hatten die openSUSE-Entwickler vergessen, dass der usr-merge bei Leap noch nicht vollzogen ist, weshalb wochenlang mein Bluetooth nicht ging, weil der Treiber nicht integriert wurde. Zudem harmoniert Vorta nicht mit der Python-Version (Bug #1199080) und das von mir gerne genutzt systemd-homed hat man auch nicht richtig integriert (Bug #1199804). Außerdem gibt es einen seltsamen Fehler im Autologin, der mich alle circa 10 Logins vor einem schwarzen Bildschirm sitzen ließ. Nein, das war dann doch ein bisschen viel des Guten. Ich brauche gerade wirklich ein System ohne Probleme und bin deshalb mit meinem Arbeitsgerät kurzerhand auf Kubuntu umgestiegen.

Das habe ich nicht bereut. Kubuntu 22.04 läuft sehr stabil. Das gilt natürlich auch für Ubuntu, da der Unterschied ja nur in der Desktopoberfläche liegt. Seit dem Jammertal 16.04 hat man sich konsequent verbessert und mit 22.04 ein wirkliches gutes Release herausgebracht. Das liegt natürlich auch daran, dass KDE Plasma am Ende des Qt5-Zyklus steht und die KDE-Entwickler deshalb ihr Lieblingshobby, Verschlimmbesserungen vorzunehmen, auf den Qt6/KF6-Zweig konzentrieren. Es gibt keine mich störenden Bugs – was natürlich nicht heißt, dass es keine Bugs gibt.

Kubuntu 22.04 wurde für mich persönlich eine Option als Canonical das bei Release fehlende systemd-cryptentoll nachträglich für die Ubuntu-Basis aktiviert hat (man ist dort halt nicht dogmatisch und korrigiert solche Sachen auch nach dem Release), wodurch ich mein System mit meinem Yubikey entsperren kann. Das war für mich bis dahin ein Grund an openSUSE Tumbleweed festzuhalten.

LTS-Distributionen sind für mich einfach die bessere Wahl. Die Basis mag von den Versionen her veralten, aber das tangiert meinen Arbeitsablauf nicht. Die wesentlichen Aktualisierungen meiner Arbeitsprogramme erhalte ich sowieso nicht aus den Paketquellen. SoftMaker Office, Zotero, Synology-Tools, Transkribus – alles Sachen, die per Drittanbieter eingebunden sein müssen, weil kaum eine Distribution sie in den Quellen hat. Hier bietet Ubuntu sogar richtige Vorteile, weil das alle Entwickler kennen und unterstützen wollen bzw. müssen. Andere Sachen wie KDE Plasma oder VirtualBox werden zumindest momentan ziemlich konsequent via SRU aktualisiert, was für mich eine wirklich positive Überraschung ist. Der Rest der Basis ist mir eigentlich egal: Welche Version Dolphin hat oder ob Okular in Version 21.12 oder 22.04 vorliegt – wen interessiert das schon? Ich verfolge die KDE-Updatemeldungen und sehe dort nichts, was den Arbeitsaufwand eines Rolling Release für mich rechtfertigen würde.

Kubuntu 22.04 ist wirklich eine gute Veröffentlichung geworden. Für mich genau zur richtigen Zeit. Mal sehen wo der Linux-Desktop 2024 steht.

16 Kommentare

      • das ist irgendwie eine unnötig arrogante, aber typische nerd-antwort. geh mal davon aus dass der fragende vielleicht was neu im thema ist … dann hätte es ein „wie immer, ja und nein“ auch getan.

      • Zuerst möchte ich anmerken, dass ich mich mit Ubuntu und den zugehörigen Derivaten nicht wirklich auskenne. Ich meine allerdings, irgendwo (eventuell war das hier) gelesen zu haben, das bei manchen Derivaten Firefox nicht als snap vorinstalliert ist. Meine Frage war einfach nur ehrliches Interresse, da ich am überlegen bin, jemandem (K)ubuntu zu installieren.

        Nun zu deiner Antwort. Deine ruppige Art kam für mich ein wenig unerwartet, dass ich diesen Ton bei dir bisher nicht vorgefunden habe, war einer der Hauptgründe für mich, deinem Blog zu folgen. Ich finde es schade, dass du Augenscheinlich im Linux-Mainstream angekommen bist, in dem (vermeintlich) Unwissende zynische Antworten anstelle von Hilfe bekommen. Ja, ich mag keine Snaps. Was ich noch weniger mag, sind 3rd-Party Repositorys und PPAs. Das klassiche Packetverwaltungssystem hat so einige Macken, du bist einer derjenigen, die das bisher angesprochen haben. Ich nutze schon länger Fedora SIlverblue, Flatpaks sind meine erste Wahl wenn es darum geht, Software zu installieren. Ich bin nur nicht bereit, mich in ein mMn unnötigerweise (Flatpak kriegt es ja auch hin) aufgeblasenes Distributionierungsmodell einzuarbeiten, um jemandem dies anschließend zu administrieren. Ob ich dies bei Kubuntu auch müsste, war das einzige, das ich wissen wollte. Schade, dass man mittlerweile auch hier solche Antworten kriegt.

        • Es ist technisch unmöglich, dass ein Derivat etwas anderes anbietet als die Ubuntu Paketquellen beinhalten. Wenn du keine Ahnung von Ubuntu hast – was in Ordnung ist, man kann nicht von allen Distributionen Ahnung haben – würde ich an deiner Stelle niemandem Ubuntu installieren, weil du keinen Support leisten kannst. Dann installiere doch die Distribution, mit der du dich auskennst, also z. B. Fedora Silverblue

          • Das stimmt nicht. Derivate könnten über ihre eigenen Repos Alternativen anbieten. Gerade Kubuntu hatte zu Ubuntu an manchen Stellen überraschende Abweichungen, eine zusätzliche Abweichung wäre nicht verwunderlich gewesen.

            • Das ist schlicht falsch. Derivate haben in der sources.list immer nur die normalen Ubuntu-Paketquellen. Lediglich die Softwareauswahl unterscheidet sich, aber immer nur im Rahmen dessen, was in den Paketquellen liegt, auf die alle Derivate zugreifen. Alles andere muss der Anwender zusätzlich einbinden. Anders sieht das bei Projekten wie Mint oder elementary OS aus, aber das sind auch keine offiziellen Derivate.

  1. also xubuntu hat die gleichen inakzeptablen bugs wie vor 2 jahren. da scheint gezielt niemand was fixen zu wollen. ob das an der GUI liegt? keine ahnung. standby funktioniert nicht richtig (wie schon in 20.04), hibernate gibts by default nicht und hybrid hibernate auch nicht. xubuntu kannste echt nur benutzen wenn du gewillt bist 10 wochen lang per CLI gedöns zu fixen. das ist technologisch alles auf dem gleichen level wie 2016.

    • Xubuntu benutze ich nicht, Ubuntu 22.04 fuktioniert hier auf T460s und T431s sowie Framework und Fujitsu Lifebook.

      Kannst du deine Probleme und Hardware genauer beschreiben oder trollst du nur?

  2. Auch ich kann nur Positives über Xubuntu berichten. Keinerlei Probleme. Snaps mag ich auch nicht und ich nutze lieber dpkg oder apt-get und ganz, ganz selten mal etwas aus dem Flatpak-Bereich, wenn es unbedingt sein muß. Xubuntu 22.04 ist seit langer Zeit wirklich extrem gut gelungen, ich weiß nicht, was andere da für Probleme haben. Das einzige, was mich etwas stört, ist der hohe RAM-Verbrauch, da sollte Canonical noch einmal nachbessern, aber ansonsten bin ich zufrieden.

  3. Für mich bleibt ein Ärgernis die nicht funktionierende Einbindung von KeePass in den Snap Firefox.
    Ja, es gäbe die Möglichkeit der deb Version, ich habe nur keine Lust herumzufummeln und möchte, dass die Distribution ohne gefummel funktioniert. Gut, wohl ein Wunschtraum.

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