Cloudspeicher gibt es wie Sand am Meer. Open Source Systeme zum selber betreiben nur eine Handvoll. Die meisten kennen vermutlich Nextcloud und den Vorgänger ownCloud. Unberechtigt im Schatten steht dagegen Seafile.

Nichts gegen Nextcloud. Das ist eine super Suite, wenn man mit wenig Mitteln und Kenntnissen eine heimische Cloud-Zentrale betreiben möchte. Nur ist dieser Vorteil in meinen Augen auch ein Nachteil. Nextcloud ist unfassbar schnell funktional angewachsen und die Qualitätssicherung und das Bugfixing hatten hier oft das Nachsehen. Hier rede ich noch nicht mal von dem rasanten Entwicklungszyklus und den oft problematischen Updates. Ausgerechnet bei der ursprünglichen Kernkompetenz „Cloudspeicher“ patzt Nextcloud inzwischen sehr oft. Fast kein Tag ohne Konfliktdateien oder hängende Synchronisation. Besonders tödlich sind instabile Internetverbindung oder gar Offline-Arbeiten. Willkommen in Deutschland. Nextcloud hat Potenzial, zu einem System zu werden, dass unfassbar viel kann und nichts richtig. Schade eigentlich.

Beruflich bin ich kürzlich mit Seafile in Kontakt gekommen. Die oben genannten Gründe waren die Ursache, warum Seafile vor Nextcloud der Vorzug gegeben wurde. Erstmal war ich skeptisch, weil Nextcloud und „vertrauenswürdige Cloud“ für mich in den letzten Jahren zu einem Synonym geworden waren. Für den Betrieb bin ich nicht verantwortlich, daher ist das hier eine reine Anwenderansicht. Die Clients sind bei den meisten Linux-Distributionen in den Paketquellen enthalten. Sie basieren auf dem Qt-Toolkit, passen sich leider optisch gewollt nicht ganz in den Desktop ein, aber sind funktional sehr ausgereift. Das Bibliotheken-Konzept ist anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig, dafür jedoch sehr flexibel.

Ich nutzte nun seit mehreren Wochen Seafile für ein Projekt mit knapp 9.500 Dateien, die zusammen 8 GB Daten in 5 Bibliotheken ergeben. Synchronisation über verschiedene Geräte – von Windows bis Linux – und mit Phasen der Offline-Arbeit sowie paralleler Arbeit an verschiedenen Geräten. Es gab nicht ein einziges Mal ein Problem.

Seafile ist nicht ganz so einfach aufzusetzen wie Nextcloud, aber wenn man wirklich „nur“ Dateisynchronisation über die Cloud benötigt, dann sollte man unbedingt einen Blick auf Seafile werfen.

Ein Wermutstropfen ist die Entwicklung in China, da ist mir die Nextcloud GmbH mit deutschen Wurzeln halt einfach näher. Aber letztlich gibt es ja genau dafür Open Source, damit man nicht nur einer Firma vertrauen muss, sondern nachprüfen (lassen) kann.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

7 Ergänzungen

  1. Auch ich bin von Nextcloud nicht mehr ganz so angetan, das ganze Ding ist einfach zu einem kaum noch kontrollierbaren Giganten angewachsen. Wir hatten vor einigen Jahren beim Radio für Redaktionszwecke auch mal Seafile getestet, sind dann aber doch bei Nextcloud gelandet, weil uns eine entscheidende Funktion bei der Dateisynchronisation fehlte oder wir sie aus Unwissenheit einfach nicht gefunden haben. Gibt man einem Nutzer Lesezugriff auf eine Bibliothek, kann dieser bei sich lokal auf der Festplatte synchronisierte Dateien löschen. In nextcloud kommen die gelöschten Dateien automatisch wieder zurück, in Seafile bleiben sie aber verschwunden. Das war für unseren Einsatzzweck so nicht gewollt. Vielleicht gebe ich Seafile noch mal einen Versuch, hatte das nun bestimmt schon 5 Jahre nicht mehr auf dem Schirm.

  2. Warum nicht einfach syncthing nutzen? Bei 8GB sollte es kein Problem sein, die Dateien auf jedem Gerät vorzuhalten. Wenn der Server mal ausfällt ist das auch kein Problem.

  3. Ich hatte in Sachen Synchronisation noch nie Probleme mit Nextcloud gehabt. Wir haben etwa 100 User und das war bisher immer geschmeidig. Seafile finde ich auch sehr nett, aber da fehlen mir einfach zu viele Funktionen die es bei Nextcloud einfach gibt.

    Ich sag nur Deck, draw.io, Kalender etc..

    • Richtig, wenn man die volle Funktionsvielfalt von Nextcloud gibt, dann führt da kein Weg dran vorbei. Wenn man aber nur Dateicloud benötigt, ist meiner Meinung nach Seafile die bessere Alternative.

      „Nie Probleme“ nehme ich dir in dieser Absolutheit übrigens nicht ab. 😉 Es gibt immer wenigstens ein paar Probleme. Zumindest wenn mehrere User an den selben Ordnern arbeiten und manche nicht online sind. Die Frage ist nur, wie schwerwiegend die Probleme sind.

  4. Seafile ist seit einigen Jahren bei uns in Gebrauch. Ausgangspunkt war die Bekanntschaft mit dem Betreiber dieses Auftritts: https://www.yoursecurecloud.de/
    Aus beruflichen Gründen war eine komplette Verschlüsselung unverzichtbar, und Seafile/Yoursecurecloud bot das schon zu einem Zeitpunkt, da andere noch davon träumten. Und seitdem sind wir nicht nur dabeigeblieben, sondern haben unseren Datenfundus, der via Cloud auf Rechnern alle üblichen Spielarten (Linux, Mac, Win, iOS, Android – Handy, Desktop, Notebook, iPad/Tablet) ohne große Probleme laufen. Einzig wiederkehrendes Problem: Ordner (die bei Seafile Bibliotheken heißen), die sehr viele sehr kleine Dateien enthalten, werden manchmal verzögert oder gar nicht hochgeladen. Ich synchronisiere in wichtige Fällen dann händisch, was mich drei Klicks kostet. Vor einigen In der Anfangszeit gab es manchmal Probleme mit einem MacBook, wenn es der Deckel sehr häufig geschlossen wurde und seine Öffnungszeiten sehr kurz waren. Dann „blickte“ es der Seafile-Client nicht mehr. Sein Neustart half.
    Die von nym@de.de erwähnten fehlenden Funktionen vermissen wir deshalb nicht, weil wir sie über andere Anbieter laufen lassen. Das ist ursprünglich einfach so gekommen. Doch mittlerweile sehen wir in dieser Vielfalt und manchmal auch Verkomplizierung Vorteile. Um uns richtig lahm zu legen, muss viel an vielen Stellen passieren. Ich betrachte das als strategischen Vorteil.

  5. @Gerrit
    Nie Probleme mit der Dateisynchronisation. Zumindest kein Problem das von NC verursacht wurde, sondern hausgemacht waren. Ich finde die Files-App nur leider noch als zu träge, dass ist meiner Meinung nach noch nicht optimal.

    Ansonsten gibts aber nichts zu meckern. Frage ist halt wie intensiv das auch genutzt wird. Vielleicht müssen meine User nur mehr arbeiten… Wer weiß :).

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