elementary OS nimmt Version 7 in den Blick

Ubuntu 22.04 wirft seine Schatten voraus und die Derivate folgen. Nun nehmen auf die elementary-Entwickler Version 7 in den Blick, das auf Ubuntu 22.04 aufsetzen wird. Ein paar Gedanken dazu.

Bekanntermaßen finde ich die Pantheon Shell eine wirklich tolle Desktopumgebung und das insbesondere seit mit Fedora, Arch Linux und openSUSE (OBS) auch andere Distributionen diese ausliefern. Es ist ganz erstaunlich, was da aus kleinen Anfängen gewachsen ist und im Gegensatz zu anderen GNOME-Sprösslingen haben die Entwickler sich hier gleichermaßen emanzipiert, wie auch ein augenscheinlich gutes Verhältnis zu GNOME bewahrt. Deutlich kritischer ist meine Sicht auf die Distribution elementary OS. Momentan fahre ich noch ein Experiment mit elementary OS 6 und Flatpaks, dessen Ausgang weiterhin offen ist.

In ihren monatlichen Berichten haben die elementary-Entwickler Ende Januar die Verlagerung des Fokus auf elementary OS 7 angekündigt. Das ist einerseits nachvollziehbar, weil man vermutlich eine extrem lange Distanz zwischen Ubuntu-Release und elementary-Release vermeiden möchte. Wir erinnern uns: Beim letzten Mal benötigte man über ein Jahr, um eine neue Version auf neuer Ubuntu-Basis zu veröffentlichen. Andererseits ist Version 6 damit weniger als ein Jahr nach Veröffentlichung schon wieder ein Auslaufmodell. Die Erfahrung lehrt, dass die elementary-Entwickler es nicht hinbekommen, mehrere Stränge parallel zu pflegen. Elementary OS 6 wird somit nur noch die nötigsten Bugfixes erhalten.

Dank der Flatpaks erhalten die Anwender trotzdem noch Updates für die Anwendungen und der Übergang auf die kommende Version dürfte hier weniger steinig sein. Schließlich sind die Flatpaks für Version 6 auch unter Version 7 lauffähig und das App Center bleibt daher gut gefüllt. Vermutlich hat elementary hier früh aus richtige Pferd gesetzt, schließlich will auch Flathub demnächst eine Bezahlfunktion einführen.

Andere Bereiche lassen einen da deutlich mehr zweifeln. Aktuell gibt es keine Upgraderoutine, um von einer elementary-Version auf die Nächte zu aktualisieren. Die Entwickler nehmen diese zwar in den Blick, aber selbst wenn diese – was sie ja nicht versprechen – bis Version 7 kommen sollte, sind Funktionen bei elementary am Anfang selten so ausgereift, dass diese wirklich alltagstauglich sind. Weiterhin verstehe ich nicht, warum man immer noch auf Ubuntu als Basis setzt. Die Sollbruchstellen sind kaum noch zu übersehen. Ubuntu setzt auf Snaps, elementary auf Flatpak. Ubuntu will bei 22.04 noch weitestgehend auf Gtk4-Apps verzichten, elementary möchte vollständig auf Gtk4-Apps wechseln. Man kann sich durchaus fragen, wie lange das noch gut geht.

Licht und Schatten sind wie immer bei elementary ganz nah beieinander.

3 Kommentare

  1. Meine anfänglich Begeisterung von Elementary OS ist sehr schnell der Ernüchterung gewichen. Dessen ungeachtet, ist jedoch auf deren Webseite eine sehr lobenswerte Abhandlung zum Thema Design zu lesen, welche sich JEDER Programmierer zu Gemüte führen sollt.

    • Ja, im Bereich Design sind die elementary-Leute wirklich dem normalen Linux-Desktop meilenweit voraus. Leider hapert es doch an vielen anderen Ecken und Enden.

  2. Wenn man Deine nicht von der Hand zu weisende Kritik an Linux liest, scheinen sich die Distros gerade auseinander zu entwickeln. Ubuntu setzt auf Snaps, das von den Anwendern nicht gerne gesehen wird und neuerdings sogar als Sicherheitsrisiko ins Gerede gekommen ist (Heise: „Root-Rechte durch Schwachstelle in Softwareverteilungssystem Snap“ v. 18.02.2022). Debian ist träge bei der Beseitigung von Softwarelücken, weshalb Du es nicht mehr als Desktop empfiehlst. Da fallen dann für den Anwender (insbesondere für Neulinge) schon einmal einige Distros fort. Eine in meinen Augen ungute Entwicklung.

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