Das Kool Desktop Environment war mal gestartet als Versuch „den“ Linux-Desktop zu erschaffen. Nach Jahren des schleichenden Niedergangs kann man sich nun hinter GNOME in der zweiten Reihe neben Xfce, MATE und anderen einreihen.

KDE konnte letztes Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiern und sieht sich natürlich selbst auf der Erfolgsspur. Das kann man auch anders sehen und wo, wenn nicht in diesem Blog, wo bekanntermaßen immer alles schlecht gemacht wird – vor allem Linux und hier insbesondere KDE und Debian – sollte man so eine Geschichte schreiben.

Bei der Recherche bin ich auf die Meldung zum 10-Jährigen Jubiläum von KDE gestoßen. Das deckt sich fast mit meinem persönlichen Linux-Einstieg, deshalb lassen wir diese Geschichte 2006 beginnen.

Wir schreiben das Jahr 2006. Smartphones brauchen noch ein paar Jahre und Microsoft hat gerade mit Windows Vista ein richtiges Fiasko erlebt. Im Linux-Land wittert man Morgenluft und tatsächlich wechseln merkbar enttäuschte Windows-Nutzer ins Linux-Lager. Passenderweise hatte sich kurz zuvor ein ambitionierter Unternehmer namens Mark Shuttleworth aufgemacht, eine Linux-Distribution zu erschaffen, die für normale Anwender benutzbar sein soll. Leider mit GNOME und hier gehts los.

Im Jahr 2006 gibt es im wesentlichen drei Linux-Desktops. KDE, GNOME und für Anwender mit geringeren Ressourcen und Anforderungen Xfce. Dazu natürlich noch eine Menge Windowmanager und andere Lösungen, aber die machen zusammen nicht nennenswert Marktanteile aus. GNOME und KDE haben sich bereits in den 1990ern parallel entwickelt, weil Qt nicht frei war und Alternativen schön sind. Mal so ganz stark verkürzt ausgedrückt.

2006 ist die Sache aber nicht entschieden. Die berühmten Desktopwars bestimmen die Diskussion und KDE und GNOME dürften in etwa gleich viele Nutzer auf sich vereinen. Es gibt regionale Schwerpunkte, auch abhängig von regionalen Schwerpunkten entsprechender Distributionen. KDE ist auf dem Höhepunkt des Entwicklungszweiges der Version 3.5. Bis heute eine der Versionen, an die sich viele Anwender gerne zurückerinnern. KDE ist so wichtig, dass Canonical nicht umhinkommt mit Version 6.06 KDE bzw. Kubuntu den gleichen Status wie dem Hauptderivat Ubuntu zuzusprechen und mit Jonathan Riddell einen Entwickler dafür hauptamtlich anzustellen.

Danach beginnt der Niedergang. Im Jahr 2008 veröffentlicht KDE die Version 4. Ein Debakel sondergleichen in der öffentlichen Wahrnehmung. Obwohl nur als Vorschauversion gedacht, kommuniziert man derart schlecht, dass der Ruf nachhaltig leidet. Denn die Software ist funktional nicht ausgereift und strotzt nur so vor Fehlern. Wohlmeinende Anwender bleiben bei 3.5, andere wenden sich enttäuscht ab.

Ewig können die Distributoren aber nicht an KDE 3.5 festhalten. In den Folgejahren stellen nach und nach die Distributionen um. Der Support von Kubuntu 8.04 endet beispielsweise bereits im Oktober 2009, weil Kubuntu angesichts der Entwicklung auf LTS-Support verzichten musste – gewissermaßen das erste KDE-Opfer, bei dem man hinter der offiziellen Hauptvariante zurückstecken musste. Nahezu zeitgleich erscheint openSUSE 11.2 ohne KDE 3.5. Die Nutze können nun nur noch migrieren, aber KDE SC 4 ist zu diesem Zeitpunkt immer noch von Alltagstauglichkeit weit entfernt. Entsprechend verschieben sich die Nutzerzahlen bei den Anwender und Distributionen.

Weil KDE es nicht hinbekommt, die Destopumgebung und die zugehörigen Programme ausreichend zu stabilisieren und die Nachfrage sinkt, ziehen die Distributoren Konsequenzen. War KDE bei SUSE Linux Enterprise bereits im Jahr 2009 mit Version 11 optional geworden, fliegt es in Version 12 im Jahr 2014 komplett aus der Distribution. 2012 degradiert Canonical Kubuntu zu einem normalen Derivat, in der Folge verlässt Jonathan Riddel Canonical. Mandriva und seine diversen Nachfolgelösungen als KDE-Hochburg gerät ebenso in Schwierigkeiten und verliert nachhaltig an Bedeutung. Zuletzt gab im Jahr 2018 Red Hat bekannt, dass KDE nicht mehr in der Enterprise-Distribution RHEL enthalten sein würde. Linux-Desktops im professionellen bzw. Enteprise-Umfeld sind nun durchweg GNOME-Desktops. Wer hätte das 2006 gedacht.

Die KDE-Entwickler sehen diese katastrophale Entwicklung. Man startet man eine beispiellose Kampagne, um die letzte Hochburg von KDE als Standarddesktop zu bewahren: openSUSE. Es gelingt KDE als Standarddesktop durchzudrücken. Ein kurzer Erfolg, denn nach einigen Umstrukturierungen hat openSUSE von vielen unbemerkt wieder den Verzicht auf einen Standarddesktop beschlossen.

Im Zuge der Querelen zwischen Kubuntu und Canonical kommt man 2016 auf die Idee, mit KDE neon eine eigene Distribution zu erschaffen. Die letzten verblieben Distributoren mit KDE-Schwerpunkt sind nachhaltig irritiert durch diese Aktion. Ein großer Erfolg wird KDE neon nicht, sondern dient eher als Anschauungsbeispiel für die aktuelle KDE-Version.

2022 gibt es keine verbreitete Distribution mit KDE als Standarddesktop. Wichtige Linux-Distributionen wie Debian, Ubuntu oder Fedora setzen standardmäßig auf GNOME oder haben von GNOME abgeleitete Alternativen entwickelt, wie z. B. Mint oder Pop OS!. KDE-Software spielt vor allem bei Rolling Release Distributionen noch eine nennenswerte Rolle und erfreut sich bei Arch Linux und Manjaro einiger Beliebtheit. Zudem kann es natürlich optional bei vielen Distributionen genutzt werden. Hiermit steht es aber auf einer ähnlichen Stufe wie die Xfce, MATE, LXQt und andere kleinere Lösungen.

Für einen solchen Niedergang gibt es keine einfachen Erklärungen. Dahinter stehen sicherlich auch Entwicklungen außerhalb der Reichweite der KDE-Entwickler und Verschiebungen im Distributonssegment. Aber einige Punkte kann man dennoch feststellen:

  • Schlechte Kommunikation der Entwicklung in Richtung der Distributionen und Anwender.
  • Auf Kritik reagierten die KDE-Entwickler mit einer Wagenburg-Mentalität.
  • Aus der Wagenburg-Mentalität folgte das konsequente Ignorieren der Bedarfe von stabilen Distributionen und vor allem der LTS-Distributionen, die von der Masse der Anwender genutzt werden. Das hat zu einer nachhaltigen Entfremdung zwischen Distributionen und KDE geführt.
  • Aus der Wagenburg-Mentalität folgte das konsequente Ignorieren der Anwenderbedarfe nach einer halbwegs stabilen, logisch zu bedienenden Desktopumgebung. Das hat nachhaltig Anwender vertrieben. Wir erinnern uns an fehlende Icons auf dem Desktop, eine Erdnuss in der Desktopecke, ein bis heute wackeliges KDEPIM. Irgendwann sind die KDE-Entwickler meist eingeknickt, nachdem der Kollateralschaden bereits gewaltig war. KDE ist immer noch damit beschäftigt Anwender zurück zu gewinnen, die man nach 2008 verloren hat.
  • Die KDE-Entwickler haben sehr oft lieber tolle Konzepte entwickelt als an Funktionen für die Anwender gedacht. Wir erinnern uns an aRts, Phonon, Nepomuk, Sonnet, Akonadi, KDE Frameworks.
  • Zig Umbennenung von KDE zu KDE SC zu KDE Plasma, von KDE zu KDE Applications zu nichts und zurück zu KDE Gear waren sicherlich nicht hilfreich für das Marketing.

Im Grunde genommen ist das schade, weil KDE Plasma gegenwärtig eine sehr stabil und funktional gut zu benutzende Desktopumgebung ist. Viele der Programme aus dem KDE-Umfeld sind funktional allen anderen Alternativen im Linux-Bereich überlegen. Sofern man von einer manchmal irrlichternden VDG und ihren Missetaten absieht, liefert KDE heute eine tolle Desktopumgebung aus und diese wird natürlich weiter eine Zukunft haben.

Aber Entwicklungen lassen sich nicht umkehren und KDE wird nicht mehr die Bedeutung von 2006 erreichen. Als man sich am Ende des 4er-Releasezyklus hinsichtlich Funktionen und Qualität gefangen hatte, waren die Distributoren als wichtige Mittler zwischen Upstream und den Nutzern bereits umgeschwenkt oder die Anwender hatten sich andere Distributionen gesucht. Einmal verlorene Marktanteile zurückzugewinnen, ist ein sehr hartes Unterfangen. Zu viele im Open Source-Segment unterschätzen dies.

Zu viele Fehler, zu viele schlechte Entscheidungen und ein auf GNOME ausgerichtetes Gesamtökosystem haben sich zementiert. KDE wird es weiter geben, das Projekt liefert gute Software. In einem Atemzug mit GNOME muss man es aber vermutlich nicht mehr nennen.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

26 Ergänzungen

  1. Mein einziger Kritikpunkt an KDE ist die Tatsache daß ich in aller Ruhe einen Kaffee trinken kann bis der Desktop vollständig geladen ist.
    Auch wenn ich ihn daher nicht nutze – auf einige KDE-Applikationen möchte ich nicht verzichten.
    Dolphin, Krename und K3B z. Bsp. sind bei mir noch das Maß aller Dinge.

    • Von Login bis „Desktop da“ ein paar Sekunden, völlig unabhängig von der darunter liegenden Distribution. Irgendwas machst du falsch – oder du trinkst ziemlich schnell Kaffee.

      • Ein paar Sekunden hat das auf meiner Kiste noch nie gedauert.
        Ich habe die Zeit noch nicht gestoppt aber ich wage zu behaupten es dauert wenigstens eine Minute. Warum auch immer.
        Seit dem letzten Debian-Versionsupgrade scheint alles ein wenig länger zu dauern.

        • Vllt. mal neu aufsetzten und auch gerade Dateien in ~/.kde, ~/.config und ~/.local/share löschen? Das kann auch bei anderen Fehlern helfen, wenn man die Dateien schon über etliche Updates mitgeschleppt hat.
          Ist der Speicher eine SSD?
          Wechsel HDD->SSD plus Neuinstallation haben die KDE-Ladezeit bei mir von 25s auf 1,5s reduziert.

          • Ich bin mir noch nicht sicher ob ich Debian behalte oder zu OpenBSD wechsel.
            Ich bekomme jedenfalls den Verdacht nicht los daß bei diesem Upgrade irgendetwas schief gegangen ist.
            In meinem Rechner werkelt noch eine ganz normale Festplatte. SSD wäre natürlich schneller.

            • 2022 sind Festplatten schon lange nicht mehr normal. Die SSD ist das wichtigste Upgrade der letzten Dekade, da solltest du mitziehen.

              Ich bin als Nutzer kleiner Fenstermanager kein KDE-Fan, aber die Performance auf komplett veralteter Hardware als Maßstab zu nehmen erscheint selbst mir unfair…

              • Sollte es wirklich nur an der HDD liegen, wäre das bei dieser Zeitdauer schon ein valider Kritikpunkt und ein Hinweis drauf, dass exzessive Dateien gelesen/geschrieben werden. Vermutlich setzt sich das aber aus mehreren Ursachen zusammen.

  2. > in diesem Blog, wo bekanntermaßen immer alles schlecht gemacht wird

    Immerhin merkst du es schon selbst.

    Klar, man kann natürlich mit „Gnome oder etwas abgewandeltes“ eine Dominanz herbeifabulieren, welche die Gründe für die Abwandlungen außen vor lässt. Wenn man das will, anstatt konstruktive Vorschläge zu machen – oder sich am Ende sogar vielleicht selbst einzubringen.

    Aber vermutlich klickt sich das nicht so gut.

    • Als langjährigem Leser sollte dir bekannt sein, dass ich GNOME persönlich nicht sonderlich toll und die Diversifizierung im GTK/GNOME-Lager bedauerlich finde und zu einem guten Teil auch der wenig integrierenden Grundhaltung der GNOME-Entwickler anlaste.

      Der Punkt ist nur: Darum ging es gar nicht. Es war einfach eine Geschichte von KDE in den letzten 15-16 Jahren, wie ich sie wahrnehme. Die Fakten sind verlinkt. Wie sieht deine Gegenerzählung aus?

  3. Hallo Gerrit, vielen Dank für den Artkel. Ich kann mich an vieles erinnern, was Du in diese Niedergangsgeschichte geschrieben, weil ich es als Otto-Normal-Anwender miterleben musste. Zwar bin ich bis heute dem KDE-Desktop treu geblieben, aber von den Anwendungen her, insbesondere Kontact/Kmail, bin ich abgewichen. Es mag inkonsequent sein, weil ich stattdessen oftmals Gnome-Tools wie z.B. Evolution nutze, aber Gnome als Desktop mag ich überhaupt nicht – seit der Version 3.x. Wie gut, dass sich vieles vermischen lässt, um den eigenen Workflow so gut wie möglich nach seinen eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Seinerzeit ist mir auch aufgefallen, ohne programmiertechnisch was drauf zu haben, dass die Entwickler scheinbar überhaupt nicht an Anwender und stabile Programmversionen interessiert waren. Diese von Dir benannte Wagenburg trifft es wohl. Einkesseln und einfach sein Ding weitermachen. Ich musste schon ein bisschen dabei Schmunzeln, obwohl mir mit diesem Akonadi-Dingsbums fast mein damaliger Einstieg in Linux vermiest worden wäre. Der Sprung von 3,5 nach 4.x war echt ein Katastrophe. Nochmals Danke für die Aufarbeitung, der ich so voll zustimmen kann (auch wenn jetzt die KDE-Fangirls/-boys aus allen Hosen hüpfen werden. 🙂

  4. Dieser Artikel wirkt 2022 etwas aus der Zeit gefallen. Die Analyse ist für 2008-2014 durchaus passend, seitdem hat sich vieles bei KDE getan (RHEL 2018 nehme ich mal aus, diese Entfernung dort ist durchaus sinnvoll). Siehe z.B. die Geschwindigkeit mit der auf die Probleme aus den LinusTechTips-Videos reagiert wurde, z.B. die Benennung temporären Dateien von Ark. Siehe die Entwicklung von Kdenlive, das sich beinahe am Refactoring verschluckt hätte, aber heute eben auch die Früchte davon trägt usw.
    Problem mag weiterhin eine fehlende LTS-Version von KDE selbst sein, sodass es den entsprechenden Distributionen zu viel Arbeit/Probleme macht. Aber ehrlich gesagt, für 80% der KDE Nutzer würde die (aktuell) wenig Sinn machen, weil man da viel gegenüber der aktuellen Version verpasst. Z.B. ist der Touch-Support in Kubuntu 20.04 sehr begrenzt, während in 21.10 fast alle Kernprogramme (v.a. Dolphin) halbwegs ordentliche Touchbedieung haben.
    Einige technische Rückstände gibt es aktuell z.B. bei der Wayland-Session, aber auch das hat sich in den letzten beiden Jahren aber enorm gebessert.
    Ein wenig gräbt man sich selbst auch das Wasser ab, weil KDE-Programme sehr gut (und mittlerweile ressourcensparsam) unter anderen DEs laufen, auch unter Windows und Mac und via Flatpak. Die Programme machen m.E. auch mehr KDE aus. Auf Plasma kann ich viel eher verzichten als auf Kate(+Kile), Dolphin und Okular.

    Besonders merkwürdig finde ich diesen Artikel so kurz nach dem Test von Manjaro, was ja doch in den letzten 2 Jahren mindestens einigen Hype erfährt, gerade auch in Kombination mit KDE (siehe Pinephone).
    Gleichzeitig offenbart der Artikel eine Art Meta-Weisheit als den Hauptgrund für die ausbleibende stärkere Verbreitung: die Trägheit der Ansichten über die Verschiedenen DEs. Damit KDE seinen Status von 2006 zurückerlangt, müssten schon mehrere GTK-basierte DEs ähnlich schwerwiegende Umbrüche vollführen wie KDE. Doch als das mit GNOME 3 halbwegs passierte, war KDE noch nicht wieder eine gut Alternative. Stattdessen gibt es nun zig naheliegende Ziele für frustrierte Gnomenutzer*innen und trotz libadwaita ist der Bruch zu GNOME40/42 und GTK4 nicht so dramatisch.

    • „Dieser Artikel wirkt 2022 etwas aus der Zeit gefallen. Die Analyse ist für 2008-2014 durchaus passend, seitdem hat sich vieles bei KDE getan“

      Ich habe nirgendwo in dem Artikel die Funktion oder den Zustand von KDE im Jahr 2022 kritisiert. Ich habe versucht aufzuzeigen, was es in den letzten 15 Jahren so alles an (Fehl-)Entwicklungen gab, über denen man viele Nutzer verloren hat. Eben genau in jenem Zeitraum, den du selbst nennst.

      Der gegenwärtige Zustand ist egal, diese Anwender sind weg, weil sie sich längst mit GNOME, MATE oder was auch immer arrangiert haben. Vielleicht sind sie sogar zu Windows oder macOS gezogen, wer weiß das schon. Einmal verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen ist so viel schwieriger.

      Außerdem habe ich manchmal Zweifel daran, dass man bei KDE daraus wirklich gelernt hat. Immer noch produziert man ähnliche Rohrkrepierer, die den Anwender ratlos zurück lassen. Ich denke da beispielsweise an den groß angekündigten Wechsel auf Kube, der dann nie kam, aber Kontact irgendwie als halb abgekündigt zurückließ. Aber das ist als externer Beobachter sicher schwer zu beurteilen.

        • Lustig, dass du ausgerechnet auf den Artikel kommst. Das dort beschriebene Problem des Hauptmonitors bei Wayland, das angeblich unsinnig und nicht zu implementieren wäre, kommt nun bei Plasma 5.24. Ich bringe mal ein Eigenzitat von oben:

          „Irgendwann sind die KDE-Entwickler meist eingeknickt, nachdem der Kollateralschaden bereits gewaltig war. KDE ist immer noch damit beschäftigt Anwender zurück zu gewinnen, die man nach 2008 verloren hat.“

          • Dann zitiere ich mich auch mal:
            „Innerhalb dieser zwei Jahre wurde z.B. auch für das kontroversere Thema Client-Side Decorations eine Lösung gefunden, warum soll das hier [Wayland-Hauptmonitor] nicht schlussendlich auch gehen?“

            Auch damals war die Kritik am Rauswurf der GUI-Option für den Hauptmonitor schon unpassend, weil sie bis damals eh nie unter Wayland funktionierte. Wenn es nun neu richtig gemacht wurde (hatte ich noch nicht gelesen), ist doch genau das passiert, was passieren sollte. Sicherlich wünscht man sich so etwas schneller, aber da ist das Problem fehlende Programmierkapazitäten und nicht Ideologie.

  5. Vielleicht reichen die anderen Oberflächen wie Cinnamon und XFCE auch einfach aus? GNOME wird von Firmen dazu genutzt, die Endanwender vom Linux-Desktop fernzuhalten. Aber auch ich möchte mal den Blogger dazu ermutigen, etwas Positives zur Community beizutragen.

    • Streiche „Community“ und setze „Community-Blase“.

      Er macht das schon ganz richtig…einfach mal den Blick lösen von der „Community-Blase“ und von oben draufschauen.

      Ich lese seine Artikel genau aus dem Grund sehr gerne, weil sich die „Community-Blase“ – die für die Entwicklung von Linux total irrelevant ist – meistens nur Selbstbeweihräuchert.

      Er soll damit auf keinen Fall aufhören, weil es ein erfrischender Gegenpol ist.

  6. Ich denke, der Artikel trifft es ganz gut: KDE fehlt die Konstanz. Das sind GNOME und Xfce als (meiner Meinung nach) Platz 1 und 3 (oder 2?) besser. Natürlich hat GNOME auch Sachen umgestellt und auch „wegratioanlisiert“, aber es ist immer wiedererkennbar und IMHO hat sich das Bedienkonzept hat sich nicht entscheidend geändert. Gleiches gilt für Xfce, die zugegebener Maßen auch langsamer entwickeln. KDE mag manchmal Visionär sein, aber in Schönheit sterben bringt ja auch nichts.
    Xfce profitiert IMHO auch (erheblich) davon, dass Xfce der Standarddesktop vom Raspi bzw Raspbian OS ist. Alleine deshalb hat Xfce ja schon eine ziemlich breite Nutzerbasis.
    Basierend auf der Erfahrungen im Wiki von ubuntuusers.de würde ich den schleichenden Niedergang auch bestätigen, im Sinne von, dass die Aktivität bei Wikiartikeln zu KDE (deutlich) geringer ist als für Artikeln zu GNOME, Xfce, Mate und früher auch LXDE.

    • Der schleichende Niedergang betrifft aber eher (das Wiki von) Ubuntuusers. Gerade auch viele technische (z.B. zur Verschlüsselung) Artikel sind nicht aktuell, auch wenn die Lösungen noch funktionieren. KDE war dort auch immer unterrepräsentiert.

  7. Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass Gnome die durchgängige Unterstützung von Red Hat hatte, auch in Form von Vollzeitentwicklern. Hätte KDE von SUSE das gleiche bekommen, stünde das Projekt jetzt anders da.
    Leider ist die Geschichte anders gelaufen. Der Wechsel von SUSE zu Gnome als Standardoberfläche hat viel mit der Übernahme durch Novell 2003 zu tun, man hatte sich mit Ximian und Miguel de Icaza die Konkurrenz ins eigene Haus geholt. Damit war es mit dem uneingeschränkten Committment zu KDE vorbei und ohne einen großen kommerziellen Linux Anbieter im Rücken waren die „Waffen“ sehr ungleich verteilt.
    Unabhängig davon sind natürlich auch bei KDE selbst Fehler gemacht worden, vor allem der chaotische Sprung von 3 -> 4 hat viele User vertrieben.

    • Stimmt alles, aber ist auch vermutlich ein „Henne-Ei-Problem“. GNOME hat professionelle Unterstützung und der Desktop wird professionell verwendet und bekommt deshalb professionelle Unterstützung. 😉

      Außerdem ist es ja nicht so, dass bei KDE alle ehrenamtlich arbeiten. Blue Systems hatte (hat?) zeitlang einige Entwickler für ihre Arbeit an KDE bezahlt. Das war nur in Teilen wenig nachhaltig, weil man Sachen wie KDE neon oder Netrunner gefördert hat. Die Ziele von Blue Systems kenne ich natürlich nicht.

      • Die Ziele von Blue Systems bzw. Herrn Tönnies sind auch mir ein Rätsel. Irgendwo habe ich gelesen, dass er jetzt auch bei Manjaro mitmischt.

  8. > 2022 gibt es keine verbreitete Distribution mit KDE als Standarddesktop.

    Slackware. (Also de facto; technisch gesehen hat ja eh‘ fast jede Distribution gar nicht „den“ Standardddesktop.)

  9. Toller Artikel. Vieles habe ich auch so mitbekommen. KDE3 war für mich die beste KDE Version, wobei ich relativ früh auf Gnome2 gewechselt bin und es bis heute nutze. KDE4 war tatsächlich eine Vollkatastrophe und selbst in der KDE5 Version habe ich keinen stabilen Desktop mehr erlebt. Aber als Gnome-User nutze ich auch einige KDE Programme wie KDENlive.

  10. Die Geschichte hätte man genau andersrum aufziehen müssen: KDE ist heute richtig gut. Akonadi filtert mein 10+ GB E-Mail-Archiv aus drei Jahrzehnten (also, ok, seit 2002) in Sekundenbruchteilen. Wayland ist stabil geworden und wirklich schnell (ich freu mich schon auf Plasma 5.24), openSuse liefert mit Tumbleweed eine ständig aktuelle und stabile rollende Distro, latte-dock wird immer schicker. Und wenn man will, findet man immer eine Ecke zum rumbasteln.

    Dann kann man die Frage stellen, ob nun die ganzen Distris KDE wieder genau so promoten werden, wie das früher schon mal der Fall war. Man wird zu dem Ergebnis kommen, dass dies ein ziemlich guter Weg wäre, um wieder mehr Leute auf den Linux-Desktop zu ziehen und neue Entwickler anzuziehen. Offenkundig hat das KDE Projekt ja aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

    Aber insgesamt geht dieses Narrativ einer Graswurzel-Bewegung hin zum Linux-Desktop sowieso von falschen Voraussetzungen aus: In Wirklichkeit ist Windows auf dem Desktop deswegen so erfolgreich, weil die Admins gerne weiterhin Active-Directory, Exchange und dem ganzen Microsoft-Kladderadatsch den Vorrang geben, den sie halt kennen.

  11. Ich fand KDE 4 war wirklich sehr instabil und so hatte ich Ubuntu immer mit Unity vorgezogen, das fand ich nebenbei auf dem Laptop auch ziemlich platzsparend. Den Umstieg 18.04 auf Gnome hab ich aufgrund der funktionalen Einschränkungen nicht mitgemacht und bin seither mit KDE ziemlich zufrieden. Ist überraschenderweise sogar performant und benötigt weniger Speicher. Hoffe es bleibt uns erhalten.

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