Apples Anti-Tracking-Maßnahmen zeigen Wirkung

Apples Auseinandersetzung mit den großen Werbefirmen über Tracking ist hier schon länger Thema. Die technischen Veränderungen bei iOS sind eindeutig – fraglich ist bei solchen Unterfangen aber immer, ob sie auch helfen oder ob die Werbeindustrie Schlupflöcher findet. Dem scheint nicht so zu sein!

Bereits im Frühjahr klagte die deutsche Werbewirtschaft über Apples Praktiken. Zu dem Zeitpunkt waren aber noch nicht alle Maßnahmen scharf geschaltet und durch eine gewisse Verzögerung bis Updatezyklen alle Anwender erreichen, darf man davon ausgehen, dass die Maßnahmen noch gar nicht umfänglich gegriffen hat. Mit dem Rollout von iOS 14.5 im Juni 2021 hat sich das geändert und die Einwilligungspflicht für Tracking wurde umfassend umgesetzt.

Die direkte Folge überrascht kaum. Nur wenige Nutzer haben Interesse daran ausspioniert zu werden. Die grundsätzlich sinnvolle Umkehrung der Einwilligungspraxis bei iOS, bei der die Ablehnung leichter ist als die Einwilligung in Tracking, führt zu Zustimmungsraten von maximal einem Drittel der Nutzer. Das kostet die Bereitsteller von Anzeigeflächen richtig viel Geld. Wie Golem heute basierend auf einem Bericht der Financial Times (Paywall) berichtete, entgingen alleine den sozialen Netzwerken knapp 10 Milliarden US-Dollar und damit knapp 12 % der Einnahmen im dritten und vierten Quartal.

Apples Konsequenz führt in der Werbebranche zu einem Shift in Richtung Android. Hier sind sie zweifelsohne verhältnismäßig sicher vor weitreichenden Schutzmaßnahmen, weil Google ist Werbekonzern an Maßnahmen, die über Alibifunktionen hinaus gehen, kein Interesse hat.

Während iPhone-Besitzer somit – im Rahmen dessen, was heute üblich und möglich ist – verhältnismäßig gut gegen Tracking geschützt werden, wandert Android immer stärker in den tiefsten Kreis der Hölle. Die Android-Anwender werden zur wichtigsten Zielgruppe der Werbebranche und sind gleichzeitig durch den Softwarehersteller nur mangelhaft abgesichert – ohne Aussicht auf Besserung.

Trotz der CSAM-Affäre bleibt daher ein iPhone kurz- und mittelfristig die beste Wahl für den normalen Anwender, der einfach ein funktionierendes Smartphone haben und einen bestmöglichen Tracking-Schutz genießen möchte, ohne sich mit den Untiefen von Custom ROMs und den beschränkten Potenzialen von F-Droid herumschlagen möchte.

2 Kommentare

  1. Ich finde es erstaunlich, dass sich ausgerechnet ein Admin den „furchtbar komplizierten“ Custom Roms mit Händen und Füßen erwehrt, zumal es auf für „normale“ Menschen fertige Lösungen zu kaufen gibt, z.b. /e/.

    • Klar, wenn man betagte Geräte (aktuell immer noch Samsung Galaxy S9, oder?) mit einem App Store, der sich aus zweiifelhafter und v.a. intransparenter Quelle speist als „fertige Lösung“ bezeichnet…. Ich bevorzuge dann doch die Auseinandersetzung mit der realen Welt und den Anwendungsbedarfen realer Menschen.

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