Kommentar: Apples Anti-Tracking Strategie wirkt

Getroffene Hunde bellen? Es scheint mal wieder so. Seit Jahren zieht Apple auf seinen Plattformen iOS und macOS die Grenzen für Entwickler enger, wenn es um die Möglichkeiten zur hemmungslosen Nutzerüberwachung geht. Jetzt klagt die deutsche Werbewirtschaft beim Kartellamt.

Die Zeiten, in denen kreative Werbetexter tolle Slogans und witzige Kampagnen kreierten sind schon lange vorbei. Heute verlassen jedes Jahr Hunderte Absolventen die Fachhochschulen mit Abschlüssen im Bereich Social Media, SEO und sonstigen verwandten Themen. Durch Praktika in den großen Firmen schon während des Studiums voll auf Linie gebracht. Herauskommen unkreative Technokraten im Dienste großer Werbenetzwerke, denen es nur noch um möglichst große Conversion Rates geht.

Apples Ansatz, die DSGVO zu erfüllen, indem es von den Nutzern eine gültige Einwilligung vor der Datenerhebung einholt, stößt dieser vollkommen kaputten Branche nun sauer auf. Denn zurecht fürchtet die Werbewirtschaft, dass ein Großteil der Nutzer keine Lust hat, sich auf Schritt und Tritt überwachen zu lassen.

In ihrer Verzweiflung reicht die Werbebranche nun eine Klage beim Kartellamt ein. Im Sinne der Anwender kann man nur hoffen, dass sich das Kartellamt nicht auf die Seite der Werbewirtschaft schlägt. Aus § 19a des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen das Recht auf hemmungsloses Ausspionieren der Bürger herzuleiten, zeigt einmal mehr, wie tief die Branche gesunken ist.

Das vorgebrachte Argument Apple schließe hier unliebsame Konkurrenz aus, finde ich in diesem Fall nicht stichhaltig, weil Apple keine Werbefirma ist und auch nie Ambitionen in diese Richtung entwickelt hat. Bei Google und Android würde man diese Situation sicher anders bewerten. Auch wenn die große Macht Apples über sein Ökosystem zu Recht Besorgnis auslöst, darf man sich freuen, wenn ab und an auch mal die Verbraucher davon profitieren.

Werbung hat ihre Berechtigung und die Einnahmen sind wichtig für die vielen kostenlosen Angebote im Internet. Ein Internet voller Bezahlschranken wäre keine bessere Welt, da es das Internet um einen seiner letzten Vorzüge berauben würde: Die Nivellierung sozialer Ungerechtigkeit im Netz.

Dazu braucht es aber kreative neue Ansätze und neue Ideen. Die Werbewirtschaft muss erkennen, dass es sie schon vor dem hemmungslosen Tracking der Kunden gab und es sie auch danach geben kann. Mit den jetzigen Akteuren ist das nicht zu machen.

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