FeedReader lebt weiter als Communique

RSS ist ein ebenso altes wie wichtiges Protokoll, um unabhängig von Algorithmen und irgendwelchen Interessen Dritter Inhalten zu folgen und Nachrichten zu konsumieren. Ausgerechnet in diesem so wichtigen Bereich ist Linux viel schlechter aufgestellt als macOS oder Windows.

Das finde ich ebenso bedauerlich wie verwunderlich. Normalerweise ist Linux bei so alten „Power-Lösungen“ immer ganz gut aufgestellt, aber hier überzeugt man vor allem durch Leerstellen. Feedsynchronisation ist bei der Vielzahl an Endgeräten heute nahezu unumgänglich, wenn man sich nicht jedes gelesene Feed merken möchte und angesichts der verbreiteten Unart, Feeds zu kürzen, braucht es eine gute Browser-Integration oder zumindest Weiterleitung an einen Browser.

Zur Bedeutung von RSS hatte ich mich hier bereits ausgelassen. Lange Zeit hatte ich mittels FreshRSS meine Feeds zwischen meinen Geräten abgeglichen. Dafür gibt es aber unter Linux kaum passende Clients. Den Abgesang auf FeedReader hatte ich vor bald 2 Jahren geschrieben. Schweren Herzens hatte ich mich von der Feed-Synchronisation verabschiedet und mit lokalen Feeds gearbeitet. Fazit: Es geht, aber es geht nicht gut.

Umso mehr habe ich mich gefreut als Rajdeep Singha FeedReader geforkt hat und seitdem unter dem neuen Namen „Communique“ erste Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen hat.

Das Programm ist eigentlich für elementary OS bzw. die Pantheon Shell entwickelt, aber sieht erfahrungsgemäß auch unter GNOME und anderen Gtk-basierten Desktopumgebungen gut aus.

Es steht momentan als Flatpak zur Verfügung und ist zusätzlich unter openSUSE auch über den OBS zu finden. Einige nervige Bugs sind behoben, die GUI moderat und absolut sinnvoll überarbeitet und die Synchronisation läuft ohne Probleme.

Hoffentlich sehen wir da noch die ein oder andere neue Funktion, aber bereits im jetzigen Zustand ist es ein massiver Fortschritt zu z. B. Liferea oder Akregator.

Für mich eines der größten Highlights im Oktober. Nebenbei nutze ich die Gelegenheit, um beim Re-Umstieg von Lokal auf FreshRSS die Abonnements auszumisten und nur noch das hinzuzufügen, was ich auch wirklich lesen möchte.

13 Kommentare

  1. Ich sehe den Vorteil einer eigenen Software nur für feeds nicht so recht. E-mail-Programme und Brower können das auch Ich nutze Feedbro im Browser und bin zufrieden.

  2. Wäre es dann nicht sinnvoller gewesen den rewrite von Feedreader also zu forken? Der läuft bei mir um einiges zuverlässiger als Feedreader früher. Aber trotzdem schön zu sehen dass es damit mehr Auswahl gibt, dass es in dem Bereich bei Linux so mau aussieht hat mich auch immer gestört. Es gibt gefühlt mehr Server Feed Synchronisationsdienste wie freshrss als Feedclients unter Linux.

  3. Wo wenig Anwender, dort wenig Entwickler. Ich bin der Meinung das der Mobile Markt im privaten Bereich den Desktop auffrisst. Bei den gigantischen Anwenderzahlen von Windows ist das nicht sofort ersichtlich, aber bei wenigen Prozenten die die Linux-Anwender darstellen, sieht man das ganz gut. Die Windows-Dominanz sinkt kontinuierlich, aber die Anwenderzahlen anderer Systeme steigen nicht oder wenig, hier Apple. Wohin gehen die?

    Ich schreibe selber Software und habe neben Windows auch schon für Macos und Linux Tools gemacht. Meiner Meinung nach ist Software schreiben für Linux am schwierigsten. Die Tools sind mehr oder weniger kryptisch und nicht sonderlich ausgebaut. Mit Terminal und Editor will man nicht nur arbeiten, man muss damit arbeiten weil Linux-IDEs, KDevelop, Anjuta oder Gnome-Builder eher Müll sind. Ziemlich technisch und arbeiten nicht immer sauber. Man merkt das auch hier Entwickler fehlen.

    Dabei sind Software Entwickler auf gute Werkzeuge angewiesen.

  4. Ich bin beim Thema RSS irgendwie auf dem Stand der alten Thunderbird-Integration hängen geblieben und Feeds haben es zugegebenermaßen bei mir nicht in die Smartphone-Ära geschafft. Ich möchte das schon längst wieder ändern und sehe da vor allem Lösungen wie Wallabag in der Geschmacksrichtung self-hosted vorn. Wie stehst du dazu?

      • Wallabag ist ein Read-it-later-Programm aber mit einer Archivierungsfunktion. Der gesamte Inhalt eines Artikels als Beispiel, wird in die Datenbank geschrieben und nicht nur verlinkt. Wallabag bietet aber auch eine API an, über die von anderen Programmen Inhalte übergeben werden. Ich nutze (noch) Miniflux2 als RSS-Feed-Agregator, also ein Gegenstück zu FreshRSS. Miniflux2 leitet Artikel direkt an Wallabag weiter, wenn diese entsprechend mit einem Sternchen versehen werden.

  5. Das beste Programm für RSS-Feeds ist NewsBoat. Schön im Terminal und alles einfach strukturiert. Bedienung entspricht der von Vim.

  6. Du schreibst: „massiver Fortschritt zu z. B. Liferea“
    Kannst Du die Vorteile einmal auflisten?
    Ich nutze Liferea seit eh und je und bin eigentlich sehr zufrieden. Ich habe kein Smartphone oder andere mobile Geräte, brauche also keine Feed-Synchronisation o.ä.
    Danke!

    • Neben dem fehlenden Sync bzw. der schrecklichen Implementierung von Sync, weil Liferea das schon irgendwie so halb hat, gibt es bei Liferea ein paar sehr unschöne Designbugs. Man kann z. B. die Ansicht nicht global festlegen, sondern muss das für jedes Feed einzeln ändern.

  7. Ich habe auch längere Zeit FeedReader genutzt (in Verbindung mit Feedly) und war soweit glücklich damit. Durch die Abkündigung bin ich dann auf NewsFlash umgestiegen. War soweit auch ok, bis Feedly es dem Entwickler so schwer gemacht hat, dass er die Unterstützung von Feedly (wahrscheinlich) beendet.
    Auf der Suche nach einer Alterntative zu Feedly bin ich dann auch bei FreshRSS gelandet. Das funktioniert auch mit NewsFlash ordentlich (Fever API). Erst vor kurzem bin ich auf den FluentReader (https://github.com/yang991178/fluent-reader) gestoßen – den gibt es für alle Plattformen (Windows, Mac und Linux). Als API werden u.a. Fever und greader unerstützt – passt also prima zu FreshRSS. Ist mein neuer Liebling 🙂

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