RSS Feeds sind so old school, dass sie unmittelbar davor stehen von den Hipstern ironisch als Alternative zu Social Networks verwendet zu werden. Gut, ganz so weit sind wir noch nicht aber RSS Feeds sind von Haus aus nicht besonders komfortabel. Mittels moderner Webanwendungen, Synchronisation und guten Clientprogrammen kann man die Technik aber in die Gegenwart heben.

RSS ist eigentlich eine grauenvolle Technik. Mittels eines Programms lädt man einen Feed von einer Webseite und macht ihn durch ein lokales Programm lesbar. Viele dieser Programme verweisen auch durch ihre Optik auf ihr Alter. Nebenbei entzieht sich die Qualität des Feeds dem Anwender, da hierfür die Webseite verantwortlich ist. Hat man mehr als ein Endgerät kommt man zudem mit den Leseständen durcheinander.

Genau aus diesen Gründen weichen sogar im Nerd-Bereich viele auf Twitter und andere Alternativen aus um Informationskanäle zu abonnieren. Eine fatale Entwicklung, da man hierdurch die Hoheit über seinen Nachrichten- bzw. Informationskonsum aus der Hand gibt und sich Veränderungen im Algorithmus der jeweiligen Netzwerke ausliefert. Natürlich erzeugen auch RSS-Feeds Filterblasen, aber diese unterliegen der Kontrolle des Anwenders, der die Sammlung erstellt und pflegt. Jedem reflektiert handelnden RSS-Nutzer ist klar, dass er nicht die Gesamtheit der Informationen abonniert hat. Zudem folgt man dem gesamten Angebot eines Anbieters, der auch mal abweichende Artikel veröffentlichen kann. Ähnlich wie bei einem Zeitungsabonnement stößt man auch mal auf Artikel, die der eigenen Meinung zuwider laufen.

RSS ist daher nach wie vor unverzichtbar. In einem modernen Gewand ist es auch einigermaßen komfortabel nutzbar. Wichtig ist eine zentrale Instanz um die Feeds zu verwalten. Niemand möchte auf dem Desktop, dem Notebook und dem Smartphone die RSS-Bibliothek separat pflegen und sich merken welche Artikel gelesen wurden. Es gibt eine Reihe an kommerziellen Diensten, die so etwas anbieten: Feedly, FeedBin etc. pp. Das ist hinsichtlich des Datenschutzes hochproblematisch. Der Anbieter kennt zumindest theoretisch die Interessen und Lesegewohnheiten seiner Anwender. Je nach Umfang der RSS-Bibliothek gibt man hier sehr viele Informationen zur Profilbildung aus der Hand.

Daher sollte man den zentralen Dienst nach Möglichkeit selbst betreiben. Es gibt hier nur drei ernst zu nehmende Lösungen: Tiny Tiny RSS, FreshRSS und Nextcloud News. Persönlich empfehle ich gerne FreshRSS. Nextcloud News ist zwar – eine laufende Nextcloud vorausgesetzt – schnell eingerichtet, bietet aber keine verbreiteten Schnittstellen. Das Client-Ökosystem ist daher sehr überschaubar. FreshRSS bietet im Gegenzug zu TT RSS von Haus aus Unterstützung für die Fever-API, was für mich ausschlaggebend war.

FreshRSS installieren & konfigurieren

FreshRSS setzt einen normalen LAMP-Server voraus. Wer keinen Home-Server (z. B. für die Nextcloud) betreibt kann FreshRSS daher problemlos auf jeden Webspace installieren. Die Anleitung ist etwas eigenwillig, dürfte aber auch Hobby-Admins vor keine Herausforderung stellen. Für Container-Freunde steht ein Docker-Container zur Verfügung.

Die Web-Anwendung präsentiert sich sehr übersichtlich und lässt sich gut bedienen. Das ist aber für den vorliegenden Anwendungsfall nachrangig, da FreshRSS primär als Synchronisationszentrale zwischen den verschiedenen Clientprogrammen dient.

Mehr Arbeit muss man in die Einrichtung investieren. Die bestehende Feed-Sammlung lässt sich problemlos als OPML-Datei in der Abonnementverwaltung importieren. Standardmäßig muss der Anwender auf der Weboberfläche aber selbst die Aktualisierung der Feeds anstoßen. Sofern man vorhat FreshRSS als Zentrale für Client-Programme zu nutzen ist das natürlich problematisch.

Um das Problem zu lösen gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten. Betreibt man FreshRSS auf einem eigenen Server oder hat zumindest Zugriff auf die Crontab kann man einfach einen Cronjob einrichten:

6,36 * * * * www-data php -f /usr/share/FreshRSS/app/actualize_script.php > /tmp/FreshRSS.log 2>&1

Diese Möglichkeit besteht bei vielen Webspace-Anbietern nicht. Die Dokumentation hält deshalb ein paar Alternativen bereit. Hierbei muss man aber enorm aufpassen, da einige der Möglichkeiten sicherheitskritisch sind, weil sie letztlich anonymen Zugriff durch einen Dritten zulassen.

Besser ist es einen Authentifizierungstoken einzurichten und diesen mit der URL zu übergeben. Dazu klickt man in den Einstellungen auf Profil.

https://freshrss.example.net/i/?c=feed&a=actualize&token=<token>

Der Einsatz von HTTPS ist hier natürlich selbstverständlich.

Bei der Gelegenheit kann man auch gleich noch ein API Kennwort festlegen. FreshRSS unterstützt für Dritt-Programme zwei verbreitete APIs: Die so genannte Google API (wegen des früheren Google RSS Readers) und die Fever API. Letztere stammt vom RSS Reader Fever, der inzwischen eingestellt wurde. Die API ist aber heute weit verbreitet und viele quelloffene und proprietäre Programme unterstützen diese. Der API Zugriff lässt sich in den Einstellungen unter Authentifizierung aktivieren.

Clients

Die Situation an Clientprogrammen ist unter Linux ziemlich bitter. Im Grunde kann man mit Feed Reader lediglich ein einziges Programm empfehlen. Bezeichnenderweise kommt aus dem dem Umfeld von elementary OS. Einem der wenigen Projekt, die den Desktop nicht reaktionär vor sich hin vegetieren lassen. Feed Reader unterstützt zahlreiche Onlinedienste (neben Fever / FreshRSS) und kann gekürzte Feeds vollständig darstellen. Zwei Funktionen, die jenseits von Linux inzwischen Standard sind. Nebenbei ist Feed Reader auch für Podcasts geeignet, was hier eine Leerstelle schließt (siehe auch: Cloud in Eigenregie IX: Baustelle Podcasts).

Für macOS sieht die Situation hier wesentlich besser aus. Auf dem Desktop bieten sich hier ReadKit und Reeder an. Letzteres ist jüngst in Version 4 erschienen. Beide kosten ca. 10€ als einmaliger Kauf. Ich persönlich präferiere ReadKit weil es sich optisch besser in den Desktop einfügt, während man Reeder die iOS-Adaption ansieht.

Die Auswahl für iOS und padOS ist deutlich größer. Viele bekannte Apps wie Fiery Feeds oder Unread sind allerdings auf ein Abonnement-Modell gewechselt oder beabsichtigen dies für die nähere Zukunft. Diese Form der Monetarisierung mag ich persönlich überhaupt nicht, weshalb die Empfehlung hier klar zu der iOS App von Reeder geht.

Android-Nutzer sollten prüfen, ob ihnen EasyRSS genügt. Dieses lässt sich über F-Droid beziehen. Ansonsten gibt es noch das famose Readably, das leider nur via Google Play bereit steht.

Mittels der Kombination von FreshRSS und entsprechenden Clients für die genutzten Endgeräte kann man seinen Nachrichten- und Informationkonsum strukturieren und bleibt für Neueigkeiten auf dem Laufenden. Ohne Abhängigkeit von fremden Diensten und Algorithmen, die entscheiden, was für einen interessant sein könnte.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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