Viele Linux-Nutzer, selbst die enthusiastischen Vertreter, kommen nicht um Windows herum. Weil Windows bei vielen Menschen immer noch den Arbeitsalltag prägt. Ein gern verschwiegener Bestandteil unseres Alltags.

Momentan schreiben viele Anwender tolle Gastartikel zu ihrer Reise zu Linux auf Linuxnews. Ein Bereich wird zwar ab und an am Rande gestreift, aber sonst ignoriert: Die Arbeitswelt. Denn die Reise zu Linux ist bei den meisten Anwendern eine unvollständige Reise. Vorausgesetzt, man hat einen Beruf, bei dem man mit Computern arbeiten darf/muss.

Windows prägt die Büros bis in die Gegenwart. Rational betrachtet, verbringe ich mehr Zeit vor einem Windows-Rechner als vor meinen Linux-Geräten, denn die Arbeitszeit von 41 Stunden pro Woche ist eine überwiegende Windows-Arbeitszeit. Die gleiche Zeit sitze ich (zum Glück) nicht nach Feierabend und am Wochenende vor einem Linux-System.

Wenn ich hier über Linux schreibe, dann schreibe ich vor allem über Linux im Privateinsatz (plus die noch nicht fertiggestellte Dissertation). Ein Privateinsatz, der zwar über das obligatorische surfen, mailen und Videos abspielen hinaus geht, aber ein Privateinsatz bleibt.

Dabei ist es nicht mal so, dass ich Linux für die Arbeit nutzen möchte. Mein Arbeitgeber stellt mir zwar ein Notebook, dessen Betriebssystem ich nicht auswählen kann und das folglich mit Windows kommt, aber – Corona machts möglich – zumindest gegenwärtig dürfte ich auch mit meinem Privatgerät arbeiten. Die IT-Abteilung supportet offiziell kein Linux, hat aber am Beginn der Pandemie einige Anleitungen für VPN & Co mit Linux erstellt.

Nur möchte ich das gar nicht. Ich arbeite gerne mit Windows.

Das liegt weniger an Windows 10, das ich für ein höchst bescheidenes System halte, sondern an den Programmen. Allerdings bereits hier mit Einschränkungen, denn DirectAccess ist eine sehr anwenderfreundliche Lösung, die den Arbeitskomfort im Homeoffice gegenüber klassischem VPN deutlich erhöht. Das Gleiche gilt für die Softwareverteilung über den Endpoint-Manager und die praktischen Admin-Kennwörter mit zeitlich beschränkter Gültigkeit, wodurch die IT mit als einfachem Anwender ab und an mal Admin-Rechte geben kann. Ob Linux hier gleichwertige Lösungen bietet? Keine Ahnung!

Spätestens bei den Programmen möchte ich aber gar nicht auf Windows verzichten. Meine komplette Arbeitsorganisation erfolgt über die obligatorische Microsoft Exchange & Outlook-Kombination. Mir ist keine freie Lösung bekannt, die sich so gut zur Terminverwaltung im Team eignet. Die Mail-Funktion ist da ja eher Beiwerk.

Hinzu kommen Word, Excel und Powerpoint. Hier gäbe es freie Pendants, aber die Zusammenarbeit ist nicht sattelfest. Das dürfte die meisten Leser dieses Blogs nicht überraschen, meine negative Meinung zu LibreOffice habe ich hinreichend oft klar gemacht. Ich möchte nicht derjenige sein, der die umfassenden Pivot-Abrechnungstabellen zerschießt, die eine Kollegin mit vielen Arbeitsstunden und viel Excel-Expertise mühevoll erstellt hat. Mal abgesehen davon, dass LibreOffice einfach keinen Spaß macht. Eine kleine Anekdote dazu: Als kürzlich eine knappe Präsentation erstellt werden sollte, fing eine Kollegin, die sonst privat nur mit LibreOffice arbeitet, an sich richtig in das Projekt rein zu knien. Sie war einfach so fasziniert davon, wie viel Spaß es machen kann, mit Powerpoint zu arbeiten, wo Impress einfach nur eine Qual ist. Und von Access schreibe ich da noch gar nicht.

Für meinen Arbeitsworkflow ist Citavi zudem ziemlich wichtig. Das ist problematisch und ich sollte dringend mal Alternativen evaluieren. Zotero hat ja einige Sprünge gemacht aber vielleicht wird es auch EndNote. Die Migration ist aber so aufwendig, das ich davor zurückscheue. Dank Windows habe ich hier ja auch die volle Auswahl.

Ein perfekt funktionierendes PDF-Bearbeitungsprogramme ist für einige Dienstleistungen ebenso Pflicht. Hier habe ich Adobe Acrobat Pro und PDF XChange Editor zur Wahl. Bei Linux bliebe nur der ebenfalls proprietäre Master PDF Editor. Ob der die beiden erstgenannten Programme ersetzen könnte, habe ich bisher nicht komplett geprüft.

Bei anderen Programmen ist die Stabilität unter Windows einfach besser. Zoom gibt es auch für Linux, aber meiner Meinung nach liegen zwischen den Clients für die unterschiedlichen Plattformen Welten. Hier dürfte die geringere Verbreitung von Linux sich bei Zoom in weniger Aufmerksamkeit umsetzen.

Das bedeutet nicht, dass wir nur auf proprietäre Software setzen. Gerade mal geprüft, was ich so aktuell nutze: Firefox, Rocket.Chat, OpenVPN, Git, FileZilla, Gephi, OpenRefine, Notepad++, VLC. Ich verwende für die Arbeit sicher mehr freie als proprietäre Software. Nur gibt es diese auch für Windows, weshalb Linux mir keine Vorteile bietet. Einige dieser Programme gibt es sogar nur für Windows.

Natürlich ist Windows und Office für den Datenschutz eine Katastrophe, das ist hinlänglich bekannt. Es ist nur nicht meine Katastrophe, sondern die meines Arbeitgebers und das ist mir bis zu einem gewissen Maß egal. Vor den schlimmsten Auswüchsen schützt mich im Zweifelsfall sowieso der Personalrat. Viele Maßnahmen, die ich privat nutze, wie beispielsweise Cookie Management, Site Isolation usw. ignoriere ich im Arbeitsalltag weitestgehend. Ich bin ja schließlich sowieso nur beruflich mit dem Gerät unterwegs.

Linux ist und bleibt mein Privatsystem und hat hier macOS nach 4 Jahren Ausflug ins Apple-Lager wieder fast vollständig ersetzt. Windows war immer da und bleibt es auch. Selbst wenn ich es ändern könnte, ich würde es nicht wollen. Linux würde meinen Arbeitsalltag einfach nur komplizierter machen. Ich würde deshalb auch niemals in einer internen Evaluation Linux das Wort reden.

Möchte ich deshalb Windows auch privat nutzen? Nicht eine Sekunde! Denn es fühlt sich einfach nach Arbeit an und diese Trennung schätze ich sehr.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

25 Ergänzungen

  1. Auf der Arbeit nutze ich auch einen von der Firma gestellen Windows-Laptop. Den benutze ich aber nur als eine Art „Verwaltungs-Oberfläche“. Die Arbeit wird (ich bin Programmierer) auf Linux-VMs getätigt. Windows brauche ich eigentlich nur für einen Zweck: Office. Unsere Kunden senden uns Dokument immer als Microsoft-Office-Dateien. Dann haben wir noch Microsoft Teams zu chatten und callen. Das ist aber die einzige Daseinsberechtigung von Windows. Für mich. Beim Mangement sieht’s etwas anders aus, vorrangig wegen Excel und Pivot-Tabellen.^^

    Privat benutze ich ich seit Jahren Linux. Windows hab ich nur für meine Steuer-Software und meine Lauf-Uhr (TomTom). Das läuft unter Linux nicht. Total nervig daß ich dafür eine Windows-Lizenz kaufen muß, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen.

  2. Ich war jetzt seelisch schon darauf vorbereitet, dass dieser Artikel wieder etwas kontroverser wird und ich schon nach dem ersten Absatz einen Kommentar tippen will. Bleibt aber aus. Kann das hier quasi so unterschreiben, das ist einfach die Realität. Auch in Sachen Datenschutz, weil man kann sein Bestmöglichstes tun, aber solange die alltäglichen Verstöße keine Konsequenzen haben, juckt das im Unternehmen niemanden. Wie du schon festgestellt hast, nicht unser Problem.

    Ansonsten ein Dankschön für den Artikel. Man vergisst in seiner kleinen FOSS-Blase leider zu schnell wieder, dass es da draußen™ eben doch etwas anders aussieht.

  3. Es ist immer wieder zu lesen wie alternativlos die Verwendung von Windows in der Arbeitswelt ist.
    Es ist aber, nach meiner Meinung, eine Frage der Sichtweise:
    – Stehe ich vor meinem günstigen Verbrenner-Auto, ist das alternativlos um zur Arbeit zu kommen (ich lebe auf dem Land). Verlagere ich die Priorität auf das Klima, gibt es plötzlich auch Bus, Bahn, Rad oder das E-Auto.
    – Sitze ich in der Firma mit dem kompletten MS-Ökosystem, ist es alternativlos. Verlagere ich die Priorität auf Datenschutz und Sicherheit …

    • Du hast den Artikel nicht gelesen oder?

      Ich habe nicht geschrieben, dass es nicht geht, ich habe geschrieben, dass ich nicht will, jeden verstehen kann, der auch nicht möchte und verstehe warum Firmen weiterhin großflächig Windows einsetzen.

  4. Der Artikel trifft auch auf mich zu 95% zu. Wobei ich finde, dass einiges bei Windows 10 mit den letzten Releases / Updates besser geworden ist. Und wenn ich zwischendurch mal schnell was für den Support bei ubuntuusers.de checken will klappt das auch sehr gut mit Ubuntu im WSL2.
    LibreOffice finde ich von der Useability auch grottig gegenüber MS Office. Google Docs & Co ist da – zumindest was die Benutzbarkeit angeht – die deutlich bessere Wahl. Nur halt nicht bei Datenschutz & Privatssphäre.

    • Könnte mir irgendjemand mal einen guten Link geben, wo die Usability von LibreOffice mit MS Office, Google Docs oder anderen mal detailliert verglichen wird?

      Vielleicht fehlen mir irgendwie die total ausschlaggebenden Anwendungsfälle für eine Office-Lösung, aber ich tue mich sehr schwer damit, die Kritik an der Benutzerfreundlichkeit von LO im Vergleich zu anderen konkret nachvollziehen zu können. Also falls da jemand was hätte – notfalls auch in Bewegtbildern mit schlechtem Ton – ein Danke im Vorraus.

      • Nein kenne ich nicht, was vermutlich auch daran liegt, dass LibreOffice außerhalb der FOSS Blase absolut irrelevant ist.

        Meine UX Expertise ist nicht groß, aber sogar ich weiß, dass kleine Icons in langen Reihen ohne Text und tief verschachtelte Menüs keinen UX-Preis gewinnen. Genau das ist das Bedienkonzept von LO.

      • Ich kann dir auch keinen Link geben, aber ich arbeite mit MS Office und LibreOffice. Wenn du sehen willst, wo die Unterschiede liegen, musst du wohl selbst ran gehen. Mein Fazit, LibreOffice muss man WOLLEN. Gegenüber MS Word trifft man oft auf stolpersteine, die die Arbeit vermiesen. Ich erstelle zum Beispiel Dokumentationen mit Bildern und Abbildungstext. Unter MS Word fügst du ein Bild ein, erstellst ein Untertext zum Bild und schreibst einfach weiter. Wenn du das genauso unter LO Writer machst und weiterschreiben willst, geht dein Bild „mit Spazieren“ und versaut das Dokument.

        Was hier für mich Abhilfe gebracht hat, mehrere Absätze mit Enter zu machen (3-4) und dann in den zweiten leeren Absatz und weiter schreiben. Und solche Stolpersteine gibt es viele. LO ist dazu langsam und wenn du auf Office-Datenaustausch angewiesen bist, siehst du mit LO kein Land mehr.

        Ich mache keine Präsentationen, habe aber unter PowerPoint auch schon mal ein echtes Video erstellt, das sich von einem Video-Editor gemachtem Video nicht verstecken brauchte. In 720p und 1080p. Und ja, es hat sehr viel Spaß gemacht.

        LO nutze ich vorallem deswegen, weil ich mich vollkommen von MS Office abhängig machen möchte. Darum „dulde“ ich auch seine Probleme. Auf meinem Entwicklungs-Notebook, ist nur LO installiert. Aber ich erwische mich auch oft dabei, wo ich einfach starke Lust verspüre mit noch eine MS Office Lizenz zu kaufen, damit ich auch auf dem Notebook ein „ordentliches“ Office Programm habe und einfach schreiben kann.

        • > Unter MS Word fügst du ein Bild ein, erstellst ein Untertext zum Bild und
          > schreibst einfach weiter. Wenn du das genauso unter LO Writer machst
          > und weiterschreiben willst, geht dein Bild „mit Spazieren“ und versaut
          > das Dokument.

          Stimmt genau, aber nur wenn man LibreOffice genauso bedienen will wie MS-Office.

          Wenn man jedoch bereit ist sich etwas mit LO zu beschäftigen, dann wird das Bild verankert, und man fügt die Bildbeschreibung im Rahmen ein. Nun kann man noch bestimmen, ob der Text das Bild durchlaufen, links-, rechts- oder beidseitig umlaufen soll. Und schon sitzt alles so, wie man es eingestellt hat. LibreOffice ist halt kein MS-Office-Clone und will/soll es auch nicht sein.
          Ein Kollege schreibt immer „kaum macht man es richtig, schon funktioniert es“. Da ist was dran 😉

          Mein Fazit: MS-Office muss man WOLLEN. Ich z.B. habe es – will und brauche es aber definitiv nicht. Missionieren würde ich aber nicht. Bringt nichts. Muss jeder für sich entscheiden.

          P.S.: Beruflich erstelle ich u.a. immer mal auch „dicke“ Anleitungen mit zahlreichen Abbildungen und fortlaufender Nummerierung inkl. Abbildungsverzeichnissen etc. Wenn mich LibreOffice dabei mehr aufhalten und behindern würde, würde ich es nicht verwenden. So viel Arbeits- und Lebenszeit habe ich gar nicht. Das würde ich auch nicht „dulden“ 😉

          • Danke für den Tipp mit der Bildverankerung. Das muss ich mal austesten. Wenn es funktioniert, habe ich einen Frustpunkt weniger 😀

      • Gibt es denke ich nicht, weil das auch stark subjektiv ist. Grundsätzlich bekomme ich auch (fast) alles, was ich mit Word (oder Google Docs & Co) mache auch mit LO hin – dauert halt nur länger. Und das gleiche sehe ich auch bei mir bei K1 und K2, die auch alle drei Office-Pakete nutzen.
        IMHO ist einer der Hauptgründe schon genannt worden: die Menüstruktur und Optik von LO ist irgendwann mal vor ~10 Jahren „hängen“ geblieben, wie Gerrit schon sagte.
        Persönlich glaube ich auch nicht, dass LO eine rosiger Zukunft hat. Weil eigentliche alle kommerziellen Alternativen besser sind.
        Und für ein paar private Sachen fährt man IMHO mit Abiword und / oder Gnumeric besser (wenn man #ausgründen Google Docs nicht nutzen möchte). Die Projekte haben für sich auch den Vorteil, dass sie fokussiert entwickeln können und nicht den kompletten Ballast einer kompletten Office-Suite mit schleppen müssen.

        • Ja für den Privateinsatz finde ich solche Sachen wie Abiword oder auch Calligra inzwischen auch geeigneter. Deshalb ist Apple mit Pages & Co unter macOS auch so erfolgreich.

    • Hm, ich glaube, ich bin einfach ein beschissener Diskussionspartner für dieses Thema. Zu lange dabei, zu viele unterschiedliche Softwarelösungen im Produktiveinsatz gehabt. Alles irgendwie gehüpft wie gesprungen, solange das Endprodukt stimmt. Ich seh’s einfach nicht mehr. Trotzdem Danke für die Antworten 🙂

      Das Reizthema ist für mich übrigens nicht die Frage nach Lösung A oder B, sondern eher dass Leute meinen sie wüssten es besser, um ihre subjektive Erfahrungen dann mit polemischen und/oder pauschalen Argumenten gegen eine andere Lösung zu präsentieren. Aber das macht mich insbesondere im Internet zu einem noch viel beschisseneren Diskussionspartner 😉

  5. Die Situation, die Du beschreibst ist wohl für die meisten Menschen so. Ich persönlich kann auch im Büro auf einem Linux-Rechner arbeiten. Es gibt allerdings einige Spezialsoftware, die nur unter Windows läuft. Da nutze ich gelegentlich eine VM mit Win10. Auch einige Messgeräte werden über Windows-Rechner gesteuert und müssen von mir betreut werden.
    Ich bin aber ehrlich gesagt froh, wenn ich nicht mit Windows arbeiten muss. ich empfinde meine berufliche Situation daher als Luxus.

  6. Ich arbeite hauptsächlich unter Windows, habe aber auch eine VBox mit (openSUSE)-Linux und einen Macbook mit Macos. Ich mag die alle. Windows mag vielleicht nicht perfekt sein, aber es macht dennoch eine sehr Gute Figur. Und das wichtigste, die meisten Anwendungen findet man hier. Und mit ihnen arbeitet man schließlich. Alle diese „tollen“ Dinge könnte man auch auf Linux realisieren. Da aber noch keine kritische Masse an Desktop-Anwendern erreicht wurde, muss man entweder weiter träumen oder eben warten.

    Ich habe mal gelesen das die Abhängigkeit von Windows zwischen den USA und Europa besonders stark sein soll. Andere Länder, mehr die Asiatischen, ersetzen aber zunehmend Windows durch Linux. Russland und China haben offizielle Linux-Projekte die in naher Zukunft die Windows-Abhängigkeit lösen wollen. Die Ursachen liegen aber eher im Geopolitischen. Schaun mer mal!…

    Linux in meiner VBox nutze ich zum programmieren von Linux-Desktop-Software, den Code zu verstehen, Probleme zu beheben und um Funktionen zu erweitern. Es ist Open Source, und wenn man diesen Schatz als Programmierer heben kann, kann man den Open Source Vorteil eben etwas besser einsetzen. Als ein Desktop-OS für reine Anwender, empfehle ich Linux schon länger nicht mehr.

  7. „gestriffen“, oh weh. Sorry, aber das zu lesen tut echt weh. Bitte richtigstellen!

    Apropos weh tun: Auf meinem Firmen-Notebook ist auch Windows vorgegeben. Inkl. MS-Office. Auch das tut echt weh. Daher habe ich mir, als erste Handlung, direkt LibreOffice installiert. Für den Adobe Reader dann Okular, Kate sowieso und inzwischen auch KDE-Connect. PuTTY nutze ich auch, weil es die KDE-Konsole und OpenSSH noch nicht im Windows-Store gibt. Hab ich Gimp erwähnt? Hab ich natürlich auch installiert. So langsam kann ich auch mit Windows arbeiten. Nur Dolphin vermisse ich unter Windows doch sehr. Der Windows-Dateimanager ist eine Krankheit.

    Mit MS-Word kann ich überhaupt nicht arbeiten. Starte immer LibreOffice. Ebenso für Tabellen. LibreOffice-Calc und gut ist. Allerdings nutze ich, soweit es geht (und es geht meistens), mein Linux-Notebook mit dem KDE-Plasma-Desktop. Gerne auch mal für Kunden-Schulungen oder andere Anlässe, bei denen ich Präsentationen benötige. Zusammen mit dem Logitech-Präsenter flutscht das immer hervorragend. Ob Beamer, TV-Gerät oder Monitor. Überhaupt klappt das Multi-Monitor-Setup seit einiger Zeit besser als mit Windows. Ob mit 1, 2 oder 3 Bildschirmen.

    Mein Fazit: Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit man mit Windows und MS-Office verschwenden kann.

    • Irgendwie ist Office bzw. LibreOffice so ein Reizthema, auf das alle immer sofort aufspringen. Dabei habe ich dazu oben ja gar nicht viel geschrieben. Aber wo wir nun schon dabei sind: Lass mich raten, du hast Office mit einer Version von vor 2003 gelernt und dich nie an Ribbons gewöhnt/gewöhnen wollen?

      Zu den anderen Fragen: Wie löst du das Problem der Terminverwaltung oder spielt das in deinem Arbeitsalltag keine Rolle? Und wie löst du bei Office den reibungslosen Dateiaustausch? Was PDF betrifft, Okular kann PDFs „nur“ anzeigen (was es gut kann). Mit was bearbeitest du PDFs? Wie verbindest du dich mit dem Firmennetz bzw. Netzlaufwerken der Firma? VPN? Das sind so die Bereiche, wo ich mir die Arbeit mit Linux wirklich nur sehr schwer vorstellen kann. Was im übrigen nicht heißt, dass ich sie mir gar nicht vorstellen kann.

      • MS-Office bzw. LibreOffice ist für mich kein Reizthema. Ich nutze MS-Office einfach nicht, oder nur äußerst selten, gerade um mal zu testen, wie das MS gelöst hat. Bin dann aber schnell wieder bei LibreOffice. In die Windows-Welt bin ich damals mit Staroffice 5.1a eingestiegen, welche in irgendeinem Sonderheft dabei war und mich sofort gefesselt hat. Besonders das Vorlagenkonzept und der integrierte Desktop hatten es mir angetan.

        Wenn ich sehe, wie MS-Office heute noch (ich würde fast sagen) meistens angewendet wird, dann eigentlich doch immer noch als Ersatz für eine Schreibmaschine. Was sind Vorlagen? Und was Absatzvorlagen oder Seitenvorlagen? Stirnrunzeln allerorten. Da wird hart formatiert, was das Zeug hält. Und überhaupt, was ist das denn für ein komisches Zeugs mit STRG-C und STRG-V, wenn man doch auch munter in Menüs herumklicken kann. Usw. Manchmal schaut man besser weg.

        Leider lies sich Staroffice 5.1a/5.2 unter Linux nie so funktional einsetzen wie unter WIN. Mit dem Umstieg auf Linux kam irgendwann OpenOffice und weiter dann LibreOffice. Nur unter KDE war es möglich, den Desktop ähnlich funktional zu gestalten, wie zuletzt unter StarOffice 5.2. Seit Jahren habe ich daher freiwillig kein MS-Office mehr angefasst. Was ich später dann so auf den jeweiligen Firmenrechnern so gesehen habe, bestand auch nie Grund dazu.

        Dokumente teile ich als PDF, und falls es gar nicht anders geht, werden halt MS-Formate verwendet, damit die Kollegen, Kunden oder Geschäftsleitungen das auch öffnen können. Es kamen auch keine Rückfragen, das irgend etwas nicht gepasst hätte. Einmal hatte ich ein Problem mit einer Powerpoint, bei der statt der verwendeten Bullets unter LO Symbole amerikanischer Briefkästen dargestellt wurden.

        Dank Office365 inkl. Outlook365 ist im Zweifel auch Linux kein Problem mehr. MS-Outlook und das gesamte Office laufen auch im Webbrowser (auch in Windows). Verwende aber nur MS-Outlook, obwohl mein geliebter KDE-PIM („Kontact“) dank Akonadi-EWS bzw. IMAP-Anbindung eigentlich auch alles kann. Leider kann Akonadi-EWS immer noch nur lesend zugreifen 🙁 und leider kann Kmail beim Erstellen von Nachrichten nicht gut mit HTML umgehen. Und ja, da gibt es eine vorgegebene Signatur in HTML bin klickbaren Bannern, die der Kmail-Editor nicht packt. Dafür sende ich dann halt keine (OpenPGP-) signierten oder verschlüsselten Emails, da der krüppelige Outlook-Webclient damit nicht umgehen kann. Allerdings lese ich Emails bevorzugt mit Kmail, da mir die Darstellung und Übersichtlichkeit, sowie Regel-Einstellungen etc. wesentlich besser gefallen. Email-Anhänge ziehe ich eben mal zu Dolphin in die gewünschten Verzeichnisse, was mit Web-Outlook nicht funktioniert.
        Termineinladungen kann ich wahlweise auch in Kontact annehmen/erstellen oder eben im firmeneigenen iPhone.
        PDFs bearbeiten? Wozu? Erstellen in LibreOffice, Formulare ausfüllen geht auch in Okular. Ok, manchmal mach ich hier und da Anmerkungen und zeichne ein paar Kringel ein – alles mit Okular (F6) problemlos machbar.

        Auch so ein Punkt sind Screenshots. Mit Spektakel einen Screenshot erstellen, Ausschnitt wählen, Anmerkungen hinzufügen. Alles super einfach. Fehlt mir mir total in Windows.

        Zum Glück muss ich mich nicht in das Windows-Netz einwählen. Alles was ich benötige tausche ich via unserer Nextcloud. Auf VPN-Verbindungen kann ich bisher ganz gut verzichten. Denke aber, dass auch das möglich sein sollte.

        In den Controllern vieler Projekte habe ich seit Jahren OpenVPN-Zugänge eingerichtet. Also auch kein Problem.

        Unser CRM basiert leider auf eine Windows-Krücke, die nicht halb soviel kann wie z.B. Odoo, dafür aber laufend richtig Geld kostet. Aber auch dieser Anbieter hat mittlerweile eine (abgespeckte) Web-Variante im Angebot, die jedoch nur unter Firefox überhaupt benutzbar ist, nicht aber mittels Chromium/Chrome/Edge oder dem Konqueror. 🙁 Dieses CRM ist auch der einzige Grund, weshalb ich im Homeoffice Windows starte. Dazu eine Terminal-Server-Verbindung unter Linux einzurichten, hatte ich noch keine Muse. Die Arbeitsweise ist schon unter Windows schlimm genug, da ich in der Terminalserver-Sitzung auf meine geliebten Tools verzichten muss.

        Habe ich einziger Grund geschrieben? Nein, da fällt mir noch ein, dass wir ja auch sehr häufig MS-Teams-Meetings abhalten. Leider findet die Linux-Variante seit geraumer Zeit weder eine Kamera noch ein Mikrofon oder gar einen Lautsprecher. Obwohl das alles schon einmal lief! 🙁 Sonst hätte ich im April die neue Stelle nicht antreten können, da die Gespräche alle über MS-Teams, meinerseits damals noch unter Linux, gelaufen sind. Microsoft eben. 🙁 Also ist Teams tatsächlich der zweite Grund, öfter mal Windows zu starten. Alternative Kunden-Meetings via Zoom sind unter Linux absolut problemlos. Zoom ist aber auch nicht von MS. 😉

        Mein Fazit: Mit etwas gutem Willen und Ideenreichtum ist ein Workflow unter Linux heutzutage durchaus machbar. In meinem Fall sogar wesentlich effektiver.

        • Das liest sich für mich nicht nach „etwas gutem Willen“ sondern nach einem „riesigen Aufstand“ wenn ich ehrlich bin 😉 Für so viele Reibungsverluste hätte ich gar keine Zeit, es sei denn ich möchte unbedingt noch mehr Überstunden machen.

    • Ohne Praxisbericht neige ich pauschal dazu das in Zweifel zu ziehen. Langjährige berufliche Erfahrung im ÖD lehren einen die Differenz von Absichtserklärungen und Realitäten zu berücksichtigen.

      • Ich kann das insoweit bestätigen, als vorgesehen ist, das in SH bis 2025 so ziemlich die komplette Landesverwaltung (ca. 25.000 Arbeitsplätze) auf LibreOffice umgestellt sein soll, inklusive Polizei. Bis 2023 sollen es schon 80% der Arbeitsplätze sein. Auch wen ich den Zeitplan sehr stark bezweifle, sind die Vorbereitungen konkret. Libre Office ist bei uns auf allen Arbeitsplätzen ausgerollt worden (Parallel zu MS Office), und wir sollten diverse Anwendungen testen. Die Begeisterung hält sich zwar bei vielen Kollegen in Grenzen, aber von Access abgesehen sind mir bisher keine wirklichen show Stopper bekannt, das meiste geht (ihrgendwie).

        Als Alternative zu Outlook soll OpenXchange zum Einsatz kommen, dazu wird zum IT Dienstleister Dataport ein Bündel diverse Opensource Produkte als Webanwendung zusammengestellt: https://www.phoenix-werkstatt.de/

        Ich hat eine Test Zugang zu einem Prototyp, und im Bezug auf die Groupware Funktionalitäten machte das tatsächlich einen ausgereiften Eindruck, ich wüsste nicht was da gegenüber Outlook fehlt.

        Beim Umstieg auf LibreOffice erwarte ich aber nichts desto trotz riesige Reibungsverluste und sehe dem mit grauen entgegen (obwohl ich privat nur LibreOffice nutze).

        • Danke für die Informationen, sehr spannend! Ich hatte das bisher eher als wolkige Absichtserklärungen gelesen.

          Was für ein Client kommt denn bei OpenXChange zum Einsatz? Oder läuft das als reine Webanwendung?

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