Werden WhatsApp-Nachrichten gemeldet, gelangen diese im Klartext an Facebook. Daraus kann man auch Story machen, aber muss man auch wirklich? Die Probleme liegen doch ganz woanders.

Aktuell verweisen gerade viele auf eine ProPublica Recherche zu WhatsApp. Im Kern geht es dort um die Moderationspraxis des Messengers. Brisante Neuigkeit? Die Moderatoren sind armes, schlecht bezahlte und überarbeitete Menschenmaterial. Hat man von Facebook wirklich was anderes erwartet? Wie so oft interessieren die Arbeitsbedingungen die meisten sowieso nur am Rande. Am Ende denkt jeder vor allem an sich und an seine verschickten Nachrichten. Dabei gilt grundsätzlich: WhatsApp verschickt Inhalte Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Die Recherche von ProPublica ergab: Wenn ein Kommunikationspartner diese Inhalte meldet, landen sie im Klartext bei Facebook. Das ist jetzt nicht wirklich überraschend und auch nicht wirklich problematisch, weil es voraussetzt, dass ein Kommunikationspartner die Inhalte durch Meldung offen legt. Man hat ja sowieso keinen Einfluss darauf, was andere mit den verschickten Nachrichten, Bildern, Sprachnachrichten usw. machen.

Eva Galperin von der EFF kritisiert deshalb zu recht die Berichterstattung auf Twitter:

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Das wirkliche Problem bei WhatsApp sind nicht die Nachrichteninhalte, sondern die Metadaten. Das betont auch netzpolitik.org im dortigen Artikel zur WhatsApp-Recherche von ProPublica. Die Verschlüsselung tut was sie soll, was die einzelnen Kommunikationspartner mit den Nachrichten machen, entzieht sich der Kontrolle von WhatsApp bzw. Facebook. Das Problem bei WhatsApp sind die Metadaten und was Facebook aus den potenziell alles herauslesen kann. Zumal weil Facebook diesen Datensatz mit vielen anderen Daten verknüpfen könnte.

Ich persönlich nutze sehr gerne Threema, aber muss leider zur Kenntnis nehmen, dass Signal Threema den Rang abgelaufen hat. Ansonsten freut mich der gegenwärtige Erfolg von Signal ungemein. Seit dem PR-Debakel von WhatsApp mit den Nutzungsbedingungen im Winter tröpfelt langsam aber stetig ein Strom von Kontakten in meine Signal-Kontaktliste. Inzwischen erzeugt das eine eigene Sogwirkung und Leute wechseln tatsächlich zu Signal, weil dort alle andere sind und die wichtigen Gruppen betrieben werden. Wer hätte das vor 12 Monaten für möglich gehalten?

WhatsApp ist bei mir inzwischen eher so was wie die SMS. Haben halt alle und man kann mich dort eben auch noch kontaktieren. Bis auf wenige Ausnahmen spielt sich bei WhatsApp somit auch nur noch die Gelegenheitskommunikation ab.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

Schreiben Sie eine Ergänzung

Ergänzungen dienen der Diskussion über die Inhalte des Artikels. Nachfragen, Anmerkungen und Ergänzungen sind dezidiert erwünscht. Ergänzungen werden vor der Veröffentlichung moderiert. Wir behalten uns vor Kommentare ohne inhaltlichen Bezug oder abseitige Diskussionen nicht zu veröffentlichen.

Bitte geben Sie Ihre Ergänzung ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein