Es gibt nicht für Auswahl, aber zumindest ein paar Wahlmöglichkeiten hat jeder Anwender für den Desktop/Notebook-Bereich und das Smartphone. Doch was empfiehlt man hier eigentlich für Privatanwender?

Die meisten IT-affinen Menschen werden das kennen: Leute aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis kommen auf euch zu und möchten Kaufentscheidungen. Bei mir kommt natürlich noch die Reichweite des Blogs hinzu. Aber was empfehle ich in solchen Situationen eigentlich?

Mein Empfehlungssystem ist eigentlich ziemlich statisch und seit Jahren gleich. Unabhängig von irgendwelchen Hypes oder Shitstorms. Man sieht daran auch, wie wenig sich in den letzten 5-10 Jahren wirklich getan hat und wie statisch der Markt ist.

Desktop bzw. Notebook

Am Desktop bzw. für Notebooks gibt es im wesentlichen drei Systeme: Linux, macOS und Windows. Alternativen wie verschiedene BSD-Systeme oder Chrome OS sind Spezialsachen, die ich hier nicht berücksichtige. Wer eines von beidem nutzen möchte, weiß das schon, ohne sich Rat zu holen. Linux ist dabei lediglich ein System, weil die Frage, welche Distribution oder Desktopumgebung infrage kommt, erst ansteht, wenn die Entscheidung für Linux getroffen wurde.

Eine Empfehlung erfolgt bei mir immer auf Basis einer kurzen Auswertung der Anwenderbedürfnisse. Nur beinharte Ideologen würden behaupten, dass alle Systeme für alle geeignet sind.

Dazu sind zwei wesentliche Punkte zu berücksichtigen:

  1. Interoperabilität: Nicht jeder Privatnutzer arbeitet nur für sich selbst mit dem Gerät. Manche müssen Dateien austauschen oder arbeiten sogar mit ihren Privatgeräten in Firmennetzen (Corona macht es möglich). Vor allem bei Letzteren ist ein reibungsloser Dateiaustausch wichtig. Interoperabilität auf einem grundlegenden Niveau funktioniert oft, nahtlose Zusammenarbeit meist nur bei identischen Programmen.
  2. Unverzichtbare Programme: Es gibt für die meisten Anwender unverzichtbare Programme. Sei es, weil sie nicht verzichten wollen oder objektiv nicht verzichten können.

Ausgehend von den Ergebnissen dieser zwei Fragen kann man dann die Betriebssysteme in der folgenden Reihenfolge durchgehen:

  1. Linux
  2. macOS
  3. Windows

Linux scheidet leider meistens sehr schnell aus. Da hilft aus auch nichts, sich selbst und den anderen etwas vorzumachen, weil man am Ende sonst nur Enttäuschung verursacht.

Hier haben sich aber die Probleme verschoben. Früher war es die Hardware, die nicht lief oder irgendwelche spezielle Peripherie. Dank vielfältiger Systeme mit Desktop, Tablet und Smartphone kleben die meisten Anwender auch nicht mehr so an irgendwelchen speziellen Programmen, sondern haben gelernt zu abstrahieren zwischen abstraktem Anwendungsfall und konkretem Programm (E-Mail ungleich Outlook).

Sobald man Interoperabilität auf einem akzeptablen Niveau braucht, ist Linux aber meistens raus. Das scheitert dann meistens schon bei Microsoft Office, weil man irgendwelche Dokumente im Austausch nicht reibungslos bearbeiten kann. Ein weiterer Knackpunkt ist gerne RDP. Das geht zwar schon irgendwie mit Linux, aber selten wirklich gut.

Fällt Linux raus, verweise ich gerne auch macOS. Das Betriebssystem von Apple bietet eben eine solide Unix-Basis, gute Sicherheit und die meisten der gewünschten Programme. Bei der Interoperabilität bringt macOS in der Regel einen Quantensprung gegenüber Linux. Die jüngsten fragwürdigen Entscheidungen von Apple ändern daran vorerst nichts. Man kann Linux ja nicht besser zaubern, als es ist.

Windows ist in dieser Liste wirklich die letzte denkbare Wahl, wenn es an irgendwelchen Programmen scheitert, die man häufig braucht (was gegen eine VM spricht) und die es nicht für Linux oder macOS gibt. Das sind dann oft irgendwelche Spezialsachen und kommt maximal in 1 von 10 Fällen vor.

Smartphone

Bei Smartphones ist die Empfehlung wesentlich leichter. Früher gab es da so viele Möglichkeiten. BlackBerry OS, Symbian, Windows Mobile, MeeGo, Mobian und wie sie nicht alle hießen. Inzwischen gibt es nur noch zwei Systeme: Android und iOS. Mancher möchte jetzt hier noch Linux in seinen zig Inkarnationen einwerfen, aber bevor diese Systeme auch nur ansatzweise einsatzbereit (geschweige denn massentauglich) werden, haben wir wohl eher den Formfaktor Smartphone überwunden.

Bei Smartphones ist die Frage daher leicht. Gibt es umfassendes technisches Know-how, extreme Leidensfähigkeit und beschränkte Bedürfnisse proprietäre Apps zu nutzen, dann kommt ein Custom ROM infrage. Für alle anderen lautet die Empfehlung: iPhone.

Nicht weil das iPhone so unfassbar toll ist, weil iOS so ein super System ist oder Apple so eine tolle Firmenpolitik verfolgt, sondern weil Google es geschafft hat, mit Android das denkbar schlechteste System auf Linux-Basis zu kreieren, das man sich vorstellen kann.

Prognose

Diesen Artikel hätte ich so vor 5 Jahren geschrieben und vermutlich werde ich ihn in 5 Jahren noch genau so schreiben. Die Innovationskraft im Bereich der Consumer-Geräte und Consumer-Systeme hat enorm nachgelassen. Das gilt ebenso für die Aufholfähigkeit von Linux. Wirklich Bewegung dürfte da erst mit dem Aufkommen neuer Geräteklassen aufkommen.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

12 Ergänzungen

  1. Meiner persönlichen Erfahrung nach scheidet Linux im nicht-technischen Umfeld gerade *nicht* schnell aus. Dort gibt es die „unverzichtbare Programme“ schlicht gar nicht. Firefox, Thunderbird, LibreOffice, Dateiverwaltung, Programm zum Ansehen von Bildern – mehr braucht man in der Praxis doch kaum. Dazu ggf. noch eine kurze Anleitung zum Backup (im täglichen Wechsel einen dieser USB-Sticks anstöpseln, dann hier klicken und warten, dass das Fenster wieder zugeht, USB-Stick abstöpseln) und die Leute können gut arbeiten.
    Zum Ubuntu LTS Wechsel muss ich zu Besuch sein, nur dann traut man sich, selbst die Aktualisierung zu starten (vor dem Kaffeetrinken/Abendessen, hinterher ein kurzer Test, ob noch alles so funktioniert, wie man es kennt).

    • Ich habe nicht geschrieben, dass Linux immer ausscheidet. Ansonsten würde ich es ja gar nicht mehr in Erwägung ziehen. Aber eben oft. Zumal eben die von dir beschriebene Gruppe inzwischen doch oft nur noch ein Tablet nutzt.

      Ansonsten sollte man immer berücksichtigen, dass auch bei vermeintlich anspruchslosen Anwendern Stolperfallen vorkommen. Gerne übersehen werden z.B. Programme für die Steuererklärung. Sachen wie ALDI Steuer und so sind weit verbreitet.

      • Die von mir „betreute“ Nutzergruppe (70+) ist offenbar eine andere, als deine. Smartphone dient bei denen eigentlich nur zum Telefonieren für Whatsapp. Eigentlich eine Verschwendung von Resourcen, wenn man bedenkt, mit welche Hardware man das auch hinbekommen könnte.

        Mit Smartphone und Tablet kommen die eher nicht so gut klar. Bildschirm ist auch mit Lesebrille zu klein. Zielen auf die Schaltflächen ist schwierig. Da sind Desktop-Rechner mit großen Monitoren und 17″-Laptops im Einsatz. Die Laptops werden nicht bewegt, wären aber aber bei Stromausfall super praktisch – den es natürlich höchstens ein Mal pro Jahr gibt, wenn der Rechner gar nicht an ist. Aber die eingebaute Webcam war während Corona ein echtes Plus.

        Steuererklärung ist in der Altersgruppe auch kein Thema mehr.

        Es kommt auf die Zielgruppe an, daher ist deine Prüfliste genau richtig. Wenn Position 1 nicht passt, schicke ich die Leute aber sowieso weiter zur nächsten Person, die sie fragen sollen.

    • Ich habe früher ziemlich stark missioniert und einigen dutzend Leuten Linux installiert. Nach der Erfahrung weiß ich heute, den einfachen User gibt es nicht. Vermutlich eben die Linux-User die eigentlich keinen PC brauchen und eben mit einem Smartphone glücklich sein müssten. Eben für etwas Mailing und im Internet Surfen. Alle anderen … DJs, CNC-Programmierer, Stomatologen, Grafiker und eben Spieler… Mit Linux kommt man da schnell an seine Grenzen.

      In Fragen Desktop-Betriebssysteme ist Windows bei mir ganz oben. Linux eben wenn die beratende Person die Funktionen braucht, wo Linux eben gut ist. Zum Beispiel als Webentwicklungs-System.

  2. Sehr gut zusammengefasst. Diese Auswahl teile ich im Prinzip. Im Mobil-Bereich stoße ich vor allem wegen des Preises oft auf Ablehnung was Apple angeht. Argumente wie ordentliche Update-Versorgung und die meiner Erfahrung nach langlebige Hardware greifen da oft nicht. Dann wird oft wieder auf ein günstiges China-Android gesetzt….

    Es würde mich interessieren, wie du zu Alternativen wie z.B /e/ stehst? Ich hatte es selbst noch nicht in Händen und was ich bisher las, basiert entsprechend auf der /e/-Marketingabteilung. Aber ein ent-googeltes, „vorinstalliertes Custom ROM“ hat für mich einen gewissen Charme. Die App-Auswahl in deren Store scheint sehr gut zu sein.

    • /e/ ist letztlich LineageOS mit MicroG. Der Launcher von /e/ ist ziemlich buggy und der Store total intransparent was die Herkunft der Apps betrifft. Der Hype um /e/ spricht eher für die Verzweiflung im Custom ROM-Lager und weniger für die Qualität.

  3. Würde dem Artikel gerne widersprechen, kann aber nichts substanzielles vorbringen. Linux empfehle ich schon langen nicht mehr, erwähne nur gelegentlich das ich das nutze. Aber man muss schon viel echtes Interesse und ein gehöriges maß an Leidensfähigkeit mitbringen, um das als alternative auf dem Desktop zu nutzen. Das will ich niemandem aufdrängen und dann für die Probleme verantwortlich sein.

    Was Apple angeht, ist mir das geschlossen System einfach unsympatisch, und ich komme auch mit der ach so intuitiven Bedienung nicht klar. Wenn ich die Wahl habe, bevorzuge ich Windows und Android. Aber rein objektiv, was Datenschutz, Sicherheit und Updates angeht, hat Appel ohne Frage die Nase vorn.

  4. Danke für ihren Artikel und die Querverweise darin. Berücksichtigen Sie in Ihrer Empfehlung denn Ihre Gedanken aus dem Artikel „Apples CSAM Scan – Der unverzeiliche Sündenfall“?

    • Natürlich berücksichtige ich das. Deshalb steht Linux ja bei der Prüfliste auf Platz 1. Aber was soll man machen, wenn ein Anforderungsfall mit Linux nicht abgedeckt werden kann? Direkt zu Windows, wo jede Adresseingabe im Browser direkt an Microsoft gesendet wird und das System nicht abstellbar Massen an Telemetrie-Daten überträgt? Das ist auch kaum besser als der CSAM-Scan.

  5. Wenn mich leute bitten ein Sytem aufzusetzen, und das sind meist user oder Familien die am Ende nur Mail oder Browser nutzen. Dann hatten sie mich meist schon früher befreagt. Z.B. beim neuen PC wo Word plötzlich eine Lizenz will oder ihr Antivirus zickt. Dann installier ich da schon Libreoffice Mit der Ribbon Optik und co. sag ihnen wenn sie sich damit nicht wohl fühlen dann müssen sie sich eben Office kaufen.

    Noch nie hatten die dann Probleme damit.

    Dann später wenn sie einen neuen PC brauchen dann richte ich MS ein und Parallell installiere ich Linux Ubuntu für Autostart. Meist merken sie es nicht mal, das was anders ist.
    Ich binde es ihnen aber auch nicht auf die Nase.

    • Bei LibreOffice vs. Word kann man das machen. Die meisten Anwender benötigen ja eigentlich nur einen Bruchteil der Funktionen und könnten ihre Briefe auch in WordPad schreiben.

      Bei Betriebssystemen halte ich deine Aussage einfach nur für Quatsch! Sorry wenn ich so direkt bin, aber das halte ich für ein Ammenmärchen. Natürlich merken die Leute, dass sie kein Windows mehr nutzen. Die sind doch nicht blöd und können vergleichen mit Systemen, die sie bei Freunden, Bekannten, in der Familie oder auf der Arbeit haben. Die Leute werden sich nur nicht bei beschweren, weil sie deine Expertise benötigen.

      Ich finde es auch grundfalsch anderen Menschen einfach ein anderes System vorzusetzen ohne das zu besprechen.

  6. Ich empfehle aus Prinzip kein Windows mehr. Windows ist meines Erachtens am aufwändigsten zu konfigurieren, weil die Doppelbelastung zwischen Einstellungen-App und Systemsteuerung nervt, und erst recht die extrem verschachtelten Datenschutz-Einstellungen – sofern (noch) vorhanden. Dann kommen noch einige extrem versaute Updates der letzten Jahre dazu, fehlende (systemseitige) Verschlüsselung für die Home-Edition und dann wird das Ganze noch gewürzt mit der mit Abstand größten Virenbelastung. Meistens machen die Anfragesteller erstmal große Augen. Dann zeige ich mal irgendein Linux, dass ich gerade auf einem Boot-Stick habe auf ihrem Rechner und lasse sie einen Moment damit allein. Da ist mindestens das erste Eis gebrochen oder sogar schon der unbedingte Wille da, das auf dem Rechner zu haben. Mit so etwas Schönem haben sie meist gast nicht gerechnet. Dann schalten wir einen Gang zurück, gehen die Anforderungen an „unverzichtbare“ Programme und mögliche Alternativen, Anwendungsfälle und Gewohnheiten durch. Und mit ein paar Tagen Abstand entscheidet sich dann, ob es wirklich ein Linux werden kann oder es ein Windows bleibt, um das sich dann aber jemand anderes kümmern darf. Ich setze mich nicht nach jedem Windows-Update hin und schmeiße irgendwelche Bloatware-Apps wieder runter, die mit dem Update drauf gekommen sind oder rücke die mühsam erfochtenen Einstellungen wieder gerade, weil die Microsoft nicht gefallen. Ich kann diesen Mist jedenfalls nicht vertreten, bei Windows läuft für mich wirklich viel zu viel daneben – auch wenn es bei Linux-Systemen auch viel zu kritisieren gibt. Macs mache ich auch, aber das wollen viele nicht bezahlen (auch wenn sie es locker könnten) und/oder kommen mit der Bedienung einfach nicht klar und/oder haben diffuse Angst vor dem berüchtigten Apple-Lock-in (auch wenn das natürlich Quatsch ist).

    Smartphone/Tablet: Nur Apple bisher, aber mal sehen wie sich das entwickelt mit CSAM. Meine Geräte bleiben erstmal auf iOS 14 und wenn Apple dabei bleibt, wird der ganze Ramsch abgestoßen. Im Zweifel hole ich mir wieder ein stinknormales Telefon; Google kommt mir genauso wenig ins Haus wie Microsoft. Und genau danach gebe ich auch meine Empfehlungen ab.

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