openSUSE Leap 15.3 wieder in der Spur

Leap ist der stabile Zweig von openSUSE mit LTS-Support. Mit Version 15.3 aus dem Frühjahr 2021 handelt es sich dabei faktisch um SUSE Linux Enterprise mit einigen Zusatzpaketen. Anfangs gab es allerdings Probleme mit der Qualität.

Kurzfristig zum Release eingeführte Änderungen an den Update-Repositorien führten zu einem schweren Fehler, bei dem – Unachtsamkeit oder Automatismen vorausgesetzt – das halbe System deinstalliert werden konnte.

Diese Probleme sind inzwischen behoben. Ich schreibe das so dezidiert, da mich nach dem Artikel viele Anwender kontaktiert hatten, die ähnliche Probleme hatten oder ihr System bereits durch massenhafte Deinstallation von Paketen beschädigt hatten.

Woran es genau lag, ist bis heute nicht offen kommuniziert worden. Die Kommunikation von openSUSE war in diesem Zusammenhang wirklich schwach. Das betrifft sowohl die Erklärungen im Nachhinein als auch die Warnungen, während das Problem noch bestand. Eigentlich hätte man prominent auf der Webseite warnen müssen (oder das Release kurzzeitig zurückziehen müssen), aber entweder kam niemand auf die Idee oder die Abstimmungsmechanismen für so etwas sind bei openSUSE zu behäbig.

Wie dem auch sei: Die Probleme bestehen nicht mehr und openSUSE Leap ist nun wieder stabil zurück in der Spur. Ich habe alle Systeme umgestellt und kann keine Probleme mehr berichten.

Ganz im Gegenteil, denn erst die Aufteilung der Repositorien in Updates von SLE und openSUSE macht für den Anwender transparent, wie sehr er von der Zusammenführung von openSUSE und SLE profitiert. Ohne für Enterprise-Qualität zahlen zu müssen! Lediglich ein kleiner Teil der Pakete und der Updates kommen noch vom openSUSE-Projekt.

Bei den SLE-Updates profitieren openSUSE-Anwender von der Arbeitskraft der für ihre Arbeit an SLE bezahlten SUSE-Mitarbeiter und der Enterprise-Qualität. Meiner subjektiven (!) Meinung nach werden bei SLE (und damit auch openSUSE) auch mittelschwere Fehler hartnäckiger verfolgt als beispielsweise bei Debian oder Ubuntu und nicht nur absolut sicherheitsrelevante und total kritische Probleme nach dem Release beseitigt. Zu Red Hat fehlt mir da der Vergleich.

Die Roadmap für das nächste geplante Minorrelease des 15-Zweiges openSUSE Leap 15.4 steht übrigens fest. Die Veröffentlichung ist für den 22. Juni 2022 geplant. So lange kann man nun auf jeden Fall wieder mit und nicht am System arbeiten. Mal sehen was dort und im maßgeblichen Service Pack von SLE 15 kommt. Ich spekuliere fest auf einen aktuelleren Kernel und aktuellere Versionen bei den Desktopumgebungen, aber das wird sich zeigen.

4 Kommentare

  1. Ursprünglich war die Umstellung von Leap auf SLE Binaries für ein Zwischenrelease 15.2.1 im Herbst ’20 geplant. Es wäre also Zeit genug gewesen, das System der Post Release Update-Repositories für Leap 15.3 ausgiebig zu testen. Umso weniger ist es zu verstehen, dass dies offensichtlich nicht geschehen ist.

  2. Ich hatte seinerzeit auch zeitnah von 15.2 auf 15.3 umgestellt; das lief problemlos durch. Dann kamen die von dir geschilderten Probleme. Wobei das für mich keine waren, da mich gleich gewundert hatte, warum so viel deinstalliert werden sollte.

    Also habe ich es gelassen und ein wenig in der Mailingliste rumgelesen, um zu erfahren, was los war. Für einen unbedarften Anwender aber der Super-GAU.

    Ich gebe dir vollkommen recht: Fehler passieren, aber dann gehören Warnungen zeitnah auf die Homepage oder besser noch als Meldung auf den Desktop in den Updater. Wer sich als Anfänger oder Distrohopper so sein System zerschossen hat, hat erstmal oder für immer die „Schnauze voll“ von openSUSE. Und das wäre schade, ist sie doch super solide und stabil – ich möchte sie nicht missen.

  3. Unter https://bugzilla.opensuse.org/ wurden die Fehler gemeldet und dann behoben. Es waren Inkompatibilitäten zwischen openSUSE und SLE repositories, die auf Fallbasis korrigiert werden mussten. Für das Marketing auffälliger Fehler gibt ja es bereits diesen Blog…

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