1. Proprietäre Softwareperlen für Linux Teil I: SoftMaker Office
  2. Proprietäre Softwareperlen für Linux Teil II: moneyplex
  3. Proprietäre Softwareperlen für Linux Teil III: Master PDF Editor
  4. Proprietäre Softwareperlen für Linux Teil IV: VueScan

Linux und die Idee der freien Software sind eng verwoben. Proprietäre Software kann zwar theoretisch für Linux vertrieben werden, das ideologische Umfeld und die geringe Verbreitung haben hier aber kein großes Ökosystem entstehen lassen. Einige prominente Ausnahmen möchte ich hier kurz vorstellen. Im ersten Teil: SoftMaker Office.

Softmaker Office

Keine Alternativen

Linux auf dem Desktop ist die Welt der Alternativen. Es gibt für nahezu alles mindestens zwei Lösungen, vom Desktop bis zum Konsoleneditor. Nur für den Bereich Office gilt das nicht wirklich. Neben LibreOffice (und direkten und indirekten Vorgängern StarOffice und OpenOffice) gibt es keine vollwertige Office Suite. Konkurrierende Produkte wie Calligra (KOffice) sind über vielversprechende Ansätze nicht hinaus gekommen oder verfolgen wie Abiword/Gnumeric andere Ansätze.

LIbreOffice ist meiner Meinung nach in einer Sackgasse. In der Community wurde und wird oft gejammert, wenn große Projekte wie KDE oder GNOME ihre Softwareprodukte von Grund auf neu entwickeln und mit Altem brechen. Bei LibreOffice kann man sehen, dass das Unterlassen solcher Brüche auch nicht besser ist. Die Suite ist schwerfällig, inkonsistent, Teile der Suite sind funktional überholt und neue Versionen bringen in der Regel vor allem sehr viele neue Bugs. Ähnlich wie bei Debian finde ich die Community zudem sehr unsympathisch. Es gibt eine Firma, die den Löwenanteil der Entwicklungsleistung stemmt, aber deren Bedürfnisse mit Füßen getreten werden.

Das Argument, es ist halt freie Software und man muss nicht bezahlen, zieht meiner Meinung nach nicht. Erstens arbeiten fast 40 Entwickler bezahlt an LibreOffice. Dafür ist der Output erstaunlich bescheiden. Zweitens kann man z. B. über den Mac App Store bezahlte Varianten von LibreOffice kaufen, aber der Mehrwert ist überschaubar.

SoftMaker Office – kurz vorgestellt

Für mich war die Existenz einer funktionierenden, professionellen Office-Lösung Grundvoraussetzung für die Rückkehr zu Linux.

SoftMaker Office stammt von der kleinen Softwareschmiede SoftMaker Software GmbH. Neben der Software-Suite für alle drei verbreiteten Betriebssysteme vertreibt die Firma vor allem Schriftartenpakete. SoftMaker Office ist zwar keine freie Software, aber ich finde es durchaus unterstützenswert, wenn eine kleine mittelständische Firma ihre hervorragenden Produkte auch für Linux anbietet.

Optisch integriert es sich einigermaßen in jeden Linux-Desktop, leider gibt es keine nativen Dateidialoge. Die Suite steht als RPM und DEB Paket für alle großen Distributionen zur Verfügung und wird über entsprechende Paketquellen aktualisiert. Bei Manjaro Linux ist es sogar in den Paketquellen enthalten. Die Software wird entsprechend der Standards installiert und liegt nicht wie manche Drittanbieterlösung in /opt oder ähnlich.

Die Standardversion kostet 79,95 €, die Professional Version 99,95 €. Installiert werden kann auf 5 privaten Geräten und allen dreien unterstützen Betriebssystemen. Zusätzlich gibt es noch Abo-Versionen, aber so etwas empfehle ich grundsätzlich nicht.

Die Professional Variante bietet im Wesentlichen zusätzlich den Duden Korrektor und die Zotero-Unterstützung. Ich finde, beides ist den Aufpreis von 20 € wert.

Warum SoftMaker Office?

Eine ältere Version wurde bereits hier vorgestellt: Softmaker Office 2018 – Proprietäre Officelösung für Linux, macOS und Windows. Oberflächlich hat sich seitdem wenig getan. Anwender können weiterhin wählen zwischen klassischen Funktionsleisten und einem Ribbon-Menü.

Die Textverarbeitung unterstützt nun auch lesend und schreibend Open Document Formate, was für mich tatsächlich ein wichtigstes Kriterium war. Bei der Tabellenkalkulation PlanMaker fehlt diese Unterstützung noch.

Es sind im Grunde genommen zwei Faktoren, die für SoftMaker Office sprechen:

  1. Interoperabilität: Die Unterstützung von OOXML Dateien ist herausragend. Selbst aufwendige Tabellen werden korrekt dargestellt und Dokumente mit zig Formatvorlagen sauber importiert. LO verspricht hier seit Jahren viel und hält wenig.
  2. Performance: Dokumente mit 500 Seiten werden genau so reaktionsfreudig geöffnet wie Dokumente mit 2 Seiten. Keine Verzögerungen, keine Denkpausen. Die ganze Software „fühlt“ sich einfach performant an. Der RAM-Verbrauch lag selbst bei dem 500 Seiten Dokument nur bei 200MB. Ein Vergleich mit LO erübrigt sich hier.

Kurzum, ich kann SoftMaker Office wirklich jedem ans Herz legen, der privat oder beruflich mehr mit Office macht, als mal einen Brief zu schreiben oder die neue Wohnungseinrichtung durchzukalkulieren.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von 200degrees via pixabay

Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

6 Ergänzungen

  1. Ich möchte nur kurz anmerken das PlanMaker (das SoftMaker Excel Pendant) OpenDocument Spreadsheet (*.ods) Dateien lesen kann.

  2. Wir setzen Softmaker erfolgreich im Unternehmen ein. Das ist für uns aus vielerlei Gründen ideal, schon alleine weil wir Linux- und Windows-Systeme haben.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang das Zweitnutzungsrecht für Kommerzielle Nutzung seit der Version 2021:
    „Derjenige einzelne Benutzer, der diesen Computer hauptsächlich benutzt, ist zusätzlich berechtigt, die Software auf einem tragbaren Computer zu verwenden.“ (siehe Produktseite ganz unten unter „Lizenzumfang“)

  3. Nachfrage hierzug:
    Ich nutze selbst auch Softmakeroffice unter KDE. Allerdings wird bei mir den Softmaker interne Dateimanager verwendet. Ist das bei dir auch so oder fehlt mir hier eine Einstellung?

    • Unter GNOME/Gtk-Oberflächen verwendet SoftMaker den Dateidialog von GNOME2. Mit der entsprechenden Startoption kann man den wohl auch unter KDE Plasma verwenden. Ich mache das aber nicht, weil ich den noch schlimmer als den Dateidialog von SoftMaker finde.

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