Symbolbild "Xiaomi Android"

Xiaomi ist der Newcomer im Android-Markt und hat seit dem US-Embargo gegen Huawei sicher gute Chancen nach Samsung die weltweite Nummer 2 im Android-Segment zu werden. Android Smartphones sind von Haus aus gesprächig, aber Xiaomi greift jüngsten Berichten zufolge noch massiver Daten ab.

Auslöser für die aktuelle Debatte war ein Forbes Artikel am 30.04.2020, der ziemlich schnell die Runde machte. Der Sicherheitsexperte Gabi Cirlig analysierte das Verhalten seines Redmi Note 8. Dabei fand er heraus, dass der Standardbrowser den kompletten Verlauf und alle Suchanfragen protokolliert. Ganz gleich ob im normalen Betrieb oder im Inkognito-Modus. Zudem trackte das Smartphone die Nutzerinteraktion. Alle gesammelten Daten wurden nach Aussage des Sicherheitsforschers an Server der chinesischen Firma Alibaba gesendet. So ganz neu ist diese Erkenntnis aber nicht, weil eine Recherche der SZ mit einem Xiaomi Redmi 6a bereits ähnliches ergab.

Xiaomi hat überraschenderweise sehr schnell reagiert und vermutlich nicht wegen der Reichweite von Forbes, sondern wegen dem was dahinter stehen könnte. Ich teile nämlich die Vermutung von Go2Android, dass Xiaomi der nächste Kandidat für ein US-Embargo sein könnte.

In jedem Fall sieht Xiaomi sich missverstanden und verweist auf die hohe Bedeutung, die das Unternehmen Datenschutz und Sicherheit beimesse. Allerdings konnte Xiaomi nicht alle gesammelten Details entkräften. Man sollte auch immer berücksichtigen, dass die Firma Xiaomi und damit auch ihre Entwickler aus einem Staat und einem Gesellschaftssystem stammen, das Datenschutz keinerlei Bedeutung beimisst. Noch weniger als beispielsweise die USA mit ihrer notorisch mangelhaften Datenschutz-Gesetzgebung. Viel mehr als Lippenbekenntnisse und oberflächliche Maßnahmen um die westlichen Absatzmärkte nicht zu verlieren sind da sicherlich nicht zu erwarten.

Nach aktuellem Stand kann man also schlussfolgern: Android Smartphones von Xiaomi sind der innere Kreis der Datenschutz-Hölle. Android-Geräte sind sowieso schon sehr mitteilsam und übertragen viel an Google (siehe: Apple vs. Google – Datenschutz und Sicherheit) und die Xiaomi Geräte zudem auch noch einiges nach China.

Meinethalben kann jeder genau die Geräte kaufen, die ihm gefallen und wenn man niedrige bzw. moderate Preise höher bewertet, als den abstrakten Wert der eigenen Daten ist mir persönlich das gleichgültig. Ich persönlich würde niemals ein Gerät einer dieser neuen „China-Firma“ kaufen und sehe Android als Gesamt-Ökosystem sehr kritisch. Apples iOS mag hochgradig geschlossen sein aber Datenschutz und Sicherheit sind dort nach allen vorliegenden Informationen besser umgesetzt. Das neue iPhone SE 2020 (siehe: Kommentar: Das neue iPhone SE schlägt ein) ist auch nicht so teuer, dass man es sich nicht leisten könnte und deshalb ein Android-Gerät nutzen muss.

In jedem Fall möchte ich von Besitzern solcher Geräte nie etwas über Datenschutz-Bedenken bei aktuellen Themen wie der Corona-App lesen.

Update 05.05.2020:

Xiaomi hat ein wenig eingelenkt und wird in einem kommenden Update ein Opt-out anbieten. Grundsätzliche Zweifel am Umgang von Xiaomi mit Nutzerdaten bleiben jedoch.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von Krishnajith K via pixabay

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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