openSUSE Leap 15.0 im Test

Am 25. Mai veröffentlicht das openSUSE Projekt mit Version 15 die zweite große Hauptversion seiner auf Stabilität und Langzeitpflege ausgerichteten Zweiges Leap. Die vorherige Version 42.3 erhält nun noch 6 Monate Unterstützung um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. openSUSE Leap 15.0 steht für eine Konsolidierung des openSUSE Projekts, dessen Aufspaltung in zwei Entwicklungsstränge als Erfolg angesehen werden kann.

Wie immer ist bei openSUSE die Entwicklung bereits einige Zeit vor der Golden Master genannten Veröffentlichung beendet. Die Entwicklung der Version 15 wurde am 18 Mai offiziell abgeschlossen.

Leap (siehe: openSUSE Leap) und Tumbleweed sind die komplementären Veröffentlichungen von openSUSE. Während Tumbleweed als Rolling-Release Distribution konzipiert ist und die fortlaufenden Entwicklungen in der Linux-Communty widerspiegelt, ist Leap auf Stabilität ausgerichtet. Jede Hauptversion von Leap wird ca. 3 Jahre mit Updates versorgt. Die aktuell veröffentlichte Minorversion mindestens 18 Monate lang. Das System von Haupt- und Minorversionen kennt man von anderen Enterprise-Distributionen wie RHEL/CentOS.

Der größte Unterschied zu den firmengestützten Enterprise-Versionen besteht in der Konzentration auf eine Hauptversion. Es wird faktisch immer nur eine Leap-Version gepflegt. Vorherige Versionen erhalten nur eine sechsmonatige Übergangspflege um die Migration zu erleichtern. Wer längerfristige Unterstützung über die 3-4 Jahre einer Leap-Version hinaus benötigt muss zu SUSE Linux Enterprise greifen, das bis zu 10 Jahre gewartet wird (siehe: SUSE Linux Enterprise Desktop).

Die letzten Jahre waren durch Umstrukturierungen geprägt, aber diese kommen nun auch visuell zum Abschluss. Große Teile der Internetauftritte haben nun ein konsistentes Design, das die Designsprache von Leap und Tumbleweed wiedergibt.

Mit Version 15 erfolgt eine Angleichung der Versionsnummern an die Mutterfirma. SLE und openSUSE Leap erscheinen beide in Version 15 und tragen damit ihre Verbindung auch offensiv nach außen. OpenSUSE Leap ist nämlich im Gegensatz zu Tumbleweed keine vollständige Community-Entwicklung, sondern übernimmt einen Kernbestand an Paketen von SLE. Das soll für Stabilität in der Basis sorgen, während die Desktopumgebungen und Programme aus Tumbleweed kommen.

Versionen und Veränderungen

Bedingt durch die Enterprise-Basis sind insbesondere die Basispakete recht alt. Dies äußert sich beispielsweise in Kernel 4.12 und GCC 7. Anwender moderner Hardware mögen das bedauern, für traditionelle LTS-Nutzer ist das trotzdem ein Fortschritt. Immerhin lieferte Leap 42.3 noch Kernel 4.4 aus.

Im Basisbereich sind weiterhin noch einige grundlegende Umbauten zu verzeichnen. Die traditionelle SUSE-Firewall ist nun ersetzt durch firewalld, das ursprünglich aus dem RedHat-Umfeld kam. Ähnlich wie bei Ubuntu 18.04 kommt nun auch chrony als Zeitserver zum Einsatz. Als eine der letzten Distributionen bietet openSUSE nun endlich auch dkms für die vereinfachte Verwaltung zusätzlicher Kernel-Module an. Davon dürften insbesondere Nutzer proprietärer Treiber profitieren.

Der abgelaufene Patentschutz für mp3-Dateien ermöglicht es nun auch bei openSUSE diese abzuspielen ohne Drittquellen einzubinden. Ubuntu oder Debian waren von diesem Problem nie betroffen, da man dort eine recht laxe Position bezüglich dieser Patente eingenommen hatte. Fedora, RHEL und openSUSE hatten auf Aufnahme entsprechender Codecs in die Kerndistribution jedoch immer abgelehnt.

Im Desktopbereich ist openSUSE Leap absolut auf der Höhe der Zeit. Neben aktuellen Versionen von Firefox, Thunderbird und Co liefert man auch alle Desktopumgebungen in aktuellen Versionen aus. Standardmäßig fällt die Wahl weiterhin auf KDE Plasma, das in der LTS-Version 5.12 vorliegt. Die zugehörigen KDE-Applications liegen in der nicht ganz aktuellen Version 17.12 vor, was daran liegt, dass die Früjahrveröffentlichung von KDE zu spät kam. Alternativ steht im Installationsprozess GNOME 3.26 prominent zur Auswahl.

Die kleineren Desktopumgebungen liefert man natürlich auch mit, jedoch müssen diesen in der erweiterten Paketauswahl manuell gewählt werden. Hier stehen Xfce 4.12, MATE 1.20, sowie die beiden Varianten LXDE und LXQt zur Auswahl. Sogar Budgie bietet man in Version 10.4 an.

Installation

OpenSUSE verwendet seit Jahren eine traditionelle Installationsroutine, die frei von Vereinfachungen und übermäßigen Reduktionen ist. Dadurch handelt es sich aber um eine der mächtigsten Installationsmethoden im Linux-Universum.

Die Partitionierung schlägt standardmäßig eine Btrfs-Partition vor, hinzu kommt bei ausreichend vorhandenem Speicherplatz eine XFS-Homepartition. OpenSUSE hält somit diesem, verglichen mit anderen Distributionen, relativ eingewilligen Setup die Treue. Die geführte Einrichtung lässt einen bei Bedarf aber auch sehr leicht ein alternatives Setup, wahlweise mit LUKS-Verschlüsselung und abweichenden Dateisystemen einrichten. Kaum eine Distribution lässt dies derart intuitiv zu.

Die Desktopauswahl ist sehr reduziert, dies wurde bereits angesprochen. Prominent platziert sind nur KDE Plasma und GNOME. Die benutzdefinierte Auswahl ermöglicht jedoch die Auswahl jedes erdenklichen Setups.

Problematisch war in früheren Versionen immer die Abhängigkeitsauswahl. Die so genannten empfohlenen Abhängigkeiten führten zu teilweise absurden Zirkelschlüssen, die gerne halbe Desktops nach sich zogen. Hier hat man massiv aufgeräumt. Die Pattern genannten Metapakete liefern bei Beibehaltung der Standardauswahl immer noch einen umfangreichen Desktop aus, aber ohne überflüssige Redundanzen. Getestet wurde dies für Plasma, MATE und GNOME. Auch heutzutage überflüssige 32bit-Bibliotheken liefert man nicht mehr aus.

Erscheinungsbild

Im Gegensatz zur Ubuntu-Familie war dem openSUSE-Projekt ein konsistentes Erscheinungsbild über das gesamte Angebot hinweg immer wichtig. Dieser Tradition bleibt man treu. Vom Bootscreen über die Installationsroutine bis zu den einzelnen Desktopumgebungen setzt man auf ein reduziertes Flatdesign in Leap-Optik. Durchaus sehr gelungen und stimmig.

Der Startscreen:

SDDM-Login:

Desktop und Bedienung

KDE Plasma ist trotz modernem Unterbau ein konventioneller Desktop und openSUSE liefert diesen auch genau so aus. Eine Desktopleiste unten mit klassischem Startmenü und Icons auf dem Desktop unterstreichen diesen konventionellen Aufbau. Leap 15 profitiert dabei davon, dass Plasma 5.12 wirklich ausgereift ist, was auch für große Teile der KDE Applications-Sammlung gilt. Die Umbaumaßnahmen von Qt4 zu Qt5 sind weitestgehend abgeschlossen.

Dies ist auch gut so, da  – basierend auf den bisherigen Erfahrungen – ein Versionssprung beim Desktop in der kommenden Version 15.1 in einem Jahr unwahrscheinlich ist.

Gleiches gilt natürlich auch für die anderen Desktopumgebungen, die – abgesehen von LXQt – sich eher am Ende, denn am Anfang eines Produktzyklus befinden.

Viele Programme wie Firefox und LibreOffice aktualisieren die openSUSE-Entwickler auch während der Laufzeit, weshalb hier keine intensive Versionskritik geübt werden muss.

Die Paketquellen sind nicht so umfangreich bestückt wie bei Debian, aber bisher ließen sich die meisten Anwendungsfälle abdecken. Die Integration von Flatpaks erleichtert insbesondere die Installation proprietärer Drittanbietersoftware.

Insgesamt ist openSUSE hochgradig stabil und lässt sich hervorragend bedienen. Die Produktpflege durch die Entwickler sucht in der Breite ihres gleichen.

Zusammengefasst

Das openSUSE-Projekt hat sich mit der Aufteilung in Leap und Tumbleweed konsolidiert und erfolgreich den Schritt in den LTS-Bereich gemacht. Leap verspricht Ruhe auf dem Desktop für 3 bis 4 Jahre und das wünschen sich viele Anwender. Man pflegt nur eine Version und diese dafür auch ordentlich. Damit unterscheidet man sich wohltuend von den Dogmatikern bei Debian und Ubuntu, die im Zweifel Versionsstabilität vor echte Stabilität stellen.

OpenSUSE ist inzwischen wieder meine präferierte Distribution, wenn irgendwo Linux zum Einsatz kommt. Die Verfügbarkeit jedes nur denkbaren Desktops macht es überflüssig noch andere Distributionen hinzu zu ziehen.

Erfahrungen aus einem Upgrade von 42.3 zu 15.0 folgen vermutlich im Verlauf des Sommers.

Cruiz
Cruizhttps://curius.de
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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