Limitationen freier Software – OOXML in LibreOffice und Pages

LibreOffice ist möglicherweise das Aushängeschild freier Software schlechthin. Während Linux immer noch ein Nischendasein fristet, nutzen subjektiv ziemlich viele Menschen OpenOffice oder LibreOffice und die Verbreitung von Dateien mit dem entsprechenden Dateiformat OASIS ist recht hoch. So hoch, dass Microsoft Office die Dateien seit einigen Jahren lesen und schreiben kann – subjektiv auch ziemlich fehlerfrei. Umgekehrt sieht das leider deutlich schlechter aus, schlechter auch als bei der Konkurrenz wie z.B. Apple.

OOXML ist ein von Microsoft entwickeltes Dateiformat zur Speicherung von Office-Dateien. Seitdem es mit Office 2007 das Licht der Welt erblickte klagt die Open Source-Gemeinschaft, dass OASIS früher da war und seit 2006 offizieller ISO Standard ist. Die Veröffentlichung der ISO-Norm von OOXML erfolgte erst 2008. So groß der Katzenjammer auch sein mag, Microsoft Office ist nach wie vor Marktführer im Bereich der Office-Suiten (trotz beachtenswerter Erfolge von LibreOffice) und hatte somit die Macht seinen Standard gegen Widerstände durchzudrücken. In den ersten Jahren so es noch so aus, als ob sich Open Document Texte durchsetzen könnten oder das veraltete DOC-Format sich als Quasi-Standard behaupten könnte. Nachdem aber Office 2010 oder neuer in den letzten Jahren seines Siegeszug in den Firmen angetreten hat, ist das Schnee von gestern.

Diese Entwicklung hat man grundsätzlich auch bei der freien Office Suite erkannt. OpenOffice 3 konnte bereits die Dateiformate importieren, jedoch noch nicht speichern. Inzwischen gibt es weder bei Apache OpenOffice, noch bei LibreOffice offizielle Hürden. Es bestehen aber immer noch massive Schwierigkeiten im Arbeitsalltag. Zwar lassen sich einfache Dokumente problemlos öffnen und speichern. Bei komplexen Dokumenten versagt LibreOffice aber nach wie vor. Fußnoten, Endnoten und Register sorgen mit hoher Wahrscheinlichkeit für erhebliche Kompatibilitätsprobleme – auch mit der aktuellen Version 5.3.

Recherchiert man zu dem Problem, erfolgt häufig ein Verweis auf die komplexe Dokumentation von OOXML und dass es für Nicht-Microsoft-Mitarbeiter quasi unmöglich sei das Format fehlerfrei zu implementieren.

Ein kürzlich erfolgter Test mit Apples Pages 6.2 offenbarte jedoch, dass Pages selbst komplexe OOXML-Dokumente weitestgehend fehlerfrei importiert. Pages ist ansonsten ein grauenhaft beschnittenes Programm und kann funktional weder Microsoft Office, noch LibreOffice das Wasser reichen.

Das wirft natürlich die Frage auf, weshalb die freie Office Suite nach fast 10 Jahren immer noch nicht annähernd problemlos OOXML-Dokumente verarbeiten kann. Apple hat höchstwahrscheinlich keine Insiderinformationen erhalten, sondern die Spezifikationen einfach umgesetzt. Fehlt es bei LibreOffice an fähigen Entwicklern in diesem Bereich? Werden andere Projekte höher priorisiert? Ist es Arroganz und gekränkter Stolz, weshalb man eine Konkurrenz zu Open Document nicht gleichwertig gut implementieren möchte?

Es ist auf jeden Fall bedauerlich, da ein fehlerfreier Dokumentenaustausch enorm wichtig ist und eine der größten Hürden für den Einsatz von LibreOffice darstellt. Man sollte sich keinen Illusionen hingeben: Gemischte Ökosysteme werden eher einheitlich zu Microsoft Office, als zu LibreOffice migriert, wenn es zu Problem bei der Interoperabilität kommt. Die Open Source Gemeinschaft überschätzt hierbei die Bedeutung der Lizenzkosten für MS Office maßlos.

Langfristig bedeutet dies auch für den Datenschutz eine erhebliche Belastung. Innerhalb des Microsoft Office-Ökosystems erfolgt bereits seit längerem eine Verschiebung hin zum Abomodell Office 365, Erhebung der Nutzerstammdaten und integrierter OneDrive-Cloudanbinding. Neuen Funktionen in Office, wie die Überwachung aller Anwender, sind höchst bedenklich und könnte nur durch qualitativ hochwertige, freie Alternativen in ihrer Ausbreitung gehindert werden.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von 200degrees via pixabay

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