Symbolbild "Entwicklung"

Im April steht eine neue Veröffentlichung der LTS Variante von Ubuntu an und das ist trotz voranschreitender Diversifizierung der Distributionslandschaft immer noch ein bedeutendes Ereignis im Linux-Universum und wirft ein Schlaglicht auf den aktuellen Zustand des Linux-Desktops.

In diesem Bereich gibt es allerdings nur wenige Neuentwicklungen. Unity 8 wurde wieder einmal verschoben, weshalb eine Aktualisierung bestehender Installationen des Hauptderivats Ubuntu nur wegen der enthaltenen neuen Programmversionen interessant sein dürfte. Xfce wird sowieso nur homöopathisch entwickelt und die Entwickler von Lubuntu haben entschieden LXQt erst mit der kommenden Version 16.10 einzuführen. Die LTS soll ein letztes Mal auf LXDE basieren. Neu ist lediglich MATE, das den bewährten GNOME 2-Desktop unter neuem Namen ausliefert. Mit dabei ist auch wieder Kubuntu, auch wenn es zwischenzeitlich mal anders aussah.

Der dort enthaltene Desktop Plasma 5 ist eines der Themen, das – gemessen an den Diskussionen auf Heise & Co – die Gemüter der Linux-Gemeinde gerade am meisten bewegt. Die Vorwürfe decken das übliche, bereits vom Vorgänger bekannte, Repertoire ab. Neu ist nur der Vorwurf, KDE mache es unmöglich stabil genutzt zu werden. Kaum sei etwas ausgereift, würde der nächste große Umbruch folgen.

Nun ist es nicht so, dass Kritik an Plasma 5 und der aktuellen Entwicklung völlig unberechtigt wäre (siehe Teil I, Teil II und Teil III hier im Blog), der Stabilitätsvorwurf ist jedoch unangebracht und entlarvt sich selbst.

KDE SC 4 hatte in den Versionen nach 4.11 den Höhepunkt einer langjährigen Entwicklung erreicht. Bedingt durch die Hinwendung zur nächsten Generation – zu dem Zeitpunkt noch Plasma next genannt – wurden weniger neue Funktionen implementiert und mehr Aufwand in die Produktpflege investiert. Die allgemeine Stabilität profitierte davon genauso sehr, wie vor Äonen bei KDE 3.5.

Diese Stabilität wurden von vielen Distributionen mit Langzeitunterstützung an die Anwender weitergegeben. Kubuntu 14.04, Debian 8 Jessie, openSUSE 13.2 – um nur einige zu nennen. Diese Distributionen werden ausnahmslos noch unterstützt – es handelt sich dabei schließlich um Veröffentlichungen mit Langzeitunterstützung. Erwartbares Supportende der Varianten liegt irgendwo in den Jahren 2017 bis 2019.

Das Jahr 2016 ist für (KDE-)Anwender mit Interesse an Distributionen mit langen Laufzeiten deshalb ein äußerst langweiliges Jahr. Es steht überhaupt kein wichtiges Release vor der Haustür. Kubuntu 16.04 ist höchstens für verbliebene Anwender mit Kubuntu 12.04 interessant und auch die könnten theoretisch erst einmal nur bis 14.04 aktualisieren. Langzeitunterstützung bedeutet nämlich auch Langzeitnutzung und Ausreizung der Supportzeiträume. Natürlich kann man die aktuellen Entwicklungen testen und kommentieren, aber es besteht überhaupt kein Zwang zu wechseln.

Wer also die mangelnde Stabilität im Langzeiteinsatz beklagt, hat in Wahrheit gar kein interesse an einem solchen, sondern möchte nur in den Kommentarspalten wüten. Schließlich besteht momentan noch für keinen Anwender kein Grund das stabile KDE SC 4 zu verlassen. Wer dennoch nicht die Finger von Plasma 5 lassen kann, sollte sich fragen, ob überhaupt eine stabile Distribution gesucht wird.

Sollte Plasma 5 bis 2017-19 nicht ausgereift sein, kann man ja das Thema nochmal behandeln…


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von ar130405 via Pixabay 

Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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