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Kommentar: Microsoft wird Windows aufgeben

Microsoft macht unter seinem gar nicht mehr so neuen Chef Satya Nadella einen rasanten Kulturwandel durch. Seit Jahren sind die Schlagzeilen voll von früher undenkbaren Ankündigungen. Nun beginnt man sich von Windows zu lösen - zuerst im mobilen Bereich aber der Desktop wird wahrscheinlich folgen.

Vor wenigen Jahren war Microsoft angezählt. Das Unternehmen hatte zahlreiche Trends verschlafen und war ins Hintertreffen geraten. Das gefloppte Betriebssystem Windows 8 tat sein übriges. Nach dem Rückzug von Steve Ballmer übernahm Satya Nadella den Posten des CEO. Die Microsoft-Aktie eilt seitdem zu immer neuen Höchstständen, was zwar auch den allgemeinen Markttrend widerspiegelt, aber trotzdem im Jahr 2013 mit seinen vielen Kursstürzen viele undenkbar gehalten hätten.

Microsoft erlebte unter Nadella, der aus der Cloudsparte kam, einen rasanten Kulturwandel. Der Unternehmensfokus verschob auf den Cloud-Bereich "Azure", der inzwischen einen erheblichen Teil des Unternehmensumsatzes beisteuert. Zudem änderte sich das Verhältnis zu Open Source grundlegend. Es begann zaghaft mit den Hyper-V Treibern im Kernel. Inzwischen geht man bei Microsoft viel weiter, wie beispielsweise die Veröffentlichung eines Linux-Subsystem für Windows 10 zeigt. Zwischenzeitlich begann man .NET unter MIT Lizenz zu stellen und 2018 erwarb man schließlich GitHub und veränderte seitdem dort quasi nichts.

Parallel zu diesen Entwicklungen begann man die eigenen Softwareprodukte auf anderen Plattformen bereitzustellen. OneDrive, Office & Co gibt es inzwischen für genau so selbstverständlich für Android, iOS und macOS wie für Windows. Seit kurzem steht Office 365 auf via Mac App Store zur Verfügung, worauf die Anwender seit der Ankündigung im Sommer warteten. Für Android bietet man sogar einen eigenen Launcher an.

Gleichzeitig liegt Windows weitestgehend brach. Bereits seit Herbst 2017 war klar, dass Windows Mobile stirbt und seit wenigen Tagen kennen wir nun auch das Beerdigungsdatum. Der ganze Ansatz mit universellen Apps und einem Touch-freundlichen Betriebssystem ist damit quasi mit gestorben. Der Tablet-Markt ist sowieso erledigt und Convertibles bestenfalls eine Nische. Windows 10 ist das letzte Windows und so fühlt es sich auch an (siehe auch: Windows 10 - Ein Verriss). Es gib zwar im Halbjahrestakt größere Updates aber abgesehen von den IT-Jubelpersern in manchen Blogs muss man doch konstatieren, dass die Neuerungen eher bescheiden ausfallen. Das Betriebssystem ist ganz offensichtlich im Wartungsmodus angekommen!

Microsoft kann bei Windows natürlich nicht sofort den Stecker ziehen. Öffentliche Einrichtungen und Unternehmen verlassen sich darauf (sehr zum Leidwesen der Open Source Befürworter). Mit dem mobilen Sektor hat Microsoft aber die Zukunft aufgeben und im IoT-Bereich spielt Windows keine Rolle.

Kurz gesagt: Windows wird sterben, aber Microsoft wird überleben. Der Konzern konzentriert sich auf Cloud-Dienste und stellt seine profitablen Produkte für Firmen und Endverbraucher über andere Betriebssysteme zur Verfügung.

Angesichts der Datenschutz-Katastrophe in Windows 10 ist das kein Verlust!


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von 200degrees via pixabay

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Tags: Microsoft, Windows, Windows 10

Ergänzungen zum Artikel

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Michael
Zitat :
Windows wird sterben, aber Microsoft wird überleben.

Grundsätzlich stimme ich dem zu, würde es aber etwas anders formulieren: Windows wird - so wie wir es kennen - sterben, aber Microsoft wird überleben.
Warum: Du hast eine wichtige Geschäftssparte übersehen. Microsoft ist ein Data Broker/Data Mining-Anbieter, d.h. es werden von Microsoft Dienstleistungen bereitgestellt, mit denen Bilder, Stimmen und ganz vieles mehr ausgewertet werden. Diese im Bereich des ML/KI-anzusiedelnden Dienste werde bspw. bei der New Yorker Polizei genutzt. Um die Daten weiter zu bekommen, muss Windows weiter leben, aber immer mehr mit eine Cloud-Anbindung, die immer weniger abgeschaltet werden kann.

P.S. Statt dem Desktop-System wird wohl eher Windows Server eingestellt werden. Dort sind die Neuerungen auch eher im Hybrid-Cloud-Umfeld anzusiedeln.

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