Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Bild von mcmurryjulie via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

Zwischenruf: Kostenlos-Mentalität

Die Kostenlos-Mentalität ist nicht nur der Tod für Linux auf dem Desktop (siehe: Folgen der Kostenlos-Mentalität), sondern die größte Bedrohung für den Datenschutz allgemein. Sehr anschaulich momentan zu beobachten am Beispiel von Enpass (siehe: Enpass - Ein Passwortmanager für alle Systeme), dessen Entwickler gestern ein lange angekündigtes Update veröffentlicht haben.

Man kann sich darüber streiten, ob dieses Update technisch und funktional gelungen ist. Soweit ich das beurteilen kann wurden keine Funktionen gestrichen und mit der Möglichkeit mehrere Passwortspeicher gleichzeitig zu verwalten wenigstens eine große Änderung ausgerollt. Weiterhin unterstützt Enpass immer noch alle wichtigen Plattformen - sogar Linux! Insbesondere letzteres ist keine Selbstverständlichkeit und engt die Möglichkeiten bei Linux leider zu oft auf KeePass ein.

Optisch ist die App allerdings ein Rückschritt, da man versucht über alle Systeme hinweg ein einheitliches Design auszurollen, was dann einfach auf allen Geräten schlecht aussieht. Außer vielleicht auf Windows 10, das man einfach nicht mehr verunstalten kann, als Microsoft dies eh tut (siehe; Windows 10 - Ein Verriss).

Was hat man nun also verbrochen? Die Entwickler haben sich doch tatsächlich erdreistet einen kleinen Teil der Funktionen für die Desktop-App in ein Premium-Paket auszulagern, das einmalig 6,99 € kostet. Die mobilen Apps kosten pro Plattform dann auch nochmal einen ähnlichen Betrag. Sofern man die vorherigen mobilen Versionen bereits erworben hatte scheint aber zumindest dieser Zusatzbetrag zu entfallen.

In den App Stores und auf sonstigen Seiten des Internet hagelt es nun Kritik Idiotien in Form von "Wucher Update", "Frechheit, dass man erneut bezahlen muss", "geht gar nicht" etc.

Man kauft sich also für einen Betrag um die 1.000 € (für ein MacBook ist das noch knapp kalkuliert) ein Gerät und vermutlich alle 2-4 Jahre ein neues Smartphone, aber ist nicht bereit 6,99 € für ein Softwareprodukt, mit dem man die eigenen Passwörter verwaltet auszugeben? Wohl gemerkt: Einmalig! Enpass 5 war auf dem Desktop kostenlos, niemand von den Schreihälsen hat jemals bisher dafür bezahlt.

Dieser Geiz ist eine größere Bedrohung für Datenschutz und Sicherheit, als die staatliche Überwachung und die Datensammelei der IT-Giganten. Wenn Softwarefirmen irgendwann nur noch davon leben können Zulieferer für Big Data zu sein, dann werden das irgendwann alle machen.

Dann werden sie wieder schreien.

Nur eines ist klar: Die Kommentarspalte ist der Tod des Internets und ein Blick in den Abgrund der Menschheit. Egal bei welchem Thema.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von mcmurryjulie via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

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Tags: Sicherheit, Datenschutz, Passwortmanager, Enpass, Kostenlos-Mentalität

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    Oliver · Vor 20 Tagen
    Danke, sehe ich genauso!
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    Andreas · Vor 20 Tagen
    Verstehe ich jetzt auch nicht. 6,99€ ist jetzt normalerweise kein Betrag der einem schlaflose Nächte bereitet. Ich hab schon wesentlich mehr für Software bezahlt die ich wesentlich seltener nutze.
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    Bernd · Vor 19 Tagen
    Ich sag euch jetzt schon, dass dieses Lizenzmodell wohl keinen langfristigen Erfolg bringen wird. Weil es funktioniert nur so lange es genügend Neukunden gibt, die Bestandskunden hingegen bekommen alle Updates / Upgrades kostenlos, ohne an die Kosten für die weitere Entwicklung beteiligt zu werden. Das heißt langfristig dass die Einnahmen zurückgehen und somit auch die Entwicklung oder aber es folgt ein Wechsel dass jede Lizenz nur z.B. Updates der nächsten 12 Monate beinhaltet, alternativ wäre auch ein Abomodell möglich was ich aber total ablehne.
    Schlechtes Beispiel ist da z.B. der Editor Ulysses der früher 45 Euro einmalig kostete und nun seit über einem Jahr per Abo entweder 4,99 Euro / Monat kostet oder 39,99 Euro für ein ganzes Jahr.
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    Thomas_S · Vor 14 Tagen
    Grundsätzlich erwarte ich nicht, dass Software kostenlos ist. Dort wo ich sie umsonst bekomme, spende ich regelmäßig für die Hauptprojekte, die ich nutze.

    Trotzdem muss eine Software, die meine Passwörter verwaltet, sich preislich z.B. mit den Kosten für ein Betriebssystem wie Windows 10 in Relation setzen lassen. Und da sind auch knapp 7 Eur für ein kleines Tool nicht ganz unerheblich. Ich nutze neben meinem Betriebssystem (Archlinux) einige größere FOSS-Softwarepakete (Inkscape, Gimp, darktable, Libre Office, Firefox, Nextcloud etc.) und zahlreiche kleine Tools. Würden diese Projekte alle einen dem jeweiliegn Umfang entsprechende Kaufpreise verlangen, könnte ich mir das kaum leisten (auch bei einmaliger Zahlung).

    Also, grundsätzlich habe ich Verständnis für den Bedarf mit einer Software auch Geld zu verdienen (zu müssen). Trotzdem halte ich ein unreflektiertes Bashing der sog. "Kostenlos-Mentalität" für unangemessen. Würden wir für alle (kleinen) Tools, auch unter proprietären Betriebssystemen, gesondert zahlen müssen, würde es sehr teuer. Stattdessen sollten wir die (kostenlosen) Open-Source-Projekte verstärkt zu schätzen lernen.
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      Gerrit
      • Administrator
      · Vor 14 Tagen
      Und wie sollen sich dann all die Entwickler finanzieren?
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    Hootch · Vor 9 Tagen
    Make kostenpflichtige Software - vernünftig great again :)
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