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Kriterien für den Erfolg von Linux im Öffentlichen Dienst

Linux und der öffentliche Dienst sind ein Dauerbrenner in der Medienöffentlichkeit, auch über die Linux-Community im engeren Sinne hinaus. Meist handelt es sich um gescheiterte Projekte wie in München oder Niedersachsen, manchmal auch im hoffnungsvolle Ankündigungen wie in Schleswig-Holstein.

Die Affinität zur öffentlichen Verwaltung ist nicht ganz leicht zu erklären. Die Softwarelandschaft von Siemens oder ThyssenKrupp wird jedenfalls nicht in gleichem Maße diskutiert. Möglicherweise liegt dies an der Finanzierung durch Steuern, die ein Gefühl des Mitspracherechts erzeugt. Gerne gepaart mit Staats- und Verwaltungsverachtung, wie sie in Deutschland sehr weit verbreitet sind.

In der Vergangenheit wurden hier einige dieser Diskussionen aufgegriffen:

Grundsätzlich wäre eine Hinwendung der Staatsverwaltung zu Linux wünschenswert. Dahinter steht nicht nur die Stärkung des Open Source-Gedankens, sondern auch die Minimierung der Abhängigkeit von einem ausländischen Konzern, der gegenwärtig maßgeblich für die deutsche Staatsverwaltung ist. Angesichts der zunehmend unsicheren Zukunft "des Westens" als politisches Projekt und der angeschlagenen wirtschaftlichen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten in den Zeiten eines Präsidenten Donald J. Trump ist das ein Thema von ganz neuer Brisanz. Verquickungen von Wirtschaft und Geheimdiensten, sowie Wirtschaftsspionage kommen da noch hinzu.

Dabei sollte man jedoch nicht den Fehler machen die Anforderungen der Verwaltung zu unterschätzen. Die verbreitete Geringschätzung der Verwaltung führt nämlich gerne zu solchen Aussagen wie: "ein Brief kann man doch auch mit LibreOffice schreiben". Die Idiotie solcher Aussagen ist kaum zu erfassen und reicht vermutlich als Erklärung, warum so viele Migrationen von vornherein scheitern mussten.

Verwaltung ist komplex und erfordert eine Vielzahl von speziellen Programmen, die sich auch noch von einer Abteilung/Behörde zur anderen unterscheiden. Eine beliebte Umschreibung hierfür sind die berühmten Fachverfahren. Hinzu kommt ein hohes Maß an Interaktion mit anderen Stellen, die räumlich und infrastrukturell getrennt sind.

Dies ließe sich natürlich auf eine freie Plattform migrieren. Die proprietären Programme sind ja auch irgendwann einmal entstanden. Als gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen, gebündelt in einer nationalen IT-Strategie und unterstützt durch eine massive Investition in eine eigene IT-Verwaltung, die Ausschreibung koordiniert, Migrationen beaufsichtigt und eine eigene Bundes-Distribution pflegt. Das wird nicht billiger als der bisherige Rückgriff auf proprietäre Programme, ggf. wird das sogar erheblich teurer. Mangels vergleichbarer Projekte in hochentwickelten Industriestaaten kann das niemand vorhersagen.

So lange hierfür die Bereitschaft fehlt - politisch wie in der so genannten Öffentlichkeit - muss jedes dieser Projekte scheitern. Wir können uns die Diskussion also sparen. Mal sehen wann Schleswig-Holstein seine Pläne beerdigt.


Bilder:

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Tags: Linux, Verwaltung, Öffentliche Verwaltung

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    Linuxkumpel · Vor 2 Monaten
    Kurioser Weise haben ja für sich genommen die Insellösungen weitestgehend funktioniert. Selbst wenn der Bund wollte, dann sind da noch die Länder und die Kommunen. Letztere lassen sich vom Bund nicht diktieren was sie nutzen sollen. Es sei denn, der Bund zahlt. (Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen.) Im Personenstandsrecht gibt es bundesrechtliche Vorgaben und der Monopolist, der Standesamtsverlag liefert die Software "AutiSta", die so gut wie alle Standesämter als Internetanwendung nutzen. Mit dem elektronischen Personenstandsregister geht es weiter. Es gibt Bundesländer, die schreiben vor, welches Rechenzentrum genutzt werden muss, andere überlassen den Kommunen die Entscheidung. Liest man das Bundesmeldegesetz, dann erkennt jeder, wer sich alles bei den Meldedaten bedient. Die Datenübermittlungen müssen funktionieren. Die Betroffenenauskunft z.B. für das Bundesland Brandenburg umfasst 13 Seiten. Auf weiteren 4 Seiten können Meldepflichtige nachlesen, was mit ihren Daten passiert. So könnte ich fortsetzen. Wahlen müssen auch gemanagt werden. Das muss auch alles unter Linux funktionieren. Wenn sich alle einig wären, dann bestünde eine gewisse Unabhängigkeit von einem Betriebssystem und wenigen Konzernen.
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    Tronde · Vor 2 Monaten
    Hallo Cruiz,

    was sind denn nun deiner Meinung nach die Kriterien, an denen sich der Erfolg von Linux im öffentlichen Dienst messen lässt. Dies wird meiner Meinung nach in deinem Artikel nicht deutlich.


    Eine nationale IT-Strategie ist sicher eine Vorraussetzung, um Abhängigkeiten von Monopolisten auflösen zu können. Aber Ausschreibungen und Migrationen auf Bundesebene zu koordinieren hat in meinen Augen keine Aussicht auf Erfolg. Außer du beziehst dich hier ausschließlich auf Bundesbehörden.


    Der Abstimmungsbedarf im öffentlichen Dienst ist so groß und nach meiner Einschätzung so schwierig, dass mir die Abstimmung einer Bundesdistribution als unmöglich erscheint. Am Ende käme vermutlich etwas heraus, das sich weder benutzen noch warten lässt.

    Um meine Eingangsfrage noch einmal zu wiederholen, anhand welcher Kriterien würdest du den Erfolg messen?


    MfG
    Tronde
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      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 2 Monaten
      "was sind denn nun deiner Meinung nach die Kriterien, an denen sich der Erfolg von Linux im öffentlichen Dienst messen lässt."

      Ein möglichst flächendeckender Einsatz von Linux. Jedenfalls scheint mir das die gängige Definition zu sein.
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    Linuxkumpel · Vor 2 Monaten
    Es ist und bleibt ein heißes Thema. Wie es funktionieren kann zeigt dieser Artikel https://derstandard.at/2000055516173/Linux-statt-Windows-Vicenza-ist-das-neue-Muenchen

    Welche Hürden sich immer wieder auftun der Folgende
    https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/cyber-attacken-auf-staatliche-it-wer-das-monopol-verlaesst-wird-unter-druck-gesetzt/19628246-2.html

    Das sagt wohl alles
    https://www.microsoft.com/de-de/education

    "Flächendeckender Einsatz" könnte eins von vielen Kriterien sein. Ich will nicht fragen, wer beratend bei der E-Government-Strategie von Bund und Ländern die Hand führt.
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    Michael · Vor 2 Monaten
    Hallo,

    die Fachverfahren sind in den Behörden, die ich bisher kennenlernen durfte, nicht das wirkliche Problem. Vielmehr scheint es mir, dass der Druck der Konsolidierung der IT der Behörden erheblich zugenommen hat. Da hier die Vorgaben schon gesetzt sind, muss es ein Windows 10 sein. Meines Wissens ist dies auch beim "Bundesclient" so, bei dem es sich, wenn ich es um ein Win10 mit Office (mehr nicht!) handeln soll (https://www.heise.de/ix/meldung/Bund-will-Windows-10-ueber-Bundesclient-sicher-nutzen-koennen-3907088.html, http://winfuture.de/news,100875.html). Die üblichen Fachverfahren können aufgrund der Standardisierung nur als Web-Anwendungen und/oder per Terminalserver angebunden werden (eine Spezialisierung der Clients auf die >100 Behörden ist aus meiner Sicht kaum handhabbar). Da Dataport (alle nördlichen Bundesländer) auch darauf sattelt, war es klar, dass die Linux-Clients abgeschafft werden müssen.

    Problematisch sehe ich darin primär, dass auf Kosten kleinerer Unternehmen in Deutschland meist die großen (eher amerikanischen) Unternehmensberatungen(*) eingebunden werden und dann auch noch Lizenzkosten in dreistelliger Millionenhöhe pro Jahr nach Redmond überwiesen wird. Für einen Bundesclient dieser Art ist das Betriebssystem egal und man hätte gern die Firmen Softmaker, SerNet, SuSE, Kolab etc. unterstützen dürfen. Das hätte wenigstens einige Arbeitsplätze und die Zukunftsicherheit von IT-Unternehmen sichergestellt.

    Im übrigen wird - so weit ich es bisher in Behörden kennenlernen durfte - auch dort Word massakriert und kaum spezieller verwendet, als es mit LibreOffice, Textmaker nicht auch möglich gewesen wäre. Wobei es, wie auch bei Unternehmen, Ausnahmen gibt, die wirklich insbesondere Excel sehr in Anspruch nehmen. Diese "Power-User" werden dann auch mit dem Bundesclient Probleme haben.


    (P.S. (*) Ich habe nichts gegen amerikanische Unternehmen - Microsoft&Co. können auch nichts für Trump :-). Vielmehr muss es einen Ausgleich beim Markt geben, d.h. es muss eine Chance geben, dass auch kleinere Unternehmen zum Zuge kommen. Bei einem Verbreitungsgrad von Windows von mehr als 90% auf Clients sehe ich hier den Staat gefordert, für einen Ausgleich zu sorgen, um anderen Unternehmen eine Chance zu geben und eine Monokultur zu verhindern.)
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