Kommentar: KDE neon ist kein Ersatz für Kubuntu

Bild von TeroVesalainen via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

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Im Ausblick auf die aktuelle Entwicklung von Kubuntu (siehe: Kubuntu 18.04 LTS - Ein Ausblick) wurde die Frage gestellt, ob KDE neon nicht eigentlich die bessere Alternative zu Kubuntu wäre. Die Antwort sprengt den Sinn einer Kommentarspalte und bildet die Grundlage dieses Artikels.

KDE neon ist Kind der Krise von Kubuntu, man könnte auch sagen, es ist die Grundlage der Krise von Kubuntu. Rund um den Jahreswechsel 2015/2016 beendeten die bisherigen Hauptentwickler von Kubuntu ihre Tätigkeit für das Ubuntu-Derivat und zogen unter dem Dach von KDE eine eigene Distribution auf (siehe: Kubuntu ist tot, lange lebe KDE Neon). Das Projekt ist inzwischen fast zwei Jahre alt und man kann daher ein wenig bilanzieren.

Die technische Dimension

KDE neon ist eine Kombination aus den Entwicklungsmodellen Rolling Release und stabiler LTS-Versionen. Die Basis bildete eine Ubuntu-LTS Version - zur Zeit 16.04 - auf die eine jeweils aktuelle Version von KDE Plasma und Software aufgesetzt wird.

Weil das insbesondere bei fortgeschrittenem Alter der Basis nicht mehr hinreichend funktioniert, aktualisieren die Entwickler von KDE neon auch Bibliotheken wie Qt.

Insgesamt bringt das keine vertrauenswürdige Basis hervor. Ubuntu ist bereits intern gespalten in einen unterstützten main-Bereich und eine Müllkippe mit dem Namen universe, in dem der volle Umfang der Paketquellen von Debian vor sich hin gammelt. KDE neon aktualisiert hier nun einige Bibliotheken und die KDE Software, legt aber nicht exakt fest um welche Bereiche genau es sich kümmert.

Das hat in den letzten zwei Jahren - gemessen an der kruden Idee dieses Entwicklungsmodells - zwar erstaunlich gut funktioniert, ist aber etwas grundlegend anderes als das stabile LTS-Modell von Kubuntu.

Hinsichtlich der technischen Dimension ist KDE neon daher eher eine Ergänzung, denn ein Ersatz zu Kubuntu.

Die ideelle Dimension

KDE neon steht für vieles was gerade schief läuft in der Linux Community. Einige wenige Entwickler (wir reden hier von ca. 5 Leuten) sind unzufrieden mit der Entwicklung ihres Projekts und spalten sich kurzerhand ab. Man kann ihnen lediglich zu Gute halten, dass sie vorher wirklich versucht haben die Entwicklungsrichtung des Hauptprojekts zu ändern. Parasitär bedienen sie sich dennoch an der Basis, ohne dies prominent kenntlich zu machen. KDE neon könnte ohne Ubuntu so wenig funktionieren, wie Mint oder elementaryOS. Zwar ist richtig, dass Ubuntu auch Debian braucht, aber in main liegt eine vollständige Distribution, die auch ohne Debian beschränkt lebensfähig wäre.

Gleichzeitig steht KDE neon für eine ungesunde Vermischung der Rolle von Upstream-Projekt und Downstream-Distribution. Indem KDE selbst eine Distribution herausgibt werden alle anderen Distributionen vor den Kopf gestoßen und in die zweite Reihe zurück gesetzt. Das KDE-Projekt weicht damit dem Dauerproblem aus, dass es Rücksicht auf den Distributor und seine Releasezyklen nehmen muss und kann daher noch ungehinderter undurchdachte und realitätsferne Entwicklungsschritte durchziehen.

Zusammengefasst

KDE neon bietet ein Schlaglicht auf die aktuelle KDE-Entwicklung. Es ermöglicht einen unverstellten Blick auf das aktuelle Portfolio des KDE Projekts und genau hier liegt seine Stärke.

Technisch ist es aber bestenfalls ein funktionales Stückwerk und keinesfalls geeignet in Produktivumgebungen eingesetzt zu werden, was bisher durchaus der Anspruch von Kubuntu war - trotz der Schwierigkeiten mit Version 16.04.

Ideell ist KDE neon ein Paradebeispiel für egogetriebene Zersplitterung und rücksichtslose Projektinteressen. Solche Projekte halten Linux in der Nische, in der es sich befindet. Eine Marke wie Kubuntu wird geschwächt zu Gunsten einer Neuentwicklung, die niemand kennt.

Letzteres wird zum Glück so bleiben. Die öffentliche Resonanz von KDE neon ist gering. Bestenfalls KDE-Enthusiasten und Kubuntu-Nutzer kennen das Projekt.

Papamatti
Ich bin im Oktober auf KDEneon umgestiegen und habe es bisher keinen Tag bereut, da mich Kubuntu zur weißglut gebracht hat, da hier einfach heine halbfertige Version auf die Nutzer losgeslassen wird und dieses dann auch bis zum nächsten Kubuntu Release so bleibt. Man ist gezwungen PPAs zu nutzen um (Funktions-)Bugfixes zu erhalten, da bei Ubuntu ja Stabil nicht heißt es stürzt nicht ab, sonder Stabil heißt einfach es bleibt so wie es ist. Darum gibt es KDEneon, damit der Desktop aktuell gehalten wird und damit Bugs nicht kultiviert werden. Naja und ein paar 5 Entwickler sinds ja nun auch nicht, da steht die ganze KDE-Community dahinter und die Entwicklung findet hier statt.
Cruiz
Nein, die KDE Entwickler entwickeln Software und Desktop. KDE neon wird nicht von der gesamten KDE-Entwicklergemeinschaft getragen.

Im Übrigen bin ich der letzte, der Kubuntu eine gute Releasepolitik in den vergangenen Jahren bescheinigt. Das liegt aber vor allem an der fehlenden Manpower und diese liegt ursächlich in solchen ego-getriebenen Spaltungen.

Papamatti
Naja, die Spaltung hat ja auch (politische) Gründe. Kubuntu ist einfach zu träge geworden und die Bedürfnisse der kleinen Entwickler wird ja bei Ubuntu sowieso meist ignoriert, es steckt halt ne Firma dahinter und die will die Oberhand behalten. Man kann Bugreports noch und nöcher schreiben und es passiert halt nicht viel. Bei KDEneon hat man eben das subjektive Gefühl man Bemüht und Kümmert sich um die User.

Bei LibreOffice und Openoffice gab es das ja auch. Bei OpenOffice gibts nur noch Instandhaltung und tritt auf der stelle und beim abgespaltenden LibreOffice findet nun die Entwicklung statt.

Ja ist halt nicht perfekt, aber nachtreten, nur weil jemand eine etwas andere Vision von einem Betriebssystem hat, finde ich halt nicht so schön. Freie Software lebt davon, dass man jederzeit ein Fork erstellen und es besser machen kann (zumindest kann man es ja versuchen). Und Du kannst Die Entwickler nicht dazu zwingen zusammenzuarbeiten wenn die es nicht wollen.

Cruiz
Zitat :
Und Du kannst Die Entwickler nicht dazu zwingen zusammenzuarbeiten wenn die es nicht wollen.

Nein, aber ihre Entscheidungen kritisieren. wink

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