Backup-Werkzeuge - Speicherformat beachten!

Foto: © marcus_hofmann / Fotolia.com

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Backups sind wichtig und werden dennoch von viel zu wenigen regelmäßig und sorgfältig durchgeführt. Ich empfehle daher immer gerne Backup-Werkzeuge, die einem einen Großteil der Arbeit abnehmen. Denn je geringer die Hürden sind, desto häufiger werden Backups durchgeführt. Backup-Tools gibt es für alle Systeme wie Sand am Meer. Manche beschränken sich auf Kommandozeilenwerkzeuge, andere haben umfangreiche graphische Benutzeroberflächen mit zahllosen Einstellungsmöglichkeiten. Wieder andere sind wie Time Machine tief in das Betriebssystem verankert.

Beachten sollte man als Anwender aber unbedingt wie das Werkzeug der Wahl die Sicherungen speichert. Die Spanne reicht hier von Diskimages bis hin zu einzelnen Dateien.

Manche Werkzeuge wie Back In Time oder verschiedene rsync-Oberflächen speichern die Sicherung als eigene Dateien bzw. Verlinkungen auf vorangegangene Sicherungen ab. Time Machine legt innerhalb eines Sparseimages ebenfalls einzelne Dateien und Verlinkungen an. Der Vorteil dieser Sicherungsmethode ist der direkte Dateizugriff. Wenn man z.B. manuell einzelne Dateien wiederherstellen möchte kann man sie einfach im Backup suchen. Außerdem schützt man sich z.B. gegen ein Entwicklungstop bei der Software oder ungewollte Änderungen bei der Software.

Das unter Linux sehr populäre Déjà Dup speichert z.B. in unzähligen Archivdateien ab, die bei manueller Betrachtung auf dem Speichermedium keinen Sinn ergeben. Der Vorteil solcher Archive bestehen in den erweiterten Möglichkeiten wie beispielsweise einer starken Kompression um Speicherplatz zu sparen. Wiederherstellungen mit einer späteren Version von Déjà Dup sind durch Brüche in der Abwärtskompatibilität allerdings nicht ohne weiteres möglich. Ähnliches gilt für das KDE-Werkzeug KUP, das neben rsync auch bup unterstützt. Man ist hier sehr stark auf das Werkzeug angewiesen. Etwas abfedern lassen sich solche Probleme durch entsprechende FUSE-Module, durch die sich die Sicherungen in unixoiden Systemen wie ein Dateisystem einhängen lassen.

Im Blick behalten sollte man außerdem, dass nicht jedes Backup nur den alltäglichen Arbeitsstand sichern soll, um diesen bei einem Systemausfall wiederherzustellen. Manche Sicherungen dienen auch der Auslagerung von Dateien und werden über Jahre archiviert. Wenn das Programm mit dem ursprünglich die Sicherung erfolgte, nicht mehr existiert oder sich gar auf dem aktuellen Betriebssystem nicht mehr installieren lässt, steht man vor relativ großen Problemen.

Man sollte also nicht nur auf hübsche Oberflächen, eine gute Integration in das System und viele Einstellungsmöglichkeiten achten, sondern auch im Blick behalten, wie die Dateien gesichert werden und wie zukunftsfähig dieses Verfahren für den eigenen Einsatzzweck ist.

martin
Vor einigen Tagen hatte ich genau das Problem, das eine Festplatte kaputt ging und ich richtig froh war mit Deja-Dup das Backup schnell und einfach zu laden. Welche Backup Lösungen sind denn zukunftssicher? Bacula, Borg,... oder?

Cruiz
Meiner Meinung nach im Prinzip alles was einen direkten Dateizugriff ermöglicht. Entweder weil direkt auf Dateibasis gesichert wird oder weil z.B. per FUSE Modul einhängbar (wie bei Borg).
milebrega
Nunja, Deja-Dup ist ein grafisches Frontent für Duplicity. Das wird etwas umständlich über die Kommandozeile bedient, aber damit sind einige Optionen mehr möglich (zum Beispiel gezielteres Entfernen von Backups) und es sind vor allem langfristig Wiederherstellungen auch ohne grafisches Deja-Dup möglich. Damit ist das Backup meiner Meinung nach eigentlich ziemlich zukunftssicher (wenn man nicht gerade auf ein Windows-Systen wechseln möchte).
Trotzdem habe ich mich für Backintime entschieden, da man sehr bequem mit einem Dateimanager (und der Suche) seine Backupstruktur aufrufen kann.

Cruiz
Nun eigentlich ist eine Wiederherstellung nur möglich, wenn duplicity existiert. Anders gesagt: Nur unter Linux. Das ist schon beschränkend.
Noeck
Backup
Aus diesem Grund (wie einfach man an die Sicherungen wieder herankommt und wie robust das für die Zukunft ist) habe ich mich für BackInTime entschieden. Mich wundert es das das Tool in der Ubuntu-Community so wenig Beachtung findet und so wenig bekannt ist. Weiß jemand warum Ubuntu auf DéjàDup gesetzt hat, als es ein Backup-Programm als Standard eingeführt hat?
(Ich habe übrigens mit keinem der Programme eine Verbindung, außer als Nutzer).

Was in deinem Artikel kurz anklingt: Man sollte sich tatsächlich Gedanken über die unterschiedlichen Anforderungen von Backup (Sicherheitskopie) und Archiv machen. Unter Umständen geht beides mit einem Programm, aber die Anforderungen sind nicht automatisch die gleichen.

Cruiz
Déjá Dup ist meines Wissens nach GNOME Standard und wird daher durch die meisten GNOME-zentrierten Distributionen automatisch ausgerollt.

Back In Time ist an keine Oberfläche angegliedert und fehlt daher ein wenig die Lobby.

Fred
Aus diesem Grund ist es sinnvoll, kurzfristige Backups von langfristiger Archivierung zu unterscheiden. Diese Unterscheidung macht viele Entscheidungen leichter: Zum Wiederherstellen von verlorenen Daten von vor wenigen Stungen, Tagen oder des letzten Monats ist es wahrscheinlich, dass dasselbe Backup-Programm noch immer entwickelt wird und verfügbar ist und ich auch nicht mittlerweile ein anderes inkompatibles Betriebssystem verwende.
Ich kann also ein ausgeklügeltes Backup-System mit einem eigenen Datenformat gegenüber einem universellen System (oder manuellem Kopieren) vorziehen, wenn es mir hilft, Backups nicht hinauszuzögern (wegen langer Dauer, überfüllter Backup-Festplatte, oder wenn ich dann anfange große Dateien manuell auszuschließen). Also automatisch und so schnell und effizient, dass man in beliebig hoher Frequenz sichern kann.

Thomas S.
Ich benutze seit einiger Zeit BorgBackup. Die Dateien werden zwar nicht "direkt" gespeichert, können aber auch einfach einzeln zurückgesichert werden. Dabei ist es extrem platzsparend und erlaubt daher sehr häufige "Snapshots". Durch die Möglichkeit von jeder Programmversion auch "standalone Binaries" zu erhalten und abzulegen, ist man relativ sicher gegen zukünftige Inkompatibilitäten, wie sie z.B. bei DéjàDup häufiger vorkommen.
Alex H.
Ich nutze per Dualboot Linux u. Win. Die letzten Cryptotrojaner (Wannacry) haben mich sehr nachdenklich gemacht ob meine Backupstrategie die Richtige ist, in der Fa. gabs massiv Probeme. Grundsätzlich sehe ich im Desaster-Fall eine Sicherung als Dateisystem, oder z.B. auch als zip-Datei als pragmatisch an, im Zweifelsfall brauche ich keine Zusatztools! Ich hab einen Miniserver/NAS im LAN auf dem die Backups liegen, andere Hardware (=andere "Brandschutzzone"). Backups/Restore erfolgen von den Clients per CIFS-Share oder rsync. Hab diverse Linuxdistros im Einsatz, nicht bei allen ist Backintime vorhanden (hab ich jahrelang benutzt), deswegen hab ich zu "luckybackup" als GUI-Lösung geschwenkt. Per CIFS erreichbar liegt dort das aktuelle Backup - da käme dann auch der Trojaner hin.... Deswegen ist auf dem Miniserver eine 2.Platte. Dort erzeugt ein täglicher cronjob mit rsnapshot platzsparende Historien. Dort komme ich NICHT per CIFS ran, sondern im Crypto-GAU-Fall nur per ssh.

Cruiz
Und was machst du für den Fall dass die Wohnung/das Haus abbrennt? Oder Alternativ ein Einbrecher alle technischen Geräte mitnimmt? Man sollte das immer in Erwägung ziehen.
Alex H.
Ist alles eine Risikoabwägung, irgendwann wirds halt aufwändig. Man muss abwägen, welche Störungen am wahrscheinlichsten auftreten: Eigenes versehentliches Löschen, Virus, Hardwareausfall, Blitzeinschlag, Diebstahl, Clouddiebstahl, Hacker, etc...
Besser ist noch eine regelmäßige Sicherung auf Offlineplatten.
In erster Linie ist der Mensch faul, und dann ist es gut, wenn überhaupt automatisch eine Sicherung angelegt wird. Und wichtig, dass die Sicherung vollständig und konsistent ist! Ich lasse mir z.B. Von jeder Sicherung eine Mail schicken, mit Log des Backupvorgangs. Wobei mich beim Log nur die eine Zeile interessiert: Sicherung vollständig!

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