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Reflexionen: Von Linux zu macOS

Woher diese manchmal große Härte gegenüber Open Source Software hier im Blog? Warum ignoriere ich diese Entwicklungen nicht einfach und setze ich überhaupt noch Linux ein. Das sind so Fragen, die mich mehr oder minder freundlich formuliert erreichen. Spoiler: Der folgende Text enthält meine Meinung, gespeist aus jahrelanger individuell gesammelter Erfahrung.

Linux ist immer eine Wechselgeschichte. Kaum jemand beginnt seine PC-Karriere mit einem Linux-System. In meinem Fall war daran Windows Vista schuld. Es war 2007 und ich hatte ein neues Notebook und Windows Vista ohne Service Pack 1. Das war ziemlich genau so schlimm wie man heute im Netz noch nachlesen kann und führte mich direkt zu Linux. Damit hatte ich schon vorher rumprobiert aber immer Windows XP als Fallback behalten. Meine Karriere begann damit schon symptomatisch aus praktischen Erwägungen und nicht weil ich von Open Source ideologisch überzeugt gewesen wäre oder eine Peergroup im MINT-Studium sozialen Druck ausgeübt hätte.

Mein primäres Problem war erst einmal, dass dieses Notebook wirklich gut und wirklich neu war. Von den Hardware-Daten könnte man damit vermutlich heute noch arbeiten (leider wurde es bei einem Einbruch 2011 gestohlen). Die meisten Distributionen versagten schon den Start und WLAN war trotz Intel-Modul (an was man sich so alles erinnert...) schwierig. Mein größtes Problem war allerdings die NVIDIA-Grafikkarte und die gewünschten grafischen Compiz-Effekte. Linux im Jahr 2007 eben. Von ganz praktischen Herausforderungen, weil das Uni-WLAN mit Linux nur sehr kompliziert zu nutzen war, mal ganz abgesehen. Leidensfähigkeit lernte man da sehr schnell.

Ich weiß nicht ob es wirklich so war oder ob man heute die Vergangenheit verklärt, aber neue Versionen waren fast immer ein Quantensprung. Ein neuer Kernel unterstützte endlich die gewünschte Hardware, am Desktop, am Browser, beim Office - überall ging es merklich voran. Wenn ich mir heute anschaue was sich zwischen zwei KDE Plasma LTS Versionen (5.12 -> 5.18) getan hat, hätte ich damals vermutlich müde gelächelt. Diese agile Entwicklung (um das beknackteste Wort aus dem gegenwärtigen HR/IT-Sprech zu übernehmen) ließ mich schnell zu RR-Distributionen greifen. Debian Sid wenn ich mich recht erinnere.

Natürlich fuhr man sein System damit ab und an mal an die Wand. Aber wenn man ehrlich ist: Was hat man damit schon groß gemacht? E-Mails, Office, Surfen. Zocken ging 2007 mit Linux wirklich noch nicht, sofern man mehr als Solitär wollte. Meine gespeicherten Daten passten auf 2-3 DVD-Rohlinge. Das änderte sich aber schleichend. Datenbestände wuchsen exponentiell und dank dem Siegeszug moderner Smartphones auch die synchronisierten Datenbestände. Irgendwann gab es dann auch nicht mehr nur ein Notebook, sondern zusätzlich einen klassischen PC und dann auch noch einen Homeserver für die Datensynchronisation in der Post-Snowden-Zeit. Kurzum: Der Einrichtungsaufwand meines persönlichen Linux-Setups stieg immer mehr an und damit wurden tägliche Updates auch immer mehr zum Risiko. Nicht weil Probleme unlösbar waren, sondern weil man viel mehr Software intensiv nutzte und daher auch in viel mehr Probleme reinlief.

Parallel hatte ich immer weniger Zeit und Lust auf Problemlösung. Die logische Konsequenz war daher der sukzessive Wechsel auf LTS-Distributionen (siehe: Linux - Eine sichere Basis) rund um das Jahr 2014 herum. Wirklich problemlosen Langzeitsupport bieten die aber eigentlich auch nicht. Ich möchte hier gar nicht mit den Windows 7 Systemen meines Arbeitgebers kommen, die momentan nach 10 Jahren problemfreien Betriebes umgestellt werden. Selbst die 5 Jahre von Ubuntu sind eigentlich Makulatur. Alle 1-2 Jahre sind Migrationen notwendig, weil selbst die Spitzenreiter bei den Laufzeiten wie RHEL/CentOS verpflichtende Minorversionen bieten.

Es gehört meiner Meinung nach zu den bitteren Wahrheiten, dass Upgrades bei Linux nicht funktionieren. Bei Windows natürlich auch nicht, aber bis Windows 10 kam auch niemand ernsthaft auf die Idee das zu machen. Sobald man kein System von der Stange mehr hat, braucht ein Upgrade genau so viel Nacharbeit wie eine Neuinstallation. Jetzt kommen sicherlich wieder welche, die sagen "aber bei mir...". Ich kenne kaum jemand im professionellen Bereich, der systematisch Upgrades macht. Stattdessen installiert man neu und migriert die Konfiguration. Die Ubuntu Zahlen deuten ebenfalls in eine ähnliche Richtung.

Und selbst wenn Upgrades nicht das Problem sein sollten, kämpft man trotzdem bei umfangreicheren Setups mit dem sehr volatilen Umfeld. Software kommt und geht, Forks werden gemacht und bestehende Funktionen gebrochen. An Upgradepfade und bestehende Anwender wird viel zu wenig gedacht. Selbst professionelle Projekte wie Nextcloud glänzen da nicht mit Ruhmestaten. Man ist somit eigentlich permanent damit beschäftigt der Softwarentwicklung zu folgen und die genutzte Software anzupassen. Das ist natürlich kein Problem, wenn man den einschlägigen Medien folgt und Entwicklungen zeitig rezipiert. Es gibt aber noch Menschen mit anderen Hobbys, die IT tatsächlich als Mittel zum Zweck begreifen. Hat man hier einmal durch ein, zwei Jahre Untätigkeit den Anschluss verloren, erntet man richtig Arbeit.

Wie sehr man als langjähriger Linux-Anwender in einer Filterblase aus vermeintlich objektiven Zwängen und Binnenlogiken gefangen ist bemerkte ich eher zufällig. Bis dahin erzählte ich auch allen immer, sie müssten nur ihre Verhaltensweisen und Erwartungshaltung anpassen. 2016 verabschiedete sich mein Lenovo Notebook (siehe: Linux auf dem Lenovo IdeaPad 330p). Ich brauchte etwas Leichtes und vor allem brauchte ich mindestens 8 Stunden reale Akkulaufzeit, weil Lesesäle in deutschen Archiven nicht durchgehend mit so etwas neumodischem wie Steckdosen ausgestattet sind. Ein lokaler Apple Händler bot ein MacBook Air damals für knapp 800€ an und so griff ich zu meinem ersten Mac (siehe: Ein Apfel in der Antarktis - Teilwechsel auf macOS).

Mir ging es da eigentlich wirklich um die Hardware. Der Vorsatz war tatsächlich das Gerät schnell mit Linux auszustatten. 2016 war nur ein wirklich schlechtes Jahr. Kubuntu hatte ein katastrophales Release herausgebracht (siehe: Kubuntu 16.04 LTS - Ein wenig Licht am Ende des Tunnels), was auch an den projektinternen Umbrüchen zwischen 2015 und 2016 gelegen hatte (siehe: Kubuntu auf dem Weg zur Version 16.04 LTS) und bei openSUSE Leap stand eine neue Version in den Startlöchern. Also dachte ich mir, ich probiere übergangsweise macOS und stelle dann später um.

Am Anfang tat ich genau das, wovon wir in der Linux-Community immer allen Umsteigern abraten. Ich versuchte meinen Linux-Workflow auf macOS zu übertragen. Also installierte ich HomeBrew und zig Open Source Software. Mit dem erwartbaren Ergebnis mein System nahezu unbenutzbar zu bekommen. Neuer Anlauf, weniger Linux-Software, mehr einlassen auf die Eigenheiten und Eigenwilligkeiten eines fremden Systems. Im September dann das erste Upgrade. Zwei Klicks, ein Neustart - fertig. Ich war sprachlos und ersetzte im Dezember meinen Desktop durch einen Mac mini.

Im letzten Frühjahr ging dann mein Homeserver den Weg allen Irdischen. Nach einigem hin und her (siehe: Homeserver / NAS - Die Qual der Wahl) griff ich dann doch zu einer proprietären Lösung (siehe. Synology NAS I: Die Entscheidung für ein Synology NAS). Binnen eines Tages konnte ich ohne Vorwissen von 0 auf 100 alle gewünschten Dienste aufsetzen und konfigurieren.

Linux läuft bei mir  persönlich seitdem nun nur noch virtualisiert, für einige spezielle Dienste und um Arbeitsprozesse zu separieren. Davon werde ich aber auf absehbare Zeit auch keinen Abstand nehmen, weil Linux für einige Aufgaben die für mich am besten geeignete Basis bietet. Eine Basis, die aber ruhig nur in einer VM laufen kann.

Anfänglich hatte ich mit der zunehmenden Rückkehr zu proprietären Systemen meine Probleme. Weniger praktischer Natur, als vielmehr hinsichtlich des Datenschutzes und der Sicherheit. Zu sehr hatte ich selbst die Propaganda selbsternannter Datenschützer und Experten verinnerlich, deren Antwort auf jedes Problem immer "Open Source" lautete. Mit etwas Abstand und viel Recherche stellt man dann aber ziemlich schnell fest, dass das blinde Vertrauen in Open Source eben vor eines ist: Ideologie. Datenschutz und Sicherheit folgen daraus weder automatisch noch mittelbar. Diesen inhaltlichen Schwenk kann man natürlich hier im Blog nachvollziehen. Weil ich meinem System heute weniger vertraue, habe ich sogar mehr im Blick was da so an Datenverkehr läuft (siehe: Little Snitch 4 - macOS-Traffic im Blick).

Ich habe noch nie ein so wartungsarmes Systemumfeld gehabt. Meine beiden Macs aktualisiere ich im Herbst mit zwei Klicks und einem Neustart auf die neueste Version, das gleiche mit der Synology. Wenn mich in meinem Umfeld Leute um Rat fragen, die weg von Windows 10 wollen empfehle ich ihnen mittelfristig einen Mac. Kommt das nicht infrage natürlich immer noch Linux. Im direkten Umfeld betreue ich dadurch auch immer noch ein paar reale Linux-Installationen und bekomme dadurch natürlich die Änderungen und Entwicklungen weiter mit.

Wenn du bis hierhin durchgehalten habt, Glückwunsch. Aus meinen Blogartikeln spricht oft eine große Härte gegenüber Open Source im Allgemeinen und Linux im Speziellen. Das mache ich nicht um Leute zu ärgern, ich mache es auch nicht für die Klickzahlen. Die Mainstream-tauglicheren Artikel hier wie z. B. die Synology-Serie haben deutlich mehr Aufrufe. Ich wandel mit meinen Systemen zwischen den Welten und arbeite halt immer noch mit Linux. In den Weiten dessen was man früher Blogosphäre nannte und heute wohl Twitter darstellt, ist man da eine Ausnahme. Die meisten öffentlichen schreibenden Personen haben sich vollständig einem System verschrieben.

Wenn man regelmäßig und praktisch über den Tellerrand schaut, merkt man wie sehr die Diskurse im Open Source-Bereich sich in einer sehr engen Filterblase bewegen. Viele Linux-Anwender benutzen kaum etwas anderes und wenn doch, dann mit der Überheblichkeit eines Missionars unter Heiden - unfähig die Vorteile und Potenziale zu sehen. Besonders putzig sind immer jene Kommentatoren, die sich über zu wenig Fakten und zu viel Meinung beklagen, weil sie Fakten nur als solche akzeptieren, wenn sie zu ihrer eigenen Meinung passen. Entwicklungen außerhalb des eigenen Universums werden kaum rezipiert, dauerhaft bestehende Probleme mit Workarounds begegnet (du brauchst eine separate Home-Partition, dann hast du keine Upgrade-Probleme etc. pp.), die kaum noch hinterfragt werden etc. pp.

In diese Filterblase breche ich gerne anlassbezogen mal ein.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von Daniel Hansen via Unsplash

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Tags: Entwicklung, Linux, Apple, macOS

Ergänzungen zum Artikel

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Langer Artikel, aber nachvollziehbar. Zwar bin ich schon lange einfach nur so Mac Nutzer, habe aber vor kurzem eine sehr gute Erfahrung mit Ubuntu LTS gemacht. Siehe hier: https://blogbucheintrag.de/2020/01/15/dann-lieber-ubuntu-ein-mac-nutzer-auf-der-suche-nach-dem-besten-zweitsystem/
Ich finde als günstiges Zweitsystem, für derlei Zwecke wie ich sie verfolge, ist Linux echt brauchbar und einfacher als Windows.

Thomas S.
Das ist ja alles im Prinzip nachvollziehbar und mag für DICH richtig sein. Aber warum kommt beim Lesen Deines Blogs so leicht das Gefühl auf, dass Du Deine Einschätzung so häufig als (absolute?) Wahrheit darstellen möchtest? Es könnte an Deiner Wortwahl zu Opensource und Linux liegen: "zu den bitteren Wahrheiten", "sich in einer sehr engen Filterblase bewegen", "eben vor eines ist: Ideologie" ...
Konkrete Dinge zu Kritisieren ist produktiv, Verallgemeinerungen sind dies selten.
Übrigens, wie Du selber in einem Artikel geschrieben hast, läuft die Synology auch unter Linux ;-). Geht also!

Gerrit
Zuletzt bearbeitet am 20.01.2020 20:53 von Gerrit
Zitat :
Aber warum kommt beim Lesen Deines Blogs so leicht das Gefühl auf, dass Du Deine Einschätzung so häufig als (absolute?) Wahrheit darstellen möchtest?

Es ist ein Blog, kein Wiki o.ä. und es ist sehr transparent wer hier als Autor hinter steht. Ich bin nicht der Meinung dies durch exzessiven Gebrauchs von Formulierungen wie "Ich meine; Ich denke" etc. betonen zu müssen. Letztlich liegt es auch bei dir mit welcher Erwartungshaltung du den Text liest. Insbesondere bei diesem Text hier sollte doch sehr deutlich sein, dass es sich um einen persönlichen Werdegang handelt.

Zitat :
Übrigens, wie Du selber in einem Artikel geschrieben hast, läuft die Synology auch unter Linux

Ähnlich wie bei Android definiere ich das nicht als "Linux". Kann man natürlich so sehen, weil letztlich nur der Kernel "Linux" ist. Dann driften wir aber in die Beliebigkeit ab, da Linux dann letztlich alles und nichts sein kann.

Anonymous
Gerrit sagte :

Ähnlich wie bei Android definiere ich das nicht als "Linux". Kann man natürlich so sehen, weil letztlich nur der Kernel "Linux" ist. Dann driften wir aber in die Beliebigkeit ab, da Linux dann letztlich alles und nichts sein kann.


Na ja, was ist da nicht Linux? Eine "Linux"-Verzeichnisstruktur, iPKG als Paketmanagement, Binärkompatibilität mit Linuxprogrammen und was weiß ich noch alles. Aber klar ist Definitionssache.
Ja, es ist Dein Blog und Deine Meinung aber ich finde es halt besser so zu schreiben, dass man Argumente abwägt und die Leser zum Nachdenken bringt. Aber man kann auch die einen provozieren und den anderen nach dem Mund reden. Ist ja heutzutage wohl mehr und mehr üblich zu spalten. Aber wie gesagt, es ist natürlich Dein Blog.
Ich finde es übrigens gut, dass Du auch kritische Kommentare immer veröffentlichst.

Gerrit
Zitat :
Ja, es ist Dein Blog und Deine Meinung aber ich finde es halt besser so zu schreiben, dass man Argumente abwägt und die Leser zum Nachdenken bringt.

Und genau das finde ich tendenziell in einem Blog nicht passend.

In einem Wiki sollte abgewogen werden, dort beteiligen sich meist auch mehrere Autoren an einem Artikel.

Bei einem Meinungsthema wie dem obigen kann ich als Autor schlecht beide Positionen vertreten. Da kann ich eigentlich nur Ausgewogenheit simulieren und damit führt man den Leser doch letztlich noch mehr in die Irre.

Anders sieht das bei Sachthemen wie z. B. Verschlüsselungsmethoden aus. Genau bei solchen Themen stelle ich aber meist auch viele verschiedene Methoden vor und zeige die Vor- und Nachteile.

Dazu muss man natürlich mehr lesen als die die zwei, drei reißerischen Artikel mit entsprechend vielen Kommentaren. wink

Heiliger Petrus
Naja, auch ich finde schon, du provozierst mit deinen Artikeln schon gerne. Wenn man sich "Datenschutz im digitalen Alltag" auf den Fahnen geschrieben hat, dann wäre ein Mac OS keine allzu gute Wahl. Linux mag seine Schwächen haben, aber auch seine Vorteile. Die übersiehst du offenbar gerne in vielen deiner Artikeln, so jedenfalls mein Eindruck. Stattdessen kommt viel Kritik (teilweise auch ungerechtfertigtes Genörgle) und dann wird ein Mac über den Klee gelobt. In meinen Augen etwas widersprüchlich, vor allem Apple und Datenschutz, ausgerechnet. Aber, jedem seine Meinung. ;-)
Gerrit
Zitat :
Naja, auch ich finde schon, du provozierst mit deinen Artikeln schon gerne.

Möglicherweise ja. Allerdings mache ich das auch transparent. Meinungsbeiträge sind nahezu immer mit "Kommentar:" überschrieben und behandeln rubrikgemäß meine Meinung.

Zitat :
Wenn man sich "Datenschutz im digitalen Alltag" auf den Fahnen geschrieben hat, dann wäre ein Mac OS keine allzu gute Wahl.

Genau so etwas ist einer dieser Gemeinplätze, die ich gerne hinterfrage. Habe ich auch schon getan und muss ich hier im Ergänzungsbereich daher nicht nochmal nachvollziehen.

Zitat :
Linux mag seine Schwächen haben, aber auch seine Vorteile.

Ich nutze es immer noch und empfehle es auch anderen - wenn auch nicht als erste Wahl. Natürlich hat es also Vorteile. Ich bin aber nicht verpflichtet diese permanent hier zu behandeln und bin mir durch meinen RSS Feed sicher, dass dies in anderen Blogs zur Genüge geschieht.

Gerald
Hallo,

du misst schon ein bisschen mit zweierlei Maß. Auch bei MacOS schreibst du ja, dass du am Anfang Probleme hattest, also du versucht hast, alle möglichen gewohnten Programme zu installieren und zu verwenden. Als du ein "sauberes" System hattest, funktionierte alles.

Linux hingegen wirfst du vor, mit "Spezialanwendungen" Probleme beim Upgrade zu machen. Verwende einfach, was mit der Distribution mitkommt und verwende empfohlene Anwendungen aus dem eigenen Repository. Mit "Herumbasteln" bekomme ich jedes System kaputt, egal, ob das Symbol ein Apfel, ein Pinguin oder ein Fenster ist.

Wenn du nach Servereinsatz fragst, frag bitte nicht kleine Unternehmen mit ein paar (100) Servern, sondern ein internationales Unternehmen, wie das, in dem ich arbeite, mit weltweit 1000en Bare-Metal-Maschinen bzw. 10.000en virutellen Maschinen. Wir verarbeiten Milliarden personenbezogener Datensätze und können uns nicht leisten, auch nur einen einzigen zu verlieren, sei es durch unbefugten Zugriff oder Softwarefehler. Es ist daher Sicherheitsrichtlinie, alle Systeme regelmäßig upzudaten! Und in den zweieinhalb Jahren, die ich mitarbeite, gab es auch keine nennenswerten Probleme in meinem Bereich. Dazu kommt noch, dass auch Applikationen Bugfixes erhalten oder aus dem Support laufen. Und neue Versionen setzen oft höhrere Red-Hat-Releases voraus. Selbstverständlich wird vorher getestet.

Den Hinweis auf das separte /home-Volume kann ich auch nicht nachvollziehen. Im professionellen Bereich hast du seperate Volumes für alles und jedes, wegen Zugriffsbeschränkungen, Snapshots und nicht zuletzt, damit nicht Systempartitions / -volumes volllaufen.

Linux wird leider zu oft als "Bastelsystem" missverstanden, und dann wird angemäkelt, dass "nichts mehr funktioniert". Verwende Linux professionell, dann hast du keine Probleme. Jedenfalls deutlich weniger als mit der angeblich so weit verbreiteten Konkurrenz. Nicht umsonst ist Linux in Wahrheit das meist verwendete Betriebssystem weltweit. Das wäre wohl kaum so, wenn es "nicht funktonieren" würde und "ständig Problem beim Upgrade" hätte.

Liebe Grüße,
Gerald

Gerrit
Zuletzt bearbeitet am 21.01.2020 07:25 von Gerrit
Zitat :
Verwende einfach, was mit der Distribution mitkommt und verwende empfohlene Anwendungen aus dem eigenen Repository.

Das schützt erfahrungsgemäß nicht vor Problemen. Bei manchen Distributionen existiert nicht mal ein vorgesehener Upgradepfad siehe Kubuntu 14.04 auf 16.04.

Zitat :
Wenn du nach Servereinsatz fragst, frag bitte nicht kleine Unternehmen mit ein paar (100) Servern, sondern ein internationales Unternehmen, wie das, in dem ich arbeite,(...)

Ich habe doch nirgendwo bestritten, dass Linux das am besten geeignete und am weitesten verbreitete Server-Betriebssystem ist?! Ich bin mir aber auch - ohne es natürlich zu wissen - relativ sicher, dass ihr eure hunderten physischen Server und tausenden VMs nicht mit den von den Distributoren für Privatanwender vorgesehenen (du schreibst ja nicht welche Distribution) Befehlen aktualisiert.

Zitat :
Verwende Linux professionell, dann hast du keine Probleme.

Das ist der typische Gemeinplatz. Was ist professionell?

Albert
Zitat :
Das schützt erfahrungsgemäß nicht vor Problemen. Bei manchen Distributionen existiert nicht mal ein vorgesehener Upgradepfad siehe Kubuntu 14.04 auf 16.04.

Diese Erfahrung ist 5 Jahre alt und damit kaum ein Maßstab für Linux in 2020.

Meine Erfahrung bzgl. linux und professionell habe ich mit dem Wechsel von Ubuntu zu Fedora/centOS gemacht. Keine bastel Loesungen die in der nächsten bastel Lösung mündet, sondern ernste issue tracker und aktuelle Entwickler Werkzeuge. Nicht zu vergessen dnf history, das grob gesagt wie git log werkelt. Außerdem sind die updates auf meinem Desktoprechner von Fedora 28...31 ohne Schmerzen abgelaufen (intel cpu, nvidia).

Gerrit
Zitat :
Diese Erfahrung ist 5 Jahre alt und damit kaum ein Maßstab für Linux in 2020.

Doch weil die Ursache sich nicht geändert hat. Ist eine Herausforderung zu groß für das ehrenamtliche Entwicklerteam lässt man den Anwender im Regen stehen.

Michael
Hallo, erst einmal vielen Dank für die Erläuterungen. Ich habe mich dies auch schon mehrfach gefragt. Und der folgende Punkt wundert mich überhaupt nicht, da der Blog im Planet Ubuntuusers ist...

Zitat :
Das sind so Fragen, die mich mehr oder minder freundlich formuliert erreichen.


Zu einem anderen Punkt habe ich ein paar Anmerkungen:

[2016]Zitat :
Ein lokaler Apple Händler bot ein MacBook Air damals für knapp 800€ an und so griff ich zu meinem ersten Mac


Ich habe selbst 2004 mit einem iBook, meine Frau 2005 mit einem PowerBook einen - nun temporären - Wechsel begonnen. Langsam wurde einiges mit Apple-Produkten ausgestattet - ein MacMini, ein MacMini-Server, mehrere iPads - gesellten sich in der Familie dazu. Die PowerPC-Reihe wurde gegen MacBooks und MacBooks Pro ausgetauscht. Das ganze ging bei mir (meine Frau nutzt weiterhin ein aktuelles MacBook Pro) eine ganze Weile gut, bis ich feststellen musste, das bei Apple nicht die Hardware sondern die Software-Unterstützung einen Neukauf erforderlich macht. Das zweite iPad hat einen Jahr (es war ein Sonderangebot) durchgehalten, dann wurde es indirekt durch Apple abgekündigt. Keine Updates, das letzte Update hat es unangenehm verlangsamt, instabile Zugriffe bspw. auf den Store. Bei den Macs sah es nach dem ersten Anschein besser aus, aber auch dort - mit Ausnahme des gebraucht gekauften iBooks - blieb die Hardware einwandfrei, nur an der Software-Unterstützung hapert es. (Anmerkung: selbst das PowerBook von 2005 läuft derzeit noch - unter Debian - als Spielgerät für den jüngsten).

Für mich ist es nicht akzeptabel und derzeit eine ungute Entwicklung, wenn aus teuren Ressourcen etwas hergestellt wird und dann wegen mangelhafter Unterstützung das ganze zu Schrott deklariert wird. Der letztliche Grund mich von Apple zu verabschieden war dann auch, dass man am Anfang den Endausbau kaufen muss. Hardwareaufrüstungen oder gar Reparaturen sind nicht mehr möglich.

Der Umstieg von macOS (das Betriebssystem ist für mich von der Bedienung her immer noch das beste) und den Apple-Produkten zurück zu Linux war hart. Viele Dateien konnten nicht mehr gelesen werden, viele Metainformationen bei den Bildern gingen verloren. UTF-8 bei Apple ist auch nicht UTF-8 in der restlichen Welt (was bei den Dateinamen doof war). Obwohl ich Dateien aus den 90ern noch lesen konnte, waren viele von 2004 bis ungefähr 2012 verloren. Die Zusatzhardware (Touchpad, Airport Express etc.) sowieso.

Zitat :
Meine beiden Macs aktualisiere ich im Herbst mit zwei Klicks und einem Neustart auf die neueste Version


Ja, da hast Du bisher grundsätzlich Glück gehabt (ungefähr einen ähnlichen Erfolg habe ich in der von Dir genannten Zeitspanne auch bei Debian und Ubuntu). Ich habe in der Zeit von 2004 bis heute - der letzte von Apple unterstützte Mac ist das MacBook Pro, der MacMini hat sich softwaretechnisch vor zwei Jahren verabschiedet - ebenfalls einiges bei MacOS/macOS erlebt. Updates von 6 Stunden und mehr, nicht mehr funktionierende Soft- und Hardware, weil die Dritthersteller die Unterstützung nicht rechtzeitig hinbekommen hatten, Zugriffsfehler auf die Server (Apple hat heimlich das Format geändert), Reduzierung des Funktionsumfangs von Software (iPhoto, iMovie, langsame Einstellung von Aperture), schädliche Dateiformatänderungen bei Pages (habe ich schon geschrieben, das nicht alle Macs bei uns die Updates bekamen? Leider funktioniert dann der Datenaustausch nicht mehr sauber untereinander...) und einiges mehr. Am Ende habe ich zugesehen, dass die Macs erst einen Versionssprung mitmachen, wenn die Nachfolgeversion herauskommt. Bei einem im Bekanntenkreis (auch ich habe Macs weiterempfohlen) war ich dummerweise zu spät dran. Die auf diesem MacMini noch installierbare Nachfolgeversion war aus dem Store draußen. Eine (legale) alternative Update-Möglichkeit konnte ich nicht mehr bekommen...

Die Punkte könnten von mir weiter ergänzt werden, aber die Buchstabenanzahl reicht nicht. Gleiches gilt auch für Windows, was hier kein Thema ist. Letztlich ist es IT. Und meine Erfahrung (meine Filterblase ;-) seit den 80ern bis heute ist, dass sich quasi nichts geändert hat. Die Oberflächen wurden nur hübscher.

Zitat :
Weil ich meinem System heute weniger vertraue, habe ich sogar mehr im Blick was da so an Datenverkehr läuft


:-) Apple lässt keine vom Benutzer installierte Software mehr tief in das System hinein. Ein Problem viele früherer Hersteller von Tools. Das, was littleSnitch Dir bietet, ist ein Blick, der Dir erlaubt wird. Ähnlich wie Microsoft hat Apple schon früher begonnen, das System dem Besitzer gegenüber zu vernageln, was mit einer erhöhten Sicherheit begründet wird. Dummerweise ist es immer weniger möglich, selbst einzugreifen, was auch für die Drittsoftwarehersteller gilt.

Zitat :
In diese Filterblase breche ich gerne anlassbezogen mal ein.


Jedem seine eigene... :-)



Gerrit
Zitat :
bis ich feststellen musste, das bei Apple nicht die Hardware sondern die Software-Unterstützung einen Neukauf erforderlich macht.

Das ist einerseits natürlich ein valider Punkt, weil es diese harten EoL-Grenzen für Hardware bei Linux nur sehr selten gibt. Andererseits ist es auch verschmerzbar. Ich bring da immer gerne ein Beispiel aus meinem Haushalt. Das MacBook Air ist von 2012 und hat jetzt nochmal die neueste Version "Catalina" bekommen. Sofern es im Herbst 2020 keine neue OS-Version mehr bekommt (wovon ich ausgehe), bekommt es noch bis 2022 Support. Dann hat es 10 Jahre seinen Dienst getan. Die meisten Windows- und Linux-Kisten dürften keine höhere Lebenserwartung haben.

Bei mobiler Hardware ist es bei Android sogar schlimmer als bei Apple.

Zitat :
Apple lässt keine vom Benutzer installierte Software mehr tief in das System hinein.

Die Restriktionen lassen sich alle deaktivieren.

Zitat :
Das, was littleSnitch Dir bietet, ist ein Blick, der Dir erlaubt wird.

Natürlich kann Schadsoftware Little Snitch umgehen, das gilt aber auch für jedes vergleichbare Tool unter Linux (die es ja nicht mal wirklich gibt) und hat nichts mit macOS zu tun. Eigentlich müsste man immer direkt am Router mitschneiden. Manche schalten deshalb ja auch ein PiHole vor (was übrigens auch unabhängig vom Desktop-OS ist).

Michael
Zitat :
Das MacBook Air ist von 2012 und hat jetzt nochmal die neueste Version "Catalina" bekommen.


Ja, das MacBook Air wurde - vermutet wurde wegen des Fehlens eines Nachfolgemodells - lange von Apple unterstützt. Vermutet wurde auch, dass das Auslaufen über die Notwendigkeit eines Retina-Displays kommen würde. Dies hätte aber die MacMinis ebenfalls obsolet werden lassen, bei dem sich Apple genausoviel Zeit ließ, die Produktreihe weiter zu pflegen.

Bei meinem weißen MacBook waren es 6-7 Jahre (2006-2012), bis ich keine Updates mehr bekam. Beim PowerBook von 2005 bis 2009... beim zweiten der ersten herausgekommenen iPads: 1 Jahr.

Zitat :
Die Restriktionen lassen sich alle deaktivieren.


Das erinnert mich an das neue "Hobby" von Windows 10 Anwendern. Nach dem monatlichen Patch alle Datenschutzeinstellung zu überprüfen ;-)

Es ist - und das merken die Tool-Entwickler von macOS - Apples Wille, dass nicht mehr tief in das System eingegriffen werden kann. Damit sind es temporäre Möglichkeiten.

Die Entwickler von GPG-Tools, die eine Einbindung von GnuPG in Mail herausgeben, können ein Liedchen davon singen. Apple hat keine AddOns für Mail vorgesehen. Insofern war jede neue macOS-Version ein Pokerspiel - und sogar ein Patch konnte von heute auf morgen den Zugriff auf verschlüsselte Mails verhindern.

Bei allen Systemen - ob von Apple, Microsoft oder eben Linux - muss man sich auf das einlassen, dass vom Hersteller vorgesehen ist. Bei Apple ist es eben ein (wirklich) hübsches und gut bedienbares System, bei dem man möglichst wenig unter der Haube eingreifen soll. Dabei muss ich daran denken, wie Apple unbedingt die Reparaturmöglichkeit durch Dritte verhindern will.

Aber bevor ich falsch verstanden werde: auch ich finde macOS gut und die Hardware von Apple ist für mich die beste (von der Haptik und Qualität), die ich auf dem Markt kenne. Jedes System hat aber seine Nachteile. Für mich waren am Ende die von Apple ausschlaggebend, dass ich trotzdem keine mehr beschaffen werde und dem ganzen skeptisch bin. Aber. jedem das seine.

Gerrit
Zitat :
Bei meinem weißen MacBook waren es 6-7 Jahre (2006-2012), bis ich keine Updates mehr bekam. Beim PowerBook von 2005 bis 2009... beim zweiten der ersten herausgekommenen iPads: 1 Jahr.

Das sind aber alles Extrembeispiele, weil sie genau während Architekturbrüchen erfolgten (32bit bzw. PowerPC). Wie gesagt, ich will das grundlegende Problem, dass Apple über das EoL der Hardware direkt bestimmt wirklich nicht klein reden aber im Regelfall hat man ca. 10 Jahre Support und das dürfte den allermeisten reichen. Ähnlich wie bei der "Ich will meinen Akku selbst tauschen können" Fraktion ist das primär ein theoretisches Argument.

Zitat :
Es ist - und das merken die Tool-Entwickler von macOS - Apples Wille, dass nicht mehr tief in das System eingegriffen werden kann. Damit sind es temporäre Möglichkeiten.

Man kann es aber noch immer und Apple bietet einen offiziellen Weg die SIP zu deaktivieren. So lange das so ist habe ich kein Problem. Mal abgesehen davon, dass SIP ja auch seinen Sinn hat und nicht zur Schikane erfunden wurde.

Ein bisschen Off Topic: Es sind vor allem die unfähigen Entwickler, die immer Apple Restriktionen den schwarzen Peter zuschieben. Genau wie jetzt, wenn einige Entwickler medienwirksam über 64bit jammern, weil sie ihre uralten, schlecht gepflegten und unwartbaren Programmcode nicht mehr aktualisiert bekommen.

Linux ist was das betrifft genau so gnadenlos. Wenn dein Programm von veralteten Bibliotheken abhängt fliegst du bei Debian auch gnadenlos raus.

Michael
Das sind aber alles Extrembeispiele [...] im Regelfall hat man ca. 10 Jahre Support und das dürfte den allermeisten reichen.

10 Jahre Support sind eher der Maximalfall. Bei den von mir supporteten 9 Mac-Geräten war es einmal bei einem MacMini der Fall (die man gut dann unter Linux weiter betreiben kann. Der MacMini-Server läuft schon seit knapp 12 Jahren durch, mindestens die Hälfte unter Linux).

Zitat :
Ähnlich wie bei der "Ich will meinen Akku selbst tauschen können" Fraktion


Naja, es ist schon echt ärgerlich, wenn man beim Händler erst den Preis genannt bekommt, er dann nachschaut und sagt, dass der Rechner gerade außer Support geraten ist. Über das Internet konnte ich dann einen Akku auftreiben und bei dem MacBook Pro von ca. 2011 selber wechseln. Danach lief das Gerät noch knapp 1-2 Jahre recht sauber, dann war das Touchpad defekt (nichts Apples Schuld!). In den heutigen Geräten dürfte der Wechsel sehr schwer werden.

Bei fast allen Notebooks habe ich in deren Lebenszeit mindestens einmal den Akku wechseln müssen. Es ist gut, wenn das nicht einem die Laune mit dem Gerät vermiest.

Es ist aber korrekt, dass 10 Jahre eine gute Zeit für ein Gerät ist. Es sollte dann die eigene Entscheidung sein, es gegen ein neues zu tauschen. (Der Umzug von einem Apple-Gerät zum nächsten, war der einfachste, den ich kannte. Nur getoppt von dem aus und wieder Einbau einer Linux-Festplatte von einem defekten Thinkpad in ein neues. Das war noch schneller und reibungsloser (Zufall, ich weiß ;-))

Zitat :
die unfähigen Entwickler


So pauschal würde ich es nicht schreiben. Es gibt eben Tools, deren Konzept sich per se nicht mit SIP vertragen.

Es ist eben das gleiche, wie bei iOS und Android-Systemen.

Paul
Anders als viele Kommentatoren empfinde ich die Artikel hier nicht als reißerisch oder einseitig. Im Gegenteil merkt man, dass da jemand schreibt, der die genannten Systeme auch tatsächlich gut kennt und recht vorurteilslos gegeneinander abwägt.

Das ist so selten wie nützlich! Ich benutze selbst relativ agnostisch Linux/MacOS/Windows nebeneinander, und glaube, die Stärken und Schwächen der Systeme ganz gut abschätzen zu können. Ich finde diese Position aber selten irgendwo wieder, konkret: Dass sich jemand mit Linux gut auskennt und trotzdem bereit ist, sich unvoreingenommen mit MacOS zu befassen, sogar Vorteile von MacOS zu benennen, kommt kaum vor. Viel häufiger sind die ideologischen Traktate von Leuten, die das jeweils abzuwertende System nicht gut kennen.

Insofern bin ich froh, dass es diese Perspektive in der Linuxwelt auch gibt, sie ist bereichernd.

Linuxkumpel
Bis zu Ende gelesen und kann vieles nachvollziehen. Habe zwei baugleiche Matebook D mit AMD Ryzen 5, eines wie ausgeliefert mit Windows 10 und auf dem anderen Pop!_OS 19.10 installiert. Während HUAWEI Windows 10 hervorragend pflegt, habe ich mit GNU/Linux zuweilen Problemchen, die nacharbeiten erfordern. Beispiel hier https://www.phoronix.com/scan.php?page=news_item&px=Ubuntu-19.10-Radeon-RX-5700 So etwas schreckt einige ab. System76 hat jetzt eine grafische automatische Upgradefunktion in Pop!_OS integriert. Bei mir funktioniert es problemlos. Foren sagen etwas anderes. sick Manjaro (testing) hat mir auf einem Thinkpad 420s bisher keine Probleme gemacht. Ich weiß allerdings auch, GNU/Linux kann nicht alles, was sich der eine oder andere wünscht (Hast ebenfalls darauf hingewiesen). Erwähnte eingangs Windows 10, wer alles automatisiert, richtet es einmal ein, der Rest läuft von allein. Installiert man Open Source sieht es anders aus, dann muss man sich selbst kümmern, Firefoxupdates machen sich da nicht allein. Kurz und gut, es muss jeder für sich selbst entscheiden. "Ich will weg von Windoof, habe von Linux keine Ahnung", freut mich immer am meisten. Frage ist, wer ist doof?
Malte
Interessant zu lesen und für mich gleich doppelt, da ich den selben Weg, aber
genau in die entgegengesetzte Richtung gegangen bin. Ich habe 2009 mit einem
Mac angefangen und war ein fröhlicher und glücklicher Nutzer. iTunes war king of
the hill und mein AppleTV, der einstöpsel und fertig eingerichtet war, hat mich
vom Hocker gehauen. Aus purem Interesse habe ich angefangen mich mit dem
terminal unter OSX auseinander zu setzten. Wirklich zur Verwendung ist es aber
nicht gekommen. Ich kaufte mir 2013 oder so eine Synology Nas mit zwei
Festplatten und benutze ihn als Backup-Medium und Datengrab.

Im Studium lernte ich zu programmieren und als Physiker stieg ich immer weiter
hinein in die Gefilde der Datenanalyse, des Programmierens usw. Ich schrieb
meine Bachelorarbeit in der Teilchenphysik auf meinem Mac. Ich war kein
aussätziger mit dem Mac. Mein Professor benutze auch einen, aber das Fußvolk
(Doktoranden, Angestellte) benutzen Linux. Der Grund: ROOT. Ein in der
Teilchenphysik weit verbreitetes Analysetool. Es ist nicht perse Linux, aber der
Support unter Linux ist größer, besser (verkehrte Welt). Die Saat war gesät und
ein zartes Pflänzchen der Begierde wuchs in mir. Was ist dieses Linux, was kann
es? Meine Kollegen waren Terminal-Ninjas und konnten Dinge, für die ich Stunden
brauchte, in Sekunden. Kalender, Emails, Vorträge, Analysen... alles wurde
bearbeitet ohne die Maus auch nur anzugucken. Es ging alles so schnell und sah
so elegant aus.

Irgendwann kam das Supportende für meinen Mac. Apple war der Meinung meine
Hardware sei EOL. Mein MacBook war aber noch super es ging doch alles. Apple
zwang mich also meinen 10 Jahre alten MacBook zu verschrotten. Nicht weil er
kaputt war oder mir Features fehlten, sondern weil der Kalender es sagte. Die
neuen MacBooks hatten inzwischen verlötete mit TPM verschlüsselte Festplatten.
Die Batterie war eingeklebt, der RAM auch aufgelötet und die Tastatur ging
angeblich kaputt wenn man nicht oft genug Staub in der Wohnung wischte. Alles
Dinge die bei meinem alten MacBook kein Problem waren. Ich kann diese
Entscheidungen nicht nachvollziehen und kaufte mir deshalb ein ThinkPad.
Außerdem wollte ich nie wieder, dass der Hersteller der Hardware auf den
Kalender Zeigt und einen Stich zieht.

Parallel machten sich die Limitierungen mit der Synology bemerkbar. Der
Sargnagel meiner Synology war tatsächlich ihr Linux Kernel. Den baut Synology
ohne Support für Netzwerbridges. Ich wollte aber die Netzwerke meiner Familie
zusammen bridgen. Nicht naten und routen, bridgen. Außerdem war es super
umständlich Programme, die nicht im Synology Store waren, zu installieren. Bei
jedem größeren Update der Synology war alles weg und der Spaß begann von neuem.
Synology wollte nicht, dass ich die Box so benutze wie ich. Ich verkaufte also
die Synology und baute meinen eigenen x86 Server aus übrig gebliebenen
PC-Teilen. Plötzlich gab es unendliche Freiheit. Ich konnte alles machen. Meinen
eigenen Kernel. VMs VLANS, Verschlüsselung der Festplatten mit dm-crypt. Ich
hatte kein 1 klick GUI mehr, aber die Fesseln waren weg.

TLDR: Die Geschichte geht noch weiter, aber ich denke der Weg ist klar.
Zusammenfassend merke ich, dass mich proprietären Systeme einschränken. Ich ecke
ständig an, weil ich etwas auf eine bestimmte Art machen will, der Hersteller
das aber so nicht vorsieht und mir Knüppel zwischen die Beine wirft. Offene
Systeme machen auch nicht immer alles möglich, aber ich habe nicht mehr das
Gefühl das Problem, sondern Teil der Lösung zu sein.

Gerrit
Zitat :
Plötzlich gab es unendliche Freiheit. Ich konnte alles machen. Meinen
eigenen Kernel. VMs VLANS, Verschlüsselung der Festplatten mit dm-crypt. Ich
hatte kein 1 klick GUI mehr, aber die Fesseln waren weg.

Aber diese Freiheit will auch gepflegt werden. Homeserver, vermutlich mehrere Geräte, sowie deine relativ aufwändige Konfiguration. Die Lebens- und Arbeitszeit pro Jahr ist da nicht zu verachten.

Michael
Sorry, wenn ich mich hier einmische...

Zitat :
Aber diese Freiheit will auch gepflegt werden.


Yupp.. Es ist wie Fertiggerichte und selber kochen. Letzteres ist aufwändiger, schmeckt aber häufig besser.

Der Grund, dass mein MacMini-Server unter Linux betrieben werden musste, war, dass Apple plötzlich die Mails nur noch über die eigene Cloud abholen lassen wollte. Fetchmail hätte "irgendwie" zwar zum Laufen gebracht werden können, aber nur in einer Uraltversion. Wie auch die anderen BSD-Unix-Tools eher ein stolzes Versionsalter hatten. Gleiches gilt auch für das NAS-System, welches auf Debian basiert, aber wohl gefühlt aus dem letzten Jahrtausend stammt mit einigen selbst programmierten Skripten drum herum.

Zitat :
Die Lebens- und Arbeitszeit pro Jahr ist da nicht zu verachten.


Das ist wahr. Es ist ein wenig die Wahl zwischen Pest und Cholera. Auf der Haben-Seite ist im privaten Umfeld, dass man wenigstens Erfahrungen sammelt und sich nicht über die Dummheit eines Herstellers ärgern muss (sondern nur über die eigene...), weil er ein System so schlecht konfiguriert hat.

Malte
Ja klar, das stimmt natürlich. Aber Freiheit muss immer wieder aufs neue verteidigt und gelebt werde. Sonst verschwindet sie langsam. Ich will damit auf den goldenen Käfig hinweisen, in den proprietäre Systeme einen zwängen. Man bezahlt hier mit sehr viel mehr als nur seinem Geld. Man wird abhängig und oft merkt man es gar nicht, bis es zu spät ist.
Gerrit
Dazu habe ich tatsächlich schon mal gebloggt: https://curius.de/blog/13-betriebssysteme/desktop/open-source/321-macos-vs-linux-goldener-kaefig-gegen-freiheit

Systeme zwingen einen heute viel weniger in eine Abhängigkeit als früher und eigentlich ist Linux da auch kaum anders.

Michael
Zitat :
Dazu habe ich tatsächlich schon mal gebloggt:
dort schreibst du:

Zitat :
Bei den Schnittstellen zum Informations- und Datenaustausch gibt es es kaum Unterschiede, weshalb es vollkommen problemlos möglich ist von einem System zum anderen zu wechseln oder beide gleichzeitig zu nutzen.


Wie ich geschrieben habe, habe ich den Wechsel von macOS zu Linux vollzogen und damit die Erfahrung gemacht, dass man am besten innerhalb eines Systems bleibt. Natürlich kann man es sich vereinfachen und alle (wirklich alle) Zusatzprogramme bei macOS durch Programme ersetzt, die es eben auf allen Betriebssystemen gibt. Dann kann man sich aber den teuren Spaß sparen, da diese Programme ein Fremdkörper sind. macOS macht Spaß, wenn man bspw. mit Photos seine Fotos verwaltet und den Datenaustausch zwischen den gut abgestimmten Apple-Programmen nutzt.

Auch bei den Schnittstellen und deren Umsetzung durch Apple liegt der Teufel im Detail. Interessant fand ich auch, wie Apple mit Umlauten bei SMB-Shares umging und wie dauernd die Metadaten in gesonderten Dateien untergebracht wurden.

Bleibe innerhalb eines Systems und du wirst glücklich. Glaube nicht, dass ein Wechsel einfach wird. OpenSource-Software hat den Vorteil, dass viele Programme auch auf den anderen Betriebssystemen vorhanden sind. Dort sind sie häufig eher ungünstig zu bedienende Fremdkörper, und es gibt nicht selten bessere proprietäre Alternativen.

Klar kann man die BSD-Unix Shell und Befehle nutzen. Die von Apple mitgelieferten sind - nach meinem letzten Stand - total veraltet, weswegen man die anderen beiden Repositories nutzen sollte - ähnlich wie die cygnus oder WSL2 unter Windows (verwende die Powershell und bleibe im System, die ist wirklich gut!). Dann ist man aber wieder beim obigen.

Paul
Zitat :
Dann kann man sich aber den teuren Spaß sparen, da diese Programme ein Fremdkörper sind. macOS macht Spaß, wenn man bspw. mit Photos seine Fotos verwaltet und den Datenaustausch zwischen den gut abgestimmten Apple-Programmen nutzt.


Sorry, aber das ist ein Zirkelschluss. Wenn man seine Argumentation davon abhängig macht, dass eigentliche MacOS-Nutzer nur die sind, die nur Standardsoftware und Schnittstellen zu anderen Apple-Produkten zu nutzen, dann braucht man sich auch nicht wundern, dass man am Ende zum Schluss kommt, ein Wechsel werde schwierig.

MacOS bietet aber eben mehr: Die Standardsoftware, die Software, die auch auf anderen Plattformen läuft, und die proprietäre Software, die man bei Linux nicht hat.

Paul
Das halte ich heutzutage in Bezug auf OS für eine reine Phrase. In meinem Haushalt laufen nebeneinander auf den verschiedensten Geräten: Ubuntu, Debian, MacOS, Android, iOS, Windows. Das Zusammenspiel funktioniert trotz Heterogenität und von Abhängigkeit in Bezug auf ein System kann keine Rede sein.
Thomas S.
Gerrit sagte :
Aber diese Freiheit will auch gepflegt werden. Homeserver, vermutlich mehrere Geräte, sowie deine relativ aufwändige Konfiguration. Die Lebens- und Arbeitszeit pro Jahr ist da nicht zu verachten.


Ja klar, kaum etwas Gutes im Leben ist umsonst ;-). Der eine zahlt mit Geld, der andere mit Zeit. Der eine hat Spaß einen Blog zu schreiben, der nächste erfreut sich an der Freiheit von FOSS. Mir geht es bzgl. Linux genauso. Ich bleibe nicht aus Ideologie bei Linux, sondern weil es mir Spaß macht und ich sehr vieles damit sehr gut erledigen kann.

Gerrit
Ubuntu (und das ist immer noch mein Referenzsystem, bin ja auch bei ubuntuusers) ist aber mal angetreten das zu ändern. Deshalb finde ich es auch falsch wenn man verschiedentlich etwas lesen muss wie "Linux will so nicht sein". Damit war man teilweise erfolgreich (wir wissen nicht wo der Linux Desktop ohne Ubuntu wäre) aber ist irgendwo stecken geblieben.
Naja du schreibst ja selbst das du dir deinen Mac auch erst durch Spielerei zerschossen hast, scheint da also genauso zu sein. Ich habe auch aufgehört vom Flow von Gnome bzw. Ubuntu zu sehr abzuweichen und alles mögliche anzupassen oder mir haufenweise PPA's einzubinden, dafür gibt es ja mittlerweile Flatpack / Snap. So wie du vom Mac sprichst, gefallen mir das Konzept und die Standard-Apps von Gnome sehr. Und ja, dadurch habe ich mittlerweile um die 5 Upgrades problemlos überstanden und es wären noch mehr wenn ich mir nicht eine neue Festplatte geholt hätte. Ich habe übrigens auch Mac OS im Einsatz und muss sagen das ich sogar einige Probleme bei Upgrades hatte, ich könnte zum Beispiel bis heute nicht upgraden weil ich auch bei meinem MacBook eine schnellere Festplatte von Samsung eingebaut habe und da kommt beim Upgrade dann ein Fehler und spielt das Upgrade wieder zurück, ist übrigens ein bekanntes Problem und liegt tatsächlich an der Festplatte, habe es jetzt schon eine Weile nicht mehr ausprobiert, vllt hat sich das Problem ja inzwischen behoben

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