KI ist nicht intelligent und die Cloud kein guter Backup-Ort

Ein kleiner Lektürehinweis am Abend im SPIEGEL über einen Vater und sein Problem mit Google. Wie unter einem Brennglas zeigt die Story die Probleme aktueller technologischer Entwicklungen und warum wir davon wie Finger lassen sollten.

Die Geschichte ist eigentlich simpel. Ein Vater macht für den Arzt ein Foto vom Geschlechtsteil seines Sohnes. Vor 10 oder 15 Jahren mag das noch abstrakt gewesen sein, aber in Pandemie-Zeiten mit Videosprechstunden, Mail-Kontakt zum Arzt und telefonischen Krankschreibungen auch in Deutschland ist das gar nicht mehr so abstrakt. Ebenfalls ziemlich normal. Die Bilder wurden automatisch in die Cloud kopiert. Der Bilder-Scan der Google Cloud sprang darauf an, sperrte das Konto des Vaters und Google erstattete Meldung bei der Polizei. Diese stellte nach einer Prüfung das Verfahren ein. Seinen Google-Account erhielt der Vater aber nicht zurück.

Daraus lässt sich wieder mal einiges lernen. Erstens ist der Begriff KI – also Künstliche Intelligenz – absoluter Quatsch. Die Programme sind nicht intelligent, sondern immer noch unfassbar dumm. Der Begriff drückte schon immer mehr die Hoffnung auf eine zukünftige Entwicklung aus, anstelle eine akkurate Zustandsbeschreibung über den Entwicklungsstand zu bieten. Sie erkennen nur rudimentäre Muster und können nicht kontextualisieren oder weitere Informationen hinzuziehen.

Zweitens ist eine Cloud kein guter Speicherort. Selbst unverfängliche Informationen können im falschen Kontext oder unter einem falschen Blickwinkel problematisch werden. Es gibt schlicht kaum nicht-sensible Daten. Private Daten sind eben nicht mehr privat, wenn sie in einer Cloud gespeichert sind, weil dort bei allen Anbietern automatisierte Prüfungen laufen. Schlagen diese Prüfungen an, schauen oft noch Menschen auf die Daten. Ohne Ende-zu-Ende Verschlüsselung ist das jederzeit möglich.

Drittens ist eine Cloud kein guter Backup-Ort. Zwar bieten Google & Co eine höhere Ausfallsicherheit, als es externe Festplatten oder Heimserver bieten können, aber der Zugriff ist an das Konto gebunden und auf dieses Konto kann man den Zugriff verlieren. Die vermeintlich so sicher gespeicherten Daten sind dann verloren.

Viertens ist eine Cloud deshalb schon gar nicht als einziger Speicherort geeignet. Maximal sollte dort ein Spiegel der lokal gespeicherten Inhalte zu finden sein. Geht der Account verloren, kann weiterhin auf die lokal gespeicherten Daten zugegriffen werden. Liegt die Datei alleine in der Cloud, ist man völlig dem Cloudanbieter ausliefert.

Neben diesen eher praktischen Gesichtspunkten zeigt diese Geschichte auch, warum die aktuellen Überlegungen für die Einführung einer Chatkontrolle so gefährlich sind. Sie greift nicht nur tief in die Privatsphäre der Bürger ein, sondern sie funktioniert auch schlicht und einfach nicht. Aber hier ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen. Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass die EU eine Chatkontrolle verabschiedet. Deutlich relevanter sind da die aktuellen Firmenvorhaben. Apple hatte ja seinen CSAM-Scanner nach Protesten erst einmal zurückgestellt, aber nun mit etwas weniger öffentlichem Tamtam doch auch in Deutschland aktiviert.

1 Kommentar

  1. „Drittens ist eine Cloud kein guter Backup-Ort“

    Das ist richtig so, muss aber wohl wie alles abgewogen werden. Ich habe z.B. Leute in meinem Umfeld, die man auch mit Gewalt nicht dazu bringen würde, regelmässig lokale Backups zu machen. Das einzige, was da funktioniert, ist die fast vollständige Hürdenfreiheit von Cloudbackups.

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